Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)
- Автор: Престон Дуглас, Чайлд Линкольн
- Серия: Ein Fall für Special Agent Pendergast #17
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:
Noch ein Erfordernis: Bringen Sie Ihre Les Baer 1911, Kaliber 45, sowie ein zusätzliches Achtschussmagazin mit, beides komplett geladen, und sorgen Sie dafür, dass sich eine zusätzliche Kugel in der Kammer befindet, was eine Gesamtzahl von siebzehn Schuss ergibt. Das ist von grundlegender Bedeutung.
Hochachtungsvoll
»Der Enthaupter«
Pendergast las den Brief zweimal durch, nahm den USB-Stick zur Hand und steckte ihn in den Port seines Laptops. Es befand sich lediglich eine Datei auf dem Stick. Er klickte darauf.
Ein Video erschien: D’Agosta und Longstreet, gefesselt und geknebelt, jeder hatte eine Hand frei. Sie starrten in die Kamera, Schweißperlen auf der Stirn, und hielten mit ihren freien Händen zwischen sich eine Ausgabe der New York Times vom heutigen Tag. Das Video hatte keinen Ton. Der Hintergrund sah aus wie eine heruntergekommene, lagerhausartige Fläche. Beide Männer waren geschlagen worden, wiesen blaue Flecken und Platzwunden auf – D’Agosta übler zugerichtet als Longstreet. Das Video dauerte nur zehn Sekunden und begann in einer Endlosschleife immer wieder von vorn.
Pendergast sah es sich noch einige weitere Male an und las noch einmal den Brief, ehe er beides zurück in den Umschlag und dann in die Jacketttasche seines Anzugs steckte. Drei Minuten lang blieb er völlig regungslos in der Bibliothek sitzen, das Gesicht vom flackernden Kaminfeuer erhellt, dann stand er auf.
Der Enthaupter hatte recht: Ihm blieb nichts übrig, als die Forderungen zu erfüllen.
Pendergast kannte King’s Park nur vage, es handelte sich um den riesigen, verfallenen Gebäudekomplex eines psychiatrischen Krankenhauses auf Long Island. Eine kurze Recherche im Internet lieferte die Details: Die Klinik war vor Jahrzehnten geschlossen worden, die zahlreichen baufälligen Gebäude verteilten sich über eine weitläufige, hinter Maschendrahtzäunen abgesperrte Parkanlage. Sie war berüchtigt gewesen wegen der Elektroschockbehandlungen, die vor dem Aufkommen wirkungsvoller Psychopharmaka bei schweren Fällen sehr freizügig durchgeführt wurden. Das Krankenhausgelände lag im County Sussex zwischen Oyster Bay und Stony Brook.
Pendergast druckte eine Übersichtskarte mit den Gebäuden der psychiatrischen Klinik aus, steckte sie gefaltet in die eine Tasche seines Jacketts, holte aus einer Schublade ein Extramagazin Patronen vom Kaliber 45 und steckte es in die andere Tasche, dann nahm er die Les Baer zur Hand, um sich zu vergewissern, dass sie vollständig geladen war. Er schob eine Kugel in die Kammer, nahm das Magazin heraus, um eine neue Kugel hineinzuschieben, und steckte die Pistole ein.
Als er gerade in der Eingangshalle seinen Vicunjawollmantel überstreifte, näherte sich Proctor, leise wie eine Katze. »Kann ich Ihnen helfen, Sir?«
Pendergast blickte ihn an. Mrs. Trask musste ihm von dem Brief erzählt haben. In Proctors Miene spiegelte sich ein ungewöhnlicher und zugleich beunruhigender Eifer. Der Mann wusste oder verbarg natürlich sehr viel mehr, als er nach außen dringen ließ.
»Nein, danke, Proctor.«
»Sie brauchen keinen Fahrer?«
»Nein, ich habe Lust, mich selbst ans Steuer zu setzen.« Er hielt die Hand ausgestreckt für die Schlüssel.
Einen Moment lang stand Proctor reglos da, das Gesicht eine undurchdringliche Maske. Pendergast war sich durchaus bewusst, dass Proctor wusste, dass er ihn angelogen hatte, doch ihm blieb keine Zeit, sich auf eine zufriedenstellendere Weise herauszureden.
Proctor griff in seine Hosentasche und händigte ihm wortlos die Schlüssel für den Rolls-Royce aus.
»Vielen Dank.« Pendergast nickte, schlüpfte an ihm vorbei und ging zur Garage, während er seinen Mantel zuknöpfte.
Nur 48 Minuten später bog er von der Route 25A auf die Old Dock Road ab, die mitten durch das weitläufige Gelände des King’s Park Psychiatric Center führte. Es war jetzt fast neun, dunkel und bitterkalt. Er lenkte den großen Wagen über die verlassene Straße, an beiden Seiten zogen die dunklen Umrisse von Gebäuden, verriegelt und verlassen, vorbei.
Er fuhr langsamer, machte eine Kehre, steuerte den Silver Wraith über den Bordstein, schaltete das Scheinwerferlicht aus, fuhr dann eine kurze Strecke über den gefrorenen Boden und stellte den Wagen hinter einer Baumgruppe ab, wo er von der Straße her nicht zu sehen war. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhob sich eine Gruppe von Gebäuden, die seine Karte als GRUPPE 4 oder KOLLEGHOF markierte, in der einst die geriatrischen Patienten untergebracht waren. Zur Rechten, zweihundert Meter hinter dem Maschendrahtzaun, der das Gelände umschloss, ragte ein sehr großes, neun Stockwerke hohes Gebäude auf, das auf der Karte als GEBÄUDE 93 eingezeichnet war und dessen Giebel und Türme sich deutlich vor dem Nachthimmel abhoben. Die gewaltige Fassade war in ein gespenstisches Mondlicht getaucht und durchsetzt von leeren, tiefschwarzen Fenstern, die auf das eisige Parkgelände hinausgingen, als wären es die Augen eines vieläugigen Monsters. Während Pendergast das Gebäude betrachtete, vernahm er ein Geflüster, spürte er einen Schauder der Erinnerungen an die Patienten, die hier drin eingesperrt worden waren, plappernd, weinend, jenseits der Verzweiflung, unterworfen experimentellen Arzneimitteltests, Lobotomien, Elektroschockbehandlungen und vielleicht Schlimmerem. Über den Mauerzinnen erhob sich ein großer Mond, verschleiert von den schnell am Himmel dahinziehenden Wolken.
Versteckt im riesigen Schatten von Gebäude 93 lag, wie Pendergast aus der Karte wusste, das viel kleinere einstöckige Gebäude, bekannt als Gebäude 44. Hier würde er den Enthaupter finden.
Er stieg aus und schloss leise die Tür, wobei er sich vergewisserte, dass niemand auf der Straße war. Dann näherte er sich dem Zaun. In seiner behandschuhten Hand tauchte eine Drahtzange auf; nach zwei Minuten hatte er in den billigen Maschendrahtzaun eine Öffnung geschnitten, groß genug, um sich dort hindurchzuzwängen, ohne dass sich sein heiß geliebter Mantel daran verfing und einriss. Er schlüpfte durch die Öffnung, ging leise über den hart gefrorenen Boden, während sein Atem weiß im Mondlicht hauchte. Er kam an Gebäude 29 vorbei – einem Kraftwerk, erbaut in den frühen 1960er-Jahren, jetzt rostend und verlassen wie alles andere. Dahinter stieß er auf eine aufgelassene Bahntrasse und folgte ihr bis zu der Stelle, wo sie an der Laderampe von Gebäude 44 endete.
Pendergasts Recherche hatte gezeigt, dass es sich bei Gebäude 44 um ein Lagerhaus zur Aufbewahrung von Lebensmitteln für das psychiatrische Zentrum gehandelt hatte. Das kleine Gebäude war verschlossen, die Fenster waren mit Spanplatten und Blech verrammelt, die Türen verschlossen und verriegelt. Durch die Ritzen drang auch nicht der geringste Lichtschein.
Noch einmal sah er sich kurz um, dann sprang er leichtfüßig auf die Laderampe des Gebäudes am Ende der Bahntrasse. Er packte einen Griff und zog, wobei er das unvermeidliche Quietschen des rostigen Metalls auf ein Mindestmaß verringerte, langsam das Tor auf, bis es gerade hoch genug war, dass er darunter hindurchschlüpfen konnte. Er wartete, horchte. Aber von drinnen war nichts zu hören.
Er stand in einem großen Ladebereich, der bis auf einen Stapel mit Spinnweben überzogener Packkisten aus Holz in einer Ecke leer war. Geradeaus, hinter dem breiten Boden aus rissigem Beton, in der gegenüberliegenden Wand, stand eine Tür offen. Dahinter war ein ganz schwacher Lichtschein auszumachen. Das Ganze schien eine Falle zu sein – was Pendergast von Anfang an geahnt hatte.
Eine Falle, die ihm gestellt worden war. Aber manchmal funktionierten Fallen auch andersherum.
Er blieb stehen und sah auf die Uhr. Es war zwei nach neun – noch drei Minuten, bis die Deadline ablief.
Leise überquerte er die weite Fläche des Ladebereichs und näherte sich der Tür. Er legte die Fingerspitzen darauf und drückte sie langsam weiter auf. Dahinter lag ein schmaler Gang, von dem auf beiden Seiten Türen abgingen. Aus einer der fast geschlossenen Türen zur Rechten drang der Lichtschein, der den Gang schwach erhellte. Es war totenstill.