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Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)

Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die kaum einen Schritt weiterkommen und nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.
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Während Ozmian redete, sah Alves-Vettoretto, dass Harriman strahlte. Er spreizte sich, wie er da so auf seinem Stuhl saß, wie ein Pfau. »Und was ist mit meiner Berichterstattung über den Mord?«

»Ich möchte Sie ganz offen, von Mann zu Mann, bitten, den Namen meiner Tochter nicht noch weiter zu besudeln, so wie Sie es bereits getan haben. Es gibt jede Menge Morde nach dem an meiner Tochter, über die Sie schreiben können.«

Harriman nahm das ernst zur Kenntnis. Schließlich sagte er in überaus würdigem Ton: »Ich will mich bemühen. Aber ich muss Ihnen sagen, sollten Geschichten über Ihre Tochter ans Licht kommen, die eine Nachricht wert sind, muss ich darüber schreiben. Das verstehen Sie sicherlich.«

Ozmian wollte offenbar etwas dagegen einwenden, schwieg dann aber doch. Er rutschte auf seinem Stuhl etwas nach vorn und nickte dabei ganz leicht.

Harriman erhob sich aus seinem Stuhl. »Wir haben also einen Deal. Und ich hoffe, dass Sie etwas aus alldem gelernt haben, Mr. Ozmian – dass es nämlich bei all Ihrem Geld und Ihrem Einfluss gar keine gute Idee ist, sich mit der Presse anzulegen. Vor allem in Gestalt eines Reporters, der derart engagiert und erfahren ist wie ich. Die Wahrheit kommt immer ans Licht, Mr. Ozmian.«

Nachdem Harriman Ozmian diese Mini-Lektion über Moral erteilt hatte, machte er auf der Stelle kehrt und begab sich – ohne den beiden anderen Anwesenden die Hand anzubieten – zur Tür, wobei er ganz bewusst den Eindruck verletzter Ehre vermittelte.

Ozmian wartete, bis sich die Tür hinter Harriman geschlossen hatte. Dann drehte er sich um und sah Alves-Vettoretto fragend an, die daraufhin nickte. Und dabei fiel ihr auf, dass Ozmian seine innere Ruhe und Gelassenheit – die im Anschluss an das Treffen mit Agent Pendergast Schaden genommen hatte – offenbar voll und ganz wiedergefunden hatte.

Im Aufzug, der in Richtung Lobby hinabsauste, konnte sich Harriman kaum bremsen – er hätte vor Triumphgefühl beinahe einen Freudensprung vollführt. Es hatte geklappt, genau wie er es sich in jener dunklen Nacht der Seele in seiner Wohnung nur Tage zuvor ausgerechnet hatte. Dafür hatte er nur seine Fähigkeiten als Reporter einsetzen müssen. Und ehrlich gesagt war er eben in seinem Gespräch mit Ozmian etwas zu bescheiden aufgetreten – denn nur sehr wenige Menschen hätten die gemeinen kleinen Geheimnisse des Mannes derart schnell und gründlich aufdecken können.

Er hatte gewonnen. Er war Ozmian dem Großen und Schrecklichen auf dem Schlachtfeld entgegengetreten, und zwar mit den Waffen, die der Unternehmer selbst gewählt hatte – Erpressung –, und er war als Sieger daraus hervorgegangen! Die Art, wie der Kerl total eingeknickt war, selbst bei dem heiklen Punkt, der seine Tochter betraf, sprach Bände.

Zischend öffneten sich die Fahrstuhltüren, Harriman schritt durch die Eingangshalle, durch die Drehtür und auf die West Street. Sein Mobiltelefon – das in den letzten Minuten der Konferenz mit Ozmian ein paarmal vibriert hatte – vibrierte erneut. Er zog das Gerät aus der Tasche.

»Harriman.«

»Bryce? Hier spricht Rosalie Everett.«

Rosalie war eine der besten Freundinnen von Shannon Croix gewesen und stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsbeirats. Ihre Stimme klang unerklärlich atemlos.

»Ja, Rosie. Was ist denn?«

»Bryce, ich weiß nicht genau, wie ich das sagen, noch weniger, was ich davon halten soll … aber ich habe soeben in einer Reihe von E-Mail-Anhängen eine große Anzahl von Dokumenten erhalten – Finanzdokumenten. Demnach sieht es so aus, als wären sie zufällig versendet worden, vor weniger als fünf Minuten. Ich bin kein Wirtschaftsprüfer, aber es scheint so, als wären sämtliche Vermögenswerte der Stiftung – fast eineinhalb Millionen Dollar – von unserem Geschäftskonto abgehoben und in eine private Holding auf den Cayman-Inseln eingezahlt worden, und zwar auf deinen Namen.«

»Ich … ich …«, stammelte Harriman. Er war derart erschrocken, dass es ihm die Sprache verschlug.

»Bryce, es handelt sich dabei doch bestimmt um irgendeine Art Versehen. Stimmt’s? Ich meine, du hast Shannon doch geliebt … Aber das steht hier, schwarz auf weiß. Auch alle anderen Mitglieder des Stiftungsbeirats haben Kopien bekommen. Diese Dokumente – o Gott, hier kommen noch mehr davon –, legen nahe, dass du das Bankkonto der Stiftung unmittelbar vor den Ferien leer geräumt hast. Das ist doch sicher eine Fälschung, oder? Oder vielleicht ein schlechter Neujahrsscherz? Bitte, Bryce, sag doch etwas. Ich habe Angst …«

Es klickte. Harriman merkte, dass er unabsichtlich seine Finger gekrümmt und auf diese Weise das Gespräch beendet hatte.

Kurz darauf klingelte es wieder. Nachdem er auf die Mailbox umgeschaltet hatte, klingelte es erneut. Und abermals.

Und dann hörte Harriman ein leises Zirpen: die Meldung, dass eine SMS eingegangen war. Mit langsamen, seltsamen Bewegungen, so wie in einem schlechten Traum, blickte er auf das Display seines Smartphones.

Der Text stammte von Anton Ozmian.

Beinahe wider Willen öffnete Harriman das Nachrichtenfenster, und sofort erschien Ozmians Text.

Sie Idiot. Stolze Säule der vierten Gewalt, in der Tat. Vor lauter selbstgefälliger Genugtuung, diese Geschichte aufgedeckt zu haben, haben Sie vergessen, sich die relevanteste Frage von allen zu stellen: Warum hat Anton Ozmian jenen Priester zusammengeschlagen? Hier ist die Antwort, auf die Sie selber hätten kommen müssen. Als ich in der ›Our Lady‹ als Ministrant diente, hat sich Pater Anselm an mir vergangen. Ich bin mehrfach vergewaltigt worden. Jahre später bin ich zu jener Kirche zurückgekehrt, um dafür zu sorgen, dass er seine Schutzbefohlenen nie wieder missbraucht. Hier noch eine gute Frage: Warum ist Anton Ozmian wohl nur wegen eines minderen Vergehens angeklagt worden, wobei die Anklage schnell wieder fallen gelassen wurde? Sicher, es gab da eine Entschädigungszahlung, aber die Kirchenleitung weigerte sich, mit jedweder strafrechtlichen Ermittlung zu kooperieren, weil man dort wusste, welch schädigende Informationen in diesem Fall ans Licht kommen würden. Also fragen Sie sich selbst: Wenn Sie diese Geschichte veröffentlichen, wem wird dann wohl das Mitgefühl der Öffentlichkeit gelten? Dem Priester? Oder mir? Und was noch grundlegender ist: Was wird der Aufsichtsrat von DigiFlood wohl tun? Was wird die Gesellschaft von Ihnen halten, nachdem Sie den Missbrauch in meiner Kindheit und dessen vorhersehbare emotionale Folgen preisgegeben haben, die ich überwunden habe, um später dann eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt zu gründen? Also, machen Sie nur und veröffentlichen Sie Ihre Geschichte. A.O.

PS: Viel Spaß im Gefängnis.

Noch während Harriman zunehmend entsetzt den Text las, verschwammen die Zeilen vor seinen Augen und wurden schwächer. Eine Sekunde später waren sie verschwunden, ersetzt durch ein schwarzes Display. Hektisch versuchte er, einen Screenshot zu machen, doch es war zu spät – Ozmians SMS war ebenso schnell verschwunden, wie sie eingegangen war.

Ungläubig und panisch aufstöhnend, blickte Harriman von seinem Handy auf. Das war ein Albtraum, musste es sein. Und tatsächlich – genau so, wie es in einem Albtraum geschieht – sah er, ungefähr einen halben Block weiter unten an der West Street, zwei NYPD-Polizeibeamte, die in seine Richtung blickten. Einer zeigte auf ihn. Und dann – während er wie angewurzelt dastand, unfähig sich zu bewegen – kamen sie in seine Richtung gerannt und lösten dabei die Verschlüsse an ihren Holstern.

46

Mit Pendergast als stummem Begleiter stand Longstreet vor der Tür zur Garage von Robert Hightowers Reihenhaus an der Gerritsen Avenue in Marine Park, Brooklyn. Die Tür stand offen, sodass der eisige Wind hineinblies. Auf der kurzen Garagenauffahrt lag eine dünne Schicht Schnee, der in der vorigen Nacht gefallen war. Doch Hightower schien das nicht zu stören. Der Raum war voll mit ramponierten Werkbänken, Personalcomputern verschiedenen Alters, Leiterplatten, aus denen unzählige Drähte ragten, alten Fernsehgeräten ohne ihre Glasröhren, abgenutzten, an Stecktafeln hängenden Werkzeugen, Bandsägen und Crimpzangen und Tisch-Schraubstöcken, etlichen Lötkolben, einem halben Dutzend Aufbewahrungskästen für Kleinteile, die meisten Schubfächer offen, voll mit Schrauben und Nägeln und Kaltleiter-Bauteilen. Hightower werkelte an einer Arbeitsbank. Er war Ende fünfzig, stämmig und hatte kurzes, aber dichtes eisengraues Haar.

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