Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)
- Автор: Престон Дуглас, Чайлд Линкольн
- Серия: Ein Fall für Special Agent Pendergast #17
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und sobald Sie sich beruhigt hatten … sind Sie, nehme ich an, ins Grübeln gekommen. Wegen ihres Kopfes.«
»Ich sehe, dass Sie das letzte Stück in dem Puzzle gefunden haben. Dort war Grace’ Leiche, die in einer Werkstatt in Queens lag. Und hier war ich, in meiner frisch gesäuberten Wohnung, Cognac nippend und in Gedanken verloren. Ich war offen gestanden entsetzt über das, was ich getan hatte. Ich war von meiner Wut verzehrt worden, aber nachdem sie sich gelegt hatte, setzte eine Depression ein. Es war ja nicht nur Grace, es war mein ganzes Leben. Da hatte ich alles erreicht, was ich je wollte. Ich hatte ein Vermögen verdient, meine Gegner gedemütigt. Und dennoch war ich unerfüllt. Ruhelos. Meine Gedanken richteten sich auf die Großwildjagd. Schauen Sie, ich hatte sie aufgegeben, nachdem ich die größten, gefährlichsten Wildtiere erlegt hatte, die es gibt – darunter übrigens ein schwarzes Nashorn, einen Elefantenbullen und etliche Exemplare weiterer stark bedrohter Arten, auch wenn ich das natürlich als streng gehütetes Geheimnis für mich behielt. Doch in diesem Zustand der Nervosität kam mir der Gedanke, dass mich die Großwildjagd vorzeitig gelangweilt hatte. Schauen Sie, ich hatte noch nie das größte Wild von allen gejagt. Den Menschen. Allerdings nicht einfach nur den durchschnittlichen, gewöhnlichen Kretin. Nein, mein ›Großwild‹ würden mächtige, wohlhabende Männer mit Feinden sein: Männer, die sich mit mehrstufigen Sicherheitsvorkehrungen umgeben hatten, kluge Männer, hellwache Männer, Männer, die fast unmöglich zu erlegen waren. Oh, falls man mich als sexistisch beschimpfen sollte, auch Frauen. Ich frage Sie als einen anderen Großwildjäger: Gibt es ein besseres Jagdwild als den Homo sapiens?«
»Und deshalb haben Sie beschlossen, dass Ihre Tochter Ihre erste Trophäe sein sollte. Eine Ehre für sie, genau genommen. Und deshalb sind Sie zurückgegangen und haben ihr den Kopf abgeschnitten.«
Ozmian nickte erneut. »Sie verstehen mich erstaunlich gut.«
»Ihre Wahl der Ziele hatte nichts damit zu tun, dass sie korrupt waren. Deshalb schien Adeyemi nicht ins Profil zu passen. Die Anziehungskraft bestand darin, dass sie, so wie die anderen, von vermeintlich undurchdringlichen Sicherheitsvorkehrungen geschützt war. Darum fanden Sie es extrem herausfordernd, sie ›zur Strecke zu bringen‹.«
»Und wollen Sie wissen, worin die wahre Ironie liegt? Ich wollte, dass sie meine letzte Trophäe wird. Aber dann haben Sie und Longstreet hier sich in mein Büro gedrängt. Und Sie haben geglaubt, Ihre Spielchen mit mir treiben zu können. Haha! Ich hatte ja so viel Spaß, Ihnen von Hightower zu erzählen. Ich wünschte, ich hätte Hightowers Gesicht sehen können, als Sie ihm einen Besuch abstatteten. Ich hoffe, Sie haben ihn gehörig ins Schwitzen gebracht! Während der ganzen Zeit, in der Sie mich mit Fragen bombardiert haben, habe ich nur an eines gedacht: wie schön Ihr blasses, fein geschnittenes Gesicht wohl aussehen wird, wenn es an meiner Trophäenwand hängt.«
Ozmians Lachen hallte in dem schäbigen Raum wider.
D’Agosta stöhnte auf vor Wut, ein Geräusch ähnlich dem eines waidwunden Büffels. Ozmian nahm keinerlei Notiz davon.
»Nach jenem Besuch war ich fasziniert von Ihnen. Und was ich dabei herausgefunden habe, hat meine Überzeugung gefestigt, dass Sie, und nicht Adeyemi, meine ultimative Trophäe sein sollten. Außerdem wurde mir klar, wie ich Sie am besten ködern könnte.« Mit einem Nicken deutete er in Richtung Longstreets Leiche. »Als Sie bei mir im Büro waren, habe ich gespürt, dass Sie beide eine gemeinsame Geschichte verbindet. Es war auch nicht schwierig, gewisse Dinge über Ihren guten Freund D’Agosta in Erfahrung zu bringen.«
Ozmian streckte den Arm aus, ergriff eine Locke von Longstreets Haar und versetzte dem abgeschlagenen Kopf eine lässige Drehung. »Jetzt, wo ich die beiden in meiner Gewalt hatte, wusste ich, dass Ihnen nichts übrig blieb, als hierher herauszufahren und bei meinem Spiel mitzuspielen.«
Pendergast schwieg.
Ozmian rutschte nach vorn auf seinem Stuhl. »Und Sie wissen doch, welches Spiel wir gleich spielen werden, oder?«
»Das ist nur allzu klar.«
»Gut!« Ozmian hielt inne. »Wir werden auf Augenhöhe agieren.« Er hob seine Waffe. »Wir werden gleichwertige Waffen besitzen, ich die ehrwürdige 1911er, hinzu kommt für jeden ein zusätzliches Magazin. Sie glauben vielleicht, dass Sie durch Ihre Les Baer einen kleinen Vorteil haben, aber meine ist genauso schön. Außerdem werden wir jeder ein Messer, eine Armbanduhr, eine Taschenlampe und unseren Verstand haben. Unser Jagdgebiet wird das Nachbarhaus sein, Gebäude 93. Haben Sie es auf Ihrem Weg auf das Gelände gesehen, das aufgelassene Krankenhaus?«
»Das habe ich.«
»Ich werde mir keinen Vorteil einräumen. Es wird eine anspruchsvolle Pirsch werden, bei der wir gleichzeitig Jäger und Gejagter sind. Kein Fuchs, kein Hund, nur zwei erfahrene Jäger, die sich an ihre ultimative Beute heranpirschen. Der Sieger wird derjenige sein, der den Verlierer zur Strecke bringt!« Er wedelte mit dem Zünder in Richtung D’Agosta. »Der Lieutenant stellt dabei eine Art Versicherung dar, damit ich sicher sein kann, dass Sie sich an die Regeln unserer Jagd halten. Die Sprengstoffweste ist mit einem Zwei-Stunden-Zeitgeber versehen. Wenn Sie mich töten, können Sie den Timer einfach aus der Tasche ziehen und ihn ausschalten. Aber wenn Sie schummeln, indem Sie abhauen oder die Behörden zu benachrichtigen versuchen, muss ich nur eines tun: den Fernzünder betätigen – und Bumm! D’Agosta fliegt in die Luft. Zudem stellt der Zünder sicher, dass die Jagd binnen zwei Stunden beendet ist, kein Trödeln, kein Verstecken, kein Überziehen der Zeit. In ein paar Minuten gebe ich Ihnen Ihre Waffe und das Zusatzmagazin zurück, nehme Ihnen die Handschellen ab, gebe Ihnen Tarnkleidung … und einen Vorsprung. Gehen Sie zu Gebäude 93. Nach zehn Minuten komme ich nach, und die Pirsch beginnt.«
»Warum?«, fragte Pendergast.
»Warum?« Ozmian lachte. »Habe ich das nicht bereits erklärt? Ich habe alles getan, ich stehe auf dem Gipfel, und von dort gibt es nur einen Blick – nach unten. Das hier wird mir den köstlichsten Kitzel meines Lebens bescheren, den ultimativen, den finalen Kitzel. Selbst wenn ich sterben sollte, ich gehe mit einem Knall – kein Wortspiel beabsichtigt – und im Wissen, dass es den Allerbesten erfordert, mich zu töten. Und wenn ich überlebe, dann habe ich eine Erinnerung, die ich in Ehren halten kann … ganz gleich, was die Zukunft bringt.«
»Das war nicht meine Frage. Was ich meinte, war, warum Gebäude 93?«
Einen Augenblick lang wirkte Ozmian verunsichert. »Sie machen Witze, ja? Das Gebäude eignet sich ideal für eine Jagd wie die unsere. Es verfügt über 37000 Quadratmeter, ist eine riesige, weitläufige Ruine, mit in zahlreiche Flügel unterteilten Geschossen, Kilometern von Fluren und über zweitausend Zimmern! Stellen Sie sich die Möglichkeiten vor, die Fallen, Hinterhalte und Sackgassen! Außerdem sind wir weit, weit weg von irgendwelchen Wichtigtuern, die möglicherweise Schüsse hören und die Polizei rufen.«
Pendergast sah Ozmian mit zusammengekniffenen Augen an und schwieg.
»Ich sehe, Sie sind nicht zufrieden. Nun gut. Es gibt tatsächlich einen zweiten Grund.« Wieder versetzte er Longstreets Kopf einen lässigen Dreher auf der Tischplatte. »Es gab einen Tag in meinem zwölften Lebensjahr, als mich unser geliebter Gemeindepriester, Pater Anselm, in der Sakristei einschloss und mehrmals vergewaltigte. Währenddessen hat er gesagt, dass Gott und Jesus uns dabei zusehen würden und nichts dagegen hätten, wobei er mir mit der Hölle und Schlimmerem drohte, wenn ich jemals irgendwem davon erzählen würde. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch. Ich hörte auf zu sprechen, hörte auf zu denken, hörte mit allem auf. Meine Eltern, die keine Ahnung hatten, was passiert war, haben angenommen, ich sei verrückt geworden. Es wurde eine Diagnose gestellt: katatonische Schizophrenie. King’s Park genoss damals einen herausragenden Ruf, das einzige Krankenhaus im Land, wie sie glaubten, das mich heilen könne. Ja, Agent Pendergast, ich war Patient im Hauptkomplex von King’s Park. Einer der letzten, wie sich herausstellte. Und hier genas ich schließlich. Allerdings nicht aufgrund von etwas, das die Ärzte unternommen hätten, sondern durch meine eigenen inneren Ressourcen.«