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Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)

Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die kaum einen Schritt weiterkommen und nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.
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Jetzt erfüllte ihn eine Art transzendentes inneres Leuchten, das Gefühl göttlicher Nähe, ähnlich der Liebkosung durch einen Engel. So musste sich auch Savonarola gefühlt haben, damals, vor vielen Jahrhunderten in Florenz. Marsden nahm einen der Kanister mit Spiritus, trat vor, schraubte den Deckel ab und schüttete den Inhalt in immer größeren Kreisen über den immer größeren Müllhaufen der Eitelkeiten. Rings um ihn herum wurden Dinge geworfen und fielen ihm auf Kopf und Schultern, doch er nahm keine Notiz davon.

»Und nun«, sagte er, warf den leeren Kanister beiseite und zückte eine Schachtel Streichhölzer, »lasset uns unser neues Leben in Reinheit mit Feuer beginnen!«

Er zog ein Streichholz aus der Schachtel, riss es an und warf es auf den Scheiterhaufen. Und in diesem riesigen, gelb-orangefarbenen Krawumm der Flammen und der Hitze erblickte er – kurz erhellt wie von Tageslicht – die dunklen Umrisse Tausender weiterer Pilger, die von allen Seiten auf den Great Lawn strömten, um sich diesem neuzeitlichen Fegefeuer der Eitelkeiten anzuschließen, noch während die Luxusgüter weiter in die Flammen herabregneten.

51

Es dämmerte über der Stadt, als Mrs. Trask, den gehäkelten Beutel voll mit den Lebensmitteln für das Abendessen, auf dem Riverside Drive in Richtung Norden eilte. Normalerweise wartete sie nicht bis zu so einer späten Stunde, um die Einkäufe zu erledigen, doch sie hatte alle Hände voll zu tun gehabt; sie hatte das drittbeste Porzellangeschirr abgewaschen und umgeräumt und deshalb nicht bemerkt, wie spät es schon war. Proctor hatte ihr angeboten, sie zu fahren, aber seit einiger Zeit zog sie es vor, das Haus allein zu verlassen und ein wenig spazieren zu gehen. Der kurze frühabendliche Gesundheitsspaziergag tat ihr gut. Außerdem hatte sie, bei all der Gentrifizierung, die in letzter Zeit im Viertel stattgefunden hatte, Freude daran gefunden, im örtlichen Bioladen ganz allein einzukaufen. Doch als sie auf der kreisrunden Zufahrt der Villa am Riverside Drive eintraf und zum Dienstboteneingang auf der Rückseite des Hauses ging, stellte sie erschrocken fest, dass sich im Schatten nahe der Haustür eine dunkle Gestalt herumtrieb.

Ihr erstes, instinktives Gefühl war Angst, weswegen sie schon nach Proctor rufen wollte – bis sie sah, dass es sich bei der Gestalt bloß um einen Jungen handelte. Er wirkte hilflos und schmutzig, so wie sie sich einen Straßenjungen in Londons East End vorstellte. Und als sie sich näherte, trat er aus dem Schatten.

»Entschuldigen Sie, Ma’am, aber ist das hier das Haus von Mister, ähm, Pendergast?« Er sprach sogar mit dem Five-Points-Akzent und dem Tonfall eines Straßenjungen.

Sie blieb in einiger Entfernung vor ihm stehen. »Warum möchtest du das denn wissen, junger Mann?«

»Weil man mich dafür bezahlt hat, dass ich ihm das hier gebe.« Dabei zog er einen Briefumschlag aus der Gesäßtasche. »Außerdem scheint niemand da zu sein, der die Tür öffnet.«

Mrs. Trask dachte einen Augenblick lang nach. Dann streckte sie die Hand aus. »Na gut, ich werde dafür sorgen, dass er ihn bekommt. Und nun verschwinde.«

Der Junge überreichte ihr den Brief. Dann strich er sich eine Locke aus dem Gesicht, drehte sich um und eilte davon, die Auffahrt hinunter.

Mrs. Trask schaute zu, wie er im Getriebe der Stadt verschwand. Dann begab sie sich kopfschüttelnd zum hinteren Eingang in die Küche. Wirklich, man wusste nie, was einen erwartete, wenn man für Mr. Pendergast arbeitete.

Sie fand ihn in der Bibliothek sitzend vor. Eine Tasse Grüntee unangerührt auf dem Tisch neben sich, sah er in das fast erloschene Kaminfeuer.

»Mr. Pendergast.« Sie blieb im Türrahmen stehen.

Der Agent reagierte nicht.

»Mr. Pendergast?«, sagte sie ein wenig lauter.

Daraufhin regte er sich. »Ja, Mrs. Trask?« Er drehte sich zu ihr um.

»Draußen vor der Tür war ein Junge. Er hat gesagt, dass niemand an die Tür geht. Haben Sie es denn nicht läuten hören?«

»Nein, das habe ich nicht.«

»Er hat gesagt, dass man ihn dafür bezahlt hat, Ihnen diesen Brief zu bringen.« Sie brachte ihm das schmutzige, gefaltete Kuvert auf einem Silbertablett. »Wieso ist Proctor eigentlich nicht zur Tür gegangen?« Diese Frage musste sie einfach hinzufügen, denn sie stand Proctor und den Freiheiten, die er sich gegenüber dem Hausherrn herausnahm, ein wenig ablehnend gegenüber.

Pendergast betrachtete den Brief mit einem Gesichtsausdruck, aus dem Mrs. Trask nicht ganz schlau wurde. »Ich glaube, Proctor ist nicht zur Tür gegangen, weil niemand geklingelt hat. Der Junge hat Sie angelogen. Also, wenn Sie den Brief bitte auf den Tisch legen würden.«

Sie stellte das Silbertablett neben das Teeservice. »Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

»Im Augenblick nicht, vielen Dank, Mrs. Trask.«

Pendergast wartete, bis sie die Bibliothek verlassen hatte, ihre Schritte auf dem Flur verklungen waren und es im ganzen Haus wieder still war. Doch er bewegte sich noch immer nicht, handelte nicht, tat nichts, außer den Briefumschlag zu betrachten, so wie man vielleicht einen Sprengkörper beäugt. Auch wenn er nicht sicher sein konnte, worum es sich bei dem Kuvert handelte, er hatte doch eine ziemlich starke Vermutung.

Schließlich beugte er sich vor, hob den Brief am einen Ende an und faltete ihn auseinander. Nur ein Wort stand auf dem Umschlag, getippt auf einer alten Schreibmaschine: ALOYSIUS. Pendergast betrachtete das Wort einen langen Augenblick, wobei seine böse Vorahnung stärker wurde. Schließlich schlitzte er das Kuvert an der schmalen Seite mit einem Springmesser auf, das er in der Nähe als Brieföffner aufbewahrte. Als er in den Umschlag blickte, sah er ein einzelnes Blatt Kanzleipapier und einen kleinen USB-Speicherstick. Er ließ das Blatt auf das Silbertablett gleiten, dann faltete er es mithilfe des Springmessers auseinander.

Der mit Schreibmaschine geschriebene Brief darin war nicht lang.

Sehr geehrter A. Pendergast:

Es schreibt Ihnen hier der Enthaupter. Das Endspiel hat begonnen. Auf dem USB-Stick finden Sie ein kurzes Video, mit Lt. D’Agosta und Direktor Longstreet in den Hauptrollen. Sie sind meine Gefangenen. Offen gestanden sind sie meine Lockvögeclass="underline" Damit Sie mich zu einem besonderen Abend aufsuchen. Ich befinde mich im Gebäude 44 des geschlossenen und leer stehenden King’s Park Psychiatric Centers am North Shore von Long Island. Kommen Sie allein zu mir. Entsenden Sie keine Kavallerie. Bringen Sie weder Proctor noch irgendjemanden sonst mit. Erzählen Sie niemandem hiervon. Wenn Sie nicht bis 21.05 Uhr hier eintreffen, was, sofern meine Nachricht ordnungsgemäß ausgeliefert wurde, in ungefähr fünfundfünfzig Minuten sein dürfte, werden Sie einen Ihrer Freunde niemals wiedersehen.

Zwar ahnen Sie noch nicht, wer ich bin, doch Sie wissen sicherlich schon eine ganze Menge über meine Talente. Da auch Sie ein intelligenter Mann sind, werden Sie die Lage, in der Sie sich jetzt befinden, analysieren und erkennen, dass Ihnen nur eines übrig bleibt. Selbstverständlich werden Sie sich das Video anschauen, die Situation überdenken und verschiedene Handlungsmöglichkeiten erwägen, doch am Ende werden Sie begreifen, dass Sie keine andere Wahl haben, als hierherzukommen, sofort, allein. Trödeln Sie also nicht. Die Uhr tickt.

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