Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)
- Автор: Престон Дуглас, Чайлд Линкольн
- Серия: Ein Fall für Special Agent Pendergast #17
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Du weißt, dass ich ihn niemals darum bitten würde. Und es gibt da noch eine andere Überlegung.«
Longstreet schaute ihn an.
»Hightower hatte ein Motiv, aber es erklärt nicht die folgenden Morde.«
»Daran habe ich auch schon gedacht«, sagte Longstreet. Er blickte weiter zum Haus und zu der Rauchfahne, die aus dem Schornstein wehte. »Vielleicht hat er ja Geschmack daran gefunden. Ich habe schon häufiger erlebt, dass Cops das Gesetz in die eigene Hand nehmen, wenn die Gerichte das nicht für sie erledigen. Aber eins steht fest – es lohnt, die Sache weiterzuverfolgen.«
»Es gilt, umsichtig vorzugehen«, sagte Pendergast. »Wir müssen diese Spur vorerst geheim halten – gegenüber dem NYPD und dem FBI. Man weiß nie, wer diese Informationen möglicherweise weiterleitet.«
»Du hast recht, natürlich. Wir arbeiten einzeln an der Sache, minimieren unsere Kommunikation, halten Kontakt nur per Telefon oder verschlüsselter E-Mail.« Longstreet verstummte einen Moment lang. Die Rollläden vor dem Panoramafenster des, wie er annahm, Wohnzimmers wurden heruntergelassen. »Dieser Blick, mit dem er uns angesehen hat, als er uns sein Alibi nannte. Er kam mir beinahe wie eine Herausforderung vor.«
Pendergast schauderte es ein wenig. »Herausforderung. Ja, natürlich.«
Longstreet runzelte die Stirn. »Wovon redest du?«
Doch Pendergast sagte kein Wort mehr, weshalb Longstreet nach einem Augenblick die Automatik auf Drive schaltete und den Wagen vom Bordstein lenkte.
47
Marsden Swope saß am einzigen Schreibtisch in seiner winzigen Wohnung. Es war sechs Uhr morgens am 3. Januar.
Der 3. Januar. Der Tag, an dem die moralische Läuterung der Stadt beginnen würde.
Doch er machte sich da keine Illusionen. Das Ganze würde, das wusste er, klein beginnen – wenn man so viele Pilger denn »klein« nennen konnte. Doch er besaß ein Instrument, das die Propheten vor ihm nicht besessen hatten: das Internet. Außerdem hatte er seine Anhänger angewiesen, eine Sache nicht wegzuwerfen: ihre Mobiltelefone. Denn diese waren aus zweierlei Gründen von entscheidender Bedeutung. Zum einen erlaubten sie ihm, die Logistik zum Errichten des Scheiterhaufens zu organisieren, und zum anderen würden sie diesen dokumentieren.
Was als einzelner Akt der Läuterung in Manhattan seinen Anfang nehmen würde, würde sich ausbreiten: zu den großen und kleinen Städten, von Amerika nach Europa und darüber hinaus. Die Welt, mehr denn je geteilt in Arm und Reich, hungerte nach dieser Botschaft. Die Menschen würden sich erheben und sich zusammenschließen, um ihr Leben von der Habgier, dem Materialismus und der schändlichen Spaltung der Gesellschaft zu befreien, die durch Geld entstand, und dem Reichtum abschwören – um ein Leben der Einfachheit, der Reinheit und der ehrenvollen Armut zu führen.
Doch er durfte nicht zu weit ausgreifen. Er hatte den Weg geebnet, die Dinge in Gang gesetzt, aber jetzt war seine nächste Tat entscheidend. Seine Anhänger warteten, das wusste er, auf sein Signal. Die Kunst bestand darin, sie dazu zu bewegen, sich im genau richtigen Augenblick auf dem Great Lawn zu versammeln, ohne dass die Behörden alarmiert wurden.
Er drehte sich wieder zum Schreibtisch um und verfasste einen Tweet für seine Basis: kurz, instruktiv und auf den Punkt.
HEUTE ABEND. Betet, fastet & bereitet euch auf das Kommende vor. Endgültiger ORT & Anweisungen werden um 15 Uhr verschickt.
The Passionate Pilgrim (@SavonarolaRedux)
3. Januar, 6.08 Uhr
Er las den Tweet noch einmal, dann noch einmal. Schließlich postete er ihn, schickte ihn auf den Weg. Um drei wollte er seine letzten Anweisungen versenden, danach würde alles in Gottes Hand liegen.
48
Um kurz nach sechs Uhr morgens zirpte Howard Longstreets Mobiltelefon.
Er ächzte leise, setzte sich gerade hin und warf einen Blick auf das Gerät. Es handelte sich nicht um sein Privathandy, sondern um das berufliche Telefon, welches das FBI an seine Agenten und Führungskräfte ausgab. Es konnte sowohl Klartext als auch verschlüsselte Mails senden und empfangen – und das Icon auf dem Bildschirm verriet ihm, dass er eben eine verschlüsselte Nachricht von S. A. Pendergast erhalten hatte.
Er hob das Handy vom Nachttisch, ließ die E-Mail durch das Entschlüsselungsprogramm laufen, dann las er sie.
Wir müssen uns in einer sehr dringenden Angelegenheit sprechen. Bedeutender Durchbruch wurde erzielt. Verbindungen erweisen sich als viel tiefreichender als erwartet. Geheimhaltung ist entscheidend. Treffpunkt Old King’s Park, Gebäude 44, 14 Uhr, um Festnahme der Täter (sic!) zu planen. Jeder Kontaktversuch bis dahin nicht ratsam. Verstärkung ist entscheidend; bring Lt. D’Agosta mit, den ich ebenfalls benachrichtigt habe.
PS: Wir werden überwacht.
A.
Longstreet löschte die Nachricht, dann legte er das Handy nachdenklich zurück auf den Nachttisch. Täter. Der Plural war kein Tippfehler, wie das »sic« bewies. Mehr als einer. Das zog in der Tat größere Kreise als erwartet. Waren es Hightower und andere? Er versuchte, Pendergasts kurze Mitteilung zu verstehen. Allem Anschein nach hatte er eine entscheidende Entdeckung über den Mann gemacht. Aber die Nachricht bedeutete auch, dass Hightowers Verbindungen zu den Strafverfolgungsbehörden tiefer reichten, als sie beide vermutet hatten. Täter, im Plural. Wollte Pendergast damit auf eine Verschwörung innerhalb des New York Police Department anspielen? Das lag angesichts der langen Geschichte der Korruption innerhalb des NYPD durchaus im Rahmen des Möglichen. Kein Wunder, dass Geheimhaltung die höchste Priorität hatte, vor allem, weil Pendergast offenbar genügend Beweise besaß, dass er das Wort Festnahme benutzt hatte.
Pendergast hatte, wie Longstreet wusste, eine Abneigung gegen E-Mails und schickte nur selten welche. In diesem Fall war die Situation allerdings derart düster, der Einsatz so hoch und die mutmaßlichen Täter waren dermaßen gut platziert, dass ein hohes Maß an Geheimhaltung erforderlich war.
Was aber steckte hinter dem Satz, sie würden überwacht? Bedeutete er, dass sein berufliches Handy tatsächlich abgehört wurde? Longstreet fand das schwer zu glauben. Das FBI verfügte über die modernsten Verschlüsselungsverfahren, den besten Schutz. Dieser verdammte Pendergast und sein absichtsvoll unerforschliches Gebaren. Longstreet merkte jedoch auch, dass seine Neugierde geweckt war. Was hatte der Agent da wohl aufgedeckt? Und … was war das für ein Ort, dieser »Old King’s Park«?
Er streckte den Arm nach seinem Laptop aus, schaltete es ein, rief den sicheren Tor-Browser auf und verschaffte sich Zugang ins Darknet. Das war, wie er durchaus wusste, eine höchst irreguläre Vorgehensweise für einen ranghohen Angehörigen des FBI, doch wenn seine E-Mails, sein Telefon und seine SMS gefährdet waren, so wie Pendergast angedeutet hatte, dann galt das auch für seine Surfgewohnheiten. Zumindest konnte er jetzt recherchieren, ohne dass sich das zurückverfolgen ließ.
Es dauerte nur einige Minuten, dann hatte er herausgefunden, dass es sich beim King’s Park um ein großes, weitläufiges psychiatrisches Krankenhaus handelte, das im späten 19. Jahrhundert erbaut worden war und mittlerweile leer stand. Er lud einen Übersichtsplan des Klinikgeländes herunter und machte sich rasch damit vertraut. Bei Gebäude 44 handelte es sich um ein kleines Lagerhaus, das ursprünglich zur Aufbewahrung der Essensvorräte der Klinik diente.
Longstreet prägte sich die Karte ein und schloss den Browser, dann schaltete er den Rechner schnell aus. Warum das King’s Park Psychiatric Center? Doch je länger er nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass es sich deshalb um einen idealen Ort für ein Treffen außerhalb der Stadtgrenze von New York handelte, weil dort die Wirksamkeit einer schmutzigen NYPD-Überwachung zwar eingeschränkt, die Klinik aber auch abgelegen und zugleich leicht erreichbar war. Und das Gebäude 44 war zweifellos ausgewählt worden, weil es von der Old Dock Road, die mitten durch das Klinikgelände verlief, mühelos anzusteuern war.