Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Um Mitternacht krieche ich aus dem Zelt und setze mich in der Nähe des Heizofens auf einen Feldstuhl, um mit Jackson Wache zu halten. Boggs hat Peeta befohlen, so zu schlafen, dass wir ihn alle im Blick haben. Doch er schläft nicht. Stattdessen sitzt er da, den Schlafsack bis zur Brust hochgezogen, und versucht ungeschickt, Knoten in ein kurzes Seil zu machen. Das Seil kenne ich nur zu gut, Finnick hat es mir in jener Nacht im Bunker geliehen. Es jetzt in Peetas Händen zu sehen, ist so, als würde Finnick dasselbe sagen wie Haymitch vorhin: dass ich Peeta im Stich lasse. Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, um es wiedergutzumachen. Wenn ich nur wüsste, was ich sagen soll. Aber mir fällt nichts ein. Also sage ich nichts. Ich lausche nur dem Atem der Soldaten in der Nacht.
Nach etwa einer Stunde fängt Peeta an zu reden. »Die letzten beiden Jahre waren bestimmt anstrengend für dich. Immer wieder zu überlegen, ob du mich umbringen sollst oder nicht. Hin und her, hin und her.«
Das finde ich völlig ungerecht, und ich bin drauf und dran, eine bissige Antwort zu geben. Aber dann denke ich wieder an das Gespräch mit Haymitch und mache einen ersten vorsichtigen Schritt auf Peeta zu. »Ich wollte dich noch nie umbringen. Außer, als ich dachte, du willst den Karrieros dabei helfen, mich zu töten. Danach hab ich dich immer als … als Verbündeten betrachtet.« Das Wort ist schön ungefährlich. Es impliziert keine gefühlsmäßige Bindung, aber auch keine Bedrohung.
»Verbündete«, sagt Peeta langsam, als wollte er das Wort ausprobieren. »Freundin. Geliebte. Siegerin. Feindin. Verlobte. Zielscheibe. Mutation. Nachbarin. Jägerin. Tribut. Verbündete. Das kommt auf meine Liste von Wörtern, mit denen ich versuche, dich einzuordnen.« Immer wieder lässt er das Seil durch die Finger gleiten. »Das Problem ist, dass ich nicht mehr weiß, was wahr ist und was erfunden.«
Das Atmen um uns ist nicht mehr gleichmäßig, und das heißt, dass die Leute entweder aufgewacht sind oder gar nicht richtig geschlafen haben. Ich vermute Letzteres.
Aus einem Knäuel in der Dunkelheit ist Finnicks Stimme zu hören. »Dann solltest du fragen, Peeta. So macht Annie es auch.«
»Wen denn?«, sagt Peeta. »Wem kann ich trauen?«
»Na, uns zum Beispiel. Wir sind deine Truppe«, sagt Jackson.
»Ihr seid meine Bewacher«, sagt er.
»Das auch«, sagt sie. »Aber du hast in Distrikt 13 vielen das Leben gerettet. So etwas vergessen wir nicht.«
In dem Schweigen, das folgt, versuche ich mir vorzustellen, ich könnte Realität und Einbildung nicht auseinanderhalten. Wie es wäre, wenn ich nicht wüsste, ob Prim und meine Mutter mich lieben. Ob Snow mein Feind ist. Ob der Mensch am Heizofen mich gerettet oder geopfert hat. Im Nu verwandelt sich mein Leben in einen Albtraum. Auf einmal möchte ich Peeta in allen Einzelheiten erzählen, wer er ist und wer ich bin und wie wir hierhergekommen sind. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Nutzlos. Ich bin nutzlos.
Um kurz vor vier wendet Peeta sich wieder an mich. »Deine Lieblingsfarbe … ist das Grün?«
»Ja.« Dann überlege ich, was ich noch sagen könnte. »Und deine ist Orange.«
»Orange?« Er wirkt nicht überzeugt.
»Kein knalliges Orange. Ein gedecktes Orange. So wie der Sonnenuntergang«, sage ich. »Das hast du mir jedenfalls mal erzählt.«
»Ach so.« Er schließt kurz die Augen, vielleicht versucht er einen Sonnenuntergang heraufzubeschwören, dann nickt er. »Danke.«
Dann purzeln noch mehr Wörter aus meinem Mund. »Du bist ein Maler. Du bist ein Bäcker. Du schläfst gern bei geöffnetem Fenster. Du trinkst deinen Tee ohne Zucker. Und du machst immer einen Doppelknoten in deine Schnürsenkel.«
Dann verschwinde ich in meinem Zelt, bevor ich womöglich noch anfange zu heulen oder so was Dummes.
Am Morgen ziehen Gale, Finnick und ich los, ein bisschen Glas von den Gebäuden schießen für die Kameras. Als wir zurück zu unserem Lager kommen, sitzt Peeta im Kreis mit den Soldaten aus 13, die zwar bewaffnet sind, aber offen mit ihm sprechen. Jackson hat ein Spiel erfunden, um Peeta zu helfen -»Wahr oder nicht wahr«. Er erwähnt etwas, wovon er glaubt, dass es seiner Meinung nach passiert ist, und sie sagen ihm, ob es wahr ist oder nur eingebildet, gefolgt von einer kurzen Erklärung.
»Die meisten Menschen aus Distrikt 12 sind in den Flammen umgekommen.«
»Wahr. Keine neunhundert konnten sich nach Distrikt 13 retten.«
»Ich war schuld an dem Feuer.«
»Nicht wahr. Präsident Snow hat Distrikt 12 zerstört, so wie er damals 13 zerstört hat, als Botschaft an die Rebellen.«
Ich finde die Idee gut, bis mir klar wird, dass ich diejenige bin, die das meiste bestätigen oder verneinen kann, was ihm auf der Seele liegt. Jackson teilt uns in Wachen ein. Sie ordnet Finnick, Gale und mich jeweils einem Soldaten aus 13 zu. So kann Peeta sich immer an jemanden wenden, der ihn besser kennt. Es wird nicht die ganze Zeit geredet. Peeta braucht lange, um selbst kleinste Informationen zu verarbeiten, zum Beispiel, wo die Leute zu Hause Seife gekauft haben. Gale erzählt ihm eine Menge über Distrikt 12, Finnick ist Experte, was die beiden Spiele angeht, bei denen Peeta dabei war, denn im ersten war er Mentor und im zweiten Tribut. Aber da sich Peetas größte Verwirrung um mich dreht - und nicht alles so einfach erklärt werden kann -, sind unsere Gespräche schmerzlich und belastet, obwohl wir nur oberflächliche Details berühren. Welche Farbe mein Kleid in Distrikt 7 hatte. Dass ich so gern Käsebrötchen esse. Wie unser Mathelehrer in der Schule hieß. Es ist quälend, seine Erinnerung an mich zu rekonstruieren. Vielleicht geht es ja auch gar nicht, nach allem, was Snow ihm angetan hat. Aber es fühlt sich richtig an, ihm bei dem Versuch zu helfen.
Am Nachmittag des darauffolgenden Tages erfahren wir, dass die ganze Gruppe für einen etwas vertrackteren Propo gebraucht wird. In einem Punkt hat Peeta recht: Coin und Plutarch sind unzufrieden mit der Qualität des Bildmaterials, das sie vom Star-Trupp bekommen. Sie finden es öde und wenig originell. Als Folge müssen wir andauernd mit unseren Gewehren rummachen. Aber es geht ja nicht darum, dass wir uns verteidigen sollen, sondern dass wir ein brauchbares Produkt liefern. Heute ist ein ganzer Straßenzug für Filmaufnahmen abgesperrt worden. In dem Gebiet gibt es sogar zwei aktive Kapseln. Die eine löst ein Artilleriefeuer aus. Die andere fängt den Angreifer in einem Netz und hält ihn fest, entweder zum Verhör oder zur Hinrichtung, je nachdem, wie der Fänger es gern hätte. Aber es ist nur ein unwichtiges Wohnviertel, strategisch unbedeutend.
Das Fernsehteam will mit Rauchbomben und Schussgeräuschen die Spannung steigern. Wir alle, selbst die Fernsehleute, ziehen schwere Schutzausrüstung an und begeben uns mitten hinein ins Kampfgebiet. Wer Spezialwaffen besitzt, darf sie zusätzlich zum Gewehr mitnehmen. Boggs gibt auch Peeta sein Gewehr zurück, macht ihn aber für alle vernehmlich darauf aufmerksam, dass es nur mit Platzpatronen geladen ist.
Peeta zuckt bloß die Achseln. »Ich bin sowieso kein guter Schütze.« Er ist ganz damit beschäftigt, Pollux zu beobachten, so sehr, dass es ein wenig beunruhigend wird. Schließlich fällt ihm etwas ein, und er sagt ganz aufgeregt: »Du bist ein Avox, stimmt’s? Das sehe ich daran, wie du schluckst. Mit mir waren zwei Avoxe im Gefängnis, Darius und Lavinia. Die Wärter nannten sie meist nur die Rotschöpfe. Im Trainingscenter waren sie unsere Diener, deshalb wurden sie auch verhaftet. Ich habe mit angesehen, wie sie zu Tode gefoltert wurden. Das Mädchen hatte Glück. Die hatten zu viel Volt eingestellt, ihr Herz hat sofort versagt. Aber bei ihm hat es Tage gedauert, bis er tot war. Sie haben ihn geschlagen, ihm Körperteile abgeschnitten. Haben ihm immer wieder Fragen gestellt, aber er konnte ja nicht antworten, er hat nur diese schrecklichen animalischen Laute ausgestoßen. Sie wollten gar nicht wirklich was von ihm wissen, versteht ihr? Sie wollten nur, dass ich es sehe.«