Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Peeta schaut erwartungsvoll in unsere geschockten Gesichter. Als keine Antwort kommt, fragt er: »Wahr oder nicht wahr?«
Niemand sagt etwas und da wird er aufgebracht. »Wahr oder nicht wahr?«, will er wissen.
»Wahr«, sagt Boggs. »Jedenfalls, soweit ich weiß … wahr.«
»Das dachte ich mir. Die Erinnerung hatte nichts … Leuchtendes.« Peeta entfernt sich von der Gruppe und murmelt dabei irgendwas von Fingern und Zehen.
Ich gehe zu Gale und lege die Stirn an seine Brust, nur dass da jetzt die Rüstung ist. Er nimmt mich fest in die Arme. Jetzt wissen wir, wie das Mädchen hieß, das damals vom Kapitol aus den Wäldern von Distrikt 12 verschleppt wurde, jetzt kennen wir das Schicksal des befreundeten Friedenswächters, der Gale das Leben retten wollte. Das ist nicht der richtige Moment, um in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Ich setze die beiden auf meine persönliche Liste von Opfern, angefangen mit der ersten Arena, Tausende sind es inzwischen. Als ich aufschaue, sehe ich, dass Gale es anders aufgenommen hat. Seine Miene sagt, dass es gar nicht genug Berge zum Zerstören gibt, nicht genug Städte zum Zerbomben. In seinem Blick steht Rache.
Mit Peetas grausigem Bericht im Kopf und knirschenden Scherben unter unseren Füßen gehen wir zu dem Straßenzug, den wir erobern sollen. Wir scharen uns um Boggs und schauen uns die Projektion der Straße auf dem Holo an. Jetzt haben wir wenigstens eine echte, wenn auch kleine Aufgabe. Die Kapsel mit dem Artilleriefeuer befindet sich im ersten Drittel der Straße, knapp über der Markise einer Wohnung. Es dürfte uns gelingen, sie mit Kugeln zu aktivieren. Die Kapsel mit dem Netz ist weiter hinten, fast schon an der nächsten Straßenecke. Dafür brauchen wir jemanden, der den Bewegungsmelder auslöst. Alle erklären sich bereit, bis auf Peeta, der anscheinend nicht so richtig weiß, worum es geht. Ich werde nicht genommen. Sie schicken mich zu Messalla, der mich für eventuelle Großeinstellungen schminkt.
Die Gruppe stellt sich nach Boggs’ Anweisungen auf, und dann müssen wir darauf warten, dass Cressida den Kameramännern sagt, wo sie stehen sollen. Sie sind beide links von uns, Castor weit vorn und Pollux ganz hinten, damit sie sich nicht gegenseitig filmen. Messalla zündet für die Atmosphäre ein paar Rauchgranaten. Da es sich hier sowohl um einen Einsatz als auch um einen Dreh handelt, will ich schon fragen, wer das Kommando hat, der Kommandant oder die Regisseurin, aber da ruft Cressida: »Action!«
Langsam gehen wir durch die diesige Straße, genau wie bei einer Übung im Block. Jeder muss mindestens eine Reihe Fensterscheiben wegpusten, aber das eigentliche Ziel ist Gale zugeteilt worden. Er schießt die Kapsel ab, und wir gehen in Deckung - ducken uns in Eingänge, legen uns flach auf die hübschen Pflastersteine in Hellorange und Rosa -, während ein Kugelhagel über unsere Köpfe fliegt. Nach einer Weile befiehlt uns Boggs weiterzugehen.
Cressida hält uns zurück, weil sie ein paar Großaufnahmen braucht. Abwechselnd spielen wir unsere Reaktion noch einmal nach. Wir lassen uns fallen, verziehen das Gesicht, springen in eine Nische. Wir wissen, dass es eine ernste Angelegenheit ist, aber es kommt uns ein bisschen albern vor. Vor allem, als sich herausstellt, dass ich gar nicht die schlechteste Schauspielerin in unserer Gruppe bin. Bei Weitem nicht. Wir lachen so sehr über Mitchells Versuch, den Verzweifelten zu mimen, inklusive Zähneknirschen und geblähten Nüstern, dass Boggs uns zurechtweisen muss.
»Vier-fünf-eins, zusammenreißen!«, sagt er streng. Aber er muss ein Grinsen unterdrücken, während er die nächste Kapsel noch einmal gegencheckt. Das Holo so hält, dass er in der rauchgeschwängerten Luft etwas erkennen kann. Den Blick immer noch uns zuwendet, während er den linken Fuß auf den orangefarbenen Pflasterstein setzt. Und die Mine auslöst, die ihm die Beine wegsprengt.
20
Es ist, als würde in einem einzigen Augenblick ein bemaltes Fenster zersplittern und den Blick auf die hässliche Welt dahinter freigeben. Lachen wird zu Schreien, Blut befleckt die pastellfarbenen Steine, echter Rauch verdunkelt den künstlichen.
Eine zweite Explosion scheint die Luft zu zerreißen, mir klingeln die Ohren. Aber ich weiß nicht, aus welcher Richtung sie gekommen ist.
Ich bin als Erste bei Boggs, versuche aus dem zerfetzten Fleisch, den fehlenden Gliedmaßen schlau zu werden, suche nach etwas, womit ich das Blut stoppen kann, das aus seinem Körper schießt. Homes schiebt mich beiseite und öffnet hektisch ein Erste-Hilfe-Set. Boggs umklammert mein Handgelenk. Sein Gesicht, grau vom Sterben und von der Asche, scheint zu verschwimmen. Doch die Worte, die er sagt, sind ein Befehl. »Das Holo.«
Das Holo. Ich taste um mich herum, wühle in zerborstenen, blutbefleckten Pflastersteinen, schaudere, als ich warme Fleischfetzen berühre. Dann habe ich es, zusammen mit Boggs’ Stiefeln hat es sich in einem Treppenschacht verklemmt. Ich nehme es an mich, wische es mit bloßen Händen trocken und reiche es meinem Kommandeur.
Homes hat den Stumpf von Boggs’ linkem Oberschenkel mit einer Staubinde umschlossen, aber sie ist schon völlig durchweicht. Jetzt versucht er, eine weitere Staubinde über dem rechten Knie anzulegen. Der Rest der Gruppe hat sich in einer schützenden Formation um uns und das Team herum aufgestellt. Finnick versucht, Messalla wiederzubeleben, der durch die Explosion gegen eine Wand geschleudert worden ist. Jackson blafft in ein Funksprechgerät und versucht, das Lager zu erreichen, damit sie Sanitäter schicken, doch ich sehe, dass es zu spät ist. Als Kind habe ich meiner Mutter oft bei der Arbeit zugeschaut, und ich weiß: Wenn eine bestimmte Menge Blut geflossen ist, gibt es keine Rettung mehr.
Ich knie mich neben Boggs und bin darauf eingestellt, dieselbe Rolle zu spielen wie bei Rue und der Morfixerin aus Distrikt 6, ich will ihm Halt geben, während er aus dem Leben geht. Aber Boggs macht sich mit beiden Händen an dem Holo zu schaffen. Er tippt einen Befehl ein, presst den Daumen auf den Bildschirm, um sich zu identifizieren, spricht eine Folge von Buchstaben und Zahlen als Antwort auf eine Eingabeaufforderung. Ein grüner Lichtstrahl kommt aus dem Holo und beleuchtet sein Gesicht. Er sagt: »Befehlsuntauglich. Übertrage die Oberste Sicherheitsprüfung an Gruppe vier-fünf-eins, Soldat Katniss Everdeen.« Mit letzter Kraft hält er mir das Holo vors Gesicht. »Sag deinen Namen.«
»Katniss Everdeen«, sage ich in den grünen Strahl. Plötzlich bin ich in dem Licht gefangen. Ich kann mich nicht bewegen, nicht mal blinzeln, während blitzschnell Bilder vor meinen Augen flackern. Werde ich gescannt? Aufgenommen? Geblendet? Das Licht verschwindet, und ich schüttele den Kopf, um die Gedanken zu verscheuchen. »Was haben Sie da gemacht?«
»Bereit machen zum Rückzug!«, brüllt Jackson.
Finnick schreit irgendwas zurück und zeigt zum anderen Ende des Straßenabschnitts, wo wir hergekommen sind. Schwarzes öliges Zeug spritzt wie aus einem Geysir aus der Straße, quillt zwischen den Gebäuden empor und bildet eine undurchdringliche dunkle Wand. Es scheint sich weder um eine Flüssigkeit noch um ein Gas zu handeln, weder um etwas Künstliches noch um etwas Natürliches. Mit Sicherheit ist es tödlich. Dorthin, woher wir gekommen sind, können wir nicht zurück.
Ohrenbetäubende Schüsse, als Gale und Leeg 1 das andere Ende des Straßenabschnitts ins Visier nehmen. Erst weiß ich nicht, was sie vorhaben, bis zehn Meter entfernt eine weitere Bombe hochgeht und ein Loch in die Straße reißt. Da begreife ich, dass es ein verzweifelter Versuch ist, die Straße von Minen zu räumen. Homes und ich packen Boggs und schleifen ihn hinter Gale her. Im Todeskampf fängt er an zu schreien, und ich will stehen bleiben, um nach einer anderen Möglichkeit zu suchen, aber die schwarze Masse erhebt sich über die Häuser, wölbt sich und rollt wie eine Welle auf uns zu.