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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Die Elfenritter und Nill fuhren herum. Mareju, der vor Nill gelaufen war, rutschte vor Schreck aus. Er unterdrückte einen Schrei, fiel auf den Hosenboden und trat mit seinen Füßen einen Haufen Kieselsteine und Laub über den Klippenrand. Keiner der Gefährten wagte sich zu rühren, während die Kiesel und Blätter fielen und auf den unteren Pfad rieselten.

Kaum ein paar Meter hinter dem letzten Reiter.

Der Graue Krieger fuhr herum, sah die springenden Steine und blickte an den Felsen empor. Er stieß einen Ruf aus und deutete zu den Gefährten hoch.

Kaveh rief ebenfalls etwas: »RENNT!«

Und das taten sie.

Einen Herzschlag später klirrten Pfeile gegen die Klippenwände und bohrten sich in die Felsspalten.

Im Laufen zogen die Elfen ihre Bogen, legten Pfeile auf und schossen zurück; Nill wagte sich nicht umzudrehen. Sie wagte nicht zurückzublicken, zu den galoppierenden Pferden, den rufenden Kriegern, den zischenden Pfeilen.

Der Felsvorsprung machte eine Biegung. Hier waren sie einen Augenblick geschützt vor den feindlichen Pfeilen. Kaveh und die Elfen blieben stehen, Mareju zog Nill nach vorne und drückte sie an sich vorbei.

»Ihr lauft vor – wir lenken die Krieger ab«, befahl Kaveh.

Bevor Nill Widerspruch einlegen konnte, waren die Elfen zurück zur Biegung gelaufen.

Scapa war hinter Nill. »Lauf!«, rief er.

Noch einmal warf sie einen Blick zu Kaveh und den Rittern zurück – erbittert spannten sie ihre Bogensehnen, feuerten einen Pfeil nach dem anderen und duckten sich vor den tödlichen Geschossen, die von unten empor hagelten. Dann rannte Nill los, Scapa und Fesco dicht hinter sich. Ihre Füße rutschten auf den Kieselsteinen und dem Laub. Der Abgrund gähnte neben ihnen, die Tiefe schien unendlich, wie ein Sog, der sie hinunterziehen wollte. Ein verirrter Pfeil surrte eine Haaresbreite an Nills Gesicht vorbei und bohrte sich genau vor ihr in einen Felsritz. Sie stieß einen erstickten Schrei aus, stolperte zurück und prallte gegen Scapa. Der Zusammenstoß ließ Nill taumeln. Sie spürte, wie spitze Felskanten unter ihren Fußsohlen wegrutschten. Dann fiel sie.

»NILL!«

Sie spürte einen betäubenden Schmerz, als sie abrutschte und der raue Fels ihr wie Raubtierklauen über Bauch und Brust riss. Ihre Füße hingen in der Luft. Ein jäher Windzug brauste ihr aus der Tiefe durch die Kleider, ihre Ellbogen stießen gegen den Stein, ihre Hände durchfuhr ein Schmerz, als bohrten sich hundert Scherben in die Haut.

»Nill!« Scapa war über ihr. Er hielt ihren Arm fest gepackt, den anderen Arm umklammerte Fesco.

»Nill – Nill, komm hoch! Komm! Stütz dich mit den Füßen ab!«

Nill strampelte panisch durch die Luft, dann stießen ihre Füße gegen die Felswand. Sie stemmte sich in die Höhe, so gut es ging, während Scapa und Fesco an ihren Armen zogen. Nill reckte sich, mit dem Oberkörper konnte sie sich fast wieder über den Vorsprung beugen. Etwas sirrte durch die Luft.

Ein gellender Schrei ertönte – dann ließ Fesco sie los und fiel zurück. Augenblicklich stürzte Nill, sie schrie auf – und ein Ruck ging ihr durch Arm und Schulter, als Scapa sie festhielt. Ihr Quersack fiel ihr von der anderen Schulter und sie hörte das Flattern des Stoffes, als er in der Tiefe verschwand. Dann baumelte sie am felsigen Abgrund, beide Beine und einen Arm frei in der Luft, während Scapa wilde Flüche ausstieß und zu Fesco zurückzublicken versuchte, der wie am Spieß schrie.

Mit pochenden Schläfen starrte sie Scapa an.

Schweiß glänzte ihm auf dem Gesicht. Unerträglich langsam rutschten seine Finger ab. Nill fasste mit der freien Hand in ihre Rocktasche und zog den Steindorn hervor. Scapa erkannte im Bruchteil einer Sekunde, was sie vorhatte.

»Nein!«, rief er. »NEIN!«

Er keuchte, packte sie so fest er konnte, beugte sich über den Abgrund, dass er selbst um ein Haar abrutschte, krallte die Finger in ihren Ärmel, hielt sie, hielt sie.

»Nimm den Steindorn«, flüsterte Nill. Sie hörte sich selbst kaum. Steine bröckelten unter Scapas Armen und fielen Nill gegen die Brust.

Er würde sie nicht mehr hochziehen können. Er würde sie nicht mehr halten können.

Es war aus.

Mit letzter Verzweiflung schwang sie die freie Hand in die Höhe, um den Steindorn in Sicherheit zu bringen.

In diesem Augenblick packte jemand ihr Handgelenk. Vor Schreck ließ sie beinahe den Steindorn los – über ihr tauchte Kaveh auf.

Er ergriff ihren Arm und zog. Zusammen gelang es den beiden Jungen, Nill hoch zu zerren, und einen Moment später rollte sie sich auf den Boden, hustete und rang nach Atem und tastete nach ihrem Hals, wo die Angst ihr fast die Luft abgeschnürt hatte.

»Nill«, keuchte Scapa und beugte sich zu ihr.

»Bist –«

Kaveh stieß ihn unsanft zur Seite. »Alles in Ordnung? Bei allen Geistern, Nill, geht es dir gut?« Der Prinz der Freien Elfen schüttelte sie vorsichtig am Oberarm, so als wolle er sichergehen, dass sie noch ganz war.

Nill gelang ein zittriges Nicken. »Wo«, brachte sie mit weicher Stimme hervor, »wo sind die Grauen Krieger?«

Inzwischen war nicht nur Kaveh bei ihnen angekommen; auch die restlichen Elfenritter standen allem Anschein nach unversehrt bei ihnen.

»Sie sind umgekehrt, zurück in die Wälder. Von da aus dauert es nicht lange, bis sie hier sind«, sagte Kaveh.

Benommen fühlte Nill nach ihrer Schulter. »Ich habe meinen Quersack verloren.«

»Das ist egal. Steck den Steindorn ein.« Kaveh half ihr auf die Beine. Dann wandten sie sich um und wurden erst jetzt auf Fesco aufmerksam. Der Dieb lag schluchzend auf dem Boden. Scapa beugte sich tief über ihn und zerrte an seinem Wams.

»Ist er verletzt?«, fragte Nill wie betäubt. Weder Scapa noch Fesco antworteten. Schließlich beugte sich Scapa zurück, damit alle den Pfeil sehen konnten. Fesco keuchte unter den erschrockenen Blicken der Gefährten. Mit beiden Händen ergriff Scapa das Geschoss.

Fesco hatte schon die Augen zugekniffen, als komme der Schmerz in einer großen, grässlichen Welle. Und langsam zog Scapa den Pfeil hervor.

Fesco spannte jeden Muskel seines Körpers an, und auch die Gefährten machten sich auf einen Schmerzensschrei gefasst; aber der kam nicht. Und Fesco war wohl der Erstaunteste von allen.

Nur ein leises Stöhnen glitt ihm über die Lippen, als Scapa den Pfeil unter Fescos Achselhöhle hervorzog. Einen Augenblick starrten sie das Geschoss verwundert an. Ein winziges Bluttröpfchen zog sich über die Ränder der Eisenspitze, die Fescos Haut beim Durchbohren seines Wamses gestreift hatte.

Fesco richtete sich auf, besah den Pfeil, dann die Schramme an der Innenseite seines Oberarms, sein aufgeschnittenes Wams, den Pfeil und wieder die Schramme. »Das, das ist einfach ... hahaha, haha ...«

Auch Nill spürte, wie sich ein Lächeln der Erleichterung auf ihr Gesicht stahl, so fürchterlich war die Angst, die man um sein Leben haben konnte.

»Los jetzt, wir haben keine Zeit zu verschwenden«, sagte Kaveh, dem Fescos Panik anscheinend herzlich egal war, und deutete voraus. »Das nächste Mal zielen die Grauen Krieger genauer.«

Fesco und Scapa standen auf und folgten den Elfen im Eilschritt. Obgleich Scapa keine Erleichterung über den daneben gegangenen Pfeil zeigte, merkte Nill, dass er vor Sorge bleicher geworden war. Auch wenn er sich selbst versteckt, dachte sie, er ist hinter seiner Maske doch ein normaler Junge ... Und das schien Nill fast so unglaublich wie der Pfeil, der Fesco um ein paar Zentimeter verfehlt hatte.

Maferis, der Verstoßene

Sie rannten das letzte Stück am Abgrund, bis sie wieder den Wald erreichten und in die schützenden Schatten der Bäume tauchten. Nill spürte bereits ein Stechen in den Seiten, aber sie machten keine Rast, im Gegenteil; die Furcht trieb sie zu einem immer rascheren Tempo an.

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