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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Wir werden diesem Tempel nicht einmal nahe kommen, wenn er wirklich da ist«, prophezeite er. »Dieser Ort ist wie geschaffen für eine Falle.«

Torian gab gar keine Antwort. Natürlich hatte Garth recht; mehr noch — diese Schlucht war nicht nur wie geschaffen für eine Falle —, sie war eine Falle. Drei Kinder und ein einbeiniger Greis konnten dort drinnen eine Armee aufreiben.

Unbehaglich sah er sich um, während sie weiterritten. Bisher hatte er sich kaum Gedanken über die Frage gemacht, wie sie in den Tempel hineinkommen wollten – irgendwie hatte er diesen Punkt wohl verdrängt, wie so vieles, was sich als lebenswichtig erweisen mochte. Nicht zum ersten Mal fragte sich Torian insgeheim, was mit ihm los war. Etwas war mit ihm geschehen, seit sie Rador verlassen hatten. Sein logisches, manchmal schon überpräzises Denken, das ihm sooft Leben und Gesundheit gerettet hatte, ließ ihn mehr und mehr im Stich, und dafür begann er Gedanken zu denken, die ihm fremd waren und ihn erschreckten. Rador hatte sie nicht umgebracht, aber es hatte eine Veränderung in ihm in Gang gesetzt, und er war sich nicht sicher, ob sie ihm gefiel.

Sie ritten ein Stück in den schmalen Paß hinein, der wie eine Kerbe zwei Bergmassive voneinander trennte; kaum breit genug, um nebeneinander zu reiten. Zu beiden Seiten ragten Felswände lotrecht auf, so hoch, daß sie sich über ihren Köpfen gegeneinander zu neigen schienen. Der Himmel war nur noch ein schmaler, leuchtendblauer Strich über ihnen. Torian hatte das Gefühl, lebendig begraben zu sein. Garth hatte recht, dachte er noch einmaclass="underline" dies war ein denkbar günstiger Ort für einen Hinterhalt. Ein einziger Wachtposten konnte den Paß mühelos gegen eine kleine Armee verteidigen, und auch wenn Salamir behauptet hätte, er wäre zuvor nicht bewacht worden, bedeutete das nicht, daß es auch jetzt noch so war. Er wurde immer nervöser. Mehr als einmal ertappte er sich dabei, sich beinahe gehetzt umzublicken, und mehr als einmal hatte er das Gefühl, von den Wänden erdrückt zu werden. Waren sie nicht schon näher zusammengerückt?

Obwohl die Sonne bereits hoch am Himmel stand, herrschte hier unten eine Dunkelheit, die es fast unmöglich machte, weiter als ein Dutzend Schritte zu sehen. Kein Grashalm, nicht einmal Flechten oder Moose gediehen hier, in dieser ewigen Dämmerung. Höchstens zur Mittagsstunde, wenn die Sonne direkt über dem Gebirge stand, würde sie ihr Licht wenige Minuten lang bis auf den Grund der Klamm werfen, um sie dann wieder in trübes graues Halblicht zurücksinken zu lassen. Torian überlegte, ob er eine der Fackeln entzünden sollte, die sie mitgenommen hatten, entschied sich aber dagegen. Der dunkle Fels würde auch dieses Licht sofort verschlucken. Außerdem konnten Feuerschein und Rauch sie verraten. Und es war kalt.

Hier unten war nichts mehr von der Hitze zu spüren, die in den letzten Wochen ihr ständiger Begleiter gewesen war. Die Felsen schienen Kälte auszuatmen; eine unangenehme Kälte, die sich durch ihre Kleidung fraß und sie frösteln ließ und den Atem der Pferde in kleine Dampfwölkchen verwandelte.

Aber da war auch noch etwas anderes. Etwas, das er bereits auf Kalaars Hof gespürt hatte, aber längst nicht so deutlich wie hier – ein klammer Hauch von Gefahr, der wie auf Spinnenbeinen in seine Seele kroch. Er glaubte das Alter dieser lebensfeindlichen Welt zu spüren, auf sehr unangenejime, fast bedrohliche Art.

Es war unheimlich. Etwas... war hier, aber er wußte einfach nicht, was. Irgend etwas lauerte in der Stille. Zauberei? Unsinn, dachte er wütend. Es gab keine Zauberei, basta!

»Wenn es hier einen Wächter gäbe, hätte er uns schon längst gesehen«, sagte er, nicht etwa, weil er das wirklich glaubte, sondern einzig, weil er die Stille nicht mehr ertrug. Garth antwortete nicht, aber die Felswände warfen seine geflüsterten Worte als leises, vielfach verzerrtes Echo zurück, ein Laut, der in Torians Ohren zum höhnischen Kichern dünner böser Kinderstimmen wurde. Seine Hände begannen leicht zu zittern. Er packte die Zügel fester, damit Garth es nicht bemerkte.

»Vielleicht macht es ihm aber auch nur Spaß, sich den Angriff unserer ruhmreichen Armee anzusehen«, antwortete Garth mit einiger Verspätung. »Schließlich sieht man nicht oft zwei Narren, die freiwillig zu ihrem eigenen Begräbnis reiten.«

»Ich glaube nicht, daß es einen Posten gibt«, widersprach Torian nervös. »Cuul hat fast die Hälfte seiner Krieger verloren.«

»Ach«, witzelte Garth. »Dann bete, daß er sie nicht wiederfindet.«

Torian überging die Bemerkung. Garth’ Albernheit war nur seine Art, mit der Nervosität fertig zu werden. »Die anderen müssen sich erst erholen«, fuhr er unbeirrt fort. »Es gibt mehrere Wege, die in das Tal hineinführen. Er kann sie nicht alle bewachen lassen. Außerdem hast du recht – er wird kaum damit rechnen, daß wir so verrückt sind, ihn zu verfolgen.« Ein flüchtiges Lächeln glitt über Torians Gesicht. »Es hat auch seine Vorteile, sich närrisch zu benehmen. Vor allem, wenn sich die anderen für überaus intelligent halten und auf Narren nicht vorbereitet sind, weißt du?«

»Ich weiß«, knurrte Garth. »Du kennst doch das Sprichwort, oder? Wer zuletzt lacht, hat wenigstens einen schönen Tod.«

Diesmal lachte Torian wirklich.

Aber er antwortete nicht mehr, als er hörte, was das Echo aus seinem Lachen machte.

Schweigend ritten sie nebeneinander her, bis sich die Schlucht allmählich verbreiterte. Es wurde heller. Der hellblaue Streifen am Himmel wurde größer, als die Felswände nicht mehr ganz so steil anstiegen und mehr Licht hereinließen. Sie näherten sich dem Ende des Passes.

Garth zugehe sein Pferd und sah sich um.

»Dieser Cuul müßte schon ein ausgesprochener Idiot sein, wenn er nicht wenigstens am Eingang des Tals Wachen aufgestellt hat«, murmelte er. »Da hinten führen zwei andere Pässe auf unseren Weg, so daß man drei Zugänge zugleich kontrollieren kann.«

Vielleicht hat er es nicht nötig, Wachen aufzustellen, dachte Torian bedrückt. Vielleicht gab es andere Mittel und Wege, den Tempel zu schützen. Aber das sprach er nicht aus, sondern sagte, in bewußt beiläufigem Ton: »Dieses Risiko müssen wir eben eingehen.«

Garth zog ärgerlich die Brauen zusammen. »Immer mit dem Kopf durch die Wand, auch wenn es Türen gibt, wie? Zur Abwechslung kann man den Kopf aber auch mal zu etwas anderem benutzen, zum Beispiel zum Denken, weißt du?« Er deutete auf ein Geröllfeld, das zu einer überhängenden Felsnase drei, vier Manneslängen über ihren Köpfen führte. »Soweit ich sehen kann, scheint da oben ein Weg entlangzuführen. Von dort müßten wir einen guten Ausblick haben.«

Zweifelnd sah Torian auf. Garth hatte recht – aber die Halde aus Felsschutt erschien ihm fast zu einladend. »Es ist zu steil«, sagte er zweifelnd. »Wir werden höchstens einen Steinschlag auslösen. Den Lärm wird man meilenweit hören.«

Garth sah ihn vielsagend an, zuckte mit den Schultern und stieg vom Pferd.

»Es macht wohl keinen Unterschied, ob wir von einem Pfeil oder von einem Steinschlag getötet werden.«

»Irgendwann wirst du an jemanden geraten, der deinen Humor nicht versteht«, prophezeite Torian ärgerlich, »und dir die Kehle durchschneidet.«

»Kaum«, witzelte Garth. »Vorher stehle ich ihm nämlich das Messer, weißt du?«

Torian seufzte, stieg dann aber ebenfalls aus dem Sattel. Auch er sah die Pässe, die etwa hundert Meter vor ihm von beiden Seiten in die Schlucht mündeten, aufgerissene, steinerne Mäuler, hinter denen sich weitere Wunden verbargen, die man in das Gebirge geschlagen hatte. Niemand, der sich eine Garde von fünfzig Kriegern hielt, würde einen solchen Zugang völlig unbewacht lassen. Nicht, wenn er nicht total von Sinnen war – oder es nicht nötig hatte.

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