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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Also gut«, stimmte er nach kurzem Zögern zu. »Versuchen wir es.«

Sie trieben die Pferde mit einigen leichten Schlägen in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Vorsichtig begannen sie mit dem Aufstieg. Immer wieder kam lockeres Geröll unter ihren Füßen ins Rollen, und einmal verlor Torian den Halt, rutschte um fast eine ganze Körperlänge zurück und schlug sich an einem scharfen Stein die Knie blutig. Aber es ging dennoch besser, als er befürchtet hatte. Zwischen dem losen Geröll gab es immer wieder größere Brocken, an denen sie sich festklammern konnten.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis sie den Hang erklommen hatten. Keuchend ließen sie sich zu Boden sinken. Ihre Hände waren rissig und bluteten, aber der Erfolg rechtfertigte die Mühe:

Über dem Geröllfeld lag eine kleine Plattform, von der aus sich ein schmaler Pfad zwischen den Felsen durchschlängelte.

Garth kroch bis zum anderen Ende des Felsvorsprunges und blickte in die Tiefe. Mit einem erschöpften Grinsen im Gesicht winkte er Torian zu sich.

»Na?« sagte er. »Meinst du immer noch, daß wir besser dort unten weitergeritten wären?« Er deutete auf die beiden Krieger, die dicht hinter den Mündungen der Seitenpässe Posten bezogen hatten, gerade so, daß sie von den Schatten der Felswände verschluckt wurden; unsichtbar für jeden, der aus dem Paß kam. Torian knurrte etwas von blinden Hühnern und Körnern, das Garth geflissentlich überhörte, kroch aber geduckt von der Felskante zurück und richtete sich erst auf, als er sicher war, sich außer Sichtweite der Posten zu befinden.

Der Pfad war mit Trümmern übersät, die meisten kaum größer als eine Faust, aber einige auch mehr als mannshoch und dabei so glatt, daß es fast unmöglich war, darüber hinwegzusteigen, wenn man keine Saugnäpfe an Händen und Füßen hatte. Ein paarmal musterte Torian den Dieb, wenn er glaubte, daß dieser es nicht bemerkte. Im Verlauf der letzten Stunde hatte Garth nicht ein einziges Mal mehr versucht, ihn zur Umkehr zu bewegen, und auch sonst schien eine Veränderung mit ihm vorgegangen zu sein. Er machte nicht mehr den Eindruck, als käme er gegen seinen Willen mit, sondern legte eine geradezu grimmige Entschlossenheit an den Tag.

Vielleicht, dachte Torian, hatte er seinen Widerstand aufgegeben, weil er eingesehen hatte, daß es keine Umkehr mehr für sie gab. Es war seltsam – obwohl er sehr froh war, Garth mit seinen Bärenkräften bei sich zu wissen, war ihm gleichzeitig nicht wohl dabei. Er hatte kein Recht, Garth in Gefahr zu bringen. Im Grunde ging dies alles nur ihn an. Das Baarl war hinter ihm her, Salamir hatte ihn gebeten, Shyleen zu retten, und er war es gewesen, der den Magier getötet und sich damit den Zorn der ganzen Kaste zugezogen hatte... Torian schüttelte die Gedanken ab und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf ihre Umgebung.

Ein kurzes Stück Wegs vor ihnen wurde der Pfad vom Berg verschluckt. Wie ein finsteres Maul klaffte der Eingang zu einer Höhle vor ihnen auf, und wieder erschauerte Torian. Bislang hatten sie wenigstens immer noch ein bißchen Himmel über sich sehen können, einen Teil der vertrauten Welt, der ihm zeigte, daß es noch etwas anderes gab als diese lebensfeindliche Steinöde. Der Gedanke, nun auch dieses letzte bißchen Licht zu verlieren und sich ganz dem Berg auszuliefern, gefiel ihm nicht. Etwas an dieser Umgebung war fremd, anders als alles, was er kannte. Torian lächelte nervös. Er begriff, daß er den Berg fast wie ein Lebewesen betrachtete, wie einen Feind.

Wieder war es Garth, der Entschlossenheit an den Tag legte. Ohne eine Sekunde zu zögern, entzündete der Dieb die mitgebrachte Fackel und trat durch den Felsbogen.

Torian sah noch einmal zurück, wie um einen letzten Blick auf den Tag zu werfen, dann folgte er Garth. Er hatte das Gefühl in das aufgerissene Maul eines gewaltigen steinernen Drachens zu treten. Schlagartig steigerte sich das Gefühl des Unbehagens. Ein niedriger Stollen, in dem sie nur gebückt stehen konnten, nahm sie auf. Das Licht der Fackel leckte mit rotgelben, unstet hin und her huschenden Zungen über die dunklen Wände, brach sich an winzigen Kanten und Vorsprüngen und schuf eine Vielzahl tanzender Schatten, die von bizarrem Leben erfüllt schienen und eine Spur zu dünke! waren. Torian schauderte. Für einen kurzen, entsetzlichen Moment fühlte er sich an das Baarl erinnert.

Aber es war nicht die Kreatur aus Rador. Dies hier war... anders.

Es gab eine flüchtige Ähnlichkeit, und doch war dies hier etwas ganz anderes. Das Licht wurde in wenigen Schritten Entfernung von den Wänden aufgesogen, verschluckt wie von finsteren Schwämmen. Dahinter lastete die Dunkelheit wie eine massive Mauer, schwarze Schattentierchen, die unablässig an dem kleinen Kreis aus Licht nagten.

Er streckte die Hand aus, zögerte einen Herzschlag lang und berührte die Wand neben sich. Das Gestein fühlte sich unter seinen Fingern kalt an, kälter und härter, als er erwartet hatte. Fast wie Glas, dachte er schaudernd, als wäre es unter unvorstellbaren Temperaturen geschmolzen und dann wieder erstarrt. Aber er fühlte noch etwas anderes. So hart der Stein war, schien er unter der Berührung für den winzigen Bruchteil einer Sekunde nachgiebig zu werden und wie feuchtes, gummiartiges Fleisch zu pochen und zu pulsieren. Voller Ekel zog er die Hand zurück. Seine Phantasie spielte ihm einen bösen Streich, das mußte es sein.

»Was ist das?« murmelte er. »Dieser Berg, er...«

Garth blieb stehen und drehte sich herum. Der Fackelschein übergoß sein Gesicht mit flammender Röte und ließ es eingefallen und krank aussehen, eine rote Vision der Furcht, die vor der Dunkelheit auf und ab tanzte. Torian dachte an gigantische Würmer, die irgendwo in diesem Berg herumkrochen und diese Stollen in den Stein fraßen.

»Es ist nichts«, sagte Garth leise, aber mit fast beschwörender Stimme. »Nur Visionen, hörst du?«

»Aber dieser Stollen... er ist nicht von allein entstanden.« Torians Stimme zitterte. Jeder Schritt kostete ihn mehr Kraft als der vorherige.

»Nein, das ist er nicht«, bestätigte Garth. »Vielleicht haben die Alten ihn angelegt, vielleicht die Schwarzen Magier, aber das ist gleichgültig. Du mußt gegen die Visionen ankämpfen, dann tun sie dir nichts.«

Überrascht starrte Torian den Dieb an. War es wirklich Garth, der so mit ihm sprach? Die Veränderung war nun nicht mehr zu übersehen. Auf bizarre Art schien sich ein Rollentausch vollzogen zu haben. Garth hätte derjenige sein müssen, den die Fremdartigkeit der Umgebung halb wahnsinnig vor Angst werden ließ, doch statt dessen schien ihm das alles vertraut zu sein, und er war es plötzlich, der Torian Mut zusprach und ihn’zum Weitergehen zwang. War das wirklich noch Zufall?

Torian stöhnte. Das Denken fiel ihm immer schwerer. Es war, als verströmten die schwarzen Wände etwas, das sein Bewußtsein trübte. Er hob die Hand an den Kopf stöhnte erneut und machte einen mühsamen Schritt. »Du hast recht«, murmelte er, obwohl er keineswegs überzeugt davon war. Aber das Denken war so mühsam. Es tat beinahe weh. »Gehen wir weiter.«

Nach einigen Dutzend Schritten wurde der Stollen höher, so daß sie nun wenigstens aufrecht gehen konnten. Dafür schien die Dunkelheit noch massiver zu werden. Torian kam sich eingesperrt vor, eingewoben in einen Kokon aus Schwärze, der mit jedem Schritt dichter wurde. Selbst das Atmen fiel ihm schwer.

Er verlor jedes Gefühl für Zeit und Entfernung. Automatisch setzte er einen Fuß vor den anderen und folgte Garth, fast ohne zu wissen, warum er es tat.

Er konnte nicht mehr sagen, wie weit er hinter dem Dieb durch die finstere chtonische Steinwelt gelaufen war, als es plötzlich hell vor ihnen wurde. Es konnte eine knappe Viertelmeile, aber ebensogut auch zwei oder drei gewesen sein. Vielleicht waren sie auf der anderen Seite der Welt, vielleicht im Herzen der Hölle angekommen – er wußte es nicht.

Nun – die andere Seite der Welt war es nicht. Bei der Hölle war er nicht ganz sicher: Der Stollen endete wie abgeschnitten und mündete in eine Höhle, deren Größe alles in den Schatten stellte, was Torian je gesehen hatte. Die Wände ragten mehr als fünfzig Meter hoch auf, ehe sie sich sanft zu neigen begannen und in ein gewaltiges Kuppeldach übergingen, das den ganzen Felsendom wie eine Glocke aus Stein überspannte. Durch eine Vielzahl kleiner Löcher in der Kuppel fiel gedämpftes Tageslicht herein und erfüllte die Grotte mit zwielichtigem Halbdunkel, das Torian nur im ersten Moment hell erschien, bis seine Augen sich daran gewöhnt hatten.

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