Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Alle seine Diener.
Auch die, die vor Torians Augen gestorben waren... Torian blickte in die Gesichter der Männer, deren Todesschreie er gehört hatte. Dicht gedrängt standen sie in einem engen Kreis zusammen. Niemand nahm von ihm und Garth Notiz.
Garth berührte ihn an der Schulter und deutete mit der anderen Hand auf etwas in der Mitte der schweigenden unheimlichen Versammlung. Torian konnte nicht erkennen, was es war – aber der Schrecken auf Garth’ Gesicht war nicht zu übersehen. Entschlossen ging er los. Es kostete ihn große Kraft, sich diesen Menschen (Menschen?) zu nähern, von denen einige gar nicht mehr am Leben sein durften, aber er ging weiter, zwängte sich zwischen ihnen hindurch und blieb dann abrupt stehen.
Man hatte eine Decke auf dem Boden ausgebreitet, auf der der Magier lag. Die Decke war einmal buntgemustert gewesen, aber jetzt färbte sie sich rot, und der süßliche Geruch von Blut war fast übermächtig.
Salamirs Gesicht war eine Maske aus halb geronnenem Blut und Schmerzen, und sein Körper lag in unnatürlicher Haltung da; verkrampft und halb gekrümmt wie ein häßlicher, hundert Jahre alter Embryo.
Torian mußte kein zweites Mal hinsehen, um zu erkennen, daß Salamir sterben würde. Ein Schwerthieb hatte ihn am Kopf getroffen und seinen Schädel zertrümmert. Es war fast ein Wunder, daß der Greis überhaupt noch am Leben war. Seine Atemzüge waren so flach, daß Torian sie kaum mehr wahrnahm.
Langsam kniete er neben dem sterbenden Magier nieder. Er empfand einen schwachen Hauch von Mitleid; aber nicht sehr viel. Dazu hatte er Salamir nicht lange genug gekannt, und vielleicht trotzdem ein bißchen zu gut.
Als hätte er nur auf seine Ankunft gewartet, schlug Salamir die Augen auf. Sein Blick war noch klar, aber Torian sah bereits den Tod darin. Noch wenige Sekunden, dachte er. Eigentlich war er schon tot. Er wehrte sich nur noch, aber seine Kraft ließ nach. Unbarmherzig.
»Shyleen«, stöhnte Salamir. »Sie haben... Shyleen mitgenommen.«
»Ruhig«, sagte Torian hilflos. »Du darfst nicht sprechen.« Er sprach die Worte aus, ohne über ihren Sinn nachzudenken. Es war gleichgültig, ob Salamir sprach oder nicht. Er starb. Torian glaubte nicht, daß er noch Schmerzen spürte.
»Nein«, flüsterte der Magier. »Ich... weiß, daß ich sterbe, Torian. Nach all den Jahrhunderten hat... der Tod für mich seinen Schrecken verloren, aber... ich habe versagt. Shyleen... sie darf nicht im Tempel bleiben. Du weißt, was sonst geschieht. Ich... ich hätte sie töten sollen, aber... ich habe es nicht fertiggebracht. Sie ist... meine Tochter. Du mußt sie retten, Torian.«
Er bäumte sich auf, als sein sterbender Körper von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. Blutiger Schaum quoll über seine Lippen. Der Schatten in seinem Blick wurde dunkler.
»Du mußt sie retten, oder... sie töten. Wenn nicht meinetwegen, dann... tu es für dich. Nur sie kann dich... vor dem Baarl schützen. Versprich mir, sie... zu retten, oder zu... töten.« Er hustete. Ein rasselndes, schreckliches Geräusch mischte sich in seine Atemzüge, und etwas in ihm schien zu zerbrechen.
»Versprich es... mir, Torian«, flüsterte er. »Der Tod ist... tausendmal barmherziger als das, was sie... erwartet. Bitte...«
»Ich verspreche es«, sagte Torian ernst. Neben ihm sog Garth erschrocken die Luft ein, aber Torian machte nur eine hastige Handbewegung, dann wandte er sich wieder an den sterbenden Magier. »Wie kommen wir in den Tempel?«
»Der Berg... an seinem Fuß steht... eine verkrüppelte Kiefer. Zweihundert Schritte nach... Süden. Dort findet ihr... einen unbewachten Paß. Rettet Shyleen... rettet sie. Und... vielleicht euch. Sie...« Er brach ab, als ein weiterer Hustenanfall seinen Körper schüttelte.
»Es ist gut«, sagte Torian rasch. »Sprich nicht mehr. Kalaars Leute können uns führen. Schweig jetzt. Es ist nicht nötig, daß du dich quälst.«
»Kalaar... un... möglich«, stammelte Salamir. »Sie... leben nicht.« Seine Stimme sank zu einem kaum noch hörbaren Flüstern herab. Torian beugte sich weiter vor, um ihn zu verstehen. »Sie sind schon... seit vielen Jahren tot. Leere Hüllen ohne... Seele. Illusionen. Sie... sie waren meine... Schöpfungen. Ich...«
Er bäumte sich noch einmal auf und starb.
Und nicht nur er.
Es war gespenstisch, obwohl Torian es beinahe erwartet hatte: Im selben Moment, in dem der Magier starb, lösten sich die Gestalten um ihn herum auf. Auch die Halle verwandelte sich, als die Illusion verging. Alles um ihn herum veränderte sich in Sekundenschnelle. Mauern, vor einer Sekunde noch massiv, zerbröckelten lautlos zu Schutt, die hölzerne Treppe zerfiel zu Staub. Es war genau der Eindruck, den er schon auf dem Hof gehabt hatte. Das Gebäude alterte, eine Sekunde war ein Jahr, eine Minute ein Menschenalter... Und das Haus wurde wieder zu dem, was es gewesen war, bevor Salamir mit seiner Magie hierhergekommen war: einer Ruine. Keiner von ihnen sagte noch ein Wort. Aber als Torian aufsah, las er nichts als pures Entsetzen in Garth’ Blick.
Das gleiche Gefühl, das – ganz langsam, aber unaufhaltsam wie eine schleichende Krankheit – auch von ihm Besitz ergriff.
Sie hatten den Zauberer begraben und waren unmittelbar darauf aufgebrochen. Es gab nichts mehr, was sie noch auf dem verfallenen Hof gehalten hätte; wohl aber eine Menge, was dafür sprach, ihn so schnell wie möglich zu verlassen. Selbst Torian – der sich aller Logik zum Trotz noch immer beharrlich weigerte, die Möglichkeit echter
Zauberei zu akzeptieren – spürte den düsteren Hauch, der über dem Karree verkohlter Ruinen lag, und selbst ihm war es, als löse sich eine Last von seiner Seele, nachdem sie den Hof verlassen und auch das kranke Wäldchen wieder hinter sich gelassen hatten. Er verstand plötzlich, warum das tremonische Heer einen Bogen um diesen Wald geschlagen hatte. Er wußte nicht, was es war – aber irgend etwas war hier, sicherlich keine Zauberei, aber etwas Unverständliches und Gefährliches.
Sie sprachen sehr wenig, aber sie waren den Rest der Nacht durchgeritten, so daß sie den Fuß des Gebirges erreichten, noch ehe die Sonne über den Bergen aufging. Das Land war hier längst nicht mehr kahl und von der Hitze ausgedörrt wie am Rand der Staubwüste. Der Boden war fruchtbar, und Wasser stellte kein Problem mehr dar. Immer wieder trafen sie auf kleine, klare Gebirgsbäche, so daß sie und ihre Tiere ihren Durst stillen konnten. Die Lebensmittel, die Garth eingepackt hatte, würden selbst für zwei Männer reichen, bis sie jagbares Wild oder andere Menschen trafen.
Dann wurde es hell, und im ersten Licht des neuen Tages sahen sie den Felsen, den Shyleen beschrieben hatte. Es war eine schlanke Felsspitze, die sich wie das Hörn eines Fabeltieres tausend Meter oder höher in den Himmel reckte. Eine Verwechslung war ausgeschlossen; der Berggipfel war so charakteristisch, daß er wie ein Wegweiser wirkte, den jemand eigens für diesen Zweck hier aufgestellt hatte; jemand mit sehr großen Händen allerdings. Der Anblick jagte Torian einen kalten Schauer über den Rücken. Jetzt, als sie dem sonderbar geformten Felspfeiler nahe waren, erschien er ihm weniger wie ein Wegweiser als wie eine Drohung; eine letzte – allerletzte – Warnung, lieber nicht weiterzugehen.
Auch die verkrüppelte Kiefer war nicht schwer zu finden, und wie beschrieben entdeckten sie kaum zweihundert Schritte südlich davon den Eingang einer Schlucht, die schmal, aber sehr tief wie eine Wunde im Berg klaffte und in Torian allerlei unangenehme Assoziationen wachrief.
Auch Garth mußte ähnliches empfinden, denn er zugehe sein Pferd und blickte mit unverhohlener Furcht zu dem finsteren Spalt im Felsen hinüber. »Das ist doch Wahnsinn«, sagte er leise. Sein Protest klang schwach – sie hatten nur ein paar Dutzend Worte miteinander gewechselt, seit sie den Hof verlassen hatten, aber er schien genau zu wissen, wie es in Torian aussah. Es war wohl auch nicht schwer zu erraten.