Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Jack Randall.« Es war nicht meine Stimme, die sprach, sondern Jamies, und sie klang seltsam ruhig und abwesend. Durch mein seltsames Verhalten aufmerksam geworden, war er meiner Blickrichtung gefolgt und hatte gesehen, was ich gesehen hatte.
Er regte sich nicht. Soweit ich das im zunehmenden Nebel meiner Panik sagen konnte, atmete er nicht. Mir war dumpf bewusst, dass ein Dienstbote neugierig an der hochgewachsenen Gestalt des erstarrten schottischen Kriegers an meiner Seite emporblickte, lautlos wie eine Statue des Mars. Doch meine ganze Sorge galt Jamie.
Er war vollkommen still. Still, wie es ein Löwe ist, Teil des Grases der Ebene, sein Blick brennend und reglos wie die Sonne, die die Savanne verbrennt. Und ich sah eine Bewegung in den Tiefen seiner Augen. Das verräterische Zucken der jagenden Katze, das winzige Pinseln des Schwanzendes, das dem Blutvergießen vorausgeht.
In der Gegenwart des Königs zur Waffe zu greifen, bedeutete den Tod. Murtagh befand sich am anderen Ende des Gartens, viel zu weit fort, um zu helfen. Noch zwei Schritte, und Randall würde in Hörweite sein. In der Reichweite eines Schwertes. Ich legte ihm die Hand auf den Arm. Er war starr wie der Stahl des Schwertknaufes unter seinen Fingern. Das Blut toste mir in den Ohren.
»Jamie«, sagte ich. »Jamie!« Und verlor das Bewusstsein.
Kapitel 10
Eine Dame mit herrlichem braunem Lockenhaar
Völlig desorientiert schwamm ich aus einem Dunstschleier empor, der aus Sonnenlicht, Staub und bruchstückhaften Erinnerungen bestand.
Frank war über mich gebeugt, das Gesicht sorgenvoll verzogen. Er hielt meine Hand, nur dass das nicht stimmte. Die Hand, die ich hielt, war viel größer als Franks, und meine Finger strichen über rauhe, drahtige Härchen auf dem Handgelenk. Franks Hände waren so glatt wie die eines Mädchens.
»Geht es wieder?« Die Stimme gehörte Frank, leise und kultiviert.
»Claire!« Diese Stimme, tiefer und rauher, gehörte ganz und gar nicht Frank. Sie war auch nicht kultiviert. Sie war voller Angst und Sorge.
»Jamie.« Endlich fand ich den Namen, der zu dem geistigen Bild passte, nach dem ich gesucht hatte. »Jamie! Nicht …« Ich fuhr kerzengerade auf und blickte wild von einem Gesicht zum anderen. Ich war von einem Kreis neugieriger Gesichter umgeben; Höflinge scharten sich in mehreren Reihen um mich, und man hatte etwas Platz für Seine Majestät gelassen, der sich über mich gebeugt hatte und mit einer Miene mitfühlender Neugier auf mich herunterblinzelte.
Zwei Männer knieten neben mir im Staub. Jamie zur Rechten, die Augen schreckgeweitet und das Gesicht so weiß wie die Weißdornblüten. Und zu meiner Linken …
»Geht es Euch gut, Madame?« Die grünbraunen Augen waren nur von respektvoller Besorgnis erfüllt, die feinen dunklen Augenbrauen darüber fragend hochgezogen. Es war natürlich nicht Frank. Es war auch nicht Jonathan Randall. Dieser Mann war gute zehn Jahre jünger als der Hauptmann, vielleicht eher in meinem Alter, sein Gesicht blass und nicht vom Wetter gezeichnet. Seine Lippen waren genauso fein gemeißelt, doch ihm fehlten die Spuren der Rücksichtslosigkeit, die den Mund des Hauptmanns einrahmten.
»Ihr …«, krächzte ich und lehnte mich ein wenig von ihm fort. »Ihr seid …«
»Alexander Randall, Esquire, Madame«, antwortete er schnell, begleitet von einer angedeuteten Geste in Richtung seines Kopfes, als wollte er einen Hut ziehen, den er gar nicht trug. »Ich glaube nicht, dass wir uns bereits begegnet sind?«, sagte er mit einem Hauch von Zweifel.
»Ich, äh, das heißt, nein, das sind wir nicht«, sagte ich und ließ mich in Jamies Arm zurücksinken. Der Arm war zwar reglos wie ein Eisengeländer, doch die Hand, die die meine hielt, zitterte, und ich zog unsere verschränkten Hände unter eine Rockfalte, um es zu verbergen.
»Eine recht informelle Art, sich kennenzulernen, Mrs., äh, nein … Lady Broch Tuarach, nicht wahr?« Die hohe, pfeifende Stimme lenkte meine Aufmerksamkeit über meinen Kopf, wo das errötete Cherubinengesicht des Herzogs von Sandringham dem Comte de Sévigny und dem Duc d’Orléans neugierig über die Schultern spähte. Er schob seinen Körper umständlich durch die enge Öffnung zwischen den beiden und streckte die Hand aus, um mir aufzuhelfen. Ohne meine verschwitzte Handfläche loszulassen, verbeugte er sich vor Alexander Randall, Esquire, der verwundert die Stirn runzelte.
»Mr. Randall ist bei mir als Sekretär beschäftigt, Lady Broch Tuarach. Die Geistlichkeit ist zwar eine noble Berufung, doch unglücklicherweise zahlen noble Absichten keine Schusterrechnung, nicht wahr, Alex?« Der junge Mann errötete sacht über diesen Scherz auf seine Kosten, doch er neigte zivil den Kopf in meine Richtung und bestätigte die Vorstellung seines Brotherrn. Erst jetzt fielen mir der nüchterne schwarze Anzug und der weiße Stehkragen auf, die ihn als Geistlichen niederen Ranges auswiesen.
»Seine Durchlaucht hat recht, Madame. Und da dies so ist, muss ich ihm für sein Angebot, mich zu beschäftigen, zutiefst dankbar sein.« Eine schwache Anspannung seiner Lippen schien darauf hinzudeuten, dass seine Dankbarkeit trotz seiner freundlichen Worte möglicherweise doch nicht so tief empfunden war. Ich richtete den Blick auf den Herzog, der die kleinen blauen Augen zum Schutz vor der Sonne zusammengekniffen hatte und dessen Miene ausdruckslos und undurchdringlich war.
Dieses kleine Tableau wurde unterbrochen, weil der König in die Hände klatschte und damit zwei Bedienstete herbeirief, die mich an beiden Armen packten und mich trotz meines Protests mit Gewalt in eine Sänfte hoben.
»Nicht doch, Madame«, sagte er und tat damit sowohl den Protest als auch meinen Dank ab. »Geht heim und ruht Euch aus; wir möchten doch nicht, dass Ihr zu schwach für den morgigen Ball seid, non?« Seine großen braunen Augen zwinkerten mich an, als er meine Hand an seine Lippen hob. Ohne den Blick von meinem Gesicht abzuwenden, verbeugte er sich formell vor Jamie, der sich wieder so weit gefasst hatte, dass er einige elegante Dankesworte fand, und sagte: »Möglicherweise, Mylord, werde ich Euren Dank in Form Eurer Erlaubnis entgegennehmen, Eure reizende Gemahlin um einen Tanz zu bitten.«
Zwar spannten sich Jamies Lippen an, doch er verbeugte sich ebenfalls und sagte: »Eure Aufmerksamkeit ehrt meine Gemahlin genauso wie mich.« Er warf einen Blick in meine Richtung. »Wenn es ihr morgen Abend gut genug geht, wird sie sich gewiss darauf freuen, mit Eurer Majestät zu tanzen.« Er drehte sich um, ohne auf eine offizielle Entlassung zu warten, und wandte sich mit einem Ruck seines Kopfes an die Sänftenträger.
»Heim«, sagte er.
Endlich daheim nach einem heißen, rumpelnden Transport durch die Straßen, die nach Blumen und Kloake rochen, legte ich mein schweres Kleid und sein unbequemes Stützwerk ab, um einen seidenen Morgenrock anzuziehen.
Ich fand Jamie vor dem kalten Kamin. Er saß mit geschlossenen Augen da, die Hände auf den Knien, als überlegte er. Er war so weiß wie sein Leinenhemd und schimmerte im Schatten der Kaminumrandung wie ein Geist.
»Heilige Mutter Gottes«, murmelte er und schüttelte den Kopf. »Gott und alle Heiligen, das war knapp. Ich war um Haaresbreite davon entfernt, diesen Mann umzubringen. Ist dir klar, Claire, wenn du nicht in Ohnmacht gefallen wärst … Himmel, ich wollte ihn umbringen, mit dem letzten bisschen Willen, das ich hatte.« Er brach ab, weil ihn die Nachwirkungen des Nachmittags erneut erschauern ließen.
»Du solltest besser die Füße hochlegen«, drängte ich ihn und zog an einem schweren Fußschemel aus Holz.
»Nein, es geht schon wieder«, sagte er und winkte ab. »Dann ist er … Jack Randalls Bruder?«
»Das halte ich für extrem wahrscheinlich«, sagte ich trocken. »Jemand anders kann er ja kaum sein.«