Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)
- Автор: Престон Дуглас, Чайлд Линкольн
- Серия: Ein Fall für Special Agent Pendergast #17
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er trank das Budweiser aus, zerdrückte schlecht gelaunt die Bierdose und legte sie auf eine Zeitschrift, die auf dem Beistelltisch lag, wo sich bereits vier auf die gleiche Weise zerdrückte Bierdosen befanden, aufgereiht wie gefallene Zinnsoldaten.
Er riss gerade die Lasche der sechsten Dose ab, als Laura aus der Küche kam. Sollte sie die leeren Dosen bemerkt haben, so sagte sie nichts dazu; sie setzte sich nur ihm gegenüber in einen Sessel.
»Zu heiß da drin«, sagte sie und deutete mit einem Nicken in Richtung Küche. »Wie auch immer, die Schwerstarbeiten sind erledigt.«
»Kann ich dir helfen?«, fragte er zum vierten Mal.
»Danke, aber es ist nichts mehr zu tun. In einer halben Stunde können wir essen – ich hoffe, du hast guten Appetit.«
D’Agosta, der mehr Durst als Hunger hatte, nickte und trank noch einen Schluck.
»Was ist eigentlich aus Michelob geworden?«, fragte er unvermittelt und hielt die Dose Budweiser beinahe anklagend in die Höhe. »Dem echten Michelob, meine ich. Also das war ein Premium-Bier. Und diese dickbäuchige Flasche mit der Goldfolie am Flaschenhals – da hatte man wirklich das Gefühl, dass man etwas Besonderes trank. Aber heute sind alle verrückt nach Craft-Bieren. Als ob die Leute vergessen hätten, wie ein klassisches amerikanisches Getränk schmeckt.«
Laura schwieg.
D’Agosta hob die Bierdose an, um noch einen Schluck zu trinken, stellte sie dann aber beiseite. »Tut mir leid.«
»Es muss dir nicht leidtun.«
»Ich sitze hier herum, schmolle wie ein Kleinkind und bemitleide mich selbst.«
»Vinnie, das geht nicht nur dir so, sondern allen, die in dem Fall ermitteln. Ich meine, er zerreißt die Stadt. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, unter welchem Druck du stehst.«
»Ich habe Dutzende Detectives, die daran arbeiten, aber sie drehen sich immer nur im Kreis.« Die verbringen wahrscheinlich auch ein lausiges Neujahr, dachte er. Und das ist meine Schuld. Ich habe die Ermittlungen nicht vorangebracht.
Er setzte sich vor, merkte, dass er angetrunken war, und lehnte sich wieder zurück. »Es ist zum Verrücktwerden. Diese Adeyemi. Ich habe mit allen geredet, die möglicherweise ein Hühnchen mit ihr zu rupfen hatten. Nichts. Selbst ihre Feinde sagen, dass sie eine Heilige war. Meine Leute haben rund um die Uhr gegraben. Verflucht, ich habe sogar daran gedacht, selbst nach Nigeria zu fliegen. Ich weiß einfach, dass es in ihrem Leben irgendeinen kranken Scheiß gibt.«
»Vinnie, mach dich deswegen doch nicht selbst fertig. Nicht heute.«
Doch er konnte einfach nicht loslassen. Es war wie ein schmerzender Zahn, an den man immer wieder mit der Zunge drankam. Und das Schlimmste, das war dieses Gefühl, das er nicht abschütteln konnte: dass der ganze Fall sich auflöste, aus den Fugen geriet, unmittelbar vor seinen Augen. So wie der Rest des NYPD und alle anderen in der Stadt war auch er überzeugt, dass es sich bei dem Täter um einen irren Psycho handelte, der die übelsten der Einprozenter ins Visier nahm. Und Gott allein wusste, als Harriman seine Idee das erste Mal veröffentlicht hatte, ergab sie für D’Agosta und alle anderen absolut Sinn. Doch ganz gleich, unter welchem Stein er nachschaute, er konnte diesen jüngsten Mord einfach nicht in das Muster einfügen.
Und dann war da noch Pendergast. Mehr als einmal hatte er an das zurückgedacht, was der FBI-Agent gesagt hatte. Es gibt in der Tat ein Motiv für diese Morde. Aber es ist nicht das, an das Sie, das NYPD und ganz New York offenbar glauben. D’Agosta hatte das Gefühl, dass Pendergast eine ganz andere Richtung verfolgte. Aber er konnte einen auch wirklich wütend machen – er zerlegt deine Theorien und hält gleichzeitig seine eigenen zurück.
Was er tun musste, das war D’Agosta jetzt klar: Er musste sich neu orientieren. Pendergast hatte schließlich nicht gesagt, dass er Adeyemi für eine Heilige hielt, jedenfalls nicht wörtlich. Er hatte nur angedeutet, dass sie die ganze Sache auf falsche Weise betrachteten. Vielleicht gab es ja gar keine Serie von unentdecktem Fehlverhalten, sondern Adeyemi hatte eine wirklich grauenhafte Sache verbrochen. Die wäre sehr viel leichter zu vertuschen. Schwieriger aufzudecken, zugegeben, aber wenn man die erst einmal gefunden hätte: Volltreffer!
Porzellangeklapper riss D’Agosta aus seinen Gedanken. Laura deckte den Wohnzimmertisch. D’Agosta trank sein Bier nicht aus, sondern stand auf und ging in die Küche, um Laura zu helfen. In den letzten Minuten war sein Appetit in der Tat größer geworden. Er würde den Fall eine Weile vergessen, die Gesellschaft und die Kochkünste seiner Frau genießen … und dann würde er zurück ins Präsidium fahren und wieder herumtelefonieren.
45
Von ihrem Stuhl aus sah Isabel Alves-Vettoretto ihrem Arbeitgeber dabei zu, wie er die drei Seiten, die Bryce Harriman ihm ausgehändigt hatte, durchlas und dann noch mal durchlas.
Sie warf Harriman einen abschätzenden Blick zu. Wenn es darum ging, Leute zu durchschauen, war sie unschlagbar. Sie spürte, dass in dem Reporter die Gefühle Angst, Empörung, Stolz und Trotz miteinander im Widerstreit lagen.
Ozmian hatte die zweite Lektüre beendet und reichte den Artikel, den Harriman ihnen vorschlug, über den wuchtigen Schreibtisch zu Alves-Vettoretto hinüber. Sie las ihn mit mäßigem Interesse durch. Der Reporter hat also seine Hausaufgaben gemacht, dachte sie. Alves-Vettoretto hatte viele Bücher über die großen Eroberer der Weltgeschichte gelesen, und jetzt kam ihr ein Zitat aus Julius Cäsar in den Sinn: Es ist nur Hybris, wenn ich scheitere.
Behutsam legte sie den Artikel an den Rand des Schreibtisches. In dem kurzen Zeitraum, nachdem Pendergast den Raum verlassen und Bryce Harriman hereingeführt worden war, hatte sich Ozmian untypisch still verhalten und tief in Gedanken über irgendwas in seinem Computer nachgegrübelt. Jetzt aber waren seine Gesten schnell und ökonomisch. Als Alves-Vettoretto den Artikel aus der Hand gelegt hatte, merkte sie, dass Ozmian sie anschaute.
Ihr war klar, was dieser Blick bedeutete, sie stand auf und entschuldigte sich, kurz das Büro verlassen zu müssen.
Was sie tun musste, war minutiös im Voraus geplant worden, und es in Gang zu setzen dauerte fünf Minuten. Als sie zurückkehrte, legte Harriman gerade mit triumphierender Miene ein weiteres Blatt Papier auf Ozmians Schreibtisch, offenbar eine Kopie der eidesstattlichen Erklärung, die Harriman laut eigener Aussage von dem Augenzeugen in Massachusetts eingeholt hatte.
Jetzt redete Ozmian, und Harriman hörte zu.
»Und diese ›Gegen-Erpressung‹, wie Sie das nennen, besteht demnach aus drei Teilen«, sagte Ozmian in ruhigem Tonfall, während er auf den Entwurf des Artikels zeigte. »Sie legen im Detail die Geschehnisse von vor dreißig Jahren dar, als ich vor einer Gruppe von Kirchgängern Pater Anselm in der Kirche ›Our Lady of Mercy‹ bewusstlos geschlagen habe. Zudem sind Sie, um das zu beweisen, im Besitz einer eidesstattlichen Erklärung.«
»Das trifft es so ziemlich.«
Ozmian beugte sich über den Schreibtisch vor. »Die öffentliche Meinung ist mir völlig egal.« Er zögerte einen Moment. Sein Ärger schien verflogen zu sein, ein Ausdruck der Ernüchterung trat in sein Gesicht. »Ich muss jedoch gestehen, dass der Aufsichtsrat von DigiFlood es möglicherweise nicht gutheißen wird, dass diese Information an die Öffentlichkeit gelangt und dadurch ein Schatten auf das Unternehmen fällt. Ich gratuliere Ihnen zu Ihren investigativen Fähigkeiten.«
Harriman nahm das Kompliment würdevoll entgegen.
Ozmian drehte sich in seinem Stuhl, warf einen kurzen Blick aus den riesigen Fenstern. Dann wandte er sich wieder zu Harriman um. »Anscheinend befinden wir uns in einer Art mexikanischem Patt. Also, jetzt verrate ich Ihnen mal, was passieren wird. Ich mache die Erpressung rückgängig, überweise das Geld zurück auf das Konto der Shannon-Croix-Stiftung und sorge dafür, dass das Ganze wie ein Fehler der Bank aussieht. Im Gegenzug überlassen Sie mir, bevor Sie gehen, das Original der eidesstaatlichen Erklärung – und willigen ein, nichts über den Vorfall in ›Our Lady of Mercy‹ zu veröffentlichen.«