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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Und doch mußte Nafai unentwegt darüber nachdenken, wie gern diese Leute zu dieser Stadt gezogen wären.

Wie gern er dorthin gezogen wäre.

Ja, das war das Problem. Das störte ihn. Er wollte auch in die Stadt. Nicht wegen der Dinge, wegen denen sie dorthin wollten; zumindest vermutete er, daß sie deshalb dorthin wollten. Nafai begehrte keine andere Frau als Luet; sie waren eine Familie, und daran würde sich nichts ändern, ganz gleich, wo sie lebten, das hatte er schon vor geraumer Zeit beschlossen. Nein, Nafai wollte ein weiches Bett, in das er Schveja legen konnte. Eine Schule, die sie aufnehmen würde. Ein Haus für Luet und Schveja und die Kinder, die vielleicht noch kommen würden. Nachbarn und Freunde — Freunde, die er sich selbst aussuchen konnte, und nicht diese zufällige Ansammlung von Leuten, von denen er die meisten nicht besonders gut leiden konnte. Das bedeuteten diese Lichter für ihn — und statt dessen befand er sich auf einer Wiese, die sich trügerisch zum Meeresufer neigte. Wenn man einfach die Augen zusammenkniff, sah man nicht mehr, daß man sich einen Kilometer über dem Meeresspiegel befand, konnte man sich einfach einreden, daß man nur diese Wiese hinabschlenderte und dann mit einem Boot über die Bucht fuhr, und man war zu Hause, die Reise war vorbei, man konnte baden und in einem richtigen Bett schlafen, und wenn man aufwachte, war das Frühstück bereits zubereitet, und neben einem lag seine Frau, und dann hörte man das leise Geräusch, mit dem die kleine Tochter aufwachte, und man schlüpfte aus dem Bett und nahm sie aus der Wiege und brachte sie ihrer Mutter, die schläfrig eine Brust aus dem Nachthemd zog und den Mund des Babys dagegen drückte, das sich dann auf dem Bett gegen ihre Armbeuge schmiegte. Und man legte sich neben sie und lauschte dem Schmatzen und Saugen des Babys, und man hörte die Vögel, die vor dem Fenster sangen und die Geräusche des Morgens in der nicht fernen Straße, die Händler, die riefen, was sie alles zu verkaufen hatten: Eier, Beeren, Sahne, süßes Brot und Kuchen.

Überseele, warum hast du uns nicht in Ruhe gelassen? Warum konntest du nicht noch eine Generation warten? Vierzig Millionen Jahre, und du konntest nicht warten, damit Luets und meine Urgroßkinder dieses große Abenteuer erleben? Warum hast du Issib und mich nicht herausfinden lassen, wie ,man eine dieser wunderbaren alten Flugmaschinen baut, damit wir uns in ein paar Stunden problemlos dorthin begeben können, wohin wir wollen? Zeit, mehr brauchen wir wirklich nicht. Zeit, um zu leben, bevor wir unsere Welt verlieren.

Hör auf zu jammern, sagte die Überseele in Nafais Verstand. Vielleicht war es aber auch gar nicht die Überseele. Vielleicht war es nur Nafais Gefühl, sich bereits zu sehr gehen gelassen zu haben.

Es war Morgen, kurz vor der Dämmerung. Sie befanden sich an der Quelle, deren Namen der Index mit Schazer angegeben hatte, obwohl Nafai nicht begriff, wieso jemand einem so obskuren Ort einen Namen gegeben hatte und wieso die Überseele sich überhaupt daran erinnerte. Vas hatte die letzte Nachtwache gehabt und Nafai danach geweckt, damit sie gemeinsam auf die Jagd gingen. Vor drei Tagen hatten sie zum letzten Mal Fleisch gegessen, und diese Lagerstelle war gut, so daß sie sich notfalls zwei Tage für die Jagd Zeit lassen konnten. Vas würde also versuchen, ein Tier oder zumindest eine Fährte ausfindig zu machen; Nafai folgte ihm, und wenn die Beute in der Nähe wäre, würde sich alles wie immer abspielen: Er schlich sich heran, bis er das Tier sah. Dann nahm er den kostbaren Pulsator, zielte sorgfältig, versuchte zu vermuten, in welche Richtung das Tier sich bewegen würde, wie weit und wie schnell, und dann drückte er auf den Abzug, und der Lichtstrahl würde ein Loch in das Herz des Tieres brennen und die Wunde versengen, so daß sie nicht blutete, abgesehen von einem heißen, nassen Rauch, der den Sand und die Felsen befleckte, auf die er sich rot und schwarz legte.

Nafai war der Sache überdrüssig. Aber es war seine Pflicht, und als Vas leise am Stoff des Zeltes kratzte, dort, wo Nafais Kopf lag, erwachte Nafai sofort — falls er nicht schon wach gewesen war und am Rand eines Traums getrieben hatte —, stand auf und zog sich an, ohne Luet oder Schveja zu wecken, nahm den Pulsator aus seinem Kasten und begab sich zu Vas in die frostige Dunkelheit hinab.

Vas nickte ihm zur Begrüßung zu — sie versuchten, Gespräche zu vermeiden, um die Babies nicht unnötig zu wecken —, und sie gingen los, dem Hang entgegen. Nicht in Richtung Stadt, aber trotzdem zum Meer hinab. Nafai wäre normalerweise zur Jagd niemals hügelabwärts gegangen, da sie die erlegte Beute dann hügelaufwärts zum Lager tragen mußten. Aber diesmal wollte er hinab. Obwohl er ihre Suche niemals aufgeben würde und nicht einmal im Traum daran dachte, Vater oder die Überseele zu betrügen, sehnte sich ein Teil von ihm nach dem Meer und nach dem, was hinter dem Meer lag; und so nickte er, als Vas zum Hang deutete.

Als sie sich ein gutes Stück vom Lager entfernt und den Rand des Hügels erreicht hatten, blieben sie stehen und pinkelten, und dann begann der schwierige Abstieg in das Steingewirr, das nach unten führte. Da die Sonne hinter ihnen aufging, lag der gesamte Hang vor ihnen in den Schatten. Aber Vas war der Fährtenleser, und Nafai hatte schon vor langem erkannt, daß er sowohl gut darin als auch stolz auf seine Fertigkeiten war und es daher besser war, wenn er in dieser Hinsicht nicht versuchte, mit ihm zu konkurrieren.

Der Abstieg war nicht einfach, wenngleich die Dunkelheit sich mit jedem verstreichenden Augenblick hob, denn die Dämmerung schien den Himmel von einem Horizont zum anderen viel schneller zu erhellen, als es in Basilika je der Fall gewesen war. Lag es an der geographischen Breite? An der trockenen Wüstenluft? Woran auch immer es liegen mochte, er konnte etwas sehen, aber er machte lediglich ein Durcheinander von Klippen und Abhängen aus, von Felsvorsprüngen und —ausläufern, die selbst die behendesten Tiere vor Schwierigkeiten stellten. Was für ein Geschöpf willst du hier finden, Vas? Was für ein Tier könnte hier leben?

Aber das waren schlicht und einfach Nafais ganz normale Zweifel — er befürchtete das Schlimmste, obwohl er wußte, daß es hier genug Vegetation gab und sie keine Schwierigkeiten haben würden, Wild zu finden. Es würde nur nicht so einfach sein, es nach Hause zu schaffen. Nicht zuletzt deshalb hatte Elemak stets einen Jäger und einen Fährtensucher gemeinsam ausgeschickt, entweder Nafai und Vas oder damals, als sie noch mehr als einen Pulsator gehabt hatten, Elemak als Jäger und Obring als Fährtensucher. Wenn sie erfolgreich waren, kamen sie nach Hause, und beide Männer trugen je ein halbes Tier auf den Schultern. Das war jedoch öfter bei Nafai und Vas der Fall, teils, weil Nafai der beste Schütze war, teils, weil Obring sich nie lange genug auf das Fährtensuchen konzentrieren konnte, um gute Arbeit zu leisten, und Elemak letztlich beide Aufgaben zugleich erledigen mußte.

Vas hingegen konnte sich sehr gut konzentrieren und sah Dinge, die sonst niemandem auffielen. Vas konnte ein und dieselbe Beute stundenlang unbarmherzig verfolgen. Wie ein Kampfhund, der zuschnappte und nicht mehr losließ. Das war ebenfalls ein Grund für Nafais größeren Erfolg — Vas führte ihn unweigerlich zu der Beute. Der Rest des Erfolgs ging jedoch auf Nafais Konto. Niemand sonst konnte sich so leise an ein Tier anschleichen; niemand sonst zielte so ruhig und sicher. Sie waren ein gutes Gespann, obwohl sie sich nie im Leben hätten träumen lassen, einmal erfolgreiche Jäger zu sein. Der Gedanke wäre ihnen gar nicht in den Sinn gekommen.

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