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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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»Und ich, und Issib — und auch Volemak, das weiß ich«, sagte Huschidh.

»Und sind das nicht alle, auf die es ankommt?«

»Ich sage ihm das ja auch«, erwiderte Schedemei, »aber er besteht darauf, den Diener zu spielen.«

Huschidh sah, daß Schedemei zumindest in diesem Augenblick kurz davor stand, endlich einmal jemandem ihr Herz auszuschütten, etwas, was sie weder vor noch während der Reise je getan hatte. Sie wußte jedoch nicht, wie sie sie dazu ermutigen sollte — sollte sie sie mit einer Frage anstacheln oder Schweigen bewahren, um sie nicht zu drängen?

Sie bewahrte Schweigen.

Und Schedemei ebenfalls.

Bis Schedemei schließlich laut schnüffelte und die Nase an Schvejas Windel hielt. »Hat unser kleines Scheißerchen wieder eine neue Ladung produziert?« fragte sie. »Jetzt zahlt es sich aus, daß ich nur Tante bin. Mama Luet, dein Baby braucht dich.«

Sie lachten — weil sie natürlich wußten, daß Schedemei durchaus eine Windel wechseln konnte. Es war nur ein Scherz, daß sie das Baby der Mutter zurückgab, wenn es lästig wurde.

Nein, nicht nur ein Scherz. Auch ein sehnsüchtiges Bedauern. Schedemei rief sich damit in Erinnerung zurück, daß sie in Wirklichkeit nicht zur Gemeinschaft der Frauen gehörte, wie Zdorab nicht zu der der Männer. Huschidh wußte, sie war nahe daran gewesen, etwas Wichtiges zu erzählen … und dann war der Augenblick verstrichen.

Als Luet ihr Baby säuberte, sah Schedemei zu, und Huschidh wiederum beobachtete sie. Nun, am Ende des Bades, trug Luet nur ein leichtes Hemd, und ihr mütterlicher Körper — schwere Brüste, ein von der nur einige Monate zurückliegenden Geburt noch lockerer und voller Bauch — zeichnete sich durch den Stoff ab, als sie niederkniete und sich über ihr Baby bückte. Was sieht Schedemei, wenn sie Luet ansieht, deren Figur einmal so schlank und knabenhaft war, wie Schedemeis es noch immer ist? Wünscht sie sich diese Verwandlung?

Doch anscheinend hatten Schedemeis Gedanken eine ganz andere Richtung genommen. »Luet«, sagte sie, »als wir gestern an diesem See waren … hat er dich nicht an den See der Frauen in Basilika erinnert?«

»O ja«, sagte Luet.

»Du warst dort die Wasserseherin«, sagte Schedemei. »Wolltest du dich nicht auf der Mitte des Sees treiben lassen und träumen?«

Luet zögerte einen Augenblick lang. »Wir hatten kein Boot«, sagte sie. »Und nichts, woraus wir eins hätten machen können. Und das Wasser war zu heiß, um darin zu schwimmen.«

»Wirklich?« fragte Schedemei.

»Ja«, sagte Luet. »Nafai hat es nachgeprüft. Du weißt, er hat ja auch den See der Frauen durchquert.«

»Aber hast du dir nicht gewünscht, wenigstens für eine kleine Weile, wieder die Person sein zu können, die du einmal gewesen bist?«

Die Sehnsucht in Schedemeis Stimme war so stark, daß Huschidh augenblicklich begriff. »Aber Luet ist doch noch dieselbe Person«, sagte sie. »Sie ist noch immer die Wasserseherin, obwohl sie ihre Tage jetzt auf dem Rücken eines Kamels und ihre Nächte in einem Zelt und jede Stunde mit einem Baby an der Brustwarze verbringt.«

»Ist sie also die Wasserseherin?« fragte Schedemei. »Sie war es — aber ist sie es noch? Oder sind wir alle nichts mehr als das, war —wir jetzt tun? Sind wir in Wirklichkeit nicht stets nur das, wofür die Leute, mit denen wir zusammenleben, uns halten!«

»Nein«, sagte Huschidh. »Sonst würde das doch bedeuten, daß ich in Basilika nur die Entwirrerin war und Luet nur die Wasserseherin und du nur eine Genetikerin. Und das stimmt so doch auch nicht. Es ist immer etwas über und hinter und unter der Rolle, die wir in den Augen der anderen spielen. Sie mögen glauben, daß wir nur das Drehbuch sind, das wir spielen, aber wir müssen es nicht glauben.«

»Aber wer sind wir dann?« fragte Schedemei. »Wer bin ich?«

»Immer eine Wissenschaftlerin«, sagte Luet, »weil du dich noch immer in jeder freien Stunde mit der Wissenschaft beschäftigst.«

»Und unsere Freundin«, sagte Huschidh.

»Und diejenige in unserer Gruppe, die am besten versteht, wie etwas funktioniert«, fügte Luet hinzu.

»Und Zdorabs Frau«, sagte Huschidh. »Ich glaube, das ist für dich am wichtigsten.«

Zu ihrer Überraschung und Bestürzung bestand Schedemeis Antwort nur darin, Dza auf den Teppich zu legen und aus dem Zelt zu laufen. Huschidh erhaschte nur einen kurzen Blick auf ihr Gesicht, sah jedoch, daß sie weinte. Daran bestand kein Zweifel. Sie weinte, weil Huschidh gesagt hatte, es bedeute ihr mehr als alles andere, Zdorabs Frau zu sein. So benahm sich eine Frau, wenn sie an der Liebe ihres Mannes zweifelte. Aber wie konnte sie zweifeln? Offensichtlich drehte sich doch Zdorabs ganzes Leben um sie. Alle wußten, es gab keine besseren Freunde in der Gruppe als Zodja und Schedja — von Luet und Huschidh einmal abgesehen, und sie waren Schwestern, so daß sie kaum zählten. Was also stimmte zwischen Zdorab und Schedemei nicht, daß eine so starke Frau bei diesem Thema so zerbrechlich war? Ein Geheimnis! Huschidh hätte gern die Überseele gefragt, wußte aber, daß sie immer dieselbe Antwort bekommen würde — Schweigen. Oder aber die Antwort, die Luet bekommen hatte — kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten.

Das Beste und das Schlechteste an ihrer Umkehr und der anderen Strecke, die sie in Richtung Süden einschlugen, war, daß sie das Meer sehen konnten. Insbesondere die Dorova-Bucht, einen östlichen Ausläufer des Reinigenden Meeres. Und in klaren Nächten — und alle Nächte waren klar — konnten sie auf der anderen Seite dieser Bucht die Stadt Dorova sehen.

Es war keine Stadt wie Basilika, das wußten sie alle. Es war ein schäbiges Nest am Rande der Wüste, in dem sich Gesindel und Schieber, Versager und Diebe, gewalttätige Männer und Frauen herumtrieben. Sie sagten sich dies immer wieder und erinnerten sich an Geschichten über Wüstenstädte und daran, daß sie keinen Besuch wert waren, nicht einmal, wenn es sich um die letzte Stadt auf ganz Harmonie gehandelt hätte.

Abgesehen davon, daß Dorova die letzte Stadt auf der Welt war — jedenfalls auf ihrer Welt. Die letzte, die sie je sehen würden. Es war die Stadt, die sie vor über einer Woche hätten besuchen können, als Volemak sie vom Nividimu in die Berge hinaufführte und damit die letzte Hoffnung löschte, in die Zivilisation zurückzukehren — oder die letzte Gefahr, je nach Standpunkt.

Nafai sah, wie andere diese Lichter betrachteten, wenn sie sich in der Nacht zusammenfanden. Ihnen war kalt, sie wagten nicht, ein Feuer anzuzünden, und die in Decken gehüllten Kleinkinder schmatzten, wenn sie gestillt wurden, während sie selbst kaltes Wasser tranken und an Trockenfleisch, Zwieback und getrockneten Melonen nagten. Und Obring stiegen Tränen in die Augen — Tränen! Und was war die Stadt schon für ihn? Höchstens ein Ort, wo er einen draufmachen konnte. Tränen! Und Sevet ging es nicht besser mit ihrem starren, einfachen Blick und dem steinernen Ausdruck auf dem Gesicht. Sie hatte ein Baby an der Brust, und sie konnte nur an eine Stadt denken, die so klein und schmutzig war, daß sie sie vor zwei Jahren nicht einmal betreten hätte. Hätte man ihr für einen Auftritt dort das Zwanzigfache ihres üblichen Honorars geboten, hätte sie nur höhnisch darüber geschnaubt — und nun konnte sie den Blick nicht von der Stadt abwenden.

Aber zum Glück konnten sie sie lediglich betrachten. Sie konnten sie sehen, aber sie hatten kein Boot, um die Bucht zu überqueren, und keiner von ihnen war ein so guter Schwimmer, daß er die vielen Kilometer ohne Boot hätte zurücklegen können. Außerdem befanden sie sich nicht am Strand, sie waren mindestens einen Kilometer über ihm, am Rand einer zerklüfteten, schroffen Neigung, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie nun eine Klippe oder ein Hang war. Vielleicht bekämen sie die Kamele dort hinab, aber das war keineswegs sicher. Selbst dann hätten sie noch mit den Kamelen mehrere Tage am Ufer entlang reisen müssen, und ohne die Tiere würden sie kein Trinkwasser haben und es überhaupt nicht schaffen. Nein, niemand würde sich von der Gruppe absondern können und es nach Dorova schaffen. Das wäre nur möglich gewesen, wenn sie alle gingen, und selbst dann hätten sie wahrscheinlich die gesamte Strecke, die sie schon zurückgelegt hatten, umkehren müssen, also eine Reise von mindestens anderthalb Wochen, und wahrscheinlich wären sie dann irgendwann auf eine der Karawanen aus dem Süden gestoßen. Aber das war sowieso ein bedeutungsloses Gedankenspiel, weil Vater niemals umkehren würde.

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