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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Und plötzlich war ich nicht mehr da.

Ich stand in einer langen dunklen Bar mit schwarzen Wänden, Neonreklame und feiernden Erwachsenen. Ein Banner über dem Tresen verkündete ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG, BOBBY EARL. Countrymusik strömte aus den Lautsprechern. Muskulöse Typen in Jeans und Flanellhemden drängten sich am Tresen. Kellnerinnen trugen Tabletts voller Gläser und riefen einander irgendetwas zu. Es war so ziemlich genau das Lokal, in das meine Mom mich niemals hineinlassen würde.

Ich steckte ganz hinten im Gewühl fest, bei den Toiletten (die nicht sonderlich gut rochen) und einigen uralten Spielautomaten.

»Ah, gut, da bist du ja«, sagte der Mann am Pac-Man-Automaten. »Ich nehme eine Cola light.«

Er war ein dicklicher Typ in einem Hawaiihemd mit Leopardenmuster, lila Shorts, roten Turnschuhen und schwarzen Socken, was schon irgendwie auffällig wirkte. Seine Nase war knallrot. Um seine schwarzen Locken war ein Verband gewickelt, als ob er sich gerade von einer Gehirnerschütterung erholte.

Ich blinzelte. »Mr D?«

Er seufzte, ohne die Augen vom Spiel zu lassen. »Wirklich, Peter Johanson, wie lange wirst du noch brauchen, um mich auf Anhieb wiederzuerkennen?«

»Ungefähr so lange, wie Sie brauchen werden, um sich meinen Namen zu merken«, murmelte ich. »Wo sind wir?«

»Auf Bobby Earls Geburtstagsparty natürlich«, sagte Dionysos. »Irgendwo im wunderschönen ländlichen Amerika.«

»Ich dachte, Typhon hätte Sie vom Himmel gefegt. Angeblich haben Sie eine Bruchlandung hingelegt.«

»Deine Besorgnis ist rührend. Es war tatsächlich eine Bruchlandung. Hat echt wehgetan. Ein Teil von mir ist übrigens noch immer dreißig Meter tief in einem verlassenen Kohlenbergwerk verschüttet. Es wird noch Stunden dauern, bis ich genug Kraft habe, mich erneut zu erheben. So lange ist ein Teil meines Bewusstseins hier.«

»In einer Kneipe am Pac-Man-Automaten.«

»Partytime«, sagte Dionysos. »Das musst du doch wissen. Wann immer es irgendwo eine Party gibt, ist meine Anwesenheit vonnöten. Deshalb kann ich an vielen Orten gleichzeitig sein. Das einzige Problem war, eine Party zu finden. Ich weiß nicht, ob dir klar ist, wie ernst die Lage außerhalb deiner Kuschelidylle in New York ist …«

»Kuschelidylle?«

»Aber glaub mir, die Sterblichen hier im Landesinneren sind vollkommen in Panik. Typhon hat sie fertiggemacht. Nur sehr wenige geben noch Partys. Offenbar sind Bobby Earl und seine Freunde, die Götter mögen ihnen gnädig sein, ein wenig langsam. Sie haben noch nicht kapiert, dass das Ende der Welt näher rückt.«

»Ich … ich bin also gar nicht hier?«

»Nein. Ich werde dich gleich in dein normales belangloses Leben zurückschicken und es wird so sein, als wäre nichts passiert.«

»Aber warum haben Sie mich hergeholt?«

Dionysos schnaubte. »Ach, ich wollte eigentlich nicht dich im Besonderen. Ich wollte einfach irgendwen von euch blöden Heroen. Diese Annie …«

»Annabeth.«

»Es geht um Folgendes«, sagte er. »Ich habe dich auf diese Party geholt, um eine Warnung zu überbringen. Wir schweben in Gefahr.«

»Ach wirklich«, sagte ich. »Auf die Idee wäre ich nun echt nicht gekommen. Danke.«

Er funkelte mich an und vergaß für einen Moment sein Spiel. Pac-Man wurde von dem roten Gespenstertypen gefressen.

»Erre es korakas, Blinky!«, fluchte Dionysos. »Ich hol mir deine Seele!«

»Äh, das ist ein Typ aus einem Videospiel«, sagte ich.

»Das ist keine Entschuldigung. Und du ruinierst mir das Spiel, Jorgenson.«

»Jackson.«

»Egal! Und jetzt hör zu. Die Lage ist ernster, als du dir vorstellen kannst. Wenn der Olymp fällt, werden nicht nur die Götter verschwinden, sondern alles, was mit unserem Erbe zusammenhängt, wird ebenfalls untergehen. Das ganze Gewebe, das eurer albernen kleinen Zivilisation zugrunde liegt …«

Der Spielautomat klimperte ein Lied und Mr D rückte auf Level 254 vor.

»Ha!«, rief er. »Nehmt euch in Acht, ihr gepixelten Schurken!«

»Äh, das Gewebe der Zivilisation«, erinnerte ich ihn.

»Jaja. Eure gesamte Gesellschaft wird zerfallen. Vielleicht nicht sofort, aber du kannst mir glauben, das Chaos der Titanen wird den Untergang des Abendlandes einläuten. Kunst, Gesetze, Weinproben, Musik, Videospiele, Seidenhemden, Samtmalerei – alles, was das Leben lebenswert macht, wird verschwinden!«

»Und warum kommen die Götter uns dann nicht zu Hilfe?«, fragte ich. »Wir sollten uns am Olymp zusammenschließen. Vergesst Typhon.«

Er schnippte ungeduldig mit den Fingern. »Du hast meine Cola light vergessen.«

»Bei den Göttern, Sie können nerven.« Ich winkte der Kellnerin und bat um seine blöde Cola. Ich ließ sie auf Bobby Earls Rechnung setzen.

Mr D trank einen großen Schluck. Seine Augen klebten weiterhin an seinem Videospiel. »Die Wahrheit ist, Pierre …«

»Percy.«

»… die anderen Götter würden das niemals zugeben, aber wir brauchen euch Sterbliche, um den Olymp zu retten. Verstehst du, wir sind Manifestationen eurer Kultur. Wenn wir euch nicht wichtig genug sind, um den Olymp selbst zu retten …«

»Das ist wie mit Pan«, sagte ich. »Der davon abhängig ist, dass die Satyrn die Wildnis retten.«

»Ja, genau. Ich werde natürlich abstreiten, das jemals gesagt zu haben, aber die Götter brauchen die Heroen. Das war immer schon so. Sonst würden wir euch nervige kleine Gören doch gar nicht in unserer Nähe dulden.«

»Ich fühle mich so willkommen. Danke.«

»Nutze das Training, das du im Camp von mir bekommen hast.«

»Was denn für ein Training?«

»Du weißt schon. Dieser ganze Heldenkram und … Nein!« Mr D schlug auf die Spielkonsole. »Na pari i eychi! Das letzte Level!«

Er sah mich an und lila Feuer loderte in seinen Augen. »Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, habe ich einmal geweissagt, dass du dich als ebenso selbstsüchtig erweisen würdest wie alle anderen menschlichen Heroen auch. Jetzt hast du die Chance, mich Lügen zu strafen.«

»Ja, Sie stolz zu machen, steht wirklich ganz hoch oben auf meiner Liste.«

»Du musst den Olymp retten, Pedro! Überlass Typhon den Olympiern und rette unser Machtzentrum. Es muss sein!«

»Klar. War schön, mit Ihnen zu plaudern. Aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, meine Freunde fragen sich sicher schon …«

»Das ist noch nicht alles«, sagte Mr D warnend. »Kronos hat seine volle Kraft noch nicht wiedererlangt. Der Körper dieses Sterblichen war nur eine vorübergehende Maßnahme.«

»Das haben wir uns auch schon gedacht.«

»Und habt ihr euch auch schon gedacht, dass Kronos innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden diesen sterblichen Körper verbrennen und die wahre Gestalt eines Titanenherrschers annehmen wird?«

»Und das würde bedeuten …«

Dionysos warf eine weitere Münze in den Automaten. »Du weißt doch, wie es sich mit der wahren Gestalt der Götter verhält.«

»Klar. Man kann sie nicht ansehen, ohne zu verbrennen.«

»Kronos wäre dann zehnmal so mächtig wie jetzt. Seine pure Anwesenheit würde dich zu Asche zerfallen lassen. Und sobald er so weit ist, wird er auch den anderen Titanen Macht verleihen. Sie sind jetzt noch schwach im Vergleich dazu, was passiert, wenn ihr sie nicht stoppen könnt. Die Welt wird vergehen, die Götter werden sterben und ich werde an diesem blöden Automaten nie auf ein richtig gutes Ergebnis kommen.«

Wahrscheinlich hätte ich entsetzt sein sollen, aber ehrlich, größer konnte meine Angst eigentlich gar nicht werden.

»Kann ich jetzt gehen?«, fragte ich.

»Eins noch. Mein Sohn Pollux – lebt er noch?«

Ich blinzelte. »Ja, als ich ihn zuletzt gesehen habe, schon.«

»Ich würde es sehr zu schätzen wissen, wenn du dafür sorgen könntest, dass das so bleibt. Ich habe im vergangenen Jahr schon seinen Bruder Castor verloren …«

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