Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Nur ein Kratzer«, erklärte Garth, der seinen Blick richtig deutete. »Du mußt wirklich einen verdammt aufmerksamen Schutzengel haben.«
»Wie lange war ich bewußtlos?« erkundigte sich Torian.
»Etwa drei Stunden.«
»Drei Stunden?! Aber dann...« Er verstummte, sah Garth einen Moment verwirrt an und blickte dann nach oben. Instinktiv erwartete er, Rauchwolken und den Widerschein eines Feuers zu sehen, das groß genug sein mußte, den halben Himmel in flammendes Rot zu tauchen. Er sah nichts.
»Was ist mit dem Hof?« fragte er verwirrt. »Cuul. Und... seine Krieger...?«
Garth stieg die wenigen Schritte zur Spitze des Hügels hinauf und bedeutete ihm mit einer knappen Geste, ihm zu folgen. Von der Kuppe aus deutete er ins Tal.
Torian stand unsicher auf und trat zu ihm. Er hatte damit gerechnet, das Gehöft zerstört zu sehen, den Naturgesetzen zum Trotz vielleicht doch schon niedergebrannt, vielleicht auch durch Magie dem Erdboden gleichgemacht, doch er irrte sich. Das Bild, das sich ihm und Garth bot, war geradezu absurd friedlich:
Nichts schien sich verändert zu haben; die Gebäude waren unversehrt, nur die bereits vor dem Beginn des Kampfes entfachten Feuer verbreiteten noch schwache, rote Glut, wenn sie auch deutlich niedergebrannt waren. Es war, als hätte der bizarre Kampf niemals stattgefunden, dachte er verstört.
»Und Shyleen?«
Torian sah den Dieb fast flehend an. Wider besseres Wissen nährte der Anblick des unversehrten Hofes für einen Augenblick seine Hoffnung, es wäre dem Magier doch noch gelungen, Cuuls Kriegern irgendwie zu entkommen. Nur noch wenige Sekunden, hatte der Magier geflüstert. Vielleicht hatte Torians Ausfall ihm diese wenigen Sekunden verschafft, die er brauchte. »Was ist mit Shyleen geschehen?«
Garth zuckte mit den Achseln. Er wich seinem Blick aus. »Sie haben sie mitgenommen. Unmittelbar nach unserer Flucht haben sie das Haupthaus gestürmt. Es hat lange gedauert, und als sie wieder herauskamen, war fast die Hälfte der Krieger tot. Aber sie hatten das Mädchen bei sich.« Er machte eine rasche, sehr bestimmte Handbewegung, als Torian ihn unterbrechen wollte, und fuhr mit erhobener Stimme fort:
»Nicht so schnell, Torian. Ich weiß, was du jetzt denkst – aber daraus wird nichts. Ich bin zurückgekommen, weil ich dich nicht im Stich lassen wollte. Weder Salamir noch dieses Mädchen interessieren mich. Du hast versucht, ihnen zu helfen, und du hast gesehen, was dabei herausgekommen ist. Aber bitte, du hast es versucht. Alles andere geht uns nichts an. Wir haben nichts mit ihnen zu tun.« Er schürzte kampflustig die Lippen. »Notfalls werde ich dich mit Gewalt daran hindern, noch einmal dein Leben für diese Verrückten aufs Spiel zu setzen.«
Torian schüttelte den Kopf. Er seufzte. »Ich fürchte, so einfach ist es nicht«, murmelte er. »Ich akzeptiere nicht, was Salamir getan hat, aber ich kann seine Gründe zumindest verstehen. Ich werde dir alles erklären, aber laß uns erst einmal zurückgehen.«
»Ich denke gar nicht daran, auch nur noch einen Fuß auf diesen Hof zu...«
»Wir müssen zumindest nachsehen, ob es Überlebende gibt, und wir vielleicht helfen können«, unterbrach ihn Torian. »Das ist das mindeste, was wir tun müssen.«
»Überlebende?« Garth lachte schrill. »Mach dich nicht lächerlich«, sagte er. »Da unten lebt nichts mehr.«
»Und wenn doch?«
Garth antwortete nicht. Ein paar Sekunden lang hielt er Torians Blick stand, dann wandte er wütend den Kopf, ging zu seinem Pferd, ergriff es am Zügel und folgte Torian den Hügel hinab. Während sie sich dem Hof näherten, wiederholte Torian in allen Einzelheiten, was er von Salamir und Shyleen über die Bedeutung des Mädchens für die Pläne der Schwarzen Magier erfahren hatte und auch über seine eigene Rolle in diesem Ringen uralter Mächte. Garth antwortete nichts darauf; sein Gesicht war verschlossen und ließ keine Gefühlsregung erkennen. Nur bei der Erwähnung des Baarl zuckte er kurz zusammen, dann hatte er sich wieder in der Gewalt.
Aber er sagte die ganze Zeit über kein Wort, und schließlich schwieg auch Torian. Seine Worte schienen von einer Mauer abzuprallen, und er begriff, daß Garth sich einfach weigerte, ihm wirklich zuzuhören.
Als sie das Gehöft erreichten, sah Torian, daß es nicht ganz so unverändert war, wie er im ersten Moment geglaubt hatte. Es war... keine direkt sichtbare Veränderung, aber sie war auch nicht zu übersehen. Es war ein schwer in Worte zu fassendes Gefühl, aber die Gebäude kamen ihm... anders vor. So gründlich er sich auch umsah, er konnte keine Einzelheiten entdecken, die diesen Eindruck auch nur irgendwie bestätigt hätten; es war fast nur ein Gefühl, als... Ja, dachte er schaudernd, fast, als wären die Gebäude selbst gealtert, verfallen – als hatte die Wirklichkeit winzige Risse bekommen, hinter denen sich eine andere, mit normalen menschlichen Sinnen kaum mehr wahrnehmbare Realität verbarg.
Für einen Sekundenbruchteil glaubte er aus den Augenwinkeln eine verfallene, schon vor Jahren ausgebrannte Ruine zu erkennen, die die Stelle von Kalaars Hof einnahm, aber es war wie verhext immer, wenn er genauer hinsah, erblickte er das Haupthaus wieder ganz genau so, wie er es kannte: ein sehr großes, sehr heruntergekommenes, aber keineswegs zerstörtes Gebäude.
Torian fuhr sich nervös mit der Hand über das Gesicht und warf Garth einen raschen Blick zu. Auch der Dieb sah sich immer wieder unbehaglich um und wandte ein paarmal zu oft und zu rasch den Kopf. Torian war fast sicher, daß er die unheimliche Veränderung ebenfalls spürte, die mit dem Hof vor sich gegangen war.
Aber vielleicht hatte seine Nervosität auch viel naheliegendere Gründe – zum Beispiel den, daß er nach verborgenen Angreifern Ausschau hielt.
Sie banden ihre Pferde mit den Zügeln aneinander, und Torian betrat den Kuhstall, nachdem er eine zersplitterte Holzlatte an einem der schwelenden Feuer entzündet und sich so eine primitive Fackel geschaffen hatte. Die Dunkelheit hier drinnen war vollkommen, aber der rötliche Feuerschein schuf einen kleinen Bereich blutfarbener Helligkeit, in dem er sehen konnte.
Seine Augen weiteten sich vor Überraschung.
Der Großteil von Kalaars Leuten hatte den Angriff hier erwartet, wie er selbst gesehen hatte. Und er hatte die Schreie der Sterbenden mit eigenen Ohren gehört.
Aber kein einziger Toter war zu entdecken. Keine Waffe, nicht einmal ein Blutfleck auf dem Boden. Nichts. Nicht die kleinste Spur eines Kampfes – geschweige denn des entsetzlichen Gemetzels, das hier stattgefunden hatte. Auch von den Tieren, die im hinteren Teil des Stalles zusammengepfercht gewesen waren, fehlte jede Spur. »Das gibt es doch nicht!« murmelte Garth, der ihm dichtauf gefolgt war, wie er selbst mit einer brennenden Holzlatte bewaffnet. »In der Scheune...« Er brach ab, als er den leeren Stall sah. Fassungslos sah er sich um. Sein Gesicht verlor jede Farbe.
»Was ist in der Scheune?« fragte Torian. Er ahnte die Antwort. Garth schüttelte verwirrt den Kopf. »Hier also auch«, murmelte er. »Das... das ist doch unmöglich. Was hat das zu bedeuten? Wo sind die Toten?«
Ratlos zuckte Torian mit den Achseln. Seit er den Hof zum ersten Mal gesehen hatte, wußte er, daß hier etwas nicht stimmte. Er hatte es seinen überreizten Nerven – und vielleicht auch Salamirs Wirken – zugesprochen, aber er begann zu ahnen, daß er der Wahrheit damit nicht ganz gerecht wurde. Da war noch etwas; ein Punkt, den er bislang außer acht gelassen hatte, ohne den er die einzelnen Teile des Mosaiks aber nicht zusammenfügen konnte. Und er hatte die Antwort fertig in seinem Kopf. Er konnte sie nur noch nicht aussprechen.
»Komm«, sagte er verwirrt. »Schauen wir drinnen nach.«
Nebeneinander verließen sie die Scheune und eilten auf das Hauptgebäude zu. Die Tür war nur angelehnt. Torian zog sein Schwert, bevor er sie aufstieß und eintrat.
Auch die Halle sah noch ganz genauso aus, wie er sie in Erinnerung hatte. Offenbar hatten Cuuls Krieger auf jede Verwüstung verzichtet, aber das nahm Torian nur mit einem flüchtigen Blick wahr. »Sind wir jetzt beide verrückt geworden?« murmelte Garth. Torian gab keine Antwort. Die Halle war nicht leer, im Gegenteil. Es mußten mehr als dreißig Menschen sein, die sich darin aufhielten. Kalaar war da, ebenso wie seine Knechte und Mägde.