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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Schveja, Luets Tochter, erzeugte tief in der Kehle ein gurgelndes Geräusch. Es klang wie ein Knurren.

»Genau, Vejevnija«, sagte Schedemei, ihren eigenen Kosenamen für Schveja benutzend. »Ein Ort für wilde Tiere wie dich.«

»Und was ist mit den Daumen?« fragte Huschidh. »Was geschieht dort?«

»Die Daumen, der Drehpunkt, das Zentrum — das ist Basilika«, sagte Schedemei. »Das stabile Herz der Welt. Es gibt andere Kontinente, aber nirgendwo ist das Wasser so heiß und kalt und tief oder das Land so alt und unveränderlich. Basilika ist der Ort, wo Harmonie am friedlichsten ist.«

»Geologisch gesprochen«, sagte Huschidh.

»Was sind schon die kleinen Störungen durch die Menschheit?« fragte Schedemei. »Die kleinste Zeiteinheit, die überhaupt eine Rolle spielt, ist die Generation. Nicht die Minute, nicht die Stunde, nicht der Tag, nicht einmal das Jahr. Die kommen und gehen und sind in einem Augenblick schon wieder vorbei. Aber die Generation — mit ihr kommen die wahren Veränderungen, mit ihr lebt eine Welt wirklich.«

»Also ist die Menschheit tot, da wir ja vierzig Millionen Jahre lang keine Evolution gehabt haben?« fragte Luet.

»Sind diese Kinder etwa keine Evolution?« fragte Schedemei. »Es kommt zu Zeiten einer genetischen Belastung zur biologischen Artbildung, wenn eine Spezies — kein einzelnes Individuum, nicht einmal ein Stamm — Gefahr läuft, vernichtet zu werden. Dann wird die gewaltige Vielzahl der Möglichkeiten innerhalb der Spezies bis auf jene wenigen Variationen ausgesiebt, die einen besonderen Überlebensvorteil bieten. Eine Spezies scheint sich also über Millionen von Jahren hinweg nicht zu verändern, doch dann, wenn die Notwendigkeit entsteht, kommt es ganz plötzlich zu einer Veränderung. In Wirklichkeit waren diese Veränderungen jedoch schon die ganze Zeit über vorhanden — sie wurden schlicht und einfach nur nicht isoliert und aufgedeckt.«

»Das hört sich nach einem wunderbaren Plan an«, sagte Luet.

»Ich weiß — und so haben die Frauen es doch immer gelehrt, nicht wahr? Der Plan der Überseele. Die Muster einer Generation: Paarung, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt, Aufzucht, das Heranreifen und dann die nächste Paarung — alles der Plan der Überseele. Aber wir wissen es besser, nicht wahr? Die Maschine im Himmel ist lediglich ein Ausdruck des Willens der Menschheit — ein Teil des Grundes, warum wir seit vierzig Millionen Jahren keine Notwendigkeit zur Artbildung mehr gehabt haben. Ein Werkzeug, das so viele Variationen wie möglich in uns hervorrufen soll, ohne daß wir jemals imstande sind, uns selbst und unsere Welt zu zerstören, wie wir es auf der Erde getan haben. Haben Nafai und Issib nicht genau das herausgefunden? Sind wir nicht genau deshalb hier? Weil es kein Plan der Überseele ist, sondern die Überseele die Fähigkeit verliert, die Menschheit im Zaum zu halten. Doch ich bin unwillkürlich der Ansicht, daß es vielleicht gut wäre, die Überseele verwelken und sterben zu lassen. In den nachfolgenden Generationen würde es aufgrund der unausweichlichen, schrecklichen Belastung, die dann auf die Menschheit zukäme, vielleicht zu einer neuen Artbildung kommen.« Sie beugte sich zu der kleinen Dza hinab und blies ihr ins Gesicht, womit sie das Mädchen immer zum Lachen brachte. »Vielleicht bist du diese neue Entwicklung«, sagte Schedemei. »Nicht wahr, Dazjitnikija?«

»Du liebst Kinder sehr«, sagte Luet mit sehnsüchtigem Tonfall.

»Ich liebe anderer Leute Kinder«, sagte Schedemei. »Ich kann sie den Eltern einfach zurückgeben und habe dann Zeit für meine Arbeit. Für euch, ihr Armen, hört es nie auf.«

Aber Huschidh ließ sich nicht täuschen. Nicht, daß Schedemei nicht meinte, was sie sagte — ganz und gar nicht. Schedja war es sehr ernst mit ihrer Entscheidung, keine Kinder zu bekommen. Es war ihr wirklich lieber so — oder zumindest glaubte sie das.

Huschidh war jedoch davon überzeugt, daß die starke Verbindung zwischen Schedemei und allen Babies im Lager in Wirklichkeit auf der unbewußten Reaktion der Kleinkinder auf Schedemeis unwiderstehlichen Drang beruhte. Sie wollte Kinder haben! Sie wollte Teil der großen Weitergabe der Generationen auf der Welt sein. Aber da war noch mehr. Während Huschidh beobachtete, wie die Liebe zwischen Schedemei und Zdorab zu einer der stärksten Freundschaften wuchs, die sie je gesehen hatte, wurde ihre Überzeugung immer stärker, daß Schedemei ein Kind von Zdorab haben wollte, und Huschidh sehnte sich geradezu danach, daß dieser Wunsch in Erfüllung ging.

Sie hatte sogar die Überseele gefragt, warum Schedemei nicht schwanger wurde, doch die Überseele hatte ihr nicht geantwortet — und Luet hatte gesagt, als sie gefragt habe, habe sie die eindeutige Antwort bekommen, es ginge sie nichts an, was zwischen Zdorab und Schedemei sei.

Vielleicht geht es uns wirklich nichts an, dachte Huschidh, aber das heißt noch lange nicht, daß wir Schedemei nicht wünschen könnten, alles zu haben, was sie braucht, um wirklich glücklich zu sein. Hatte die Überseele diese Menschen nicht zusammengeführt, weil all ihre Gene nützlich waren? War es möglich, daß die Überseele sich geirrt hatte und entweder Zdorab oder Schedemei steril waren? In diesem Fall wäre dies fürchterlich ungeschickt von ihr gewesen.

Selbst jetzt erklärte Schedemei, daß nicht sie, sondern Zdorab die geologische Geschichte des Tals der Feuer ausfindig gemacht hatte. »Er spielt auf dem Index wie auf einem Musikinstrument. Er hat schon Dinge herausgefunden, von denen nicht einmal die Überseele ahnte, daß sie sie wußte. Dinge, die nur die Uralten, die sich zuerst hier niedergelassen haben, verstanden haben. Sie haben der Überseele ihr Gedächtnis, ihren Speicher, gegeben, sie aber dann so programmiert, daß sie diese Daten nicht mehr finden konnte. Zdorab hat jedoch Hintertüren gefunden, verborgene Pfade, die seltsamen Verbindungen, die zu so vielen, vielen Geheimnissen führen.«

»Ich weiß«, sagte Huschidh. »Issib ist manchmal ungeheuer erstaunt über ihn, obwohl Issja selbst nicht schlecht ist, wenn es darum geht, dem Index etwas zu entlocken.«

»Oh, allerdings, das weiß ich«, sagte Schedemei. »Zdorab sagt ständig, daß Issib der wirkliche Forscher ist.«

»Und Issib sagt, das läge nur daran, daß er mehr Zeit hat, da er sonst ja zu nichts zu gebrauchen ist«, sagte Huschidh. »Beide scheinen Gründe gefunden zu haben, warum der andere viel besser ist. Ich glaube, sie sind gute Freunde geworden.«

»Ich weiß«, sagte Schedemei. »Issib sieht, was für ein guter Mann Zdorab in Wirklichkeit ist.«

»Das wissen wir alle«, sagte Luet.

»Wirklich?« fragte Schedemei. »Manchmal habe ich den Eindruck, daß alle anderen ihn nur für einen Dienstboten halten.«

»Er ist unser Koch, weil er darin am besten ist«, sagte Huschidh. »Und unser Bibliothekar, weil er auch darin am besten ist.«

»Ja, aber nur wenige von uns interessieren sich für seine Fähigkeiten als Archivar; die meisten legen nur Wert auf seine kulinarischen Künste.«

»Und auf seine Gartenarbeit«, sagte Luet.

Schedemei lächelte. »Seht ihr? Aber er bekommt dafür nur wenig Respekt.«

»Von einigen«, sagte Huschidh. »Aber andere respektieren ihn sehr.«

»Ich weiß, daß Nafai ihn respektiert«, sagte Luet. »Und ich respektiere ihn auch.«

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