Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Und die Seltsamkeiten wurden noch größer, als sie ins Tal der Feuer hinabzogen, denn dort gab es Stellen, wo Schächte in der Erde oder Spalten in einer Klippe einen bemerkenswerten Gestank absonderten. Die meisten von ihnen verzogen das Gesicht und versuchten, durch den Mund zu atmen, doch Elemak und Volemak nahmen den Gestank sehr ernst und schlugen oft Umwege ein, die die Öffnungen mieden, aus denen das Gas kam. Erst, als Zdorab herausfand, daß der Index ihnen — zumindest bei Tageslicht – unverzüglich Spektralanalysen der Gase zur Verfügung stellen konnte, waren sie festzustellen imstande, welche Gase — und demzufolge auch welcher Gestank — für sie ungefährlich waren.
Noch furchterregender — wenngleich Elemak ihnen versicherte, daß sie keine so große Gefahr darstellten — waren die Rauchlöcher und die offenen Flammen. Sie sahen sie schon aus einigen Kilometern Entfernung — entweder dicke Rauchsäulen oder helle Flammen — und hielten nach einiger Zeit geradewegs auf sie zu, besonders, nachdem Schedemei ihnen versichert hatte, daß sie nicht explodieren würden. Wenn sie ihr Lager in der Nähe einer offenen Flamme aufschlugen, nutzten sie das Feuer, um Fleisch zu braten und sogar frisches Brot zu backen, wenngleich nur Zdorab, Nafai und Elemak bereit waren, diese Aufgabe zu übernehmen, da sie in die Nähe der Flammen laufen und das Fleisch und die Brotlaibe dort liegen lassen mußten, wo die Hitze stark genug war, das Fleisch zu garen — was natürlich bedeutete, daß die Hitze auch die Köche garen würde, wenn sie nicht schnell wieder zurückeilten. Alle halfen, das Wild, das Nafai getötet hatte, zu zerlegen und die Portionen auf Spieße zu stecken. Dann feuerten sie Nafai, Zdorab und Elemak an, die abwechselnd zum Feuer liefen, einen Fleischspieß auf den Boden legten und wieder zurückliefen. Das Fleisch zu holen, war natürlich noch schwerer, da sie die heißen Spieße aufheben mußten, statt die kühlen abzulegen, und manchmal qualmte ihre Kleidung, wenn sie zurückkamen.
»Nur unser Schweiß verdampft«, beharrte Nafai, als Luet ihm sagte, sie würde ihr Fleisch lieber roh essen und dafür ihren Gatten behalten.
Doch so viele brauchbare Feuer gab es auch wieder nicht, da sie nur selten neben Wasserquellen lagen, und oft mußten sie ihre Nahrung kalt zu sich nehmen.
Das Tal der Feuer war von prachtvoller Schönheit, doch es war auch furchterregend, an jeder Wegbiegung mit den Auswirkungen der schrecklichen Kräfte konfrontiert zu werden, die in dem Planeten tobten, auf dem sie lebten — so starke Kräfte, daß sie feste Felsschichten Hunderte von Metern hochschieben konnten.
Prachtvoll, furchterregend, aber auch lästig, wie sie merkten, als sie zu einer Stelle kamen, wo die Strecke, die sie gewählt hatten, in eine Sackgasse führte — ein tiefer, heißer See, der auf beiden Seiten von fünfhundert Meter hohen Klippen umgeben war. Sie konnten den See nicht überqueren und auch nicht umgehen. Volemak und Elemak entschlossen sich, umzukehren und eine andere Route zu nehmen, die noch weiter von der Karawanenstraße entfernt war und näher am Meer verlief, auch wenn dies einen Verlust von mehreren Tagesreisen bedeutete.
»Hätte die Überseele das nicht sehen können?« fragte Mebbekew ziemlich scharf.
»Der Index hat mir diesen See gezeigt«, sagte Volemak. »Deshalb haben wir diesen Weg eingeschlagen. Die Überseele konnte uns allerdings nicht sagen, daß wir ihn auf keiner Seite umgehen können.«
»Dann haben wir mindestens drei Reisetage verschwendet?« jammerte Kokor.
»Wir haben Dinge gesehen, von denen man in Basilika nicht einmal träumt«, erwiderte Herrin Rasa.
»Außer in Alpträumen«, sagte Kokor.
»Einige Künstler haben solche Anblicke aufgenommen und in Lieder umgesetzt«, sagte Rasa. »Was mich daran erinnert, daß wir schon über ein Jahr lang kein Lied von dir oder Sevet mehr gehört haben, außer, wenn ihr euren Kindern vorsingt. Und von Eiadh auch nicht — sie bekam nie die Chance, eine Karriere als Sängerin zu beginnen, aber sie hat die schönste Stimme.«
Huschidh hätte ihr sagen können, daß es vergebene Liebesmühe war. Bis sich zwischen den Frauen etwas änderte, würde es keinen Gesang geben. Es lag natürlich an dem alten Streit zwischen Sevet und Kokor. Sevet konnte oder wollte nicht mehr singen, eine Folge der Verletzung, die Kokor ihr zugefügt hatte, als sie sie mit Obring im Bett erwischt und ihr auf den Kehlkopf geschlagen hatte. Und solange Sevet nicht sang, wagte Kokor nicht zu singen — sie fürchtete Sevets Rache. Und Eiadh war von den beiden älteren Mädchen, die — besonders Sevet — in Basilika ziemlich berühmt gewesen waren, hoffnungslos eingeschüchtert worden. Kokor hatte deutlich gemacht, daß sie, solange sie nicht singen konnte, Eiadhs elende Stimme nicht hören wollte, die sie sowieso für eine Verhöhnung der Musik hielt. Was unfair war — Eiadh hatte Talent, und Kokor mochte ihre Stimme zwar dünn nennen, aber jeder andere Kritiker hätte sie glockenklar genannt. Doch wann immer Eiadh singen wollte, verzog Kokor das Gesicht und tat so, als wäre es unerträglich, und so hatte Eiadh bald den Mut verloren und es nicht mehr versucht. Es würde also keine Lieder über die beeindruckende Erhabenheit des Tals der Feuer geben.
Doch es gab noch eine andere Dichtkunst und eine andere Künstlerin. Und Huschidh und Luet waren das Publikum, als Schedemei über die Kräfte der Natur schwärmte. »Zwei große Landmassen, früher ein einziger Kontinent, aber jetzt geteilt«, sagte sie. »Sie drückten gegeneinander. Stellt euch vor, ihr legt eure Hände nebeneinander auf den Tisch und drückt sie zusammen. Doch dann beginnen sie, sich in entgegengesetzte Richtungen zu drehen; das Zentrum war dort, wo sich eure Daumen berühren. Nun drücken sie an den Fingerspitzen gegeneinander, schieben sich ineinander, während sie sich an den Handballen voneinander entfernen.«
Schedemei erklärte dies, während sie in Luets Zelt auf dem Teppich saß und die Babies der beiden auf ihren Knien saßen. Sie hatte die Arme um die Kleinen gelegt und die Handflächen ausgestreckt, um ihre Worte zu verdeutlichen. Die Babies schienen fasziniert zu sein — etwas am Klang oder der Intensität von Schedemeis Stimme zog alle Kinder ihrer Gruppe an, denn Huschidh beobachtete regelmäßig, daß sie aufmerksam zuhörten, wenn die Wissenschaftlerin sprach. Schedemei konnte ein aufgeregtes Kleinkind oftmals auch dann beruhigen, wenn der eigenen Mutter dies nicht möglich war — was bedeutete, daß Kokor und Sevet aus Eifersucht, vorgeführt zu werden, Schedemei niemals in die Nähe ihrer Kinder ließen und Dol ihre kleine Sjelsika stets bei Schedemei ablud, damit sie sich um sie kümmerte, oft so lange, bis Dols Brüste so wund wurden, daß sie ihr Kind zurückholen und stillen mußte.
Doch es hatte den Anschein, daß nur Luet und Huschidh Schedemeis Gesellschaft suchten, und selbst bei ihnen mußten die Babies als Entschuldigung herhalten. ›Könntest du auf unsere Kleinen aufpassen, während wir baden?‹ Und so saß Schedja auf dem Teppich von Luets Zelt, während die beiden Schwestern sich den Schmutz der mehrtägigen Reise von den Rücken rubbelten und sich die Haare wuschen.
»Der Druck an den Fingerspitzen hat die hohen Berge im Norden aufgeworfen«, sagte Schedemei. »Und die Trennung an den Handballen hat das Reinigende Meer und dann die See des Rauchs geschaffen. Das Tal der Feuer ist die Erhebung in der Mitte. Eines Tages, wenn dieser Prozeß abgeschlossen ist, wird Potokgavan im Meer versinken, und das Tal der Feuer wird eine Insel in einem immer größer werdenden Ozean sein. Es wird der prachtvollste und einsamste Ort auf ganz Harmonie sein, der Ort, an dem der Planet am lebendigsten und gefährlichsten und schönsten ist.«