Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Meine Schwächen? Das ist eine Tür, an der ich nicht rütteln möchte. Ich suche mir ein ruhiges Plätzchen und liste meine Schwächen auf. Die Liste ist deprimierend lang. Zu wenig Körperkraft. Kaum Training. Und meine herausragende Stellung als Spotttölpel ist auch nicht gerade von Vorteil in einer Situation, in der sie versuchen, ein eingeschworenes Team aus uns zu machen. Sie könnten mich mit allem Möglichen schikanieren.
Johanna wird drei vor mir aufgerufen und ich nicke ihr ermutigend zu. Ich hätte lieber ganz oben auf der Liste gestanden, denn jetzt habe ich noch mehr Zeit, um alles zu überdenken. Als ich an der Reihe bin, weiß ich nicht, was für eine Strategie ich wählen soll. Zum Glück macht sich, sobald ich im Block bin, das Training doch bemerkbar. Ich habe es mit einem Hinterhalt zu tun. Fast sofort tauchen die Friedenswächter auf, und ich muss mich zu einem Treffpunkt begeben, wo ich mich mit meiner versprengten Truppe versammeln soll. Langsam schleiche ich durch die Straße und strecke unterwegs Friedenswächter nieder. Zwei vom Dach zu meiner Linken, einen im Eingang vor mir. Es ist anspruchsvoll, aber nicht so schwer wie erwartet. Mich beschleicht das nagende Gefühl, dass es zu einfach ist, dass da noch etwas kommt. Ich bin nur noch wenige Häuser von meinem Ziel entfernt, als sich die Lage zuspitzt. Ein halbes Dutzend Friedenswächter kommt angriffsbereit um die Ecke. Sie sind mir waffenmäßig überlegen, aber da bemerke ich etwas. Ein Fass Benzin, das nachlässig im Graben liegt. Das ist es. Meine Prüfung. Ich soll kapieren, dass ich meinen Auftrag nur erfüllen kann, wenn ich das Fass in die Luft sprenge. Gerade als ich loslegen will, höre ich die leise Stimme meines Staffelführers, der bis jetzt nicht viel zustande gebracht hat. Er befiehlt mir, mich auf den Boden zu werfen. Alles in mir schreit danach, die Stimme zu ignorieren, auf den Abzug zu drücken und die Friedenswächter in die Luft zu jagen. Und auf einmal wird mir klar, was nach Ansicht der Armee meine größte Schwäche ist. Vom ersten Augenblick in den Spielen an, als ich auf den orangefarbenen Rucksack zugestürmt bin, über das Feuergefecht in Distrikt 8 bis zu meinem unbesonnenen Spurt über den Platz in Distrikt 2. Ich kann keine Befehle befolgen.
Ich werfe mich so schnell und heftig auf den Boden, dass ich mir noch eine Woche lang Steinchen aus dem Kinn pulen werde. Ein anderer sprengt das Benzinfass. Die Friedenswächter sterben. Ich erreiche den Treffpunkt. Als ich den Block auf der anderen Seite verlasse, beglückwünscht mich ein Soldat, stempelt mir die Gruppennummer 451 auf die Hand und sagt, ich solle mich in der Kommandozentrale melden. Berauscht von meinem Erfolg, renne ich durch die Flure, schlittere um die Ecken und hüpfe die Treppe hinunter, weil mir der Aufzug zu langsam ist. Ich platze in den Raum, als mir bewusst wird, wie komisch die Situation ist. Ich dürfte gar nicht in der Kommandozentrale sein, ich müsste jetzt eigentlich die Haare geschoren bekommen. Die Leute hier sind keine frischgebackenen Soldaten, sondern die, die das Sagen haben.
Boggs lächelt und schüttelt den Kopf, als er mich sieht. »Zeig mal.« Plötzlich unsicher, zeige ich ihm meine Hand mit der Nummer. »Du bist mir zugeteilt. Scharfschützen-Spezialeinheit. Geh zu deiner Gruppe.« Er macht eine Kopfbewegung zu den Leuten, die sich in einer Reihe an der Wand aufgestellt haben. Gale. Finnick. Fünf andere, die ich nicht kenne. Meine Gruppe. Ich bin nicht nur dabei, ich darf sogar unter Boggs arbeiten. Mit meinen Freunden. Am liebsten würde ich vor Freude hüpfen, doch ich zwinge mich, mit ruhigen, soldatischen Schritten zu den anderen zu gehen.
Wir scheinen wichtig zu sein, denn wir sind in der Kommandozentrale, und das nicht, weil ein gewisser Spotttölpel dabei ist. Plutarch beugt sich über den Tisch, auf dem eine breite Tafel liegt. Er erzählt etwas über die Probleme, auf die wir im Kapitol stoßen werden. Gerade denke ich, was für ein miserabler Vortrag das ist, weil ich selbst auf Zehenspitzen nicht erkennen kann, was auf der Tafel steht, als er einen Knopf drückt. Das Hologramm eines Straßenabschnitts im Kapitol ersteht vor uns.
»Hier sehen wir beispielsweise die Umgebung einer Baracke der Friedenswächter. Nicht uninteressant, allerdings sicher kein zentrales Ziel. Doch seht einmal hier.«
Auf einer Tastatur gibt Plutarch eine Art Code ein und Lichter fangen an zu blinken. Sie blinken unterschiedlich schnell und in verschiedenen Farben. »Jedes dieser Lichter bezeichnet eine Kapsel. Die Kapseln stehen für unterschiedliche Hindernisse, von einer Bombe bis zu einer Meute Mutationen ist alles denkbar. Ihr dürft keinen Fehler machen, sonst geht ihr in die Falle oder werdet getötet. Einige Kapseln existieren schon seit den Dunklen Tagen, andere wurden im Laufe der Jahre entwickelt. Offen gestanden, habe ich selbst eine beträchtliche Anzahl geschaffen. Dieses Programm, das sich einer von uns unter den Nagel gerissen hat, als wir das Kapitol verließen, ist unsere aktuellste Information. Sie wissen nicht, dass wir es haben. Es ist aber wahrscheinlich, dass in den letzten Monaten neue Kapseln aktiviert worden sind. Damit müsst ihr rechnen.«
Ich merke gar nicht, wie ich mich auf den Tisch zubewege, bis ich nur noch wenige Zentimeter von dem Hologramm entfernt bin. Ich strecke die Hand aus und lege sie auf ein schnell blinkendes grünes Licht.
Jemand kommt zu mir, er steht unter Hochspannung. Finnick natürlich. Denn nur ein Sieger kann sehen, was ich sofort erfasst habe. Die Arena. Übersät mit Kapseln, die von den Spielmachern gesteuert werden. Finnick liebkost mit den Fingern ein rotes Lämpchen über einem Eingang. »Meine Damen und Herren …«
Seine Stimme ist leise, doch meine schallt durch den Raum: »… mögen die sechsundsiebzigsten Hungerspiele beginnen!«
Ich lache. Schnell. Bevor jemand Zeit hat zu begreifen, was hinter diesen Worten steckt. Bevor Augenbrauen hochgezogen werden, Widerspruch geäußert, eins und eins zusammengezählt wird und alle zu dem Schluss kommen, dass man mich möglichst nicht in die Nähe des Kapitols lassen sollte. Denn ein wütender, eigenständig denkender Sieger mit einer so harten, undurchdringlichen Schale ist wohl das Letzte, was man in seiner Gruppe haben will.
»Die Mühe, Finnick und mich zu trainieren, hätten Sie sich sparen können, Plutarch«, sage ich.
»Wir sind doch schon die beiden bestausgerüsteten Soldaten, die ihr habt«, fügt Finnick großspurig hinzu.
»Als ob mir das entgangen wäre«, sagt Plutarch mit einer ungeduldigen Handbewegung. »Jetzt marsch, zurück ins Glied, Soldaten Odair und Everdeen! Ich möchte meinen Vortrag beenden.«
Wir begeben uns wieder auf unsere Plätze und achten nicht auf die fragenden Blicke der anderen. Ich gebe mich sehr konzentriert, als Plutarch weiterspricht, lege den Kopf schräg, ändere die Haltung, um besser sehen zu können, und sage mir die ganze Zeit, dass ich durchhalten muss, bis ich in den Wald laufen und schreien kann. Oder fluchen. Oder heulen. Vielleicht auch alles zugleich.
Falls das ein Test war, haben Finnick und ich ihn beide bestanden. Als Plutarch fertig ist und die Versammlung für geschlossen erklärt, erfahre ich zu meinem Schrecken, dass ein Sonderbefehl auf mich wartet. Doch es geht nur darum, dass ich von dem Militärhaarschnitt ausgenommen bin. Der Spotttölpel soll bei der Kapitulation des Kapitols möglichst so aussehen wie das Mädchen in der Arena. Für die Kameras natürlich. Ich zucke die Achseln, zum Zeichen, dass nichts mir gleichgültiger ist als die Länge meiner Haare. Ohne weiteren Kommentar werde ich entlassen.
Im Flur laufe ich Finnick in die Arme. »Was soll ich bloß Annie erzählen?«, sagt er leise.
»Nichts«, antworte ich. »Dasselbe, was meine Mutter und meine Schwester von mir erfahren werden.« Schlimm genug zu wissen, dass wir wieder in eine richtige Arena zurückmüssen. Es ist sinnlos, unsere Liebsten damit zu belasten.
»Wenn sie das Hologramm sieht …«, setzt er an.