Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torians Hand glitt zum Schwert, aber Shyleen schüttelte rasch den Kopf. »Nicht«, flüsterte sie. »Heb dir das auf- wir haben noch ein paar kleine Überraschungen auf Lager.«
Die Angreifer hatten den Hof fast erreicht, als der Boden vor ihnen explodierte. Mit gespenstischer Lautlosigkeit schoß eine Fontäne aus Sand und Staub und kleinen Steinen in die Höhe. Zwei, drei Reiter wurden wie von einer unsichtbaren Faust getroffen und aus den Sätteln geschleudert, und zwei oder drei andere stürzten schreiend und zusammen mit ihren Tieren in den mannsbreiten Spalt, der plötzlich vor ihnen im Boden klaffte.
Trotzdem geriet der Angriff nicht wirklich ins Stocken. Die Reiter trieben ihre Pferde nur noch mehr an und setzten mit weiten Sprüngen über die Erdspalte hinweg.
Ein wahrer Pfeilhagel schlug ihnen entgegen, doch die Geschosse prallten wirkungslos an ihren Rüstungen ab. Die kleine Armee erreichte den Hof, fächerte auseinander und bot plötzlich kein sicheres Ziel mehr. Geschmeidig wie Raubtiere sprangen die Männer aus den Sätteln, glitten auf die Scheunen und Ställe zu. Einer von ihnen fiel, als ein Pfeil seine einzige verwundbare Stelle traf; den schmalen, ungepanzerten Streifen zwischen Helm und Harnisch. Zwei weitere stolperten scheinbar ohne ersichtlichen Grund und blieben reglos liegen, aber die Übermacht war einfach zu erdrückend. Holz splitterte, als zwei der Gepanzerten die Scheunentür einschlugen, und plötzlich klirrte Metall. Ein gellender Schrei zerriß die Stille der gespenstischen Schlacht.
»Verdammt, worauf warten wir?« fauchte Torian. Wieder griff er zum Schwert, und wieder wollte ihn Shyleen zurückhalten. Diesmal schüttelte er ihre Hand einfach ab und fuhr herum, um zur Tür zu eilen. Aber er führte die Bewegung nicht zu Ende, denn plötzlich begriff er, daß dieses entsetzliche Gemetzel dort draußen nichts als ein weiterer Teil von Salamirs Plan war. Kalaars Männer sollten sterben, um Salamir ein paar Minuten Zeit zu verschaffen, und vermutlich war ihm selbst genau die gleiche Rolle zugedacht. Eine Woge kalten Zornes packte ihn.
Draußen strebte der Kampf rasch seinem Höhepunkt entgegen. Das Klirren von Metall und gellende Todesschreie drangen an Torians Ohren. Er war beinahe dankbar, daß er nicht mit ansehen mußte, was in den Ställen und Scheunen geschah, aber er wußte es auch so. Die Geräusche waren deutlich genug. Das dort war kein Kampf, sondern ein Gemetzel. Schlimmer noch – ein Abschlachten, ein Massaker. Kalaars Männer hatten gegen Cuuls Krieger nicht den Hauch einer Chance, und auch die restlichen Reiter näherten sich nun dem Hof. Sie beeilten sich nicht einmal besonders.
Torian ballte die Fäuste und fuhr herum. Shyleen hatte sich an die Wand zu seiner Rechten gepreßt. Ihr Gesicht wirkte grau und eingefallen. Sie zitterte. Schweiß stand ihr auf der Stirn, und ihre Lippen flüsterten lautlose Worte.
»Warte«, flüsterte Salamir. Seine Stimme zitterte, und auf seinen zerfurchten Zügen lag der Ausdruck höchster Konzentration. Seine Augen waren matt wie die eines Toten. »Ich brauche... nur noch Sekunden.«
Torian drehte sich wortlos herum, hob seinen Helm vom Boden auf und streifte ihn über. Mit weit ausgreifenden Schritten durchquerte er das Zimmer.
»Was hast du vor?« rief Shyleen erschrocken. Sie versuchte ihm in den Weg zu treten, aber Torian stieß sie einfach beiseite. Bislang hatte noch niemand den Versuch unternommen, in das Hauptgebäude einzudringen. Er wußte nicht, ob dahinter eine Taktik steckte, oder ob Salamir dafür verantwortlich war. In jedem Fall würde auch dies sie nicht lange retten. Torian wußte, daß er sterben würde, so oder so, aber es war besser, dort unten mit dem Schwert in der Hand den Tod zu finden, als sich hier oben zu verkriechen und tatenlos auf das Ende zu warten. Und er ertrug dieses sinnlose Abschlachten einfach nicht mehr. Mit einer Ruhe, die er selbst nicht ganz verstand, öffnete er die Tür, ging ins Erdgeschoß hinunter und trat aus dem Haus, ganz langsam, aber mit kampfbereit erhobenem Schwert.
Zum ersten Mal sah er Cuul persönlich.
Umgeben von einem halben Dutzend Wachen, die er fast um Haupteslänge überragte, ritt der Oberpriester auf den Hof. Ein silberfarbener Umhang lag um seine Schultern. Er trug als einziger keinen Helm, und Torian konnte sehen, daß sein Schädel kahlgeschoren war.
Cuuls Gesicht war kantig und scharf geschnitten; es war unmöglich, sein Alter zu schätzen. Die Lippen hatte er zu einem dünnen, blutleeren Strich zusammengepreßt, die Mundwinkel wiesen nach unten und verliehen seinem Gesicht einen grausamen und zynischen Zug. Aus kalten Augen sah er sich um. Torian hielt nicht viel von vorschnellen Urteilen – aber wenn er je einen Menschen getroffen hatte, der ihm auf Anhieb unsympathisch war, so war das Cuul. Ein völlig irrsinniger Plan nahm in Torian Gestalt an. Er wußte, daß er es nicht schaffen würde – nicht schaffen konnte –, aber wenn er schon sterben sollte, würde er wenigstens noch ein paar von ihnen mitnehmen. Und seinem Tod wenigstens noch einen Anschein von Sinn verleihen.
Bislang hatten weder Cuul noch einer seiner Krieger ihn entdeckt, obwohl Torian vollkommen deckungslos unter dem hellerleuchteten Eingang stand, was sonderbar genug war. Cuuls schwarze Männer waren viel zu sehr damit beschäftigt, Kalaars Männer abzuschlachten.
Er holte noch einmal tief Luft, packte sein Schwert mit beiden Händen und rannte los.
Natürlich schaffte er es nicht.
Er hatte noch nicht einmal ein Drittel der Distanz überwunden, als die Krieger ihn bemerkten. Die Leichtigkeit, mit der sie die anderen Verteidiger hatten niedermachen können, ließ sie leichtsinnig werden. Sie rechneten nicht mehr mit ernsthaftem Widerstand. Zwei der Krieger trieben ihre Pferde an und hoben die Schwerter, aber ihre Bewegungen wirkten fast desinteressiert. Wahrscheinlich hielten sie ihn für einen wehrlosen Bauerntölpel.
Torian belehrte die beiden Reiter eines Besseren – den einen mit einem Schwerthieb gegen die Seite, der zwar seinen Harnisch nicht durchschlug, ihm aber mindestens zwei Rippen brach und ihn aus dem Sattel schleuderte, den anderen mit einem blitzschnellen Griff in die Zügel und einem noch schnelleren, harten Ruck, der das Pferd in die Knie brechen ließ – mit dem Ergebnis, daß sein Reiter etwas schneller und auf andere als die gewohnte Art aus dem Sattel stieg: nämlich kopfüber und mit einem dreifachen Salto.
Torian rannte weiter.
Für einen Moment traf sein Blick den Cuuls. Er las keine Furcht in den Augen des Oberpriesters, nur etwas wie Überraschung, vielleicht auch ein blitzartiges Erschrecken, das sofort wieder verschwand. Die Hand des Oberpriesters machte eine rasche, eindeutige Bewegung. Zwei Schatten lösten sich aus der Phalanx seiner Wächter und sprengten auf Torian zu. Und diesmal waren die Reiter gewarnt.
Aber damit hatte Torian gerechnet. Er versuchte gar nicht, sie anzugreifen, sondern sprang in einem unberechenbaren, vollkommen willkürlichen Zickzack hin und her, tauchte unter einem Schwertstreich hindurch und fing einen weiteren Hieb mit seiner eigenen Klinge ab. Ein Fußtritt traf ihn an der Schulter und schleuderte ihn zur Seite, aber er taumelte einfach weiter, riß einen dritten Mann durch die pure Wucht seines ungestümen Aufpralls aus dem Sattel und war Cuul plötzlich ganz nahe. Plötzlich trennten ihn nur noch zwei Schritte von dem glatzköpfigen Riesen.
Fast hätte er es sogar geschafft.
Er sah die Bewegung im letzten Augenblick in den Augenwinkeln und an einer Stelle, an der eine Zehntelsekunde zuvor ganz bestimmt niemand gestanden hatte. Mit einem fast grotesken Hüpfer sprang er mitten im Schritt herum, sah ein Schwert auf sich herabfahren und brachte seine eigene Klinge im buchstäblich allerletzten Moment hoch.
Ob der Krieger nun real war oder nicht- sein Schwert war es. Die Wucht des Hiebes hätte Torian um ein Haar die Klinge aus der Hand geprellt. Ein furchtbarer Ruck fuhr durch seinen Arm und lahmte ihn für Sekunden.