Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Angezogen vom Geplapper der Indianer, kam Bobby Higgins vom Stall herüber und wurde prompt zurückgeschickt, um mir eine Feile zu holen. Miss Mousie grinste ihn schief an, als er damit zurückkam, und er verbeugte sich ausladend vor ihr, was alle zum Lachen brachte.
»Das sind doch Cherokee, nicht wahr, Ma’am?« Er lächelte Red Clay zu und machte ein Handzeichen, das die Indianer zu belustigen schien, obwohl sie es erwiderten. »Ich bin noch nie einem Cherokee-Indianer begegnet. In der Gegend der Plantage Seiner Lordschaft in Virginia leben jedoch viele andere Indianerstämme.«
Es freute mich zu sehen, dass ihm Indianer vertraut waren und er sich ihnen gegenüber ganz normal verhielt. Von Hiram Crombie, der an diesem Punkt auftauchte, konnte man das nicht behaupten.
Er erstarrte am Rand der Lichtung, als er unsere Versammlung sah. Ich winkte ihm fröhlich zu, und er kam – mit unübersehbarem Widerstreben – näher.
Roger hatte mir erzählt, dass Duncan Hiram als »dieser alte Sauertopf« beschrieben hatte. Das traf exakt zu. Er war klein und sehnig und hatte dünnes, graumeliertes Haar, das er zu einem so strengen Zopf zusammengebunden hatte, dass ich glaubte, er müsste Schwierigkeiten haben zu blinzeln. Mit einem Gesicht, das von den Anstrengungen eines Lebens als Fischer tief gezeichnet war, sah er aus, als sei er um die sechzig, war aber wahrscheinlich viel jünger – und sein Mund war gewohnheitsmäßig nach unten verzogen, so dass er die Miene eines Menschen trug, der nicht nur an einer Zitrone, sondern an einer faulen Zitrone gelutscht hat.
»Ich war auf der Suche nach Mr. Fraser«, sagte er mit einem argwöhnischen Blick in Richtung der Indianer. »Ich hatte gehört, er wäre zurück.« Er trug ein Beil in seinem Gürtel und behielt es mit einer Hand fest im Griff.
»Er kommt sofort zurück. Ihr seid doch Mr. Higgins schon begegnet, oder?« Das war offenbar der Fall, und das Erlebnis hatte einen negativen Eindruck hinterlassen. Die Augen fest auf Bobbys Brandzeichen gerichtet, bejahte er die Frage mit dem kleinstmöglichen Kopfnicken. Ohne mich beirren zu lassen, wies ich mit einer Geste auf die Indianer, die Hiram mit deutlich größerem Interesse betrachteten, als er es ihnen gegenüber an den Tag legte. »Darf ich Euch Miss Wilson vorstellen, ihren Bruder, Mr. Wilson, und ihre … äh … Freunde?«
Hiram erstarrte noch mehr, sofern das möglich war.
»Wilson?«, sagte er in unfreundlichem Ton.
»Wilson«, bestätigte Miss Mouse fröhlich.
»Das war der Familienname meiner Frau«, quetschte er in einem Tonfall heraus, der keinen Zweifel daran ließ, dass er seine Verwendung durch die Indianer für eine grobe Entgleisung hielt.
»Oh«, sagte ich. »Wie schön. Meint Ihr, sie könnten vielleicht Verwandte Eurer Frau sein?«
Seine Augen quollen leicht vor, und ich hörte ein ersticktes Gurgeln aus Bobbys Richtung.
»Nun, sie haben den Namen doch ganz offensichtlich von einem schottischen Vater oder Großvater«, erläuterte ich. »Vielleicht …«
Hirams Gesicht arbeitete wie ein Nussknacker und wurde in rascher Folge von Gefühlen überzogen, die von Wut bis hin zur Bestürzung reichten. Seine rechte Hand ballte sich zusammen, und Zeige- und kleiner Finger standen wie Hörner ab, das Zeichen gegen das Böse.
»Großonkel Ephraim«, flüsterte er. »Jesus steh uns bei.« Und ohne ein weiteres Wort machte er auf dem Absatz kehrt und wackelte davon.
»Wiedersehn!«, rief Miss Mousie auf Englisch und winkte. Er sah sich mit einem kurzen, gehetzten Blick nach ihr um und flüchtete dann, als seien Dämonen hinter ihm her.
Schließlich traf der Whisky ein, und nachdem reichlich davon an Patientin wie Zuschauer ausgeteilt worden war, nahm die Operation endlich ihren Lauf.
Die Feile wurde normalerweise für Pferdezähne benutzt und war daher ein wenig größer, als es mir lieb war, doch sie funktionierte. Miss Mouse tat lauthals kund, wie unangenehm es sich anfühlte, doch mit zunehmendem Whiskykonsum wurden ihre Klagen leiser. Bis ich so weit war, dass ich ihren Zahn ziehen musste, würde sie nichts mehr spüren.
Unterdessen unterhielt Bobby Jamie und Ian, indem er Hiram Crombies Reaktion auf die Entdeckung imitierte, dass er möglicherweise gemeinsame Familienbande mit den Wilsons besaß. Zwischen seinen Lachanfällen übersetzte Ian den Indianern, worum es ging, und sie wälzten sich, von Belustigung geschüttelt, im Gras.
»Haben sie denn einen Ephraim Wilson in ihrem Stammbaum?«, fragte ich und nahm Miss Mousies Kinn fest in die Hand.
»Nun, sie sind sich nicht sicher, ob er Ephraim hieß, aber aye, den haben sie.« Jamie grinste breit. »Ihr Großvater war ein schottischer Wanderer. Ist lange genug geblieben, um ihre Großmutter zu schwängern, dann ist er von einer Klippe gestürzt und unter einem Erdrutsch verschüttet worden. Sie hat natürlich wieder geheiratet, aber sie mochte den Namen.«
»Ich frage mich, was es nur war, das Großonkel Ephraim aus Schottland vertrieben hat?« Ian setzte sich hin und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
»Wahrscheinlich der unausweichliche Umgang mit Menschen wie Hiram«, sagte ich und kniff die Augen zusammen, um zu sehen, was ich tat. »Meint Ihr –« Ich begriff plötzlich, dass alle aufgehört hatten zu lachen und zu reden und ihre Aufmerksamkeit auf etwas am anderen Ende der Lichtung gerichtet hatten.
Es war die Ankunft eines weiteren Indianers, der etwas in einem Bündel über der Schulter trug.
Der Indianer war ein Mann namens Sequoyah, der um einiges älter war als die Wilsons und ihre Freunde. Er nickte Jamie nüchtern zu, schwang sich das Bündel von der Schulter, legte es zu Jamies Füßen auf den Boden und sagte etwas auf Cherokee.
Jamies Gesicht veränderte sich; die letzten Spuren der Belustigung verschwanden und wichen der Neugier – und dem Argwohn. Er kniete sich hin, schlug das zerschlissene Leinentuch zurück und legte ein Durcheinander verwitterter Knochen frei, aus deren Mitte uns die Augenhöhlen eines Schädels entgegenstarrten.
»Wer zum Teufel ist das?« Ich hatte die Arbeit eingestellt und stand mit allen anderen, Miss Mouse eingeschlossen, da und starrte auf den Neuankömmling hinunter.
»Er sagt, es ist der Alte, dem die Hütte gehört hat, von der MacDonald erzählt hat – die jenseits der Vertragsgrenze gestanden hat und abgebrannt ist.« Jamie streckte die Hand aus und hob den Schädel auf, den er sanft hin und her drehte.
Er hörte, wie ich leise einatmete, denn er sah mich an und drehte dann den Schädel so, dass ich ihn sehen konnte. Die meisten Zähne fehlten, und zwar schon so lange, dass sich der Kieferknochen weitgehend über die leeren Höhlen geschoben hatte. Doch die beiden übriggebliebenen Backenzähne wiesen nur Risse und Flecken auf – keine glänzenden Silberfüllungen, keine Leerräume, in denen solche Füllungen hätten gewesen sein können.
Ich atmete langsam wieder aus, unsicher, ob ich erleichtert oder enttäuscht sein sollte.
»Was ist mit ihm geschehen? Und warum ist er hier?«
Jamie kniete sich hin und legte den Schädel sanft wieder auf das Tuch, dann drehte er einige der Knochen hin und her, um sie zu untersuchen. Er blickte auf und lud mich mit einer kleinen Handbewegung ein, seinem Beispiel zu folgen.
Die Knochen trugen keinerlei Brandspuren, doch einigen war anzusehen, dass Tiere daran genagt hatten. Ein oder zwei der langen Knochen waren zerbrochen worden, sicher, um an das Mark zu gelangen, und die meisten der kleineren Hand- und Fußknochen fehlten. Allesamt hatten sie das graue, zerbrechliche Aussehen von Knochen, die eine ganze Weile im Freien gelegen hatten.
Ian hatte meine Frage für Sequoyah übersetzt, der neben Jamie hockte und ihm etwas erklärte, wobei er dann und wann mit dem Finger auf diesen oder jenen Knochen zeigte.
»Er sagt«, übersetzte Ian stirnrunzelnd, »dass er den Mann schon lange kannte. Sie waren nicht unbedingt befreundet, aber dann und wann, wenn er in der Nähe der Hütte war, hat er dort haltgemacht, und der Mann hat mit ihm gegessen. Also hat er zu seinen Besuchen ebenfalls etwas mitgebracht – einen Hasen für den Kochtopf oder etwas Salz.«