Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er wandte sich mir zu und legte seine Hand über die meine, und in seinem Lächeln lag ebenso viel Schmerz wie Glück.
»Du und ich, wir sind beide von genug Geistern umgeben, Sassenach. Wenn uns die Schrecknisse der Vergangenheit nicht lähmen können – dann sollen es die Ängste vor der Zukunft schon gar nicht tun. Wir müssen die Dinge nur hinter uns lassen und unser Leben weiterleben. Aye?«
Ich legte ihm leicht die Hand auf die Brust, nicht einladend, sondern nur, weil ich ihn spüren wollte. Seine Haut war kühl, weil er geschwitzt hatte, er hatte mitgeholfen, das Grab auszuheben; die Hitze seiner Anstrengung glühte darunter in seinen Muskeln.
»Du bist einer von meinen Geistern gewesen«, sagte ich. »Lange Zeit. Und ich habe lange versucht, dich hinter mir zu lassen.«
»Hast du das?« Er legte mir seinerseits die Hand auf den Rücken und bewegte sie unbewusst. Ich kannte diese Berührung – das Bedürfnis, den anderen zu berühren, nur um sich zu vergewissern, dass er wirklich und leibhaftig da war.
»Ich dachte, ich könnte nicht weiterleben, wenn ich zurückdachte – konnte es nicht ertragen.« Die Erinnerung schnürte mir die Kehle zu.
»Ich weiß«, sagte er leise, und seine Hand hob sich, um mein Haar zu berühren. »Aber du hattest das Kind – und einen Mann. Es war unrecht, ihnen den Rücken zuzukehren.«
»Es war unrecht, dir den Rücken zuzukehren.« Ich kniff die Augen zu, doch die Tränen quollen mir aus den Augenwinkeln. Er zog meinen Kopf an sich, streckte die Zunge heraus und leckte mir zart über das Gesicht, was mich so überraschte, dass ich inmitten eines Schluchzers auflachte und mich beinahe verschluckte.
»Ich liebe dich, so wie das Fleisch das Salz liebt«, zitierte er und lachte ebenfalls ganz leise. »Weine nicht, Sassenach. Du bist hier und ich ebenso. Sonst gibt es nichts, was zählt.«
Ich lehnte meine Stirn an seine Wange und schlang die Arme um ihn. Meine Hände ruhten flach auf seinem Rücken, und ich streichelte ihn von den Schulterblättern bis zur Mulde in seinem Kreuz, sacht, sehr sacht zeichnete ich ihn als Ganzes nach, nicht aber die Narben, die sich in seine Haut frästen.
Er drückte mich an sich und seufzte tief.
»Weißt du, dass wir diesmal schon fast doppelt so lange verheiratet sind wie das letzte Mal?«
Ich wich zurück und sah ihn mit argwöhnisch gerunzelter Stirn an, ging aber auf den Themenwechsel ein.
»Waren wir dazwischen denn nicht verheiratet?«
Das überraschte ihn; er runzelte ebenfalls die Stirn und fuhr sich nachdenklich mit dem Finger über den sonnenverbrannten Nasenrücken.
»Nun, das ist eine gute Frage für einen Pastor«, sagte er. »Ich würde sagen, ja – aber wenn das stimmt, sind wir dann nicht beide Bigamisten?«
»Waren, nicht sind«, verbesserte ich, und mir wurde leicht beklommen zumute. »Aber in Wirklichkeit waren wir es nicht. Vater Anselm hat das gesagt.«
»Anselm?«
»Vater Anselm – ein franziskanischer Pastor in der Abtei Ste. Anne. Aber womöglich erinnerst du dich nicht an ihn; du warst schließlich sehr krank.«
»Oh, ich erinnere mich«, sagte er. »Er ist oft nachts zu mir gekommen und hat bei mir gesessen, wenn ich nicht schlafen konnte.« Er lächelte ein wenig schief; diese Zeit gehörte nicht zu den Dingen, an die er denken wollte. »Er hatte dich sehr gern, Sassenach.«
»Oh? Und was ist mit dir?«, fragte ich, um ihn von der Erinnerung an Ste. Anne abzulenken. »Hattest du mich nicht gern?«
»Oh, doch, natürlich«, versicherte er mir. »Aber ich glaube, jetzt mag ich dich sogar noch mehr.«
»Ach, wirklich.« Ich plusterte mich auf und setzte mich gerader hin. »Was ist denn anders?«
Er legte den Kopf schräg und verengte die Augen zu einem abschätzenden Blick.
»Nun, du furzt nicht mehr so viel im Schlaf«, begann er nüchtern, dann duckte er sich lachend, als ein Kiefernzapfen an seinem linken Ohr vorbeischoss. Ich ergriff ein Stück Holz, doch bevor ich es ihm über den Schädel ziehen konnte, packte er mich an den Armen. Er drückte mich flach ins Gras und ließ sich auf mich fallen, so dass er mich mühelos am Boden festhielt.
»Lass mich los, du Trottel! Ich furze nicht im Schlaf!«
»Und woher willst du das wissen, Sassenach? Du schläfst doch so fest, dass du nicht einmal von deinem eigenen Geschnarche wach wirst.«
»Oh, du willst mir etwas von Schnarchen erzählen, wie? Du –«
»Du bist stolz wie Luzifer«, unterbrach er mich. Er lächelte nach wie vor, doch in seinen Worten lag mehr Ernst. »Und du bist tapfer. Du bist schon immer mutiger gewesen, als für dich gut war, und jetzt bist du wütend wie ein kleiner Dachs.«
»Ich bin also arrogant und hemmungslos. Das klingt nicht unbedingt wie eine Auflistung weiblicher Tugenden«, sagte ich und versuchte heftig atmend, mich unter ihm hervorzuwinden.
»Nun, gütig bist du auch«, sagte er und überlegte. »Sehr gütig. Obwohl du deine eigenen Bedingungen daran knüpfst. Nicht, dass das schlecht wäre«, fügte er hinzu und fasste mit einer gezielten Bewegung den Arm wieder, den ich ihm entwunden hatte. Er hielt mein Handgelenk über meinem Kopf am Boden fest.
»Weiblich«, murmelte er und runzelte konzentriert die Stirn. »Weibliche Tugenden …« Seine freie Hand kroch zwischen uns und legte sich auf meine Brust.
»Darüber hinaus!«
»Du bist sehr reinlich«, sagte er beifällig. Er ließ mein Handgelenk los und fuhr mit der Hand durch mein Haar – das in der Tat sauber war und nach Sonnen- und Ringelblumen roch.
»Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die sich so oft wäscht wie du – außer Brianna vielleicht.«
Er blinzelte nachdenklich. »Du bist keine große Köchin«, fuhr er fort. »Obwohl du noch nie jemanden vergiftet hast, es sei denn mit Absicht. Und ich muss sagen, dass du ordentlich nähen kannst – obwohl es dir lieber ist, wenn du einen Menschen zusammenflicken kannst.«
»Vielen Dank!«
»Zähl mir noch ein paar Tugenden auf«, schlug er vor. »Eventuell habe ich etwas vergessen.«
»Hmpf! Sanftheit, Geduld …« Ich kam ins Schwimmen.
»Sanft? Himmel.« Er schüttelte den Kopf. »Du bist die skrupelloseste, blutdürstigste …«
Mein Kopf fuhr hoch, und fast wäre es mir gelungen, ihn in die Kehle zu beißen. Er fuhr lachend zurück.
»Nein, besonders geduldig bist du auch nicht.«
Ich gab es vorerst auf, mich zu wehren, und ließ mich flach auf den Rücken fallen. Mein zerzaustes Haar lag im Gras ausgebreitet.
»Und was ist dann meine liebenswerteste Eigenschaft?«, wollte ich wissen.
»Du findest mich lustig«, sagte er und grinste.
»Das … tue … ich … nicht …« Ich grunzte und wehrte mich wie verrückt. Er lag einfach nur auf mir und ignorierte in aller Seelenruhe mein Hämmern und Stechen, bis ich nicht mehr konnte und keuchend unter ihm lag.
»Und«, sagte er bedacht, »du magst es sehr, wenn ich mit dir ins Bett gehe. Nicht wahr?«
»Äh …« Ich hätte ihm gern widersprochen, doch das verbot die Ehrlichkeit. Außerdem wusste er ganz genau, dass es so war.
»Du zerquetschst mich«, sprach ich würdevoll. »Sei so gut und geh herunter.«
»Nicht wahr?«, wiederholte er, ohne sich zu bewegen.
»Ja! Na gut! Ja! Kannst du jetzt von mir runtergehen, verdammt?«
Das tat er nicht, sondern er senkte den Kopf und küsste mich. Ich hatte die Lippen zusammengekniffen und war fest entschlossen, nicht nachzugeben, doch er war ebenfalls entschlossen, und wenn man es recht betrachtete … Die Haut seines Gesichts war warm, seine Bartstoppeln kratzten sacht, und sein breiter, wunderbarer Mund … meine Beine öffneten sich selbstvergessen, und er lag unverrückbar dazwischen; seine nackte Brust roch nach Moschus und Schweiß und Sägemehl, das sich in dem drahtigen, rotbraunen Haar verfangen hatte … Mir war immer noch heiß, weil ich mich so gewehrt hatte, doch das Gras um uns war feucht und kühl … Nun gut, schön, noch eine Minute, und er konnte mich auf der Stelle haben, wenn er wollte.