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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ich bin mir nicht sicher, dass Lizzie dahintersteckt«, sagte ich zu ihrer Verteidigung. »Sie hat sich schließlich nur mit ihm unterhalten.« Bobbys Gesicht lief merklich rot an. Er stellte den Becher hin, aus dem er getrunken hatte, und richtete sich noch weiter auf. Seine Hand ballte sich zur Faust.

Die Beardsleys rückten ihm noch dichter auf den Pelz, offensichtlich in der Absicht, ihn in den Wald zu drängen. Er blickte argwöhnisch von einem der Zwillinge zum anderen und trat einen Schritt zurück, so dass er jetzt einen stabilen Baum im Rücken hatte.

Ich blickte zu Boden; Jamie beobachtete die Szene mit halb geschlossenen Lidern und einer Miene, aus der verträumte Geistesabwesenheit sprach. Er seufzte tief, schloss die Augen ganz, und erschlaffte plötzlich ganz. Er lehnte schwer an mir.

Der Grund für seine plötzliche Fahnenflucht tauchte eine Sekunde später vor mir auf: Major MacDonald; sein Gesicht war rot angelaufen vom Essen und vom Cidre, und sein roter Uniformrock glühte im Licht des Sonnenuntergangs. Er spähte zu Jamie hinunter, der friedlich an meinem Bein schlummerte, und schüttelte den Kopf. Dann drehte er sich langsam um und überblickte die Szene.

»Grundgütiger«, sagte er nachsichtig. »Ich sage Euch, Ma’am, ich habe schon Schlachtfelder mit weniger Opfern gesehen.«

»Ach ja?« Sein Auftauchen hatte mich abgelenkt, doch bei der Erwähnung von Opfern blickte ich zurück. Bobby und die Beardsley-Zwillinge waren verschwunden, aufgelöst wie Nebelschwaden in der Dämmerung. Nun, wenn sie sich gegenseitig im Wald zu Brei schlugen, würde ich sicher bald davon hören.

Mit einem kleinen Achselzucken bückte sich MacDonald, fasste Jamie an den Schultern, hob ihn von mir herunter und legte ihn überraschend sanft ins Gras.

»Darf ich?«, fragte er höflich, und als ich zustimmend nickte, setzte er sich auf der anderen Seite neben mich und schlang die Arme zwanglos um seine Knie.

Er war wie üblich ordentlich gekleidet, inklusive Perücke, doch sein Hemdkragen war schmutzig, und seine Rockschöße waren am Saum ausgefranst und mit Schlamm bespritzt.

»Seid Ihr in letzter Zeit viel unterwegs gewesen, Major?«, fragte ich, um Konversation zu betreiben. »Ihr seht furchtbar müde aus, wenn ich das sagen darf.«

Ich hatte ihn beim Gähnen überrascht; er schluckte es herunter, blinzelte und lachte dann.

»Aye, Ma’am. Ich habe den ganzen letzten Monat im Sattel verbracht und höchstens jede dritte Nacht ein Bett gesehen.«

Er sah wirklich müde aus, selbst im weichen Licht des Sonnenuntergangs; die Erschöpfung grub ihm die Falten tief ins Gesicht, und die Haut unter seinen Augen hatte dunkle Tränensäcke gebildet. Er war kein gutaussehender Mann, besaß jedoch normalerweise eine kecke Selbstsicherheit, die ihm eine attraktive Ausstrahlung verlieh. Jetzt sah er nach dem aus, was er war; ein Soldat auf halbem Sold, der auf die fünfzig zuging, keinem regulären Regiment angehörte und keinen regulären Dienst versah und sich daher an jeden kleinen Kontakt klammerte, der ihm möglicherweise förderlich sein konnte.

Normalerweise hätte ich ihn nie auf Geschäftliches angesprochen, doch das Mitgefühl bewegte mich zu der Frage: »Arbeitet Ihr im Augenblick viel für Gouverneur Martin?«

Er nickte, trank noch einen Schluck Cidre und atmete danach tief aus.

»Aye, Ma’am. Der Gouverneur war so freundlich, mich damit zu beauftragen, ihm Nachrichten über die Zustände im Hinterland zu bringen – und tut mir sogar den Gefallen, dann und wann auf meinen Rat zu hören.« Er richtete den Blick auf Jamie, der wie ein Igel zusammengerollt dalag und zu schnarchen begonnen hatte, und lächelte.

»Was die Ernennung meines Mannes zum Indianeragenten angeht, meint Ihr? Dafür sind wir Euch wirklich dankbar, Major.«

Er tat meinen Dank mit einer beiläufigen Handbewegung ab.

»Ah, nein, Ma’am; das hatte höchstens indirekt mit dem Gouverneur zu tun. Solche Ernennungen sind Sache des Superintendenten des Südlichen Departments. Obwohl es natürlich im Interesse des Gouverneurs ist«, fügte er hinzu und trank noch einen Schluck, »Neuigkeiten von den Indianern zu erfahren.«

»Er wird Euch morgen sicher alles erzählen«, versicherte ich ihm und wies kopfnickend auf Jamie.

»Natürlich, Ma’am.« Er zögerte einen Moment. »Wisst Ihr vielleicht … hat Mr. Fraser vielleicht erwähnt, ob bei seinen Unterredungen in den Dörfern – war dabei vielleicht die Rede von … Bränden?«

Ich setzte mich kerzengerade hin, und das Cidresummen in meinem Kopf verstummte.

»Was ist passiert? Hat es noch mehr Brände gegeben?«

Er nickte und rieb sich müde mit der Hand durch das Gesicht und über seine sprießenden Bartstoppeln.

»Aye, zwei – aber einer war nur ein Scheunenbrand in der Nähe von Salem. Gehörte einem der Herrnhuter Brüder. Nach allem, was ich darüber in Erfahrung bringen konnte, waren es wahrscheinlich die schottisch-irischen Presbyterianer, die sich in Surry County niedergelassen haben. Ein Mistkäfer von einem Prediger hat sie gegen die Herrnhuter Brüdergemeinde aufgebracht – diese gottlosen Heiden –« Bei diesen Worten grinste er plötzlich, wurde dann aber wieder nüchtern.

»In Surry County braut sich schon seit Monaten etwas zusammen. Es ist schon so weit gegangen, dass die Brüdergemeinde eine Petition beim Gouverneur eingereicht hat, die Grenzlinien neu zu ziehen und sie so alle nach Rowan County zu verlegen. Die Grenze zwischen Surry und Rowan zieht sich mitten durch ihr Gebiet. Und der Sheriff von Surry ist …« Er machte eine abfällige Handbewegung.

»Vielleicht nicht so versessen auf die Erfüllung seiner Pflicht, wie er es sein sollte?«, half ich nach. »Zumindest, was die Herrnhuter Brüdergemeinde betrifft?«

»Er ist der Vetter des Mistkäfers«, sagte MacDonald und leerte seinen Becher. »Habt Ihr übrigens irgendwelche Probleme mit Euren neuen Pächtern gehabt?«, fügte er hinzu, als er ihn sinken ließ. Er ließ die Augen mit einem schiefen Lächeln über den Hof schweifen, auf dem überall Grüppchen von Frauen zufrieden plauderten, während ihre Männer zu ihren Füßen schliefen. »Es sieht so aus, als würden sie sich hier zu Hause fühlen.«

»Nun ja, sie sind Presbyterianer und machen keinen Hehl daraus – aber sie haben zumindest noch nicht versucht, das Haus niederzubrennen.«

Ich warf einen raschen Blick zur Veranda, wo Mr. Wemyss und seine Begleiterin immer noch saßen und die Köpfe im Gespräch zusammengesteckt hatten. Mr. Wemyss war wahrscheinlich der einzige Mann, der noch bei Bewusstsein war, abgesehen vom Major selbst. Die Dame war zwar eindeutig Deutsche, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass sie zu den Herrnhutern gehörte; diese gingen nur selten Ehen außerhalb ihrer Gemeinschaft ein, und ihre Frauen machten selten weitere Reisen.

»Falls Ihr also nicht der Meinung seid, dass sich die Presbyterianer zusammengerottet haben, um das Land von den Papisten und Lutheranern zu säubern … und das meint Ihr doch nicht, oder?«

Bei diesen Worten lächelte er kurz, wenn auch nicht ohne Humor.

»Nein. Aber ich bin selbst als Presbyterianer groß geworden, Ma’am.«

»Oh«, sagte ich. »Äh … noch einen Tropfen Cidre, Major?«

Er hielt mir widerspruchslos seinen Becher hin.

»Der andere Brand – er hat große Ähnlichkeit mit den anderen«, sagte er und beschloss großzügigerweise, nicht weiter auf meine Bemerkung einzugehen. »Eine abgelegene Siedlungsstelle. Ein allein lebender Mann. Allerdings lag sie knapp jenseits der Vertragsgrenze.«

Diese letzten Worte wurden von einer vielsagenden Geste begleitet, und ich warf unwillkürlich einen Blick auf Jamie. Er hatte mir erzählt, dass die Cherokee beunruhigt waren, weil ständig Siedler in ihr Gebiet eindrangen.

»Natürlich werde ich Euren Mann morgen früh danach fragen, Ma’am«, versprach MacDonald, der meinen Blick richtig interpretierte. »Aber wisst Ihr, ob ihm irgendwelche Anspielungen zu Ohren gekommen sind?«

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