Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Manchmal rieche ich die Kiefern«, sagte er und atmete die harzig duftende Luft tief und langsam ein. »Und dann glaube ich für eine Sekunde, dass ich in Schottland bin. Aber dann komme ich zu mir und sehe es; hier gibt es keine sanften Farne, keine endlosen kahlen Berge – nicht die Wildnis, die ich einmal kannte, sondern nur Wildnis, die mir neu ist.«
Ich glaubte, Sehnsucht in seiner Stimme zu hören, aber keinen Schmerz. Doch er hatte mich gefragt; also würde ich es ebenfalls tun.
»Und wünschst du dir je, du wärst zurück?«
»Oh, aye«, sagte er zu meiner Überraschung – und lachte dann, als er mein Gesicht sah. »Aber nicht so sehr, dass ich mir nicht noch mehr wünschen würde, hier zu sein, Sassenach.«
Er sah sich nach dem winzigen Friedhof mit seinen kleinen Ansammlungen von Grabhügeln und Kreuzen um – nur hier und dort markierten größere Steine ein besonderes Grab.
»Wusstest du, Sassenach, dass manche Leute glauben, dass der letzte Mensch, der auf einem Friedhof beerdigt wird, sein Wächter wird? Er muss Wache stehen, bis der Nächste stirbt und seine Stelle einnimmt – erst dann kann er ruhen.«
»Dann wird unser mysteriöser Ephraim wohl sehr überrascht sein, sich in einer solchen Position wiederzufinden, nachdem er so lange allein unter einem Baum gelegen hat«, sagte ich mit einem kleinen Lächeln. »Aber ich frage mich – was bewacht der Wächter eines Friedhofs, und wovor?«
Da lachte er.
»Oh … Vandalen vielleicht; Grabschänder. Oder Zauberer.«
»Zauberer?« Das überraschte mich; ich hatte gedacht, das Wort »Zauberer« sei gleichbedeutend mit »Heiler«.
»Es gibt Zauberriten, für die Knochen benötigt werden, Sassenach«, sagte er. »Oder die Asche einer verbrannten Leiche. Oder Erde von einem Grab.« Sein Tonfall war eigentlich leicht, doch ohne jeden scherzenden Unterton. »Aye, selbst die Toten müssen manchmal verteidigt werden.«
»Und wer könnte das besser als der Friedhofsgeist?«, sagte ich trocken. »Verstehe.«
Wir stiegen weiter bergauf durch einen Hain zitternder Espen, deren Licht uns mit grünen und silbernen Sprenkeln überzog, und ich blieb stehen, um einen Tropfen leuchtend rotes Harz von einem der papierweißen Stämme zu kratzen. Wie seltsam, dachte ich, und fragte mich, warum mich dieser Anblick innehalten ließ – und dann fiel es mir ein, und ich wandte mich abrupt um und spähte noch einmal zum Friedhof hinüber.
Keine Erinnerung, sondern ein Traum – oder eine Vision. Ein Mann mit zerschmetterten Knochen, der sich in einem Espenhain erhob, aufstand und wusste, dass es das letzte Mal war, sein letzter Kampf, und er entblößte seine zersplitterten Zähne, befleckt mit Blut, das die Farbe des Espenharzes hatte. Sein Gesicht war schwarz bemalt, die Farbe des Todes – und ich wusste, dass er silberne Füllungen in den Zähnen hatte.
Doch der Granitfels stand lautlos und friedlich da, übersät mit verwehten gelben Kiefernnadeln, und markierte den Ruheplatz des Mannes, der sich einmal Otterzahn genannt hatte.
Der Augenblick verging. Wir ließen den Espenhain hinter uns und betraten eine andere Lichtung, die höher gelegen war als die Anhöhe mit dem Friedhof.
Ich stellte überrascht fest, dass hier jemand Holz geschlagen und den Boden gerodet hatte. Ein großer Stapel gefällter Baumstämme lag auf der einen Seite, und daneben lagerte ein Gewirr entwurzelter Stümpfe, obwohl eine ganze Menge mehr ihre Wurzeln noch im Boden hatten und aus dem dichten Kraut und den Schwingelgräsern ragten.
»Schau, Sassenach.« Jamie legte mir die Hand an den Ellbogen und drehte mich um.
»Oh. Oh, nein.«
Wir befanden uns hier so hoch, dass wir eine atemberaubende Aussicht hatten. Die Bäume fielen ringsum ab, und wir konnten über unseren Berg hinwegsehen, über den nächsten und den nächsten bis in eine blaue Ferne, vernebelt vom Atemhauch der Berge, aus deren Mulden die Wolken aufstiegen.
»Gefällt es dir?« Der Unterton des Besitzerstolzes in seiner Stimme war unüberhörbar.
»Natürlich gefällt es mir. Was –?« Ich drehte mich um und wies auf die Stämme und Stümpfe.
»Hier wird das nächste Haus stehen, Sassenach«, sagte er schlicht.
»Das nächste Haus? Wie, bauen wir denn noch eins?«
»Nun, ich weiß nicht, ob wir es sein werden oder vielleicht unsere Kinder oder Enkelkinder«, fügte er hinzu, und sein Mund kräuselte sich ein wenig. »Aber ich dachte, falls irgendetwas passiert – nicht, dass ich das glauben würde –, aber falls doch, nun, dann wäre ich glücklicher, wenn ich schon einen Anfang gemacht hätte. Nur für alle Fälle.«
Ich starrte ihn einen Moment an und versuchte, mir einen Reim auf all das zu machen.
»Falls irgendetwas passiert«, sagte ich langsam und wandte mich nach Osten, wo man unser Haus gerade eben zwischen den Bäumen sehen konnte, sein Schornsteinrauch eine weiße Wolke zwischen dem sanften Grün der Kastanien und Fichten. »Falls es tatsächlich … abbrennt, meinst du.« Das bloße Aussprechen dieses Gedankens ließ meinen Magen hart wie Stein werden.
Dann richtete ich den Blick wieder auf ihn und sah, dass die Vorstellung auch ihm Angst machte. Doch da er Jamie war, hatte er sich darangemacht, sich, so gut er konnte, auf den Tag der Katastrophe vorzubereiten.
»Gefällt es dir?«, wiederholte er, und seine blauen Augen sahen mich gebannt an. »Die Stelle, meine ich. Wenn nicht, kann ich eine andere aussuchen.«
»Sie ist wunderschön«, sagte ich und spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. »Einfach wunderschön, Jamie.«
Da uns vom Aufstieg warm geworden war, setzten wir uns in den Schatten einer hohen Hemlocktanne, um unsere zukünftige Aussicht zu bewundern. Und stellten fest, dass wir nun, da das Schweigen über die finstere Möglichkeit unserer Zukunft gebrochen war, darüber reden konnten.
»Es ist gar nicht so sehr die Vorstellung, dass wir sterben könnten«, sagte ich. »Oder nicht nur. Es ist dieses ›keine überlebenden Kinder‹, das mich so verrückt macht.«
»Nun, ich kann dich gut verstehen, Sassenach. Obwohl ich ebenfalls nicht gerade dafür bin, dass wir sterben, und ich habe vor, dafür zu sorgen, dass wir es nicht tun«, versicherte er mir. »Aber denk doch einmal nach. Es muss nicht bedeuten, dass sie tot sind. Es ist doch möglich, dass sie einfach … gehen.«
Ich holte tief Luft und bemühte mich, diese Hypothese ohne Panik hinzunehmen.
»Gehen. Zurückgehen, meinst du. Roger und Brianna – und Jemmy wohl auch. Wir gehen also davon aus, dass er – durch die Steine reisen kann.«
Er nickte nüchtern und schlang die Arme um seine Knie.
»Nach dem, was er mit diesem Opal angestellt hat? Aye, ich denke, wir müssen davon ausgehen, dass er es kann.« Ich nickte und erinnerte mich, was er mit dem Opal gemacht hatte – er hatte ihn in der Hand gehabt und sich beklagt, er würde heiß … bis er explodierte und in Hunderte nadelspitzer Bruchstücke zersplitterte. Ja, wir mussten wohl davon ausgehen, dass auch er durch die Zeit reisen konnte. Doch was, wenn Brianna noch ein Kind bekam? Es schien mir offensichtlich zu sein, dass sie und Roger sich noch eins wünschten – oder zumindest, dass sich Roger eins wünschte und sie nichts dagegen hatte.
Der Gedanke, sie zu verlieren, schmerzte akut, doch wir mussten uns wohl mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen.
»Womit es dann zwei Möglichkeiten gibt, nehme ich an«, sagte ich, um Tapferkeit und Objektivität bemüht. »Wenn wir tot sind, würden sie gehen, weil es ohne uns keinen wirklichen Grund für sie gibt, hierzubleiben. Aber wenn wir nicht tot sind – werden sie trotzdem gehen? Werden wir sie fortschicken, meine ich? Wegen des Krieges. Es wird schließlich gefährlich.«
»Nein«, sagte er leise. Er hatte den Kopf gesenkt, und einzelne rotbraune Haare standen an den Wirbeln ab, die er sowohl Brianna als auch Jemmy vererbt hatte.
»Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich und hob den Kopf, um in die Weite von Land und Himmel zu schauen. »Niemand weiß es, Sassenach. Wir müssen dem, was kommt, so gut entgegentreten, wie wir können.«