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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Aye, Ma’am«, sagte Bobby, der pflichtbewusst einen Blick auf die Retorte warf. »Sie ist … äh … groß, oder?«

»Sie ist perfekt. Einfach perfekt!« Anstatt den Hals der Kugel glatt von seinem Glasbläserrohr abzuschneiden, hatte er ihn zu einer dickwandigen Röhre ausgezogen, die etwa fünf Zentimeter lang war und einen Durchmesser von etwa zweieinhalb Zentimetern hatte. Die Kanten und die Innenfläche dieser Röhre waren … geschliffen worden? Angeätzt? Ich hatte keine Ahnung, wie Mr. Blogweather das angestellt hatte, doch das Ergebnis war eine seidige, matte Oberfläche, die eine wunderbare Versiegelung abgeben würde, wenn man ein Teil mit einer ähnlichen Oberfläche hineinsteckte.

Meine Hände waren feucht vor nervöser Aufregung, dass ich den kostbaren Gegenstand fallen lassen könnte. Ich wickelte ihn in meine Schürze und drehte mich hin und her, während ich überlegte, wohin ich ihn am besten legte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Retorte so groß sein würde; Brianna oder einer der Männer würden mir einen passenden Ständer fertigen müssen.

»Sie kommt über ein kleines Feuer«, erklärte ich und betrachtete stirnrunzelnd das kleine Kohlebecken, das ich für meine Heiltees benutzte. »Aber die Temperatur spielt eine große Rolle; möglicherweise ist es zu schwierig, mit Holzkohlen beständige Hitze zu erzeugen.« Ich legte die große Kugel in meinen Schrank, wo ich sie sicher hinter einer Reihe von Flaschen verstaute. »Ich denke, ich werde einen Alkoholbrenner brauchen – aber sie ist größer, als ich dachte; ich werde einen ziemlich großen Brenner brauchen, um sie zu erhitzen …«

Mir wurde bewusst, dass Bobby gar nicht auf mein Geplapper hörte, weil etwas im Freien seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Er runzelte über etwas die Stirn, und ich trat hinter ihn und spähte durch das offene Fenster, um zu sehen, was es war.

Ich hätte es mir denken können; Lizzie Wemyss war draußen im Gras, wo sie unter den Kastanien Butter stampfte, und Manfred McGillivray war bei ihr.

Ich blickte auf das Pärchen, das sich fröhlich unterhielt, dann auf Bobbys düstere Miene. Ich räusperte mich.

»Würdet Ihr netterweise die andere Kiste für mich öffnen, Bobby?«

»Häh?« Seine Aufmerksamkeit war total auf das Pärchen im Freien gerichtet.

»Kiste«, wiederholte ich geduldig. »Die da.« Ich stieß sie mit dem Zeh an.

»Kiste … oh! Oh, aye, Ma’am, natürlich.« Er riss sich von dem Anblick los und machte sich mit verdrossener Miene ans Werk.

Ich holte die restlichen Glasgegenstände aus der offenen Kiste, schüttelte das Stroh ab und legte die Kugeln, Retorten, Flaschen und Röhrchen vorsichtig oben in einen Schrank – behielt dabei jedoch Bobby im Auge und dachte über diesen neuen Stand der Dinge nach, der sich hier auftat. Ich hatte nicht gedacht, dass seine Empfindungen gegenüber Lizzie mehr waren als eine vorübergehende Schwärmerei.

Vielleicht war es ja tatsächlich nicht mehr, ermahnte ich mich selbst. Aber wenn doch … Ich musste einfach noch einmal aus dem Fenster peilen – und stellte fest, dass aus dem Paar ein Trio geworden war.

»Ian!«, rief ich aus. Bobby sah verblüfft auf, doch ich war schon auf dem Weg zur Tür und strich mir hastig das Stroh aus den Kleidern.

Wenn Ian wieder da war, war Jamie –

Er kam im selben Moment zur Haustür herein, als ich in den Flur schoss, und fasste mich um die Taille. Er küsste mich mit sonnengewärmter, staubiger Begeisterung und einem Backenbart wie Schleifpapier.

»Du bist wieder da«, sagte ich schwachsinnigerweise.

»So ist es, und ein paar Indianer folgen gleich hinter mir«, sagte er. Dabei umklammerte er mit beiden Händen meinen Hintern und kratzte heftig mit seinem Bart über meine Wange. »Gott, was würde ich für eine Viertelstunde allein mit dir geben, Sassenach! Meine Eier platz– oh. Mr. Higgins. Ich, äh, habe Euch gar nicht gesehen.«

Er ließ mich los und richtete sich abrupt auf, zog seinen Hut, schlug ihn gegen seinen Oberschenkel und täuschte auf diese übertriebene Weise Beiläufigkeit vor.

»Nein, Sir«, sagte Bobby griesgrämig. »Ist Mr. Ian auch zurück?« Es klang nicht so, als sei dies eine besonders gute Nachricht; selbst wenn Ians Eintreffen Lizzie von Manfred abgelenkt hatte – und das hatte es –, so half es doch nicht, ihr Augenmerk auf Bobby zu lenken.

Lizzie hatte ihr Butterfass dem armen Manfred überlassen, der die Kurbel sichtlich widerstrebend bediente, während sie lachend mit Ian auf den Stall zuging, wahrscheinlich, um ihm das Kälbchen zu zeigen, das in seiner Abwesenheit geboren worden war.

»Indianer«, sagte ich, weil ich erst jetzt realisierte, was Jamie gesagt hatte. »Was für Indianer?«

»Ein halbes Dutzend Cherokee«, erwiderte er. »Was ist denn das?« Er deutete auf die Spur aus losem Stroh, die aus meinem Sprechzimmer herausführte.

»Oh, das. Das«, sagte ich glücklich, »ist Äther. Oder es wird Äther. Ich nehme an, die Indianer bleiben zum Essen?«

»Aye, ich sage Mrs. Bug Bescheid. Aber sie haben eine junge Frau dabei, die sie mitgebracht haben, damit du dich um sie kümmerst.«

»Oh?« Er war schon in die Küche unterwegs, und ich musste mich beeilen, um mitzuhalten. »Was hat sie denn?«

»Zahnschmerzen«, sagte er knapp und drückte die Küchentür auf. »Mrs. Bug! Cá bhfuil tú? Äther, Sassenach? Du meinst doch nicht Phlogiston, oder?«

»Ich glaube es nicht«, sagte ich und versuchte, mir ins Gedächtnis zu rufen, was in aller Welt Phlogiston war. »Aber ich habe dir von Anästhesie erzählt, das weiß ich – das ist Äther, eine Art Betäubungsmittel; es lässt die Leute einschlafen, so dass man sie operieren kann, ohne dass sie Schmerzen spüren.«

»Sehr nützlich bei Zahnschmerzen«, merkte Jamie an. »Wo ist die Frau nur geblieben? Mrs. Bug!«

»Theoretisch, aber es wird einige Zeit dauern, ihn herzustellen. Vorerst werden wir uns noch mit Whisky begnügen müssen. Mrs. Bug ist sicher in der Sommerküche; heute ist Backtag. Und wo wir gerade von Alkohol sprechen –« Er war schon zur Hintertür hinaus, und ich lief ihm über die Stufen hinterher. »Ich brauche für den Äther einiges von unserem Hochprozentigen. Kannst du mir morgen ein Fass von deinem neuen Whisky mitbringen?«

»Ein Fass? Himmel, Sassenach, was willst du denn damit, darin baden?«

»Nun, wenn du so fragst, ja. Oder vielmehr nicht ich – das Vitriol. Man gießt es vorsichtig in ein heißes Alkoholbad, und es –«

»Oh. Mr. Fraser! Ich dachte doch, dass ich jemanden rufen gehört habe.« Mrs. Bug erschien plötzlich mit einem Korb voll Eiern am Arm und strahlte. »Es freut mich so, Euch wieder sicher daheim zu sehen!«

»Und es freut mich, daheim zu sein, Mrs. Bug«, versicherte er ihr. »Bekommen wir ein halbes Dutzend Gäste beim Abendessen satt?«

Ihre Augen weiteten sich eine Sekunde, dann verengten sie sich, als sie zu planen begann.

»Wurst«, erklärte sie. »Und Rübengemüse. Bobby, kommt her und macht Euch nützlich.« Sie reichte mir die Eier, packte Bobby, der uns aus dem Haus gefolgt war, am Ärmel und zog ihn zum Rübenbeet davon.

Ich hatte das Gefühl, in einer Art sich rasch drehender Maschinerie wie ein Karussell gefangen zu sein, und hielt mich an Jamies Arm fest, um mich zu stützen.

»Hast du gewusst, dass Bobby Higgins in Lizzie verliebt ist?«, fragte ich.

»Nein, aber es wird ihm nicht viel nützen, wenn es so ist«, erwiderte Jamie gnadenlos. Weil er meine Hand auf seinem Arm für eine Einladung hielt, nahm er mir den Korb mit den Eiern ab und stellte ihn auf den Boden, dann zog er mich an sich und küsste mich noch einmal, diesmal langsamer, aber dafür ausgesprochen gründlich.

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