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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Vor ein paar Monaten hatte er eines Tages die Leiche des alten Mannes im Wald gefunden. Er hatte in einiger Entfernung von seinem Haus unter einem Baum gelegen.

»Er ist nicht umgebracht worden, sagt er«, sagte Ian, der dem raschen Wortstrom mit konzentriert gerunzelter Stirn folgte. »Er ist einfach … gestorben. Er glaubt, dass der Mann auf der Jagd war – er hatte ein Messer dabei und sein Gewehr an seiner Seite –, als ihn der Geist verlassen hat und er einfach zu Boden gefallen ist.« Er zuckte mit den Schultern, genau wie Sequoyah.

Da er keinen Grund sah, etwas mit der Leiche zu tun, hatte Sequoyah sie an Ort und Stelle liegen und das Messer dabei gelassen, falls der Geist es benötigte, wohin er auch immer gegangen war; er wusste nicht, wohin die Geister der Weißen gingen oder ob sie dort jagten. Er zeigte mit dem Finger darauf – unter den Knochen lag ein altes Messer, dessen Klinge beinahe vollständig weggerostet war.

Er hatte das Gewehr an sich genommen, da es ihm zu schade zum Liegenlassen erschien, und da die Hütte an seinem Weg lag, hatte er dort vorbeigeschaut. Der Alte hatte nicht viel besessen, und was er hatte, war zum Großteil wertlos. Er hatte einen Eisentopf, einen Kessel und ein Glas mit Maismehl mitgenommen und die Gegenstände in sein Dorf gebracht.

»Er ist doch nicht aus Anidonau Nuya, oder?«, fragte Jamie, dann wiederholte er die Frage auf Cherokee. Sequoyah schüttelte den Kopf, und die kleinen Ornamente, die er in sein Haar geflochten hatte, klapperten leise.

Er kam aus einem Dorf einige Meilen westlich von Anidonau Nuya – Wo der Stein steht. Bird-who-sings hatte nach Jamies Besuch Nachrichten in die Nachbardörfer entsandt und gefragt, ob jemand etwas über den Alten und sein Schicksal wusste. Als er Sequoyahs Bericht hörte, hatte er ihn die Überreste des Alten einsammeln lassen und ihn damit zu Jamie geschickt, um zu beweisen, dass er nicht umgebracht worden war.

Ian stellte eine Frage, in der ich das Cherokeewort für »Feuer« aufschnappte. Sequoyah schüttelte erneut den Kopf und erwiderte mit einem Wortschwall.

Er hatte die Hütte nicht niedergebrannt – warum sollte er so etwas tun? Er glaubte nicht, dass es irgendjemand mit Absicht getan hatte. Nachdem er die Knochen des Alten eingesammelt hatte – sein Gesicht zeigte den Abscheu, den er dabei empfunden hatte –, hatte er noch einmal einen Blick auf die Hütte geworfen. Sie hatte tatsächlich gebrannt – doch er konnte deutlich sehen, dass ein Baum gleich daneben vom Blitz getroffen worden war und einen guten Teil des umliegenden Waldes in Brand gesteckt hatte. Die Hütte war nur halb verbrannt.

Er erhob sich mit einem Ausdruck der Endgültigkeit.

»Wird er zum Abendessen bleiben?«, fragte ich, als ich sah, dass er im Aufbruch begriffen zu sein schien.

Jamie machte ihm die Einladung verständlich, doch Sequoyah schüttelte den Kopf. Er hatte getan, worum man ihn gebeten hatte; jetzt hatte er anderes zu tun. Er nickte den anderen Indianern zu, dann wandte er sich zum Gehen.

Doch dann fiel ihm etwas ein, und er blieb stehen und drehte sich zurück.

»Tsisqua sagt«, erklärte er in der vorsichtigen Art eines Menschen, der sich etwas in einer unbekannten Sprache eingeprägt hat, »vergesst Gewehre nicht.« Dann nickte er entschieden und ging.

Das Grab war mit einem kleinen Steinhügel und einem kleinen Holzkreuz aus Kiefernzweigen markiert. Sequoyah hatte nicht gewusst, wie sein Bekannter hieß, und wir hatten keine Ahnung, wie alt er gewesen war oder wann er geboren und gestorben war. Wir hatten zwar auch nicht gewusst, ob er Christ gewesen war, aber das Kreuz schien uns eine gute Idee zu sein.

Es war eine sehr kleine Beerdigungsgesellschaft, die sich aus mir selbst, Jamie, Ian, Brianna und Roger, Lizzie und ihrem Vater, den Bugs und Bobby Higgins zusammensetzte – wobei ich mir sicher war, dass er nur zugegen war, weil Lizzie es war. Ihr Vater schien diese Meinung zu teilen, den gelegentlichen argwöhnischen Blicken nach, die er in Bobbys Richtung warf.

Roger las einen kurzen Psalm über dem Grab, dann hielt er inne. Er räusperte sich und sagte schlicht: »Herr, in Deine Obhut geben wir die Seele unseres Bruders …«

»Ephraim«, murmelte Brianna, die Augen anstandsvoll niedergeschlagen.

Ein subtiles Bedürfnis zu lachen ging durch die Gruppe, auch wenn keiner einen Mucks tat. Roger warf Brianna einen bösen Blick zu, doch ich sah, dass auch sein Mundwinkel zuckte.

»… unseres Bruders, dessen Namen Du kennst«, brachte Roger seinen Satz würdevoll zu Ende und schloss das Buch der Psalmen, das er sich von Hiram Crombie ausgeborgt hatte – welcher die Einladung, der Beerdigung beizuwohnen, ausgeschlagen hatte.

Als Sequoyah am Abend zuvor seine Enthüllungen beendet hatte, war es fast dunkel, und ich war gezwungen gewesen, Miss Mousies Zahnkorrektur auf den nächsten Morgen zu verschieben. Abgefüllt, wie sie war, äußerte sie keine Einwände und wurde von Bobby Higgins hilfsbereit zu einem Bett auf dem Küchenfußboden eskortiert – ob er nun in Lizzie verliebt war oder nicht, er schien Miss Mousies Reizen gegenüber jedenfalls höchst aufgeschlossen zu sein.

Als ich mit der Zahnoperation fertig war, hatte ich ihr und ihren Freunden vorgeschlagen, eine Weile zu bleiben, doch genau wie Sequoyah hatten sie anderswo zu tun. Und nachdem sie mir ihren Dank ausgesprochen und mir kleine Geschenke gemacht hatten, waren sie am frühen Nachmittag in einer Wolke aus Whisky aufgebrochen, und es war an uns gewesen, uns um die sterblichen Überreste des verblichenen Ephraim zu kümmern.

Nach der Beerdigung gingen alle wieder zu den Häusern hinunter, doch Jamie und ich blieben zurück und suchten eine Gelegenheit, ein paar Minuten allein zu sein. Letzte Nacht war das Haus voller Indianer gewesen, und wir hatten lange am Feuer gesessen, geredet und Geschichten erzählt. Als wir endlich zu Bett gegangen waren, hatten wir uns nur noch aneinandergeschmiegt und waren eingeschlafen, nachdem wir uns eine gute Nacht gewünscht hatten.

Der Friedhof lag in einiger Entfernung vom Haus auf einer kleinen Erhebung und war ein hübscher, friedvoller Ort. Von Kiefern umstanden, deren goldene Nadeln eine Decke über die Erde breiteten und deren murmelnde Zweige ein ununterbrochenes, leises Rauschen erzeugten, wirkte er tröstend auf mich.

»Armer alter Kerl«, sagte ich und legte einen letzten Kieselstein auf Ephraims Grabhügel. »Was meinst du wohl, wie er an einem solchen Ort gelandet ist?«

»Weiß der Himmel.« Jamie schüttelte den Kopf. »Es gibt immer Eremiten, Menschen, die sich in der Gesellschaft von ihresgleichen nicht wohl fühlen. Vielleicht ist er einer gewesen. Oder vielleicht hat ihn ein Unglück in die Wildnis getrieben, und er … ist geblieben.« Er zuckte sacht mit den Achseln und lächelte mich schwach an.

»Manchmal frage ich mich, wie wir alle dahin gekommen sind, wo wir sind, Sassenach. Du nicht?«

»Früher schon«, sagte ich. »Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es darauf unmöglich eine Antwort geben kann, also habe ich aufgehört.«

Er blickte abgelenkt zu mir hinunter.

»Ach ja?« Er streckte die Hand aus und schob mir eine vom Wind zerzauste Locke hinter das Ohr. »Womöglich sollte ich dir diese Frage nicht stellen, aber ich tue es trotzdem. Macht es dir etwas aus, Sassenach? Dass du hier bist, meine ich. Wünschst du dir je, du wärst – zurück?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Nein, nie.«

Und das war die Wahrheit. Doch manchmal erwachte ich mitten in der Nacht und fragte mich, ist das der Traum? Würde ich beim Aufwachen die warme Luft der Zentralheizung und den Duft von Franks Old Spice in der Nase haben? Und wenn ich dann wieder einschlief, umweht von Holzrauch und dem Moschus auf Jamies Haut, empfand ich ein schwaches, überraschtes Bedauern.

Falls er diesen Gedanken in meinem Gesicht las, ließ er es sich nicht anmerken, sondern er beugte sich nieder und küsste mich sanft auf die Stirn und nahm meinen Arm. Wir spazierten ein Stück in den Wald hinein, fort vom Haus.

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