Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er ließ mit einem Seufzer tiefer Zufriedenheit von mir ab und warf einen Blick auf die neue Sommerküche, die wir in seiner Abwesenheit errichtet hatten: Ein kleines Gerüst mit grob gewebten Leinenwänden und einem Dach aus Kiefernzweigen umgab einen gemauerten Herd mit Schornstein – jedoch mit einem großen Tisch im Inneren. Verlockende Düfte nach aufgehendem Teig, frisch gebackenem Brot, Haferkeksen und Zimtbrötchen kamen aus dieser Richtung herbeigeweht.
»Nun, was diese Viertelstunde angeht, Sassenach … Ich glaube, ich komme auch mit etwas weniger zurecht, wenn es sein muss …«
»Ich aber nicht«, sagte ich bestimmt, gestattete es aber meiner Hand, ihn einen Moment nachdenklich zu liebkosen. Mein Gesicht brannte von der Berührung seines Bartes. »Und wenn wir dann Zeit haben, kannst du mir erzählen, was in aller Welt du getan hast, um das hier hervorzurufen.«
»Ich habe geträumt«, sagte er.
»Was?«
»Ich habe jede Nacht furchtbar lüstern von dir geträumt«, erklärte er und zupfte sich seine Hose zurecht. »Jedes Mal, wenn ich mich umgedreht habe, bin ich auf meinem Schwanz gelandet und aufgewacht. Es war grässlich.«
Ich brach in Gelächter aus, und er setzte eine verletzte Miene auf, wenn ich auch die widerstrebende Belustigung dahinter erkennen konnte.
»Nun, du hast gut lachen, Sassenach«, sagte er. »Du hast ja auch keinen, der dich so plagen könnte.«
»Ja, und das erleichtert mich sehr«, versicherte ich ihm. »Äh … was für lüsterne Träume denn?«
Tief in seinen Augen konnte ich es spekulierend glänzen sehen, als er mich anblickte. Er streckte seinen Finger aus und fuhr damit ganz sanft an meinem Hals hinunter und über meine Brust, bis er in meinem Leibchen verschwand, dann über den dünnen Stoff, der meine Brustwarze bedeckte – die als Reaktion auf seine Zuwendung prompt hart wurde wie eine Murmel.
»Die Art, die dazu führt, dass ich dich am liebsten ohne Umwege in den Wald bringen würde, so weit, dass es niemand hört, wenn ich dich auf den Boden lege, deine Röcke hochschiebe und dich spalte wie einen reifen Pfirsich«, sagte er leise. »Aye?«
Ich schluckte hörbar.
In dieser delikaten Sekunde erklang an der Wegmündung auf der anderen Seite des Hauses grüßendes Gejohle.
»Die Pflicht ruft«, schnaufte ich ein wenig atemlos.
Jamie holte ebenfalls tief Luft, richtete sich auf und nickte.
»Nun, ich bin bisher nicht an unerwiderter Lust gestorben; ich werde es wohl auch jetzt nicht tun.«
»Ich gehe nicht davon aus«, sagte ich. »Außerdem, hast du mir nicht erklärt, dass Abstinenz den Charakter … äh … festigt?«
Er warf mir einen trostlosen Blick zu.
»Wenn hier noch irgendetwas fester wird, falle ich in Ohnmacht, weil ich kein Blut mehr im Kopf habe. Vergiss den Eierkorb nicht, Sassenach.«
Es war Spätnachmittag, zum Glück aber noch hell genug für die Zahnbehandlung. Allerdings lag mein Sprechzimmer so, dass ich das Morgenlicht zum Operieren nutzen konnte, und nachmittags war es dunkler, so dass ich einen improvisierten Operationssaal auf dem Hof errichtete.
Dies war insofern von Vorteil, als alle zusehen wollten; Indianer betrachteten medizinische Behandlungen – und auch fast alles andere – als Sache der Gemeinschaft. Operationen liebten sie besonders, da diese großen Unterhaltungswert besaßen. Alle scharten sich neugierig um mich, gaben ihre Kommentare zu meinen Vorbereitungen ab, diskutierten miteinander und redeten auf die Patientin ein, die ich nur mit größter Mühe davon abhalten konnte zu antworten.
Ihr Name war Mouse – Maus –, und ich konnte nur vermuten, dass sie ihn aus irgendeinem metaphysischen Grund bekommen hatte, da er weder zu ihrer Erscheinung noch zu ihrer Persönlichkeit passte. Sie hatte ein rundes Gesicht, eine für die Cherokee ungewöhnliche Stupsnase, und sie war zwar nicht unbedingt hübsch, besaß aber jene Charakterstärke, die oft viel attraktiver ist als schlichte Schönheit.
Diese verfehlte jedenfalls ihre Wirkung auf die anwesenden Herren nicht; sie war die einzige Frau in dem Indianertrupp, der sich ansonsten aus ihrem Bruder Red Clay Wilson und vier Freunden zusammensetzte, die entweder mitgekommen waren, um den Wilsons Gesellschaft zu leisten, sie auf dem Weg zu beschützen – oder um Miss Mousies Gunst zu buhlen, was der wahrscheinlichste Grund für ihre Anwesenheit zu sein schien.
Trotz des schottischen Namens der Wilsons sprach keiner der Cherokee Englisch, abgesehen von ein paar grundlegenden Worten – wie »nein«, »ja«, »gut«, »schlecht« und »Whisky!«. Da das in etwa ebenso meinem Vokabular in ihrer Sprache entsprach, hatte ich keinen großen Anteil an der Unterhaltung.
Im Moment warteten wir tatsächlich auf Whisky – und auf Übersetzer. Ein Siedler namens Wolverhampton aus einem namenlosen Tal im Osten hatte sich in der Woche zuvor unfreiwillig anderthalb Zehen amputiert, während er Brennholz spaltete. Da er diesen Zustand unpraktisch fand, hatte er dann versucht, sich den verbleibenden halben Zeh mit einem Spaltmesser abzunehmen.
Man kann über den allgemeinen Nutzen von Spaltmessern sagen, was man will, Präzisionsinstrumente sind sie nicht. Allerdings sind sie scharf.
Mr. Wolverhampton, ein kräftiger Kerl mit einer Neigung zum Jähzorn, lebte allein, und sein nächster Nachbar war sieben Meilen von ihm entfernt. Bis er diesen erreichte – zu Fuß, oder was davon übrig war – und der Nachbar ihn auf ein Maultier gepackt und nach Fraser’s Ridge transportiert hatte, waren fast vierundzwanzig Stunden verstrichen, und der verstümmelte Fuß hatte die Ausmaße und das Aussehen eines zerquetschten Waschbären angenommen.
Die Erfordernisse der Säuberungsoperation, das folgende wiederholte Ausschneiden der Wunde zur Eindämmung der Entzündung und die Tatsache, dass sich Mr. Wolverhampton weigerte, die Flasche herauszurücken, hatte meinen normalen medizinischen Vorrat vollständig erschöpft. Da ich sowieso ein Fass Rohalkohol für meine Ätherherstellung brauchte, waren Ian und Jamie zur Destille gegangen, die eine gute Meile vom Haus entfernt lag, um Nachschub zu holen. Ich hoffte, dass sie so zeitig zurückkamen, dass ich noch genug Licht hatte, um zu sehen, was ich tat.
Ich unterbrach Miss Mousies lautstarke Auseinandersetzung mit einem der Herren, der sie offensichtlich aufzog, und signalisierte ihr mit Gebärden, dass sie den Mund für mich aufmachen sollte. Das tat sie gehorsam, setzte jedoch ihre Diskussion mit Hilfe höchst eindeutiger Handzeichen fort, die eine Reihe von Handlungen auszudrücken schienen, die sie den fraglichen Herrn aufforderte, an sich selbst vorzunehmen, zumindest seiner roten Gesichtsfarbe und der Heiterkeit nach, in die seine Gefährten ausbrachen.
Eine Seite ihres Gesichts war von der Augenhöhle bis zum Kinn geschwollen und offenbar sehr empfindlich. Doch sie zuckte weder zusammen, noch fuhr sie zurück, selbst als ich ihr Gesicht weiter zum Licht drehte, um besser sehen zu können.
»Zahnschmerzen, mein lieber Schwan!«, sagte ich unwillkürlich.
»Fahn?«, sagte Miss Mousie und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.
»Schlecht«, erklärte ich und zeigte auf ihre Wange. »Uyoi.«
»Schlecht«, pflichtete sie mir bei. Es folgte eine lautstarke Erläuterung – in der sie nur pausierte, weil ich ihr hin und wieder den Finger in den Mund steckte –, von der ich annahm, dass es eine Erklärung war, was ihr zugestoßen war.
Dem Aussehen nach eine Schlagverletzung. Mehrere ihrer Backenzähne waren zersplittert, sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer, ebenso war ihr Wangenknochen gebrochen, wie ich herausfand, als ich ihn abtastete. Doch nur ein Zahn, ein unterer Eckzahn, war komplett ausgeschlagen, und die scharfen Kanten hatten zwar das Innere ihres Mundes mit kleinen Risswunden übersät, doch das Zahnfleisch war nicht entzündet. Das war ermutigend.
Einen Zahn würde ich ziehen müssen; er war an der Zahnfleischkante abgebrochen, und der Nerv lag frei. Die anderen dagegen …