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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Oh, gut gemacht!«, sagte ich. »Und dabei kannst du ihm dann versichern, dass die Aussichten der Stuarts ziemlich düster sind, und ihn überzeugen, dass Louis ihnen keinen finanziellen Beistand leisten möchte, auch wenn sie seine Verwandten sind.«

Er nickte und kämmte sich mit beiden Händen das feuchte Haar aus der Stirn. Es brannte noch kein Feuer, und er erschauerte sacht.

»Wo hast du denn Schachspielen gelernt?«, fragte ich neugierig. »Ich wusste gar nicht, dass du das kannst.«

»Colum MacKenzie hat es mir beigebracht«, sagte er. »Als ich sechzehn war und ein Jahr in Leoch verbracht habe. Für Französisch, Deutsch, Mathematik und Ähnliches hatte ich Hauslehrer, aber ich bin jeden Abend eine Stunde in Colums Zimmer gegangen, um Schach zu spielen. Nicht, dass er normalerweise eine Stunde gebraucht hätte, um mich zu schlagen«, fügte er reumütig hinzu.

»Kein Wunder, dass du gut bist«, sagte ich. Jamies Onkel Colum, der das Opfer einer entstellenden Krankheit war, die sein Bewegungsvermögen drastisch einschränkte, hatte zum Ausgleich dafür einen Verstand, gegen den Machiavelli ein Waisenknabe war.

Jamie stand auf, öffnete seinen Schwertgürtel und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Glaub ja nicht, dass ich nicht weiß, was du vorhast, Sassenach. Das Thema zu wechseln und mir zu schmeicheln wie eine Kurtisane. Habe ich dich nicht vor diesen Alkoven gewarnt?«

»Du hast gesagt, du würdest mich nicht schlagen«, rief ich ihm ins Gedächtnis und ließ mich vorsichtshalber ein wenig tiefer in meinen Sessel rutschen.

Erneutes Prusten, dann warf er den Schwertgürtel auf die Kommode und ließ seinen Kilt neben das nasse Hemd fallen.

»Sehe ich so aus wie jemand, der eine schwangere Frau schlagen würde?«, wollte er wissen.

Ich betrachtete ihn skeptisch. Splitternackt, das Haar in feuchten roten Ringeln, überall voller weißer Narben, sah er so aus, als sei er gerade von einem Wikingerschiff gesprungen, Vergewaltigung und Plünderei im Sinn.

»Eigentlich siehst du so aus, als wärst du zu allem imstande«, sagte ich zu ihm. »Was die Alkoven angeht, ja, das hast du gesagt. Wahrscheinlich wäre ich besser ins Freie gegangen, um mir die Schuhe auszuziehen, aber woher sollte ich denn wissen, dass mir dieser Idiot folgen und an meinen Zehen knabbern würde? Und wenn du nicht vorhast, mich zu schlagen, was schwebt dir denn dann vor?« Meine Hände umklammerten die Lehnen des Sessels.

»Zieh dieses Hurenkleid aus, Sassenach, und komm zu Bett.«

»Warum?«

»Nun, ich kann dich weder ohrfeigen noch dich in den Brunnen tauchen.« Er zuckte mit den Schultern. »Eigentlich wollte ich furchtbar mit dir schimpfen, aber ich glaube nicht, dass ich die Augen lange genug offen halten kann.« Er gähnte herzhaft, dann blinzelte er und grinste mich noch einmal an. »Erinnere mich morgen früh daran, ja?«

»Ist es jetzt besser?« Jamies dunkelblaue Augen waren voller Sorge. »Ist es richtig, dass dir so oft übel wird, Sassenach?«

Ich schob mir das Haar aus den verschwitzten Schläfen und tupfte mir mit einem feuchten Handtuch über das Gesicht.

»Ich weiß nicht, ob es richtig ist«, sagte ich schwach, »aber ich glaube zumindest, dass es normal ist. Manchen Frauen ist während der ganzen Zeit übel.« Im Moment keine angenehme Vorstellung.

Jamies Blick wanderte nicht zu der buntbemalten Uhr auf dem Tisch hinüber, sondern wie üblich aus dem Fenster zur Sonne.

»Fühlst du dich gut genug, um zum Frühstück zu gehen, Sassenach, oder sollte ich dem Zimmermädchen sagen, sie soll uns etwas auf einem Tablett bringen?«

»Nein. Es geht mir wieder gut.« So war es. Das Seltsame an der Morgenübelkeit war, dass es mir innerhalb von Sekunden wieder vollkommen gutging, sobald der unausweichliche Brechanfall vorüber war. »Ich will mir nur den Mund ausspülen.«

Während ich mich über die Schüssel beugte und mir kaltes Wasser über das Gesicht laufen ließ, klopfte es an der Tür des Appartements. Vermutlich der Dienstbote, den man zu Jareds Haus in Paris geschickt hatte, um uns frische Kleider zu holen, dachte ich.

Doch zu meiner Überraschung war es ein Höfling mit einer schriftlichen Einladung zum Mittagessen.

»Seine Majestät speist heute mit einem englischen Adelsherrn«, erklärte der Höfling, »der gerade in Paris eingetroffen ist. Seine Majestät hat mehrere prominente englische Kaufleute aus der Cité zum Essen eingeladen, damit Seine Durchlaucht der Herzog in Gesellschaft seiner Landsleute sein kann. Und man hat Seine Majestät darauf aufmerksam gemacht, dass Madame, Eure Gemahlin, ebenfalls Engländerin ist und man sie daher einladen sollte.«

»Nun gut«, sagte Jamie nach einem raschen Blick in meine Richtung. »Ihr könnt Seiner Majestät ausrichten, dass es uns eine Ehre sein wird zu bleiben.«

Kurz darauf traf Murtagh ein. Mürrisch wie eh und je brachte er uns ein großes Bündel frischer Kleider und meine Arzneitruhe, um die ich gebeten hatte. Jamie nahm ihn mit ins Wohnzimmer, um ihm Anweisungen für den Tag zu erteilen, während ich mich hastig in mein neues Kleid kämpfte und es zum ersten Mal bedauerte, mich geweigert zu haben, die Dienste einer Kammerzofe in Anspruch zu nehmen. Mein Haar, das ohnehin immer widerspenstig war, hatte nicht davon profitiert, dass ich eng umschlungen mit einem großen, halb nassen Schotten geschlafen hatte; wilde Knoten schossen in alle Himmelsrichtungen davon und widerstanden jedem Versuch, sie mit Kamm und Bürste zu zähmen.

Schließlich kam ich zum Vorschein, von der Anstrengung errötet und gereizt, doch mit einigermaßen frisiertem Haar. Jamie sah mich an und murmelte irgendetwas von Igeln, erntete dafür aber einen vernichtenden Blick und war so klug zu verstummen.

Ein Spaziergang zwischen den Beeten und Springbrunnen der Palastgärten trug das Seine dazu bei, meinen Gleichmut wiederherzustellen. Die meisten Bäume trugen noch kein Laub, doch der Tag war unerwartet warm für Ende März, und der Duft der schwellenden Knospen an den Zweigen war grün und durchdringend. Man konnte beinahe spüren, wie der Saft in die gewaltigen Kastanien und Pappeln stieg, die die Wege säumten und den Hunderten weißer Marmorstatuen Schatten spendeten.

Ich blieb neben einer Statue eines halb verhüllten Mannes stehen, der Trauben im Haar und eine Flöte an den Lippen hatte. Eine große, seidige Ziege knabberte an weiteren Trauben, die sich in Kaskaden aus den Marmorfalten des um ihn drapierten Tuchs ergossen.

»Wer ist das?«, fragte ich. »Pan?«

Jamie schüttelte den Kopf und lächelte. Er trug seinen alten Kilt und einen abgetragenen, aber bequemen Rock, doch in meinen Augen sah er viel besser aus als die luxuriös gekleideten Höflinge, die in plaudernden Grüppchen an uns vorüberzogen.

»Nein, ich glaube zwar, dass es auch eine Panstatue gibt, aber das hier ist sie nicht. Das ist einer der vier menschlichen Humores.«

»Nun, humorvoll sieht er auf jeden Fall aus«, sagte ich mit einem Blick auf den lächelnden Freund der Ziege.

Jamie lachte.

»Und das von einer Heilerin, Sassenach! Doch nicht diese Art von Humor. Kennst du denn die vier Humores nicht, aus denen der menschliche Körper besteht? Das hier ist Blut« – er zeigte auf den Flötenspieler, dann wies er den Pfad entlang – »und dort Tränen.« Dies war ein hochgewachsener Mann mit einer Art Toga, der ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hielt.

Jamie zeigte auf die andere Seite des Pfades. »Und dort drüben Galle« – ein nackter, muskulöser junger Mann, der tatsächlich finster dreinblickte, ohne den Marmorlöwen zu beachten, der im Begriff war, ihn herzhaft ins Bein zu beißen – »und das da Phlegma.«

»Ist das so?« Phlegma, ein bärtiger Herr mit einem Falthütchen, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und eine Schildkröte zu seinen Füßen.

»Hm«, meinte ich.

»Studieren die Ärzte in deiner Zeit denn die Lehre von den Körpersäften nicht?«, fragte Jamie neugierig.

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