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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Elemak betrachtete sie kalt. »Du kannst dein Kind behandeln, wie du willst. Unseres wird immer Milch zu trinken bekommen, die spätestens alle drei Tage mit tierischem Protein aufgefrischt wird.«

»Ach, Elemak, dann muß ich rohes Fleisch essen?« fragte Eiadh.

»Ja«, sagte Elemak.

»Das ist schon in Ordnung«, sagte Nafai. »Du wirst keinen Unterschied spüren.«

Alle drehten sich zu ihm um. Seine Bemerkung war einfach lächerlich. »Besten Dank«, sagte Eiadh. »Ich glaube, ich kann durchaus feststellen, ob Fleisch roh oder gebraten ist.«

»Wir alle sind hier, weil wir für die Überseele mehr oder weniger empfänglich sind«, sagte Nafai. »Also habe ich die Überseele gerade gefragt, ob sie den Geschmack rohen Fleisches für uns akzeptabel machen kann. Uns glauben machen kann, daß damit alles in Ordnung ist. Und sie hat gesagt, ja, sie könne das, vorausgesetzt, wir widersetzen uns nicht. Wenn wir also nicht ständig darüber nachdenken, daß wir rohes Fleisch essen, kann die Überseele uns so weit beeinflussen, daß wir kaum etwas davon merken.«

Einen Augenblick lang erwiderte niemand etwas darauf. Huschidh erkannte, daß Nafais fast beiläufige Beziehung zu der Überseele für einige ziemlich entnervend war — nicht zuletzt für Volemak selbst, der mit der Überseele oder dem Index nur sprach, wenn er mit ihnen allein war.

»Du hast die Überseele gebeten, unsere Nahrung für uns schmackhaft zu machen?« fragte Issib.

»Wir wissen aus Erfahrung, daß die Überseele ziemlich gut darin ist, die Leute dumm zu machen«, sagte Nafai. »Wir beide haben es gemeinsam erlebt, Issja. Warum soll die Überseele uns also nicht ein wenig dumm machen, was den Geschmack des Fleisches betrifft?«

»Mir gefällt die Vorstellung nicht, daß die Überseele in meinem Verstand herummurkst«, sagte Obring.

Meb sah Obring an und grinste. »Mach dir keine Sorgen«, sagte er. »Du bist auch ohne ihre Hilfe dumm genug.«

Als Nafai am nächsten Tag ein Noljen nach Hause brachte — ein kleines, rotwildähnliches Tier, das kaum einen halben Meter Schulterhöhe hatte —, nahmen sie es aus, sengten es mit dem Pulsator an und aßen es dann, vorsichtig zuerst, bis sie merkten, daß rohes Fleisch entweder gar nicht so schlecht war oder die Überseele gute Arbeit geleistet hatte, sie unempfänglich für den Unterschied zu machen. Von nun an würden sie, wann immer es nötig war, auch ohne ein Feuer auskommen.

Aber die Überseele konnte ihnen keinen neuen Pulsator als Ersatz für den verlorenen beschaffen.

Sie verloren zwei weitere Pulsatoren, als sie den Nividimu überquerten. Es war ein dummer, überflüssiger Verlust. Die Kamele wagten sich nur zögernd an die Überquerung, obwohl die Furt breit und flach war, und als man sie hinübertrieb, gab es einige Rempeleien. Wären alle Lasten kompetent und sorgfältig festgebunden worden, hätte sich keine gelöst und ihren Inhalt in das eiskalte Wasser verstreut.

Elemak stellte erst nach ein paar Minuten fest, daß es sich um das Kamel handelte, das die beiden Pulsatoren trug; er mußte sich erst darauf konzentrieren, die anderen Kamele sicher ans Ufer zu bringen, bevor er versuchen konnte, die Last zu bergen. Als er die Pulsatoren fand — in einem Beutel und zusätzlich in Stoff gehüllt —, hatten sie eine Viertelstunde im Wasser gelegen. Pulsatoren waren haltbar, aber nicht zum Gebrauch unter Wasser bestimmt. Ihre Versiegelungen waren durchdrungen worden, und ihr Mechanismus würde schnell korrodieren. Er barg die Pulsatoren natürlich in der Hoffnung, daß sie vielleicht nicht rosten würden, wußte aber, daß die Aussicht darauf nur gering war.

»Wer hat dieses Kamel beladen?« fragte Elemak.

Niemand schien sich daran erinnern zu können, es beladen zu haben.

»Das ist das Problem«, sagte Volemak. »Das Kamel hat sich offenbar selbst beladen, konnte aber keine Knoten binden.«

Alle lachten nervös. Elemak wirbelte zu seinem Vater herum, wollte ihn geißeln, daß er über eine so ernste Situation einen Witz machte. Als er jedoch Volemaks Blick bemerkte, hielt er inne, denn er sah, daß auch Volemak die Sache sehr ernst nahm. Also nickte Elemak seinem Vater zu und setzte sich, um zu zeigen, daß er Volemak die Angelegenheit regeln lassen wollte.

»Wer auch immer dieses Kamel beladen hat, kennt seine Verantwortung«, sagte Volemak. »Und ich kann es ganz einfach herausfinden — ich muß nur den Index fragen. Aber es wird keine Bestrafung geben, denn damit können wir nichts gewinnen. Sollte ich es einmal für nötig halten, werde ich enthüllen, wessen Achtlosigkeit uns unsere Sicherheit gekostet hat, doch bis dahin wird ihm trotz seiner feigen Weigerung, für seine Tat einzustehen, nichts passieren.«

Noch immer meldete sich niemand.

Volemak sagte nichts mehr, sondern nickte Elemak zu, der aufstand und den letzten Pulsator hochhob. »Das ist der Pulsator, den wir am öftesten benutzt haben«, sagte er. »Daher ist seine Ladung am schwächsten, und doch sind wir auf ihn angewiesen, um uns Fleisch zu beschaffen. Er könnte noch ein paar Jahre halten — Pulsatoren haben durchaus so lange überdauert —, doch wenn dieser nicht mehr funktioniert, haben wir keinen anderen mehr.«

Er ging zu Nafai und hielt ihm den Pulsator hin. Nafai nahm ihn behutsam entgegen.

»Du bist der Jäger«, sagte Elemak. »Du kannst ihn am besten nutzen. Aber gib auf ihn acht. Unser Leben und das unserer Kinder hängt davon ab, wie du deine Pflicht erfüllst.«

Nafai nickte.

Elemak wandte sich den anderen zu. »Wenn jemand sieht, daß der Pulsator in irgendeiner Gefahr ist, muß er sofort sprechen oder handeln, um ihn zu schützen. Aber abgesehen von diesem Fall wird lediglich Nafai den Pulsator anfassen. Wir werden ihn nicht einmal benutzen, um unser Fleisch anzubraten. Wenn wir während gefährlicher Streckenabschnitte Fleisch essen, essen wir es roh. Und jetzt durchqueren wir das Tal, bevor wir hier noch entdeckt werden.«

Am späten Nachmittag erreichten sie die Stelle, an der die Karawanen entweder nach Süden zu den bewohnten Tälern zogen, in denen die Städte Dovoda und Nieschtchy sich zwischen der Wüste und dem Meer ans karge Leben klammerten, oder nach Südosten zum Razorjat-Gebirge und dann hinab zu den nördlichen Ausläufern des Tals der Feuer. Volemak führte sie ins Gebirge. Aber mehr als nur einem kam in den Sinn, daß sie, wenn sie gen Süden nach Dovoda oder Nieschtchy gezogen wären, dort Pulsatoren und anständige Vorräte hätten kaufen können. Und sie hätten andere Gesichter gesehen und andere Stimmen gehört. Kaum einer von ihnen .wünschte sich nicht, den Städten wenigstens einen Besuch abzustatten.

Doch Volemak führte sie in die Hügel hinauf, wo sie in dieser Nacht lagerten, ohne ein Feuer zu entfachen, aus Angst, es könne von einem Bewohner der fernen Städte gesehen werden.

Von da an kamen sie nur langsam voran, denn der Index warnte Volemak, daß drei Karawanen durch das Tal der Feuer in nördliche Richtung zogen, zwei davon aus den Städten des Feuers und eine aus den Städten der Sterne, die noch weiter südlich lagen. Für die meisten von ihnen waren dies Namen aus einer Legende, Städte, die noch älter und höherstöckig waren als Basilika. Geschichten von uralten Helden schienen immer mit den Sätzen »Es war einmal in den Städten der Sterne« oder »So geschah es in alten Zeiten in den Städten des Feuers« anzufangen. Und viele von ihnen hofften: Vielleicht führt die Überseele uns dorthin, in die großen, alten Städte der Legenden.

Um den Karawanen auszuweichen, mußten sie jedoch abseits der Straßen reisen. In der Wüste war dies kein Problem gewesen — die Straße war kaum vom Rest der Wüste zu unterscheiden gewesen, und es spielte keine Rolle, welchem Weg man genau folgte. Doch hier spielte es eine große Rolle, denn das Terrain war seltsam und schwieriger und verwirrender als an irgendeinem anderen Ort auf Harmonie. Sie kamen aus den Bergen hinab und sahen sofort, daß es sich um eine grünere Gegend handelte; fast überall wuchsen Gras, Sträucher, Büsche und sogar ein paar Bäume. Aber es war auch felsig und zerklüftet, und das Land war seltsam abgestuft, als hätte jemand tausend Tische von verschiedener Größe und Höhe zusammengestellt, so daß jede Oberfläche eben war, aber keine genauso hoch wie die nächste. Und zwischen den Grasflächen befanden sich Klippen, von denen einige nur etwa einen Meter hoch waren, andere aber hundert oder fünfhundert Meter.

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