Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Hendrik hatte die T�r erreicht. Der Geldschein war auf dem Tisch, vor Juliette, liegengeblieben.
Ach nein, so leicht lie� sich die Prinzessin Tebab nicht wegschicken, freiwillig wich sie nicht. Wenn sie dieses Mal nachgab - das begriff sie sehr wohl -, dann hatte sie ihn ganz verloren, ihren Hendrik, ihren wei�en Sklaven, ihren Herrn, ihren Heinz - und sie besa� ja niemanden au�er ihm. Damals, als er diese Barbara geheiratet hatte, das B�rgerm�dchen, da war Juliette zuversichtlich und furchtlos geblieben: sie hatte gewu�t, da� er zu ihr, zu seiner Schwarzen Venus, zur�ckkehren w�rde. Jetzt stand es anders. Jetzt ging es um seine Karriere. Er schickte sie nach Paris. Sie hie� aber doch Martens, und ihr Vater w�rde heute ein sehr angesehener Nationalsozialist sein, wenn er sich nicht am Kongo die Malaria geholt h�tte�
Juliette wollte nicht weichen. Aber Hendrik war st�rker als sie. Er war mit der Macht im Bunde.
Das arme M�dchen bel�stigte und beunruhigte ihn noch eine Zeitlang durch Briefe und telefonische Anrufe. Dann lauerte sie ihm vorm Theater auf. Als er nach der Vorstellung das Haus verlie� - durch einen guten Zufall war er alleine -, stand sie da, mit gr�nen Stiefeln, kurzem R�ckchen, vorgerecktem Busen und gr��lich blitzenden Z�hnen. Hendrik machte panische Armbewegungen, als g�be es ein Gespenst zu verscheuchen. Mit gro�en Spr�ngen erreichte er seinen Mercedes. Juliette lachte gellend hinter ihm drein. �Ich komme wieder!� schrie sie, w�hrend er schon im Wagen sa�. �Von jetzt ab komme ich jeden Abend�, verhie� sie ihm mit grauenhafter Munterkeit. Vielleicht war sie wahnsinnig geworden aus Schmerz und Entt�uschung �ber seinen Verrat. Vielleicht war sie auch nur betrunken. Sie hatte die rote Peitsche bei sich, das Wahrzeichen ihres Bundes mit Hendrik H�fgen.
Ein so furchtbarer Auftritt durfte sich keinesfalls wiederholen. Es blieb Hendrik nichts anderes �brig: er mu�te sich auch in dieser peinlichen Angelegenheit seinem dicken G�nner, dem Ministerpr�sidenten, anvertrauen. Der alleine konnte helfen. Ereilich, es war ein riskantes Spieclass="underline" der Gewaltige konnte die Geduld verlieren und ihm seine ganze Gnade entziehen. Etwas Einschneidendes aber hatte zu geschehen, sonst wurde der �ffentliche Skandal unvermeidlich.
H�fgen bat um Audienz und legte, wieder einmal, eine umfassende Beichte ab. �brigens zeigte der General ein �berraschend gro�es und fast am�siertes Verst�ndnis f�r die erotischen Extravaganzen, die seinen G�nstling' jetzt in so bedrohliche Unannehmlichkeiten brachten. �Wir sind ja alle keine Unschuldsengel�, sprach der Dicke, von dessen G�te Hendrik dieses Mal aufrichtig ergriffen war. �Ein Negerweib fuchtelt mit der Peitsche vor dem Staatstheater herum!� Der Ministerpr�sident lachte herzlich. �Das ist ja eine sch�ne Geschichte! Ja, was machen wir da? Das M�del mu� weg, soviel ist sicher��
Hendrik, der doch nicht geradezu wollte, da� Prinzessin Tebab umgebracht w�rde, bat leise: �Aber da� ihr nichts zuleid geschieht!� Hieraufhin wurde der Staatsmann neckisch. �Na, na�, machte er fingerdrohend. �Sie scheinen der sch�nen Dame immer noch etwas h�rig zu sein! - Lassen Sie mich nur machen!� f�gte er v�terlich beruhigend hinzu.
Noch am selben Tag erschienen bei der ungl�cklichen K�nigstochter zwei diskret, aber unerbittlich auftretende Herren, die ihr mitteilten, da� sie verhaftet sei. Prinzessin Tebab kreischte: �Wieso?!� Aber die beiden Herren sagten gleichzeitig, mit leisen und harten Stimmen, die keinen Widerspruch duldeten: �Folgen Sie uns!� Da schluchzte sie nur noch: �Ich habe nichts B�ses getan��
Vor dem Hause stand ein geschlossener Wagen, mit schauerlicher H�flichkeit forderten die Herren Juliette auf, einzusteigen. W�hrend der Fahrt, die ziemlich lange dauerte, schluchzte und plapperte sie; sie stellte Fragen, sie verlangte zu wissen, wohin sie entf�hrt werde. Da man ihr nicht antwortete, begann sie zu schreien. Aber sie verstummte, als sie den entsetzlich harten Griff eines ihrer Begleiter am Arme sp�rte. Sie verstand: alles Reden, alles Klagen war sinnlos, und das Schreien konnte vielleicht ihr Leben gef�hrden. Oder war ihr Leben ohnedies verloren? Hendrik hatte die Macht gegen sie aufgerufen. Hendrik bediente sich der unbarmherzigen Macht, um sie, ein schutzloses M�dchen, aus dem Wege zu r�umen� Mit Augen, die sich vor Entsetzen weiteten und blind zu werden schienen, starrte sie vor sich hin.
Nun folgten f�r sie lange l�ge des Schweigens - waren es zehn l�ge, oder vierzehn, oder nur sechs? Man hatte sie in einer halbdunklen Zelle untergebracht; sie wu�te nicht, in welchem Hause sich die Zelle befand. Niemand gab ihr Auskunft dar�ber, wo sie war, und warum, und wie lange sie w�rde bleiben m�ssen. Sie fragte schon gar nicht mehr. Dreimal am Tage stellte ihr eine stumme Frau in einer blauen Sch�rze etwas zu essen hin. Manchmal weinte Juliette. Meistens aber sa� sie regungslos und starrte die Wand an. Sie wartete darauf, da� die T�re sich �ffnen und jemand erscheinen w�rde, der sie zu ihrem letzten Gang - zu einem unbegreiflichen, bitteren, aber doch erl�senden Tode f�hrte.
Als sie eines Nachts aus ihrem schweren, traumlosen Schlafe geweckt wurde, empfand sie sofort und beinah mit Erleichterung: nun ist es soweit. Vor ihr aber stand nicht der Uniformierte, der beauftragt war, sie zu t�ten, sondern Hendrik. Sein Gesicht war sehr bleich und hatte den gespannten Leidenszug an den Schl�fen. Juliette schaute ihn an, als w�re er ein Gespenst.
�Freust du dich, mich zu sehen?� fragte er leise.
Prinzessin Tebab antwortete nicht. Sie schaute ihn an.
�Du schweigst�, konstatierte er bek�mmert. Und mit der wehleidig singenden Stimme f�gte er hinzu - wobei er sie mit einem zauberhaften Edelsteinblick beschenkte -: �Ich, meine Liebe, ich habe mich auf diesen Augenblick gefreut. - Du bist frei�, sagte er und machte eine sch�ne Armbewegung.
W�hrend Prinzessin Tebab regungslos blieb und ihn immer nur anschaute, setzte er ihr auseinander, da� sie sofort nach Paris abreisen d�rfe� Es sei alles geregelt: in ihrem Pa� befinde sich schon das franz�sische Visum, ihr Gep�ck erwarte, sie auf der Bahn, in Paris k�nne sie sich an jedem Monatsersten eine bestimmte Summe an einer bestimmten Adresse abholen. �Nur eine Bedingung ist an diese gro�e Gnade gekn�pft�, sprach H�fgen, der Freiheitsbringer, und dabei wurden seine s��en Augen pl�tzlich strenge. �Du mu�t schweigen! Wenn du den Mund nicht halten kannst�, sagte er, nun in einem ver�nderten, recht groben Ton, �dann ist es aus mit dir. Du w�rdest deinem Schicksal auch in Paris nicht entgehen. - Versprichst du mir, meine Liebe, da� du schweigen wirst?� Hier wurde seine Stimme beschw�rend, und er neigte sich z�rtlich zu seinem Opfer. Juliette widersprach nicht. Ihr Trotz war zerbrochen w�hrend der langen Tage in halbdunkler Zelle. Sie nickte stumm. �Du bist vern�nftig geworden�, stellte Hendrik fest und l�chelte erleichtert. Dabei dachte er:,Mein hartes Verfahren hat sie gef�gig gemacht. Von ihr habe ich nichts mehr zu f�rchten. Aber wie schade, wie unendlich schade, da� ich sie verlieren mu߅'
Prinzessin Tebab war abgereist: Hendrik durfte aufatmen, die Verfinsterung war vom Himmel seines Gl�ckes gewichen. Keine schrecklichen Telefonanrufe st�rten ihn mehr aus dem Schlaf. War es aber nur Erleichterung, was er sp�rte?
Juliette war aus seinem Leben verschwunden. Barbara war aus seinem Leben verschwunden. Beiden hatte er geschworen, er werde sie immer lieben. Hatte er Barbara nicht seinen guten Engel genannt? �Sie ist viel zu schade f�r dich gewesen� - dieses waren die Worte der Prinzesssin Tebab.,Was wei� das rohe Negerm�dchen von mir und den komplizierten Vorg�ngen in meiner Seele?' versuchte Hendrik zu denken. Aber nicht immer gestattete sein Herz, ihm so billige Ausrede. Manchmal sch�mte er sich: vielleicht vor sich selber; vielleicht vor Juliette, deren Blick in der halbdunklen Zelle so jammervoll, so vorwurfsvoll, so drohend auf ihn gerichtet gewesen war. Nun, da er sie verloren, weggeschickt und verraten hatte, gab es Augenblicke, da Hendrik wirklich nachdenken mu�te �ber seine Schwarze Venus. Er hatte sie genossen als die ruchlose, unbeseelte Kraft, an der seine Energien sich erfrischten und erneuerten. Er hatte das G�tzenbild aus ihr gemacht, vor dem er schw�rmte: �Viens-tu du ciel profond ou sors-tu de l'ab�me, o Beaut�?�