Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Ich wei es schon, sagte Ulrichs, gutmtig und bekmmert. Du bist schlauer. Aber mir fallen diese Dinge so verdammt schwer
Mit Emphase versetzte Hendrik: Du wirst dich zwingen mssen. Ich habe mich auch gezwungen. Und er belehrte den Freund darber, wieviel Selbstberwindung es ihn gekostet habe, so mit den Wlfen zu heulen, wie er es nun leider tue. Aber wir mssen uns einschleichen in die Hhle des Lwen, erklrte er. Wenn wir drauen bleiben, knnen wir nur schimpfen, aber nichts erreichen. Ich bin mittendrin. Ich erreiche was. Dies war eine Anspielung darauf, da Hendrik die Freilassung Ulrichs' durchgesetzt hatte. Wenn du engagiert am Staatstheater bist, kannst du deine alten Verbindungen wieder aufnehmen und politisch ganz anders arbeiten als aus irgendeinem obskuren Versteck. Dieses Argument leuchtete Ulrichs ein. Er nickte. Und berhaupt, gab Hendrik noch zu bedenken, wovon willst du leben, wenn du kein Engagement hast? Gedenkst du den Sturmvogel' wieder aufzumachen? fragte er hhnisch. Oder willst du verhungern?
Sie befanden sich in Hfgens Wohnung am Reichskanzlerplatz. Hendrik hatte dem Freunde, der erst seit einigen Tagen wieder in Freiheit war, ein kleines Zimmer in der Nachbarschaft gemietet. Es wre unvorsichtig, dich bei mir wohnen zu lassen, sagte er. Das knnte uns beiden schaden. Ulrichs war mit allem einverstanden. Du wirst es schon so machen, wie es am richtigsten ist.
Sein Blick war traurig und zerstreut, sein Gesicht war viel magerer geworden. brigens klagte er oft ber Schmerzen. Es sind die Nieren. Man hat mich eben doch arg hergenommen. Wenn Hendrik aber dann, mit einer etwas lsternen Neugierde, Genaueres wissen wollte, winkte Otto ab und verstummte. Er sprach nicht gerne von dem, was ihm im Konzentrationslager widerfahren war. Wenn er irgendeine Einzelheit erwhnte, schien er sich gleich zu schmen und zu bereuen, da er sie ausgesprochen hatte. Als er mit Hendrik im Grunewald spazierenging, deutete er auf einen Baum und sagte: So sah der Baum aus, auf den ich mal klettern mute. Es war ziemlich schwer raufzukommen. Als ich oben sa, warfen sie mit Steinen nach mir. Einer hat mich an der Stirn getroffen - da ist noch die Narbe. Von oben mute ich hundertmal rufen: Ich bin ein dreckiges Kommunistenschwein. Als ich endlich wieder runterklettern durfte, warteten sie schon auf mich mit den Peitschen
Otto Ulrichs - sei es aus Mdigkeit und Apathie, sei es, weil Hendriks Argumente ihn berzeugt hatten - lie sich an das Staatstheater engagieren. Hfgen war sehr zufrieden.,Ich habe einen Menschen gerettet', dachte er stolz.,Das ist eine gute Tat.' Mit solchen Betrachtungen beruhigte er sein Gewissen, das immer noch nicht vllig abgestorben war, trotz allem, was ihm zugemutet wurde. brigens war es nicht nur das Gewissen, welches ihm zuweilen zu schaffen machte, sondern auch ein anderes Gefhclass="underline" die Angst. Wrde dieses ganze Treiben, an dem er sich jetzt so emsig beteiligte, ewig dauern? Konnte nicht ein Tag der groen Vernderung und der groen Rache kommen? Fr solchen Fall war es gnstig und sogar notwendig, Rckversicherungen zu haben. Die mite Tat an Ulrichs bedeutete eine besonders kostbare Rckversicherung. Hendrik freute sich ihrer.
Alles stand glnzend, Hendrik hatte Anla zur Zufriedenheit. Leider gab es eine Sache, die ihm Sorge machte. Er wute nicht, wie er seine Juliette loswerden sollte.
Im Grunde wollte er sie gar nicht loswerden, und wenn es nach seinen Wnschen gegangen wre, htte er sie ewig behalten; denn er liebte sie noch. Vielleicht hatte er sich noch niemals so heftig nach ihr gesehnt wie eben jetzt. Er begriff, da keine andere Frau sie ihm je wrde ganz ersetzen knnen. Aber er wagte es nicht mehr, sie zu besuchen. Das Risiko war zu gro. Er hatte damit zu rechnen, da Herr von Muck und der Propagandaminister ihn durch Spione bewachen lieen - dergleichen war sehr wohl mglich, obwohl der Intendant meistens schsisch vor lauter Herzlichkeit mit ihm sprach und der Minister sich mit ihm photographieren lie. Wenn sie herausbekamen, da er mit der Negerin ein Verhltnis hatte und sich obendrein von ihr hauen lie, dann war er verloren. Eine Schwarze: das war mindestens ebenso arg wie eine Jdin. Es war ganz genau das, was man jetzt allgemein Rassenschande nannte und uerst verwerflich fand. Ein deutscher Mann hatte mit einem blonden Weibe Kinder zu machen; denn der Fhrer brauchte Soldaten. Keinesfalls durfte er bei einer Prinzessin Tebab Tanzstunden nehmen, die eigentlich makabre Lustbarkeiten waren. Kein Volksgenosse, der auf sich hielt, tat so was. Auch Hendrik konnte es sich nicht mehr leisten.
Eine Zeilang nhrte er die trichte Hoffnung, Juliette wrde nicht herausbekommen, da er in Berlin war. Aber natrlich hatte sie es noch am Tag seiner Ankunft erfahren. Geduldig wartete sie auf seinen Besuch. Da er stumm blieb, ging sie ihrerseits zum Angriff ber. Sie rief ihn an. Flendrik lie durch Bock erklren, er sei nicht zu Hause. Juliette tobte, rief wieder an und drohte, sie werde kommen. Was, um des Himmels willen, sollte Hendrik tun? Ihr einen Brief zu schreiben schien ihm nicht ratsam: sie knnte das Papier zur Erpressung benutzen. Er entschlo sich endlich dazu, sie in jenes stille Gafe zu bestellen, in dem er sein diskretes Rendezvous mit dem Kritiker Radig gehabt hatte.
Juliette trug keine grnen Stiefel und kein kurzes Jckchen, vielmehr ein sehr einfaches graues Kleid, als sie zur ausgemachten Stunde im Lokal erschien. Ihre Augen waren rot und verschwollen. Sie hatte geweint. Prinzessin Tebab, die Knigstochter vom Kongo, hatte Trnen vergossen um ihren ungetreuen weien Freund. Auf ihrer niedrigen Stirne, die zu zwei kleinen Buckeln gewlbt war, lag ein drohender Ernst. -,Sie hat vor Zorn geweint', dachte Hendrik; denn er glaubte kaum, da Juliette andere Gefhle kannte als Zorn, Habgier, Naschsucht oder Sinnlichkeit.
Du schickst mich also weg, sagte das dunkle Mdchen und hielt die Lider gesenkt ber ihren beweglichen und gescheiten Augen.
Hendrik versuchte, ihr die Situation auf vorsichtige, aber eindringliche Weise klarzumachen. Er zeigte sich vterlich besorgt um ihre Zukunft und gab ihr mit sanfter Stimme den Rat, mglichst bald nach Paris zu fahren. Dort werde sie Arbeit als Tnzerin finden. brigens versprach er, ihr monatlich etwas Geld zukommen zu lassen. Verfhrerisch lchelnd legte er einen groen Geldschein vor sie hin auf den Tisch.
Ich will aber nicht nach Paris, sagte eigensinnig Prinzessin Tebab. Mein Vater war ein Deutscher. Ich fhle mich ganz als Deutsche. Ich habe auch blonde Haare - wirklich, sie sind nicht gefrbt. Und berhaupt, ich kann kein Wort Franzsisch. Was soll ich denn in Paris?
Hendrik mute ber ihren Patriotismus lachen, worber sie zornig wurde. Nun schlug sie ihre wilden Augen auf und lie sie rollen. Dir wird das Lachen schon noch vergehen, schrie sie ihn an. Sie hob die dunklen und rauhen Hnde, sie streckte sie gegen ihn, als wollte sie ihm ihre hellen Innenflchen zeigen. Hendrik blickte sich entsetzt nach der Kellnerin um; denn Juliette lie mit lauter, jammernder, fast heulender Stimme Vorwrfe und Anklagen hren. Du hast niemals irgend etwas ernst genommen, behauptete sie in ihrem schmerzvollen Zorn. Nichts, nichts, gar nichts auf dieser Welt, auer deiner dreckigen Karriere! Mich hast du nicht ernst genommen, und deine Politik auch nicht, von der du mir immer vorerzhlt hast! Wenn du wirklich zu den Kommunisten gehalten httest, knntest du dich darin jetzt so gut mit den Leuten vertragen, die alle Kommunisten totschieen lassen?
Hendrik war bleich wie das Tischtuch geworden. Er stand auf. Genug! sagte er leise. Sie aber hatte ein hhnisches Lachen, das durchs Lokal gellte, in dem, zu Hendriks Glck, niemand sa. Genug!! ffte sie ihn nach, wobei sie die Zhne bleckte. Genug - ja, das knnte dir so passen: genug! Jahrelang habe ich die wilde Frau spielen mssen, obwohl ich gar keine Lust dazu hatte, und nun willst du pltzlich der starke Mann sein! Genug, genug: ja, jetzt brauchst du mich nicht mehr - vielleicht, weil jetzt im ganzen Land soviel geprgelt wird? Da kommst du wohl auch ohne mich auf deine Kosten?! Ach, ein Schuft bist du! Ein ganz gemeiner Schuft! Sie hatte das Gesicht in die Hnde geworfen, ihr Krper wurde vom Schluchzen geschttelt. Ich kann es schon verstehen, da deine Frau, da diese Barbara es bei dir nicht ausgehalten hat, brachte sie noch zwischen den nassen Fingern hervor. Ich habe sie mir ja angeschaut. Die war viel zu schade fr dich