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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Aber hier bringt ihr Kalaar und seine Leute in Gefahr«, sagte Torian anklagend. »Wie viele Menschen leben auf dem Hof? Dreißig? Vierzig? Es sind Frauen und bestimmt auch Kinder dabei. Garth und ich konnten wenigstens noch wählen, aber ihnen bleibt nicht einmal diese Möglichkeit.«

»Wir werden nicht länger bleiben, als unbedingt nötig ist«, antwortete Shyleen, ein wenig schärfer und in einer Art, die deutlich machte, daß sie es beinahe als Zumutung empfand, über das Schicksal dieser Bauern nachdenken zu sollen. Der schwache Funken von Sympathie, den Torian gerade erst in sich entdeckt hatte, erlosch wieder.

»Auch ich habe einflußreiche Freunde und warte nur auf eine Nachricht, die über unser weiteres Vorgehen entscheidet«, fügte Salamir hinzu. »Diese Menschen hier sind nicht das, was...«

Er brach ab, als sich polternde Schritte der Tür näherten. Ohne anzuklopfen kam Kalaar in den Raum gestürmt. »Sie sind da«, sagte er.

Torian sah abermals aus dem Fenster. Der Hof hatte sich vollkommen verändert, in dem kleinen Moment, in dem er abgelenkt gewesen war. Überall waren Feuer entfacht worden, und die Nacht war fast taghellem gelbem Flammenschein gewichen. Von Kalaars Leuten war niemand zu sehen, aber Torian wußte, daß sie den Angriff aus der Deckung der gegenüberliegenden Gebäude heraus erwarteten.

Für einen Moment empfand er Zorn auf Salami r, daß er ihn nicht um Hilfe gebeten hatte. Von allen hier war er der einzige, der Erfahrung im Kämpfen hatte, und der einzige, der so etwas wie eine Gegenwehr hätte organisieren können.

Aber wozu auch?

Von allen hier wußte er auch am besten, wie sinnlos ihr Widerstand sein mußte. Mit einem Dutzend kampferfahrener Krieger hätte er den Hof auch gegen eine dreifache Übermacht halten können, aber diese Verteidigung würde schon beim ersten Angriff zusammenbrechen, selbst wenn sich kein Magier unter ihren Feinden befand.

Shyleen deutete stumm nach Norden, und Torians Blick folgte der Geste. Im ersten Moment sah er nicht viel, denn er hatte den Fehler begangen, direkt in die Flammen zu blicken, aber nach einigen Augenblicken erkannte er doch, worauf sie ihn hatte aufmerksam machen wollen:

Eine in der Dunkelheit schwer zu schätzende Anzahl dunkler Umrisse hatte sich etwa zweihundert Meter vor den Gebäuden versammelt und rückte langsam näher; eine kleine Armee konturloser Schatten, die sich nur durch ihre Bewegung verrieten und durch ein gelegentliches mattes Funkeln von geschwärztem Metall, wenn sich ein Lichtstrahl auf einem Helm oder Harnisch brach.

Einer dieser Schatten kam etwas rascher näher, während die anderen zurückblieben. Als er in den Lichtschein der Feuer geriet, erkannte Torian einen Hünen von mehr als sechs Fuß Größe, der von Kopf bis Fuß in eine dunkle Rüstung aus entweder besonders mattem Metall oder besonders glänzendem schwarzem Leder gekleidet war.

»Die Tempelwache«, erklärte Salamir ohne besondere Betonung. Torian hatte nicht einmal bemerkt, daß er zu ihm und Shyleen ans Fenster getreten war. »Sie besteht aus fünfzig ausgewählten Kriegern.«

»Ach, nur fünfzig«, sagte Torian sarkastisch. »Kein Problem die schalte ich im Handumdrehen aus. Wärst du vielleicht so freundlich, hinunterzugehen und sie zu bitten, einzeln hereinzukommen? Und unbewaffnet?«

Salamir blieb ernst. »Es sind bestimmt nicht alle«, sagte er, wenn auch mit einer Stimme, die verriet, daß dies weitaus mehr Wunsch als Überzeugung war. »Mindestens zehn Mann werden im Tempel zurückgeblieben sein.«

»Das ist ungemein tröstlich«, versetzte Torian. »Was sind schon vierzig Gegner für einen Mann wie mich?«

Diesmal antwortete Salamir gar nicht mehr, sondern blickte gebannt auf den Hof hinab. Der Krieger zugehe sein Pferd und verharrte in der Mitte des Hofes. Trotz des herabgelassenen Visiers glaubte Torian zu erkennen, wie sein Blick mißtrauisch über die Gebäude glitt. Er konnte den Mann gut verstehen – wäre er an seiner Stelle gewesen, hätte er eine Falle vermutet. Der schwarzgekleidete Hüne war entweder besonders mutig oder besonders dumm. Vielleicht von beidem etwas – eine besonders gefährliche Mischung. »Ich spreche im Auftrag des Oberpriesters Cuul!« rief er plötzlich. Seine Stimme drang nur dumpf und verzerrt aus dem geschlossenen Helm, aber Torian erkannte trotzdem den befehlsgewohnten, herrischen Klang, den er schon in zahllosen Stimmen gehört hatte. »Ich weiß nicht, wer ihr seid«, fuhr der Maskierte fort. »Und es interessiert mich auch nicht. Ihr seht die Krieger, die ich mitgebracht habe, Bauernpack! Gebt die Tempelpriesterin heraus, dann wird euch nichts geschehen. Anderenfalls machen wir den Hof dem Erdboden gleich.«

»Was sie so oder so tun werden«, murmelte Shyleen. »Cuul kann keine Zeugen gebrauchen. Noch müssen sie den Schein wahren. Außerdem macht es ihm Spaß zu töten.« Sie ballte die Faust. »Er ist so grausam wie seine schwarzen Herren.«

Hinter der nur angelehnten Scheunentür bewegte sich ein Schatten. Metall blitzte, und Torian fuhr erschrocken zusammen. Dann ging alles so schnell, daß er nicht einmal Zeit gefunden hatte, eine Warnung zu rufen, wenn er gewollt hätte. Gleich drei Pfeile sirrten aus kleinen, schießschartenähnlichen Öffnungen in der Wand des Stalles, der dem Hauptgebäude gegenüberlag. Zwei verfehlten den Krieger, der dritte schrammte über seinen Harnisch und glitt wirkungslos an dem stahlharten Panzer ab. Mit einem harten Ruck an den Zügeln riß der Mann sein Pferd herum und preschte davon.

»Diese Narren!« rief Torian wütend. »Sie werden uns alle umbringen!«

Wie um seine Worte noch zu unterstreichen, sirrte ein weiterer Pfeil hinter dem gepanzerten Reiter her. Auch er prallte wirkungslos von dessen nachtfarbener Rüstung ab – aber der zersplitterte Schaft traf den Hals des Pferdes und ließ das Tier vor Schmerz auf die Hinterläufe steigen. Sein Reiter schrie auf, verlor durch den plötzlichen, harten Ruck den Halt im Sattel und prallte mit furchtbarer Wucht auf dem steinharten Boden auf. Das Pferd stob mit schmerzerfülltem Kreischen davon, aber sein Reiter blieb reglos liegen. So unglücklich, wie er gefallen war, mußte er sich das Genick gebrochen haben.

»Neununddreißig«, sagte Salamir ungerührt.

Torian starrte ihn an. »Das freut dich, wie?« fragte er.

Salamir schnaubte. »Ja«, gestand er unverblümt. »Das da unten ist Krieg, du Held – nur, falls du es noch nicht bemerkt hast. Jeder dieser Kerle dort draußen würde uns mit Vergnügen umbringen. Ich habe dich für weniger empfindlich gehalten. Wie viele Feinde hast du schon getötet?«

»Viele«, sagte Torian kalt. »Vielleicht zu viele. Aber das da war Wahnsinn. Sie werden keinen von Kalaars Männern am Leben lassen, ist dir das klar?«

»Und?« fragte Salamir kalt. »Die Welt wird sich weiterdrehen, ob dieses Bauernpack lebt oder nicht.«

Torian schwieg, obwohl es viel gab, was er dem Magier hätte antworten können. Vielleicht hatte Salamir sogar recht, von seinem Standpunkt aus. Es ging nur noch ums nackte Überleben, um sonst nichts. Er wünschte sich, Garth wäre hier.

Aus brennenden Augen starrte er in die Nacht hinaus. Die Krieger waren nicht näher gekommen, aber die Schatten dort am Rande der Wüste waren in unruhige Bewegung geraten. Sie würden angreifen, das spürte er. Und wenn sie auch nur halb so gefährlich waren, wie Salamir behauptete, hatten sie keine besonders guten Aussichten, die nächste halbe Stunde zu überleben.

Torian versuchte sich in die Lage des Oberpriesters zu versetzen. Die Krieger wußten nicht, wo sich Shyleen befand. Sie mußten den Hof stürmen, ohne daß ihr etwas zustieß, und das verschaffte ihnen wenigstens einen kleinen Vorteil. Zumindest würden die Tempelwachen den Hof nicht einfach anzünden und in aller Ruhe zusehen, wie er niederbrannte – mit allem, was darin war. Er fragte sich, wie er an ihrer Stelle vorgehen würde.

Die Antwort war simpel. Und er brauchte sie sich nicht einmal auszudenken – er bekam sie vorgeführt.

Mehr als die Hälfte der Reiter stürmte heran, in einer schnurgeraden Linie und sehr schnell, tief über die Hälse ihrer Pferde gebeugt, die kleinen, runden Schilde halb gehoben und mit angelegten Speeren, wie eine Walze aus Fleisch und Stahl, von der die Pfeile der Verteidiger einfach abprallten – zumindest die wenigen, die überhaupt trafen.

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