Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Meinst du?« Ich betrachtete die Fremde neugierig. Sie schien sich wirklich gut mit Joseph zu verstehen – und er sich mit ihr. Sein schmales Gesicht leuchtete, als er ihr gestikulierend etwas erklärte, und ihr Kopf mit seiner ordentlichen Haube war ihm zugeneigt, ein Lächeln auf ihren Lippen.
Ich billigte Ute McGillivrays Methoden nicht immer, da sie oft mit dem Holzhammer agierte, doch ich musste die durchdachte Weitsicht ihrer Pläne bewundern. Lizzie und Manfred würden bald heiraten, und ich hatte mich schon gefragt, wie es Joseph dann ergehen würde; Lizzie war sein Leben.
Er konnte natürlich mit ihr gehen, wenn sie heiratete. Sie und Manfred würden einfach im großen Haus der McGillivrays wohnen, und ich konnte mir vorstellen, dass sich dort auch Platz für Joseph finden würde. Doch er würde hin- und hergerissen sein, weil er uns nicht verlassen wollte – und eine Siedlungsstelle konnte zwar jeden gesunden Mann gebrauchen, doch er war alles andere als der geborene Bauer und erst recht kein Büchsenmacher wie Manfred und sein Vater. Doch wenn er selbst heiratete …
Ich warf Ute McGillivray einen Blick zu und sah, wie sie Mr. Wemyss und seine Verehrerin mit der Genugtuung eines Marionettenspielers betrachtete, dessen Puppen präzise zu seiner Melodie tanzen.
Jemand hatte einen großen Krug Cidre bei uns stehengelassen. Ich schenkte Jamie nach, dann mir. Er war herrlich, von dunkler, trüber Bernsteinfarbe, süß und durchdringend mit dem Biss einer ganz besonders hinterhältigen Schlange. Ich ließ mir die kühle Flüssigkeit durch die Kehle rinnen, ließ sie in meinem Kopf aufblühen wie eine lautlose Blume.
Überall wurde geredet und gelacht, und mir fiel zwar auf, dass sich die neuen Pächter nach wie vor an ihre eigenen Familien hielten, doch gab es jetzt auch Kontakt mit anderen, da die Männer, die zwei Wochen lang Seite an Seite gearbeitet hatten, weiter herzlich miteinander umgingen und der Cidre ihre Geselligkeit weiter anfachte. In den Augen der neuen Pächter war Wein nichts Halbes und nichts Ganzes; Whisky, Rum oder Brandy waren Teufelswerk – doch Bier und Cidre trank jeder. Cidre war gesund, hatte mir eine der Frauen erzählt, während sie ihrem kleinen Sohn einen Becher reichte. Ich gab ihnen noch eine halbe Stunde, dachte ich langsam nippend, bevor sie umzufallen begannen wie die Fliegen.
Jamie stieß ein leises, belustigtes Geräusch aus, und ich lugte zu ihm hinunter. Er wies kopfnickend zur anderen Seite des Hofes, und ich sah, dass sich Bobby Higgins seinen Verehrerinnen entwunden hatte und es mit irgendeinem Alchemistentrick fertiggebracht hatte, Lizzie aus der Mitte der McGillivrays zu holen. Sie standen im Schatten der Kastanien und unterhielten sich.
Ich sah mich nach den McGillivrays um. Manfred lehnte am Fundament des Hauses, und sein Kopf sank zunehmend tiefer über seinen Teller. Sein Vater hatte sich neben ihm auf dem Boden zusammengerollt und schnarchte friedlich. Sie waren von den Mädchen umringt, die miteinander plauderten und sich über die hängenden Köpfe ihrer schlaftrunkenen Männer hinweg gegenseitig das Essen anreichten. Ute hatte sich auf die Veranda begeben und unterhielt sich mit Joseph und seiner Begleiterin.
Ich blickte wieder zurück zu Lizzie und Bobby. Sie redeten nur und hielten respektvoll Abstand voneinander. Doch es war etwas an der Art, wie er sich ihr zuneigte, an der Art, wie sie sich halb von ihm abwandte, dann wieder zurück, und dabei mit der Hand eine Falte ihres Rockes schwingen ließ …
»Oje«, sagte ich. Ich machte mich zum Aufstehen bereit, war mir aber nicht sicher, ob ich wirklich hinübergehen und sie unterbrechen sollte. Sie befanden sich schließlich in der Öffentlichkeit, und –
»Drei Dinge erstaunen mich, nein, vier, sagt der Prophet.« Jamies Hand drückte meinen Oberschenkel, und als ich zu ihm hinunterschaute, sah ich, dass auch er das Pärchen unter den Kastanien mit halb geschlossenen Augen beobachtete. »Der Flug des Adlers in der Luft, das Gleiten der Schlange auf dem Felsen, die Fahrt eines Schiffes auf hoher See – und der Funke zwischen Mann und Frau.«
»Oh, dann ist es also keine Einbildung«, sagte ich trocken. »Meinst du, ich sollte besser etwas unternehmen?«
»Mmpfm.« Er holte tief Luft, richtete sich auf und schüttelte heftig den Kopf, um wach zu werden. »Ah. Nein, Sassenach. Wenn unser Manfred sich nicht die Mühe macht, auf seine Frau aufzupassen, ist es nicht deine Aufgabe, es für ihn zu tun.«
»Ja, der Meinung bin ich ebenfalls. Ich meine nur, was, wenn Ute sie sieht … oder Joseph …?« Ich war mir nicht sicher, was Mr. Wemyss tun würde; Ute, so glaubte ich, würde wahrscheinlich eine Riesenszene machen.
»Oh.« Er schwankte sacht und kniff die Augen zu. »Aye, da hast du vermutlich recht.« Er wandte suchend den Kopf, dann erspähte er Ian und rief ihn mit einer Bewegung seines Kinns herbei.
Ian hatte in unserer Nähe verträumt im Gras gelegen, neben sich einen Stapel fettiger Rippenknochen, doch jetzt rollte er sich auf den Bauch und kam folgsam zu uns gekrochen.
»Mm?«, sagte er. Sein dichtes, braunes Haar hatte sich zur Hälfte aus seinem Pferdeschwanz gelöst und stand an einigen Stellen zu Berge; der Rest hing ihm verwegen vor dem Auge.
Jamie wies unauffällig in Richtung der Kastanien.
»Geh zu Lizzie, Ian, und bitte sie, sich um deine Hand zu kümmern.«
Ian blickte benommen auf seine Hand; er hatte einen frischen Kratzer auf dem Handrücken, doch er war schon lange verkrustet. Dann blickte er in die Richtung, die Jamie angedeutet hatte.
»Oh«, sagte er. Er verweilte noch ein paar Sekunden auf Händen und Knien und kniff nachdenklich die Augen zusammen, dann erhob er sich langsam und zog das Band aus seinem Haar. Er schob es sich mit einer Hand beiläufig aus dem Gesicht und schlenderte auf die Kastanien zu.
Sie waren zu weit entfernt, um etwas zu hören, doch wir konnten alles sehen. Bobby und Lizzie fuhren auseinander wie die Wogen des Roten Meers, als Ians hochgewachsene, hagere Gestalt zielstrebig zwischen sie trat. Die drei schienen einen Moment freundschaftlich zu plaudern, dann setzten sich Lizzie und Ian zum Haus in Bewegung. Lizzie winkte Bobby beiläufig mit der Hand – und sah sich kurz nach ihm um. Bobby blieb noch einen Moment stehen und schaute ihr nach, dann schüttelte er den Kopf und hielt auf den Cidre zu.
Der Cidre forderte jetzt seinen Tribut. Ich hatte damit gerechnet, dass sämtliche Männer auf dem Hof bei Anbruch der Nacht am Boden liegen würden; während der Heuernte schliefen die Männer oft vor Erschöpfung über ihren Tellern ein. Es wurde zwar noch viel geredet und gelacht, doch das sanfte Zwielicht, das den Hof zu erfüllen begann, beleuchtete eine zunehmende Anzahl im Gras hingestreckter Körper.
Rollo kaute zufrieden an den Knochen, die Ian liegengelassen hatte. Brianna saß ein kleines Stück weiter; Roger lag mit dem Kopf in ihrem Schoß und schlief tief und fest. Sein Hemdkragen war offen, und die gezackte Stricknarbe an seinem Hals war deutlich zu sehen. Brianna lächelte mir zu, und ihre Hand strich ihm sanft über das glänzende, schwarze Haar und pickte die Heureste heraus. Jemmy war nirgendwo in Sicht – Germain auch nicht, wie ich feststellte, als ich mich kurz umsah. Zum Glück befand sich der Phosphor ganz oben in meinem höchsten Schrank hinter Schloss und Riegel.
Jamie lehnte ebenfalls den Kopf an meinen Oberschenkel. Er war warm und schwer, und ich legte meine Hand auf sein Haar und erwiderte Briannas Lächeln. Ich hörte ihn kurz prusten und folgte seiner Blickrichtung.
»Für so ein schmächtiges Mädchen verursacht Lizzie aber eine Menge Ärger«, sagte er.
Bobby Higgins stand an einem der Tische und trank Cidre. Ganz offensichtlich war ihm nicht bewusst, dass sich die Beardsley-Zwillinge an ihn heranpirschten. Die beiden schlichen wie die Füchse durch den Wald, beinahe unsichtbar, und näherten sich ihm aus entgegengesetzten Richtungen.
Einer von ihnen – Jo wahrscheinlich – trat plötzlich an Bobbys Seite und jagte ihm einen solchen Schrecken ein, dass er sein Getränk verschüttete. Er wischte stirnrunzelnd über den nassen Fleck auf seinem Hemd, während sich Jo zu ihm hinüberbeugte und ihm offensichtlich Drohungen und Warnungen zuflüsterte. Bobby setzte eine beleidigte Miene auf und wandte sich von ihm ab, nur um sich auf der anderen Seite Kezzie gegenüberzusehen.