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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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Doch es war weder das Kleid noch der Einblick, den es bot, was mich aus der Fassung brachte. »Nesles« Brüste waren zwar angemessen groß, hübsch proportioniert und mit großen bräunlichen Areolen versehen, doch darüber hinaus trugen sie Brustwarzenschmuck, der ihre Umgebung zur Bedeutungslosigkeit reduzierte. Ein diamantbesetztes Schwanenpaar, das an goldenen Ringen baumelte, reckte die Hälse aufeinander zu. Der Schmuck war herrlich gearbeitet und die Materialien umwerfend, doch es war die Tatsache, dass ihr die Goldringe durch die Brustwarzen gebohrt waren, bei der es mir mulmig wurde. Die Brustwarzen selbst waren ernstlich invertiert, doch dies wurde durch die große Perle vertuscht, die jeweils an einem dünnen Goldkettchen im Zentrum des eigentlichen Ringes hing.

Ich erhob mich mit rotem Gesicht, und es gelang mir, mich zu entschuldigen, während ich höflich in ein Taschentuch hüstelte. Ich spürte jemanden hinter mir und blieb gerade noch rechtzeitig stehen, um nicht rücklings mit Jamie zusammenzustoßen, der die Mätresse des Königs ohne jeden vorgetäuschten Takt betrachtete.

»Sie hat Marie d’Arbanville erzählt, dass Meister Raymond ihr die Löcher gestochen hat«, flüsterte ich. Sein faszinierter Blick wich nicht von ihr ab.

»Soll ich mich bei ihm anmelden?«, fragte ich. »Ich vermute, er würde es für mich tun, wenn ich ihm das Rezept für mein Kümmeltonikum gebe.«

Endlich senkte sich Jamies Blick auf mich. Er nahm meinen Ellbogen und schob mich auf einen der Alkoven zu.

»Wenn du auch nur noch ein einziges Mal mit Meister Raymond sprichst«, sagte er durch den Mundwinkel, »durchbohre ich sie dir selbst – mit den Zähnen.«

Der König war inzwischen zum Apollosalon davongewandert, und die Lücke, die er hinterließ, wurde rasch durch andere eingenommen, die aus dem Speisesaal kamen. Da sich Jamie von einem gewissen Monsieur Genet, dem Oberhaupt einer wohlhabenden Familie mit einem Transportunternehmen, in ein Gespräch verwickeln ließ, sah ich mich verstohlen nach einem Ort um, an dem ich mir einen Moment die Schuhe ausziehen konnte.

Einer der Alkoven war ganz in meiner Nähe, und so wie es sich anhörte, war er nicht besetzt. Ich schickte einen meiner verbleibenden Verehrer davon, um neuen Wein zu holen, sah mich rasch um und glitt in den Alkoven.

Er war recht suggestiv mit einer Couch, einem Tischchen und zwei Sesseln möbliert – die sich eher dazu eigneten, Kleider darauf abzulegen, als sich darauf zu setzen, dachte ich kritisch. Ich setzte mich dennoch, zog mir die Schuhe aus und legte meine Füße mit einem Seufzer der Erleichterung auf das andere Sesselchen.

Leises Klirren der Vorhangringe hinter mir kündete von der Tatsache, dass mein Verschwinden doch nicht unbemerkt geblieben war.

»Madame! Endlich sind wir allein!«

»Ja, leider«, sagte ich und seufzte. Es war einer der zahllosen Comtes, dachte ich. Oder nein, dieser war ein Vicomte; irgendjemand hatte ihn mir vorhin als Vicomte de Rambeau vorgestellt. Einer von den Kleinen. Ich glaubte, mich daran zu erinnern, wie seine kleinen Knopfaugen beifällig von der Unterkante meines Fächers zu mir emporgeglänzt hatten.

Er verlor keine Zeit, sondern ließ sich geschickt auf den anderen Sessel gleiten und nahm meine Füße auf seinen Schoß. Er drückte sich meine Zehen mitsamt der Seidenstrümpfe inbrünstig an den Schritt.

»Ah, ma petite! So zierlich! Eure Schönheit zerstreut mich!«

Das Gefühl hatte ich auch, wenn er den fehlgeleiteten Eindruck hatte, dass meine Füße besonders zierlich waren. Er hob einen davon an seine Lippen und knabberte an meinen Zehen.

»C’est un cochon qui vit dans la ville, c’est un cochon qui vit …«

Ich entriss ihm meinen Fuß und erhob mich hastig, wobei mir meine voluminösen Röcke sehr im Weg waren.

»Wo wir gerade von cochons sprechen, die in der Stadt leben«, sagte ich ausgesprochen nervös, »ich glaube nicht, dass mein Mann begeistert wäre, Euch hier anzutreffen.«

»Euer Mann? Pah!« Er tat Jamie mit einer unbekümmerten Handbewegung ab. »Er wird gewiss noch eine Weile beschäftigt sein. Und wenn die Katze fort ist … komm zu mir, ma petite souris, ich möchte dich ein bisschen quietschen hören.«

Vermutlich, um sich für die Schlacht zu stärken, zog der Vicomte eine emaillierte Schnupftabakdose hervor, schüttete sich gekonnt einen Streifen aus dunklen Körnchen auf den Handrücken und rieb ihn vorsichtig unter seiner Nase entlang.

Mit vorfreudig glitzernden Äuglein holte er tief Luft, dann riss er den Kopf herum, weil der Vorhang plötzlich unter klirrenden Messingringen beiseitegeschoben wurde. Beim Zielen gestört, nieste mir der Vicomte mit aller Kraft in den Ausschnitt.

»Widerlicher Kerl!«, sagte ich und ohrfeigte ihn mit meinem geschlossenen Fächer.

Mit tränenden Augen stolperte der Vicomte rückwärts. Er fiel über meine Schuhe, die auf dem Boden lagen, und landete kopfüber in Jamies Armen, denn er war es, der im Eingang stand.

»Nun, dich hat jedenfalls kaum jemand übersehen«, sagte ich schließlich.

»Pah«, sagte er. »Der salaud kann von Glück sagen, dass ich ihm nicht den Kopf abgerissen und ihm das Maul damit gestopft habe.«

»Das wäre auf jeden Fall ein interessantes Spektakel gewesen«, pflichtete ich ihm trocken bei. »Ihn in den Springbrunnen zu tauchen, war aber fast genauso gut.«

Er hob den Kopf, und sein Stirnrunzeln wich einem widerstrebenden Lächeln.

»Aye, nun ja. Immerhin habe ich den Mann nicht ertränkt.«

»Der Vicomte weiß deine Zurückhaltung gewiss zu schätzen.«

Wieder prustete er. Er stand in der Mitte eines Wohnzimmers, das zu einem kleinen Appartement im Palast gehörte. Dieses hatte uns der König zugewiesen, sobald er zu Ende gelacht hatte, denn er bestand darauf, dass wir den Rückweg nach Paris heute Abend nicht mehr antreten sollten.

»Schließlich, mon chevalier«, hatte er angesagt, während er Jamies hochgewachsene, triefende Gestalt auf der Terrasse betrachtete, »wäre es uns äußerst unangenehm, wenn Ihr Euch erkältet. Ich bin mir sicher, dass der Hof in diesem Fall auf einige unterhaltsame Szenen verzichten müsste, und das würde Madame mir nie verzeihen. Nicht wahr, Schätzchen?« Er streckte die Hand aus und kniff Madame de La Tourelle spielerisch in die Brustwarze.

Die Miene seiner Mätresse war zwar schwach verärgert, doch sie lächelte gehorsam. Allerdings fiel mir auf, dass es Jamie war, auf dem ihr Blick ruhte, sobald der König seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richtete. Nun, er bot ja auch einen beeindruckenden Anblick, als er dort im Fackelschein stand, die nassen Kleider am Körper festgeklebt. Das bedeutete nicht, dass mir gefiel, was sie tat.

Er pellte sich das nasse Hemd vom Leib und ließ es als platschendes Häuflein zu Boden fallen. Ohne sah er sogar noch besser aus.

»Was dich betrifft«, sagte er und betrachtete mich auf eine Weise, die nichts Gutes verhieß, »habe ich dir nicht gesagt, du sollst dich von diesen Alkoven fernhalten?«

»Doch. Aber davon abgesehen, Mrs. Lincoln, wie hat Ihnen die Aufführung gefallen?«, fragte ich höflich.

»Was?« Er starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren.

»Mach dir nichts draus, das kannst du nicht verstehen. Ich wollte nur sagen, hast du irgendwelche nützlichen Menschen kennengelernt, ehe du herbeigeeilt bist, um deine ehelichen Rechte zu verteidigen?«

Er rubbelte sich das Haar mit einem Handtuch, das er vom Waschtisch genommen hatte. »Oh, aye. Ich habe eine Partie Schach mit Monsieur Duverney gespielt. Und ich habe ihn geschlagen und ihn damit wütend gemacht.«

»Oh, das klingt ja vielversprechend. Und wer ist Monsieur Duverney?«

Er warf mir das Handtuch zu und grinste. »Der französische Finanzminister, Sassenach.«

»Oh. Und es freut dich, dass du ihn wütend gemacht hast?«

»Er war wütend auf sich selbst, weil er verloren hat, Sassenach«, erklärte Jamie. »Jetzt wird er nicht ruhen, bis er mich geschlagen hat. Er kommt uns am Sonntag besuchen, um noch einmal gegen mich zu spielen.«

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