Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Miklas schwieg, ballte die F�uste und wandte den Kopf der Dunkelheit zu, damit niemand die Tr�nen s�he in seinen Augen.
Eine Stunde sp�ter mu�te er seine Szene mit H�fgen-Mephistopheles probieren. In dem�tiger Haltung hatte er sich dem Schriftgelehrten, der eigentlich der Teufel war, zu nahen und vorzubringen:
�Ich bin allhier erst kurze Zeit
Und komme voll Ergebenheit,
Einen Mann zu sprechen und zu kennen,
Den alle mir mit Ehrfurcht nennen.�
Die Stimme des Sch�lers klang rauh, und sie wurde zu einem St�hnen, als der J�ngling auf all die verwirrenden Weisheiten, die h�hnischen Sophismen des maskierten Satans zu erwidern hatte:
�Mir wird von alle dem so dumm,
Als ging' mir ein M�hlrad im Kopf herum.�
Der �Faust�-Auff�hrung des Staatstheaters wohnte der Ministerpr�sident und Fliegergeneral in Begleitung seiner Freundin Lotte Lindenthal bei. Die Vorstellung begann mit einer Viertelstunde Versp�tung, weil der gro�e Herr auf sich warten lie�. Aus seinem Palais wurde telefoniert, er sei festgehalten durch eine Besprechung mit dem Reichswehrminister. Die Schauspieler in ihren Garderoben aber fl�sterten sich sp�ttisch zu, da� er einfach wieder einmal nicht rechtzeitig fertig werde mit seiner Toilette. �Er braucht doch immer eine Stunde, um sich umzuziehen�, kicherte die Darstellerin des Gretchens, die so blond war, da� sie sich kleine Aufs�ssigkeiten leisten durfte. �brigens vollzog sich der Eintritt des hohen Paares dann mit betonter Dezenz. Der Ministerpr�sident hielt sich im Hintergrund seiner Loge, solange Licht im Saal war. Nur die Leute in den ersten Parkettreihen bemerkten ihn und schauten ehrfurchtsvoll auf seine geschm�ckte Uniform, die einen purpurnen Kragen und breite silberne Manschetten zeigte, und auf das blitzende Brillantendiadem seiner hochbusigen, �hrenblonden Freundin. Erst als der Vorhang sich hob, setzte sich der Minister, wobei er ein leises �chzen h�ren lie�, denn es bereitete M�he, die Fettmassen seines Leibes auf dem relativ schmalen Fauteuil' in Ordnung zu bringen.
W�hrend des Prologs im Himmel machte der illustre Zuschauer ein pflichtgem�� ergriffenes Gesicht. Die folgenden Szenen der Trag�die, ihr Ablauf bis zu jenem Moment, da Mephistopheles als Pudel sich in Faustens Studierzimmer geschlichen hat, schienen ihn etwas zu langweilen; w�hrend des ersten gro�en Faust-Monologs konnte man ihn mehrfach g�hnen sehen, und auch der �Osterspaziergang� unterhielt ihn nicht: er fl�sterte der Lindenthal etwas zu, was wahrscheinlich unfreundlichen Sinn hatte.
Hingegen wurde der Gewaltige animiert, sowie H�fgen-Mephistopheles die Szene betrat. Als der Doktor Faust ausrief: �Das also war des Pudels Kern! Ein fahrender Scholast? Der Kasus macht mich lachen�, da lachte auch der hohe W�rdentr�ger, und zwar so laut und herzlich, da� niemand es �berh�ren konnte. Lachend neigte sich der schwere Mann nach vorne, indem er seine beiden Arme auf die rotsamtene Br�stung der Loge st�tzte, und von nun ab verfolgte er mit am�sierter Aufmerksamkeit die Handlung - genauer gesagt: das t�nzerisch gewandte, durchtrieben anmutige, ruchlos charmante Spiel Hendrik H�fgens.
Lotte Lindenthal, die ihren Manne kannte, begriff sofort: Dies ist Liebe auf den ersten Blick. H�fgen hat es meinem Dicken angetan - was ich nur zu gut hegreife. Denn der Bursche ist ja auch zauberhaft, und in seinein schwarzen Kost�m, mit der diabolischen Pierrotmaske, wirkt er unwiderstehlicher als je. Ja, er ist sowohl drollig als bedeutend, er macht die reizendsten Spr�nge wie ein T�nzer, zuweilen aber bekommt er drohende, tiefe und erschreckend flammende Augen, zum Beispiel nun, da er ausspricht:
�So ist denn alles, was ihr S�nde, Zerst�rung, kurz das B�se nennt, Mein eigentliches Element.�
An dieser Stelle nickte der Ministerpr�sident bedeutungsvoll. Sp�ter, bei der Sch�ler-Szene - in der Hans Miklas �brigens eine auffallend steife und befangene Figur machte -, schien der gro�e Mann sich zu unterhalten wie in der drolligsten Posse. Seine gute Laune steigerte sich noch w�hrend der burlesken Vorg�nge in Auerbachs Keller zu Leipzig, als H�fgen mit b�sartigem �bermut das Lied vom K�nig und dem Floh zum besten gab und schlie�lich den s��en Tokaierwein, den moussierenden Champagner aus dem Tisch f�r die besoffenen R�pel bohrte - und ganz au�er sich vor Vergn�gen geriet der Dicke, als in der Finsternis der Hexenk�che H�fgen die scharfe, klirrende Stimme des H�llenf�rsten vernehmen lie�:
�Erkennst du mich? Gerippe! Scheusal du! Erkennst du deinen Herrn und Meister? Was h�lt mich ab, so schlag ich zu, Zerschmettre dich und deine Katzengeister! Hast du vorm roten Wams nicht mehr Respekt? Kannst du die Hahnenfeder nicht erkennen? Hab ich dies Angesicht versteckt? Soll ich mich etwa selber nennen?�
Dies galt der Hexe, dem Schauenveib, die denn auch entsetzt in sich zusammenknickte. Der Fliegergeneral aber schlug sich vor Vergn�gen die Schenkeclass="underline" das blitzende Selbstbewu�tsein des B�sen, der Stolz des Satans auf seinen gr��lichen Rang am�sierten ihn gar zu sehr. Sein fettes, grunzendes Gel�chter wurde begleitet vom silbrigen Lachen der Lindenthal. - Nach der Hexenk�chen-Szene war die Pause. Der Ministerpr�sident lie� den Schauspieler H�fgen zu sich in die Loge bitten.
Hendrik wurde ganz wei� und mu�te mehrere Sekunden lang die Augen schlie�en, als der kleine Bock ihm die bedeutsame Bestellung ausrichtete. Der gro�e Augenblick war gekommen. Er w�rde dem Halbgott von Angesicht zu Angesicht gegen�berstehn� Angelika, die sich bei ihm in der Garderobe befand, brachte ihm ein Glas Wasser. Nachdem er es hastig geleert hatte, war er wieder dazu imstande, halbwegs aasig zu l�cheln. Er konnte sogar sagen: �Das geht ja alles wunschgem�� und nach dem Programm!� - als machte er sich lustig �ber den entscheidenden Vorgang; aber seine Lippen waren bla�, da er dies sp�ttisch vorbrachte.
Als Hendrik die Loge der hohen Herrschaften betrat, sa� der Dicke vorne an der Br�stung, seine fleischigen Finger spielten auf dem roten Samt. Hendrik blieb an der T�re stehen.,Wie l�cherlich, da� mein Herz so stark klopft!', dachte er und verhielt sich einige Sekunden lang stille. Dann hatte Lotte Lindenthal ihn bemerkt. Sie fl�tete: �Manne - du erlaubst, da� ich dir meinen hervorragenden Kollegen Hendrik H�fgen vorstelle�, und der Riese wandte sich um. Hendrik h�rte seine fette, dabei scharfe Stimme: �Aha, unser Mephistopheles�� Dieser Feststellung folgte ein Lachen.
Noch niemals in seinem Leben war Hendrik derartig verwirrt gewesen, und da� er sich seiner Aufregung sch�mte, steigerte sie vielleicht noch. Seinem getr�bten Blick erschien auch die Kollegin Lindenthal phantastisch ver�ndert. War es nur das blitzende Geschmeide, das ihr ein einsch�chternd f�rstliches Aussehen verlieh, oder war es der Umstand, da� sie sich in so vertrauter N�he mit ihrem kolossalen Herrn und Besch�tzer zeigte? Jedenfalls wirkte sie auf Hendrik pl�tzlich wie eine Fee, und zwar wie eine �ppig-liebliche, aber durchaus nicht ganz ungef�hrliche. Ihr L�cheln, das ihm sonst immer nur gutm�tig und etwas bl�de vorgekommen war, schien ihm nun auch r�tselhafte T�cke zu enthalten.
Von dem fetten Riesen in der bunten Uniform aber, von dem pomp�sen Halbgott sah Hendrik in seiner Angst und zitternden Ciespanntheit so gut wie nichts. Vor der ausladenden Gestalt des Gewaltigen schien ein Schleier zu h�ngen - jener mystische Nebel, der seit eh und je das Bild der M�chtigen, der Schicksalsbestimmenden, der G�tter dem bangen Blick der Sterblichen verbirgt. Nur ein Ordensstern blitzte durch den Dunst, die be�ngstigende Kontur eines wulstigen Nackens ward sichtbar, und dann lie� wieder die zugleich scharfe und fette Kommandostimme sich vernehmen: �Treten Sie doch ein bi�chen n�her, Herr H�fgen.�
Die Leute, die plaudernd im Parkett geblieben waren, begannen aufmerksam zu werden auf die Gruppe in der Loge des Ministerpr�sidenten. Man tuschelte, man drehte die H�lse. Keine Bewegung, die der Gewaltige machte, entging den Gaffenden, die sich zwischen den Stuhlreihen dr�ngten. Man stellte fest, da� der Gesichtsausdruck des Fliegergenerals immer wohlwollender, immer vergn�gter wurde. Nun lachte er, mit R�hrung und Ehrfurcht konstatierte es das Volk im Parkett - der gro�e Mann lachte laut, herzlich und mit weit ge�ffnetem Mund. Auch Lotte Lindenthal lie� ein perlendes Koloraturgel�chter h�ren, und der Schauspieler H�fgen - h�chst dekorativ in sein schwarzes Cape gewickelt - zeigte ein L�cheln, das auf seiner Mephisto-Maske wie ein triumphales und dabei schmerzliches Grinsen schien.