Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Das Prinzip des Antriebs war einfach: freier Fall gegen die Reibung, faltbare Schwimmer, für den Aufstieg mit Preßluft gefüllt, für den Abstieg leergepumpt. Elektronische Kontrolle der Transversalaberration. Schwenkflügel zur Gegensteuerung. Kein Fahrgeräusch. Vergeblich spähte Daniel nach Fischen; dieser Teil des Meeres war ungenutzt, die Farmen lagen weitab. Tummelplatz von Planktonfischern, das Meereswild längst ausgerottet. Daniel lehnte sich in die glatten Kissen der kreisrunden Bank zurück. Er war etwas benommen, seine Glieder waren schwer.
Reflexe an der Decke – tief unten schimmerndes Licht. Im selben Maß, wie es an Helligkeit gewann, wurde der diffuse Schein von oben blasser, und schließlich, als sich im Nebel ein triangulares Netz von Lumineszenzröhren abzeichnete, erschien das Wasser oben schwarz – ein schwarzer Himmel ohne Sterne. Das Bauwerk lag im Bereich der ewigen Nacht.
Das Bewußtsein, daß sich die Fahrt dem Ende näherte, wirkte belebend auf Daniel. Er überzeugte sich, daß seine Tasche geschlossen war, blickte unter die Sitzbank, um sich zu vergewissern, daß er nichts verloren hatte, griff nach seiner Kennmarke und stand auf, jetzt nicht mehr schläfrig, sondern unruhig und erwartungsvoll.
Von hier war jetzt auch die Zellenstruktur des Bauwerks zu erkennen, ein Wabenmuster, dem Prinzip des Sechsecks folgend. Das Dach durchsichtig, flach gewölbte Kuppeln, Linsen aus Kunstglas, die verzerrte Einsicht in die Räume des oberen Geschosses gewährten. Schon vorbei … sie durchstießen die Ebene der Oberfront und bewegten sich in eine trichterförmige Öffnung. Die weiße Helle drang nun von allen Seiten ins Innere der Kugel, es gab einige sanfte Stöße, einen Ruck.
Ein Knacken im Lautsprecher. Die freundliche Stimme der Automatik.
»17 Uhr 25
wir sind am Ziel
Tiefe: 245 Meter
Wassertemperatur 22 Grad
bitte, nehmen Sie Platz
die Schleuse wird geöffnet.«
Daniel setzte sich. Unter ihm zischte es … der Boden samt der Bank fuhr einige Meter abwärts, glitt aus der Kugel heraus, setzte in einer Vertiefung auf.
»Wir hoffen, Sie hatten eine gute Reise wir wünschen Ihnen einen schönen Tag bitte, steigen Sie jetzt aus.«
Daniel nahm seine Tasche auf und trat durch die schmale Lücke, die in der Sitzbank ausgespart war. Als er den festen Boden betreten hatte, hob sich die scheibenförmige Plattform, von einer Säule getragen, zurück zur Schleuse. Wieder zischte es, die Säule senkte sich, verschwand im Boden, die Verbindung zur Außenwelt war verschlossen.
Der Raum war von sechs Wänden umgrenzt, einige durchsichtig; er sah in andere Räume hinein, die selbst wieder durchsichtige Wände hatten, ein verwirrender Eindruck, vergleichbar dem Bild einer vielfachen Spiegelung, in unzählige Schichten gegliedert, mit endloser, vorgetäuschter Tiefe. Innerhalb dieser Ebenen sah er Geräte, blaßblaue und graue Kästen, Tastaturen, Bildschirme, Rollsessel, dazwischen, da und dort, einen Menschen, meist unbewegt, über ein Pult gebeugt, mit irgend etwas beschäftigt.
In jeder der Wände eine Tür, darüber Buchstaben, N, A, B, S, C, D. N und S lagen einander gegenüber – Nord und Süd. A, B, C, D – vier weitere Himmelsrichtungen? Daniel sah sich um. An der Tür »S« leuchtete eine Schrift auf: ANMELDUNG. Er wollte sich schon in Bewegung setzen, um auf diese Tür zuzugehen, als er Schritte hörte. Ein schmächtiger junger Mann, in schwarzes Leinen gekleidet, einfache Jacke, Hose, Sandalen, Haftschalen, dunkles Kraushaar, eine Schirmkappe darüber gestülpt, lief auf ihn zu, ergriff seinen Arm, hielt ihn fest.
»Zur Anmeldung? Kein Grund zur Eile. Geben Sie mir die Tasche, kommen Sie!« Er versuchte, Daniel die Tasche zu entwinden, aber dieser hielt sie fest und war bestrebt, sich der offenbar gutgemeinten Hilfsbereitschaft zu entziehen.
»Ruhen Sie sich aus, stärken Sie sich! Ärgerlich, diese Formalitäten! Doch man nimmt es hier nicht so genau – es kommt nicht auf ein paar Stunden an. Trinken wir zusammen ein Bier oder eine Tasse Kaffee, drüben ist eine Ruheterrasse.« Er ging einige Schritte vor, sah sich um, ob Daniel ihm folgte.
Daniel war nicht abgeneigt. Zwar hatte er keinen Durst, doch hätte er gern Näheres über die Zentrale erfahren, und dieser Mann schien geschwätzig genug, um ihm einige Fragen zu beantworten. Zögernd folgte er ihm. Sie durchschritten die Tür mit der Aufschrift D, kamen in einen langgestreckten Raum, der eine ganze Reihe von Sechseckparzellen umfaßte, ein Magazin oder eine Bibliothek – an den Wänden endlose Schränke mit Aufschriften, Zahlen und Buchstabengruppen, jeder hatte einen Anschluß an ein Druckluftfördersystem, große Rohre, quer durch den Raum gezogen, da und dort ein Videotisch mit Abrufpanel.
Der Schwarzgekleidete sprach ununterbrochen, sagte aber nichts, was Daniel aufschlußreich erschienen wäre, und ließ ihn nicht zu Wort kommen. Mit hüpfenden Schritten ging er neben ihm her, ungeduldig, nervös, erklärte, deutete, gestikulierte.
»Selten, daß noch jemand kommt. Was haben Sie bisher gemacht? Sind Sie Logiker? Mathematiker? Biologe? Genetiker? Woher? Welcher Distrikt?«
Daniel bereute längst, daß er mitgekommen war. Es ging um mehrere Ecken herum, durch Konferenzräume, Hallen mit blauverkleideten Schaltungen, Projektionswänden. »Ist es noch weit?« fragte er. Er wollte dem andern nicht verraten, daß er nicht wußte, woher er kam. Zwar brauchte er sich dessen nicht zu schämen, aber es ging Fremde nichts an.
»Warten Sie hier!« befahl der Mann plötzlich. Er trat in eine Art Zelle, drückte auf die Knöpfe einer Schalttafel, eine Schiebetür glitt aus der Wand, und ehe sie sich schloß, griff der Unbekannte nach Daniels Tasche, riß sie ihm mit einem heftigen Ruck aus der Hand. Sekunden später stand Daniel vor der leeren Zelle – der Mann war mit einer Art Kabine verschwunden, die Tasche triumphierend an sich gepreßt.
Nicht daß ihn der Verlust der Tasche geschmerzt hätte, er vermißte nichts … was nimmt man schon auf eine Reise mit? … aber ein solches Erlebnis ist ärgerlich, verleidet einem den Tag, macht mißtrauisch, lenkt ab, beschämt. Daniel beschloß, sich nun unverzüglich anzumelden. Er drehte sich um, suchte den Weg zurück … Vorher waren die Türen offen gewesen oder hatten sich vor ihnen automatisch geöffnet, jetzt öffnete sich keine Tür mehr, und er hätte geschworen, daß nun auch einige der zuvor offenen Türen geschlossen waren. Er versuchte, sie über Umwege durch andere Räume zu umgehen, mußte sich aber bald eingestehen, daß er sich verirrt hatte. So peinlich es war, er mußte jemanden fragen, doch obwohl er vorher an einigen Leuten vorbeigekommen war, sah er jetzt niemanden und hatte den Eindruck, sich hoffnungslos zu verlaufen. Jetzt erst begann er, systematisch auf die Richtungsbezeichnung N, A, B, S, C, D zu achten, er entdeckte Schildchen mit Zahlenserien, offenbar Koordinaten der Räume … Die erste Zahl war gleichbleibend 6z, und er vermutete, daß es sich um die Kennummer der Etage handelte … Die beiden übrigen änderten sich von Raum zu Raum, es konnten Angaben für die Position in der horizontalen Ebene sein.
Endlich stand er wieder vor einer undurchsichtigen Wand, und als er sich der Tür näherte, scholl ihm dumpfes Pochen entgegen. Die Tür öffnete sich, und er trat ein. Vor ihm lag eine langgestreckte Halle, darin im Kreis angeordnet eine Reihe von Aufbauten, einige durch Vorhänge verdeckt, unter denen Drähte, Kabel, Schläuche hervorkamen … Im Zentrum stand jene Maschine, von der das Pochen ausging, einem Ungetüm mit vielen Glasgefäßen, in denen trübe Flüssigkeiten sprudelten, Röhren, in denen Flügelräder liefen, Ballons, die sich aufblähten und wieder zusammensackten.
Zwei Männer standen an einem Sichtschirm, über den grüne Schlangenlinien züngelten … Beide waren weiß gekleidet, Rundmützen, hochgeschlossene Kragen, dünne Gummistiefel. Der eine, glattes rundes Gesicht, violett getönte Haftschalen, wandte sich Daniel zu.