Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Das Expertenteam brauchte nicht lange zu suchen. Die Gebäude unterschieden sich nicht von den andern, ihr Bauplan war derselbe, das Labyrinth der Gänge nahm denselben Verlauf. Sie fanden die kurzen, blinden Gangabschnitte mit den geschlossenen Türen. Wenn man die Leuchtscheiben berührte, leuchteten keine Schriftzeichen auf. Die Appartements dahinter waren leer.
Bis zur Stunde hatten wir uns außerhalb des Systems befunden, wir hätten genausogut draußen in der Wüste bleiben können. Was wir von der Stadt gesehen hatten, war ihre Oberfläche. Ihre Funktion, ihre Wirklichkeit lag in ihrem Kommunikationssystem. Was sich in ihr begab, sich veränderte, sich entfaltete, geschah durch Signale, lief durch Drähte, durch Halbleiterelemente, durch monomolekulare Schichten, durch ionisierte Gase, durch den leeren Raum; wurde ausgegeben, aufgefangen, entschlüsselt, verglichen, neu kombiniert, wieder ausgegeben, gespeichert, abgerufen, analysiert, geordnet, zusammengefaßt, gelöscht. Das alles begab sich lautlos und ohne Bewegung, in einer unhörbaren Sprache, in unsichtbaren räumlichen Ordnungen. Es entstanden Muster aus Ladungen, Impulsen, Wellen, einem Geschehen zugeordnet, oder dieses Geschehen selbst, Muster mit Bedeutung, Zeichen, Begriffe, bestimmt durch ein Zuordnungsschema, einen logischen Operator, einen Ähnlichkeitsschluß … Die Richtung der Magnetisierung, die Faltung einer Proteinkette, die Orientierung des Spins, ein Sprung in der Kennlinie, die Besetzung eines Quantenzustands, der Wechsel des Energieniveaus – Ereignisse auf verschiedenen Ebenen, Funktion von Zeichenträgern, Codes für komplexe Situationen.
Das System war dabei – aber das wußten wir damals noch nicht –, die Entwicklung auf eine informationelle Ebene zu heben. Die Stadt war die Nahtstelle zwischen den beiden Ebenen.
Hochrechnungen, Simulationen, Modelle … von einem bestimmten Moment an ersetzen sie Wirklichkeit und Zukunft. Nichts zwingt mehr dazu, die Ereignisse abzuwarten, die Reaktion erfolgt im Vorgriff, setzt Fakten, die man prüft, bewertet, in Rechnung stellt, über die man entscheidet, die Konsequenzen zieht … Das reale Objekt wird überflüssig, das elektronische Schema bildet es ab, die Rasterung ist beliebig fein, die Identität erreichbar.
Am Abend saßen sie beisammen und berieten. Ein wenig abseits hatten es sich die Soldaten bequem gemacht, sie spielten Karten, hörten die betörende Musik aus den Radioapparaten, schliefen – es sah aus, als hätte sich ihre Zahl vermindert.
Pavel, Dan und die anderen Mitglieder des Expertenteams hatten wieder mehrere Rekognoszierungen vorgenommen und ihre Erfahrungen ausgetauscht. Im Grunde waren die Ergebnisse alle gleich: Menschen, die intensiv damit beschäftigt waren, sich allen möglichen Arten von Vergnügungen hinzugeben.
»Solange wir uns mit ihnen beschäftigen, können wir nicht auf das System kommen, das in dieser Stadt wirksam wird.«
»Wir tappen noch an der Oberfläche herum.«
»Es muß einen Weg geben, tiefer einzudringen, zum Eigentlichen vorzustoßen.«
»Man müßte hinter die Wände schauen können, sehen, wohin die Leitungen führen. Es muß so etwas wie ein Gehirn geben, das alles überwacht.«
»Ich habe versucht«, berichtete Josef, »eine Wandplatte zu lösen. Kaum hatte ich die Kreissäge angesetzt, da hörte ich das Zischen von Gas – die übliche Art, uns an unseren Nachforschungen zu hindern. Doch diesmal hatte ich mir eine Gasmaske aufgesetzt. Viel hat sie mir nicht genützt. Vielleicht sollten wir es einmal mit den Schutzanzügen und den Sauerstoffbehältern versuchen. Das Gas ging durch die Filter durch, aber es wirkte doch ein wenig langsamer, als wenn man völlig ungeschützt ist.«
»Was hast du erlebt?«
»Erzähle!«
»Lacht mich nicht aus!« Josef zögerte noch ein wenig. »Vielleicht hatte ich Halluzinationen. Ich sank zusammen, konnte mich nicht bewegen, aber durch die Gasmaske hindurch sah ich jemand auf mich zukommen …«
»Na, weiter!«
»Zwei – Wesen. Sie sahen aus … wie Affen. Affen in Kleidern – dunklen Overalls. Einer zog mir die Maske herunter. Sie hoben mich auf … dann weiß ich nichts mehr.«
»Vielleicht hast du wirklich geträumt – ich hätte eher perfekte Roboter erwartet.«
»Ich habe den Eindruck, daß wir in Gefahr schweben … vielleicht haben wir bisher nur Glück gehabt und sind uns dessen nicht bewußt.«
»Es muß irgendeine Intelligenz dahinterstecken. Diese müssen wir aufspüren.«
»Aber wie?«
»Auch ich habe etwas Merkwürdiges erlebt – vielleicht gibt uns das einen Hinweis«, sagte Dan. »Bisher haben wir mit allen möglichen Tricks versucht, Informationen über die Steuerung des Systems, die Lebensweise der Einwohner, die Geschichte und den Zustand der Stadt zu bekommen. Heute habe ich einen direkten Weg eingeschlagen. Durch Zufall kam ich auf einen Speicher, der Antworten auf beliebige Fragen ausgibt – eine Art Fragekasten. Ich habe die Fragen gestellt. Zuerst nach der Geschichte der Stadt.«
»Und du bekamst Antwort?«
»Nicht gleich. Es erschien mir zuerst als eine Ausflucht. Statt einer Antwort kam eine Gegenfrage: ›Die Beantwortung dieser Frage nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch. Dürfen wir inzwischen eine andere Frage beantworten?‹ Ich fragte nach der Herkunft der Einwohner – denn hier gibt es keine Familien, keine Kinder, keine Schulen. Ich bekam wieder keine Antwort – und wieder sollte ich eine weitere Frage stellen. Ich fragte nach der steuernden Instanz.«
»Und weiter?« Spannung lag auf den Gesichtern der anderen.
»Plötzlich erschien auf dem Bildschirm ein Gesicht – es war ein Schock für mich, denn der, der mir von der Wand lebensecht entgegensah, … der war – ich selbst.«
»Eine Spiegelung?«
»Nein. Der andere sagte, und ich möchte schwören, mit meiner Stimme! ›Sie haben das Recht, auf alle Fragen, die Sie stellen, Antwort zu erhalten. Ihre Fragen sind allerdings so schwierig, daß sie sich nicht mit einigen Sätzen beantworten lassen. Die mögliche Antwort nimmt Bezug auf eine Ebene von Zusammenhängen, über die Sie nicht informiert sind. Auch der Zugang zu diesen Informationen steht Ihnen selbstverständlich frei, und wir sind bereit, sie Ihnen zu vermitteln. Dazu ist Zeit nötig; es würde auch bedeuten, daß wir Sie Ihrem jetzigen Milieu entziehen müßten. Wollen Sie auf die Antwort verzichten oder bestehen Sie darauf?‹«
»Was hast du geantwortet?«
»Ich habe Bedenkzeit erbeten.«
»Das war richtig.«
»Hört sich phantastisch an.«
»Das könnte uns der Lösung näher bringen!«
»Man scheint nicht oft solche Fragen zu stellen.«
»Was meinst du. Dan? Willst du es tun?«
Sie diskutierten längere Zeit. Dann beschlossen sie, das Risiko auf sich zu nehmen. Da damit zu rechnen war, daß Dan an einen anderen Ort gebracht würde, gaben sie ihm ein taschenlampengroßes Sende- und Empfangsgerät mit Peilantenne mit. Sie vereinbarten Rufnummern für ihre persönlichen Funkgeräte und einen Notruf. 24 Stunden würden sie warten, dann sollten sie – falls er noch nicht zurückgekommen war – den Funkkontakt herstellen.
Am nächsten Morgen begleiteten sie Dan vor die Tür des Appartements.
»So schlimm wird es schon nicht werden«, sagte er, als er die besorgten Gesichter sah. »Auf Wiedersehen!«
Er winkte ihnen zu und ging durch die Tür, die sich hinter schloß.
Nur am Wechsel der Farben war zu merken, daß die Kugel die Tiefe sank: gelbgrün, smaragd, blauoliv. Das Wasser schien unbewegt, Daniel mußte nah an die gewölbte Sichtscheibe heranrücken, um das Wirbeln winziger Luftbläschen, das Aufströmen von Phytoplankton zu sehen. Ein Knistern lief durch die Kugel – der Außendruck nahm zu.