Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
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Sie hatten sich mehrfach gesichert.
Theorie.
Experiment.
Zahllose Berechnungen, zahllose Versuche.
Das Durchspielen im mathematischen Modell. Die Simulation. Der Test. Vortäuschung der Wirklichkeit. Übung am realen Objekt.
Entscheidungssimulationen machen die strategische Grundproblematik deutlich. Umgekehrt dienen sie der gruppendynamischen Untersuchung des ausgewählten Teams.
Während der Simulation wird das Verhalten der Teammitglieder untereinander, ihre Einstellungen, Spannungen, Bedürfnisse und Kommunikationen, untersucht. Das Ergebnis bildet die Grundlage für die Aufstellung eines Persönlichkeitsmodells. An diesem werden weitere, durch Tests nicht erfaßbare Situationen und Konstellationen durchgespielt.
Jede Gruppe erarbeitet ihre Kriterien selbständig, bestimmt ihre Ziele und Präferenzordnungen. Im Laufe des Versuchs revidiert sie ihre Kriterien nach partiellen Optimierungen und sequentiellen Lernprozessen -
Mathematik
Logistik
Semiotik
Informationstheorie
Codierungstheorie
Boolesche Algebra
Automatentheorie
Theorie adaptiver Systeme
Regelungstheorie
Spieltheorie
Systemkomplextheorie
Organisationskybernetik kybernetische Pädagogik
Theorie der Beeinflussung
Regierungstheorie –
geschlossene Denkmodelle, logische Abhängigkeiten, kausale Erklärungen, Wechselbeziehungen und Kreisrelationen, das Weltbild hat sich geschlossen, die Übersicht ist lückenlos, die Wissenschaft ist unteilbar, ihre Aussagen sind unwidersprüchlich formulierbar, allumfassend praktikabel …
Wo lag der Fehler?
Nicht in den Praktiken, Routinen, Denkweisen, nicht in den wissenschaftlichen Methoden. Energetische und informationelle Größen. Physikalische, biologische, soziologische Systeme. Die Modelle sind allgemeingültig, die Theorie operiert auf höchster abstrakter Ebene, die Schemata sind beliebig einkleidbar, die Schlüsse zwingend, die Resultate übertragbar. Es gibt keine verborgenen Parameter, keine Unschärfen, keine singulären Stellen, der Anwendungsbereich ist unendlich – die Gültigkeit universell. Das Unbekannte ist vorweggenommen -
das leere Schema mit Daten füllen ins Konkrete gehen
Konstanten bestimmen
Meßwerte einlesen
Realität als Variationsproblem
Optimieren
maximieren
Wendepunkte bestimmen
numerische Lösungen suchen
Zeichenreihen
Listen
Zuordnungen
die Wirklichkeit als Spezialfall des Denkbaren
Vielleicht lag hier der wunde Punkt? Das Spektrum der Möglichkeiten, das realisierte Weltmodell, der Zusammenhang nicht ein-eindeutig, das Einzelne liegt dem Unendlichen eingebettet, das Unendliche läßt stets noch Varianten zu. Der Schluß vom Allgemeinen aufs Spezielle? Irrtum der Philosophie?
Ihr System war eine stabile Lösung des Problems, aber es war nicht die einzige, es gab andere. Dann aber taugte das Argument der Stimmigkeit nichts mehr, oder es galt ebenso für jede andere Lösung, aber nur eine konnte die beste sein, aber welche Kriterien zur Wertung heranziehen, der Katalog der Kriterien war erschöpft, gab es andere, aber in welchen Bereichen, dann verlor ihre Lösung den Rang einer Zielvorstellung, dann waren andere Realisationen gleichwertig, und die Sicherheit, die bisher den vieldimensionalen Raum der gesellschaftlichen Fragen als Koordinatennetz durchzogen hatte, erwies sich als leeres Schema.
Ideologie ist wissenschaftlich nicht begründbar.
Dan bewegte sich nicht, als sich dieser ketzerische Gedanke in ihm festkeilte, aber er war sich der Bedeutung bewußt. Er erschrak, als er erkannte, daß ihm unter den Schlußfolgerungen, die seine Einsicht erbrachte, zuerst jene auffielen, die ihn ganz persönlich betrafen. Plötzlich sah er sich in den Zustand des Privaten zurückgeworfen. Hatte er bisher noch annehmen dürfen, daß jeder seines Teams, dessen Teil er war, in ähnlichen Situationen ähnlich gedacht hätte, so war er nun aus ihrer Vorstellungswelt ausgebrochen, war geflohen, hatte sich der Verantwortung entzogen, hatte versagt. Er bewegte sich in Regionen, in die ihm niemand folgen konnte, und wäre ihm ein anderer vorangegangen, so hätte selbst er ihn verachtet. Jetzt war er endgültig allein, und er schämte sich, weil es ihm wie Verrat vorkam.
Der nächste Schritt war genau geplant. Der Oberst hatte darauf bestanden, daß sie nichts ohne den Begleitschutz einiger Soldaten unternahmen. Sie sollten sich nicht zu weit ins Stadtinnere vorwagen, sondern möglichst im Randgebiet in ein Gebäude eindringen und versuchen, mit den Bewohnern Kontakt herzustellen.
Sie benützten den Lift, fuhren zur ersten Etage. Zunächst trachteten sie, einen Überblick zu gewinnen. Ein Meßtrupp legte einen Plan an, was mühsam war, weil der Kompaß ausfiel. (Die Magnetnadel wich in irregulärer Weise von der Nord-Süd-Richtung ab. Sie nahmen die Frontlinie als Bezugskoordinate und behalfen sich mit Bogenmaß und Entfernungsmesser.) Eine Art Hauptgang lief in einem Sechseck um das Gebäude herum, nach außen und innen zweigten Nebengänge ab, die blind endeten. Von diesen wieder führten kurze Gangabschnitte zur Seite, in denen es Einschnitte gab, hinter denen man Türen vermuten durfte.
Nun zögerten sie nicht mehr, sondern nahmen sich die erste vor. Rechts und links postierten sich die Soldaten mit erhobenen Waffen. Tibor untersuchte die Tür, fand aber weder Klinke noch Schlüsselloch.
»Sollen wir mit Gewalt eindringen?«
»Warum nicht klingeln?«
»Hältst du das für eine Klingel?« Greg deutete auf einen Milchglasstreifen neben dem Türrahmen.
»Was soll es sonst sein?«
»Wir werden sehen!« Dan drückte leicht darauf. Prompt erschienen darunter rotleuchtende Schriftzeichen.
»Was bedeutet das?«
Greg antwortete. »Es scheint mir eine Abkürzung zu sein, und ich wage sie zu deuten: Es heißt, bitte nicht stören!«
»Sollen wir darauf Rücksicht nehmen?« Sie versuchten es bei einer Tür nach der anderen. Erst im nächsten Gangabschnitt kam eine andere Reaktion. Ein grüner Schriftzug erschien, und zugleich glitt die Tür beiseite. Zwei Soldaten sprangen mit erhobenen Waffen vor, doch der erste Blick ins Innere ließ sie mitten im Sprung innehalten; sie blieben wie angewurzelt stehen. Die anderen schreckten verblüfft zurück: Vor ihnen lag ein Abgrund, tief unten glitzerndes Wasser, ringsherum blauer Himmel, am Horizont violett gesäumt, darüber etwas dunkler, am Zenit samtig schwarz, vor diesem dunklen Hintergrund frei schwebend, ein Spiel leuchtender Kugeln, grün, gelb, orange, dann wieder rosa, purpur, braun, von silbernem Gespinst überzogen, das unruhig über die bunten Flächen lief, dabei zerriß, dunkelklare Farbovale freigab, sich an anderen Stellen wieder zusammenzog und schloß, sich wabenartig raffte, feine Netze bildete, erneut zerriß.
Der Schritt durch die Tür führte unmittelbar in den leeren Raum – leer bis auf eine schwebende Plattform, auf der ein dickgepolsterter Liegesessel stand, darauf ruhte ein Mensch, ein Mann; hohe Stirn, weißes Haar, braunes, junges Gesicht. Er blickte nach oben, offenbar in die Betrachtung des Spiels der bunten Blasen versunken.
Dann schien er zu merken, daß etwas Ungewöhnliches vor sich ging. Er richtete sich auf, wobei die Lehne an seinem Rücken blieb, streckte die Hand zu einem Schaltkästchen aus, das sich ihm automatisch entgegenbewegte und ließ seine Finger kurz über einige Tasten spielen. Mit einem Schlag verblaßten die Farben der Kugeln, das Blau des Himmels, das Grün des Meeres, und aus der Zeichnung der Konturen, die zuletzt noch übrigblieb, traten graue, geperlte Wände, leicht gekrümmt, statt Kanten Rundungen, die Decke eine flache, ebenfalls graugeperlte Kuppel, der Boden dunkelgrau gefasert.