Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
»Müssen Sie uns schon wieder stören? Wie soll man da arbeiten können! Ich halte es einfach nicht für angebracht, daß Sie persönlich kommen. Warum gehen Sie nicht über den Bildschirm?«
»Laß doch, Fenner«, sagte der andere, ein jüngerer Mann mit rotem Gesicht und kleinen, hinter Speckfalten versteckten Augen. »Du weißt: Das Prinzip der Freizügigkeit. Na kommen Sie schon, ich führe Sie!«
»Ich bitte um Verzeihung«, sagte Daniel … »Ich wollte Sie nicht stören, ich habe mich verlaufen, wollte Sie nach dem Weg fragen … Ich muß zur Anmeldung.«
Wie auf Kommando lachten beide.
»Lassen Sie doch, kommen Sie nur, kein Grund zu Ausflüchten!« Der jüngere Mann schob Daniel vor sich her, zum nächsten Aufbau, einer Art Aquarium, das auf einem Sockel stand. Er zog den Vorhang beiseite. »Da haben Sie gleich unser Musterstück, eine Kreuzung zwischen einem Delphin und einem Menschen, aus einer künstlichen Hybridzelle aufgezogen. Schwierig, im Wasser nicht lebensfähig, und auch nicht in Luft. Kiemen, aber menschliche Lungen, Sauerstoffversorgung unmittelbar über das Blut, natürlich auch die Ernährung. Der Darmtrakt nicht intakt, die Schlacken führen wir durch einen Schlauch heraus, dort ist der Desintegrator. Die Augen in Ordnung, Gehör sogar ausgezeichnet, Gehirn gut entwickelt, trotzdem schwachsinnig, hatten keine Gelegenheit zu schulen, aber: reagiert!«
Er trat an das Wesen heran, halb Fisch, halb Embryo, das in einer Lösung schwamm, Fischleib, Ansatz von Schultern, Arme flügelartig verdickt, keine Finger: Flossen, dicker Hals, menschlicher Schädel mit Schnauze. Fenner ließ eine Taschenleuchte aufblinken, deutete auf einen Oszillographenschirm, auf dem jetzt Wellen in Unruhe gerieten.
»Wenn Sie gestatten, so möchte ich jetzt gehen«, bat Daniel, doch der Weißgekleidete trat schon an den nächsten Verschlag und zog den Vorhang herunter. »Eine Mutation, spontan, nicht künstlich, früher wäre so etwas natürlich schon im Keimstadium abgestorben, aber wir können alles am Leben erhalten, tun natürlich unsere Pflicht, nur außergewöhnliche Fälle werden hier behandelt, Routinefälle übernimmt die Automatik. Sehen Sie, einmalig, eine kreisförmige Verwachsung, nur ein Arm, ein Bein, der Leib halbiert, keine Leber, dieser Wulst hier ist die Brust – eine Lunge, versteht sich – dieser Sack, mit Gedärm gefüllt, der Bauch, vollausgebildete Geschlechtsorgane, ein Mann, der Kopf gegenüber von Arm und Bein, intelligent, hat sich bisher gegen die Transformation gestemmt, jetzt schläft er, warten Sie, ich wecke ihn, er unterhält sich gern …«
Daniel kämpfte mit Panik, bemühte sich um Fassung, löste seinen Blick von jenem unförmigen Wesen, das in eine Spezialkonstruktion eingespannt war. Der Mann im weißen Mantel hatte einen Hebel gedrückt, und die Klammern, Ringe, Hebel, Leitungen samt dem Körper, den sie umfingen, bewegten sich, hoben ihn in aufrechte Haltung, der Kopf saß starr in einem Gummikragen, die Augenlider zitterten, hoben sich, und ein unendlich trauriger Blick richtete sich auf Daniel.
»Entschuldigen Sie mich jetzt bitte«, preßte dieser heraus und lief zur Tür zurück.
»Aber bleiben Sie doch, er möchte mit Ihnen sprechen!« rief der weißgekleidete Mann, doch Daniel hörte ihn kaum noch, sondern eilte durch die nächste offene Tür. Erst als er ein halbes Dutzend weiterer Räume durchquert hatte, blieb er stehen und überlegte. Weiteres Suchen hatte wenig Sinn. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als irgend jemand zu fragen; schließlich war es ja kein Problem, ihm den Weg zur Anmeldung zu zeigen.
Er sah sich um – er befand sich in einer Steuerzentrale, eine große Schalttafel mit unzähligen Tasten und Anzeigern nahm vier von den sechs Wänden ein. Schlagartig wurde ein großer Bildschirm hell, und er sah den Kopf eines alten Mannes, mit schmerzlich vergrämter Miene, der ihn von oben herab anzusehen schien. Vielleicht bin ich über eine Fernsprechleitung mit ihm verbunden, mutmaßte Daniel und trat an die Konsole heran. Er fand das Mikrophon der auditiven Eingabe und suchte nach einer Taste, mit der er eventuell die Verbindung herstellen könnte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als es nach Gutdünken zu versuchen, und er berührte zögernd eine Taste nach der andern. Plötzlich kam von der Decke ein hoher, durchdringender Pfeifton, das Bild auf dem Schirm wechselte: ein vierkantiger Schädel, haarlos, dunkle Augen, scharfe Nase, schmale Lippen.
»Müssen Sie denn die ganze Bande auf uns aufmerksam machen? Du lieber Himmel, ich kann Dummheit nicht ertragen. So reden Sie schon! Haben Sie mit Crantz gesprochen?«
Daniel legte schon die Hand an die Taste, um wenigstens den Ton abzuschalten, als er eine Regung an der Klarsichtscheibe der Wand bemerkte. Drüben stand ein Mädchen und bedeutete ihm etwas … offenbar sollte er das Schaltpult nicht berühren, den Raum verlassen. Er warf einen Blick auf den Bildschirm. Der Mann sprach noch immer und schien allmählich wütend zu werden.
Daniel gehorchte dem Mädchen. Es trug einen gelben Kittel und eine halblange gelbe Hose, ähnlich einem Karatekostüm, an den Füßen schwarze Pantoffeln. Es hatte breite Schultern, war geradezu unförmig dick, hatte ein plattes, rundes Gesicht, braunes Haar, glatt, in Nackenhöhe gerade abgeschnitten.
»Kommen Sie, sonst haben wir Unannehmlichkeiten«, flüsterte das Mädchen, nahm ihn an der Hand und zog ihn fort.
»Weshalb sollten Sie Unannehmlichkeiten haben?« fragte Daniel.
»Ich hätte aufpassen sollen.« Der Weg führte durch mehrere menschenleere Räume. »Ich hätte nicht weggehen dürfen.« Das Mädchen lief überraschend schnell, Daniel konnte kaum Schritt halten.
»Hier hinein!« Sie hielten vor einer Zelle, die Daniel noch in unliebsamer Erinnerung hatte. »Fahren Sie los, beeilen Sie sich!«
»Ich kenne mich hier nicht aus, bin erst seit kurzem hier!«
Das Mädchen schob ihn in die enge Kabine, drängte sich zu ihm hinein, wobei sie einige Tasten an der Schalttafel hinunterdrückte. Die Schiebetür schloß sich, sie fuhren ein kurzes Stück abwärts, hielten an, dann setzte sich die Fahrt in horizontaler Richtung fort. Durch die gläsernen Scheiben der Kabine sah man Leuchtziffern vorübergleiten.
»Hat man Ihnen keinen Wohnraum zugewiesen? Wie sind Ihre Koordinaten?«
»Ich bin eben erst angekommen, wollte mich eben anmelden … ein Mißgeschick …«
»Oh, Sie sind neu hier? Darum habe ich Sie noch nie gesehen. Ich heiße Pamela. Und Sie?« Bisher hatte Daniel das Gefühl gehabt, sie wolle ihn möglichst schnell abschieben, doch jetzt zeigte sie plötzlich Interesse.
Daniel nannte seinen Namen und berichtete von den Erlebnissen der letzten halben Stunde.
»Warten Sie, wir fahren einmal rundherum. Hier beobachtet uns niemand. Wir werden überlegen, was man für Sie tun kann.« Sie kam nahe an ihn heran, näher, als es die Enge der Kabine erforderte, er sah ihr Gesicht unmittelbar an seinem, die frischen, vorgewölbten Lippen, die etwas zu kurz geratene Nase, die großen braunen Augen, er spürte ihren Atem, roch ihr Haar, ihr Körper drückte sich an den seinen, und da er nicht unhöflich sein wollte, rückte er nur verstohlen von ihr ab, was keine Wirkung hatte, denn sie drängte sofort nach und preßte ihre Brüste an seinen Körper. Sie war jung, nicht unappetitlich, und es gab eigentlich keinen Grund, sie abzuweisen. Er merkte, daß ihre Nähe keineswegs unangenehm war, und obwohl er, hätte er sie unter anderen Umständen kennengelernt, kaum den Wunsch gehabt hätte, mit ihr in engeren Kontakt zu kommen, so wurde er jetzt ganz von selbst auf diese Frage gelenkt, und er gestand sich ein, daß er durchaus bereit war, mit ihr zu schlafen, wenn es sich ergab.
Obwohl sie nun eng aneinandergepreßt dastanden, sprach sie ganz sachlich weiter. »Selbstverständlich müssen Sie sich sofort anmelden, sie brauchen ein Appartement und Bons für Rechenzeit. Außerdem wird es Sie ja interessieren, womit man Sie beschäftigen will. Haben Sie sich freiwillig gemeldet?«