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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Sein Blick glitt über die Gesichter der anderen. Shyleen hatte ihre Selbstsicherheit inzwischen zurückgewonnen, wenn sie auch nicht in ihre abweisende, arrogante Haltung zurückgefallen war. An ihren Schläfen zuckte ein Nerv und verriet die Nervosität, die sie so entschlossen aus ihrem Gesicht vertrieben hatte. Torian lächelte. Es tat sonderbar gut, an dieser unnahbaren Frau so etwas wie Schwäche zu entdecken.

Salamir wirkte ruhig und gefaßt wie zuvor, aber das unstete Flackern in seinen Augen machte deutlich, daß auch seine Ruhe nur eine Maske war, die nicht über seinen wahren Seelenzustand hinwegzutäuschen vermochte.

Torian räusperte sich, als das Schweigen unangenehm zu werden begann.

»Was... was ist mit dem Baarl passiert?« fragte er mühsam. »Ist es... vernichtet?« Er hatte tot sagen wollen, aber das Wort erschien ihm lächerlich bei einer Kreatur, die gar nicht wirklich lebte.

Salamir schüttelte den Kopf.

»Nein. Es wollte dein Blut. Dadurch haben wir es verwunden können – es ist nicht sonderlich intelligent, weißt du? Aber es wird sich erholen und deine Witterung neu aufnehmen.«

»Und es wird ziemlich übler Laune sein«, fügte Shyleen hinzu. Torian und ihr Vater ignorierten sie. »Vielleicht«, fuhr Salamir fort, »schon morgen, vielleicht erst in einem Monat oder einem Jahr. Es hat mehr als ein Jahrtausend geschlafen, bis es durch den Fluch erweckt wurde. Dadurch besaß es noch nicht seine volle Stärke.« Er seufzte und sah Torian sehr ernst an. »Sonst hätten wir ihm nichts anhaben können.«

»Noch nicht seine volle Stärke?« wiederholte Torian. Es hatte spöttisch klingen sollen, aber er hörte selbst, daß es eher wie ein verzweifelter Aufschrei klang. »Ich habe niemals etwas Ahnliches erlebt. Diese Kreatur ist ein... ein Gott!«

»Kein Gott«, widersprach Shyleen leise. »Ein niederes Geschöpf, mehr nicht, noch nicht einmal die stärkste Kreatur, über die die Schwarzen gebieten. Vielleicht begreifst du jetzt, warum ich aus dem Tempel fliehen mußte.«

»Ich begreife gar nichts«, knurrte Torian. Der Schmerz ließ ihn bösartiger werden, als er selbst wollte. Und auch wenn er wußte, daß es nicht richtig war, seine Verbitterung auf diese Art abzureagieren, erleichterte es, zumindest ein bißchen.

»Ich weiß nur, daß ich ein Narr war, nicht mit Garth fortzureiten. Ihr sagt selbst, daß ihr mir nur eine kurze Atempause verschaffen konntet, die ich auch hätte, wenn ich weitergeflohen wäre. Ich weiß beim besten Willen nicht, wieso ich immer noch hier bin.«

»Es hat keinen Sinn zu streiten, auch wenn ich deine Verbitterung verstehen kann«, murmelte Shyleen.

»Ach, kannst du das?«

Das Mädchen schüttelte wütend den Kopf und warf ihm einen undeutbaren Blick zu, schwieg aber. Dafür ergriff Salamir das Wort. »Wenn Shyleen den Schwarzen in die Hände fiele, hätten sie die Macht, Hunderte solcher Kreaturen wie das Baarl zu erschaffen«, erklärte er gleichmütig. »Du verstehst immer noch nicht, Torian.«

»Was verstehe ich nicht?« fragte Torian betont.

»Deine Rolle in diesem Spiel«, erklärte Salamir ungerührt. »Du hast zwei von ihnen getötet.«

»Und?«

»Sie können nicht zulassen, daß das geschieht«, sagte Shyleen. »Ebensowenig, wie sie zulassen können, daß jemand wie ich ihnen trotzt.«

»Und wieso nicht?« fragte Torian.

»Die Schwarzen«, erklärte Salamir geduldig, aber auch mit großer Eindringlichkeit, »sind Menschen wie du und ich, Torian. Menschen, die sich der Magie verschrieben haben, und zwar ihrer dunklen, zerstörerischen Seite. Oh, sie sind nicht unsterblich- im Gegenteil. Sie bringen sich gegenseitig um, verbrennen bei ihren Experimenten, werden von Dämonen zerrissen, in fremde Dimensionen geschleudert oder in Steine verwandelt... Aber noch nie hat es ein normaler Mensch gewagt, die Hand gegen sie zu erheben. Sie können nicht zulassen, daß das geschieht.«

»Du meinst, sie...«

»... werden ein Exempel an dir statuieren, ganz genau«, führte Salamir den Satz zu Ende, als Torian nicht weitersprach. »Und an Shyleen.« Er seufzte. »Sie haben schon längst begonnen, erneut nach der Herrschaft über ganz Caracon zu greifen, nachdem ihnen Tremon mittlerweile schon gehört.« Er lächelte und machte eine beschwichtigende Geste, als Torian auffahren wollte. »Ich weiß, daß sie offiziell nur geduldet und um Rat und Beistand gebeten werden, aber auch du weißt, wie die Wirklichkeit aussieht. Die Schwarzen sind zu einem Machtfaktor geworden, an dem kein Herrscherhaus mehr vorbei kann, und nun haben sie begonnen, ihre Hand wieder nach Scrooth auszustrecken. Was glaubst du, aus welchem Grund der ganze unselige Krieg sonst geführt wird? Sie wollen Caracon, und sie werden es bekommen, denn sie sind viel zu mächtig, um sich mit weniger als dem Ganzen zufriedenzugeben. Aber auch das ist nur ein Teil ihres Planes. Sie legen es darauf an, die Schrecken der Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. Die Vorbereitungen laufen schon lange. Wie viele andere Priesterinnen an verschiedenen Orten ist Shyleen schon von Kindheit an darauf vorbereitet worden, die entscheidenden Beschwörungen zu vollziehen, und der Zeitpunkt ist nun in greifbare Nähe gerückt. Der Tempel des Toten Gottes ist nur einer ihrer Stützpunkte. Vielleicht könntest du der Gefahr für den Augenblick entfliehen, wenn du mit Garth gingest, aber vielleicht wird der Tag, an dem du diesen Entschluß bereuen wirst, schneller kommen, als du jetzt glaubst. Du stellst eine unverantwortliche Gefahr für sein Leben dar, und sosehr ich es auch bedauere, es ist aus seiner Sicht richtig gewesen, zu gehen.«

Er brach ab, um Atem zu schöpfen, und für Augenblicke trat ein sehr sonderbarer Ausdruck auf sein Gesicht. Er schien weit, weit fort zu sein. Selbst seine Stimme klang verändert, als er fortfuhr:

»Genau wie ich wissen auch die Schwarzen, wer dich nach Rador begleitet hat, und irgendwann werden sie sich wieder daran erinnern. Aber so lange ist er in Sicherheit.«

»Wo liegt der Tempel?« Torian wechselte so abrupt das Thema, daß wohl auch Salamir spüren mußte, daß er nicht über Garth sprechen wollte.

Statt einer direkten Antwort stand Shyleen auf und trat ans Fenster. Torian folgte ihr. Im Osten waren ganz schwach und undeutlich die Gipfel der Berge zu sehen; finstere Schemen gegen das Schwarz des Nachthimmels.

»Einer der Berge sieht aus wie ein schlankes Hörn«, erklärte sie mit einer Geste in die Dunkelheit. »Der Tempel liegt in einem Tal an seinen südlichen Ausläufern. Es gibt mehrere verborgene Zugänge zu diesem Tal. Die Priester fühlen sich so sicher, daß die meisten nicht bewacht werden. Es ist nicht weit.« Sie überlegte einen Moment. »Kaum einen Tagesritt von hier.«

»Einen Tagesritt«, murmelte Torian verwirrt. »Das ist doch Irrsinn. Warum seid ihr hiergeblieben? Dies ist ein offener Hof, der sich kaum verteidigen läßt, keine Festung. Warum wartet ihr hier auf die Schwarzen, statt zu fliehen?«

»Fliehen?« Shyleen lachte unecht. »Wohin denn?«

»Wir halten uns seit fast zwei Wochen hier versteckt«, fügte ihr Vater hinzu, »und man hat uns nur deshalb noch nicht gefunden, weil man nicht damit rechnet, daß wir so nahe sind. Wenn du dich vor einer Spinne verstecken willst, dann tu es in ihrem Netz, Torian. Noch sind nur die Priester hinter uns her, weil sich kein Schwarzer in der Nähe aufhält. Würden wir fliehen, liefen wir ihnen nur in die Arme.«

Shyleen nickte und übernahm wieder das Wort. Seltsam – aber für einen Moment hatte Torian das ganz bestimmte Gefühl, daß die beiden nicht einfach nur so dahinredeten, sondern sich wie geschickte Jongleure die Bälle zuwarfen. Ihre Antworten kamen ihm so einstudiert vor, als hätten sie die Fragen gekannt. Aber vielleicht hatten sie es auch. Es war sicher nicht sehr schwer, sie zu erraten. »Wir hatten gehofft«, sagte Shyleen, »lange genug unentdeckt zu bleiben. Aber ich spüre, daß sie uns gefunden haben. Die Priester werden kommen, noch in dieser Nacht. Es gab keine Möglichkeit zu fliehen.«

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