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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Am späten Morgen des dritten Tags der Reise erreichten sie die Stelle, von der aus sie, wollten sie nach Basilika zurückkehren, in nördliche Richtung reisen mußten. Elemak erkannte die Stelle, und Volemak natürlich auch. Aber sonst niemand; keiner ahnte, daß sie jetzt die letzte Hoffnung aufgaben, so etwas wie ihr altes Leben wieder aufzunehmen, wenn sie nun nach Osten weiterzogen, statt sich nach Norden zu wenden.

Elemak war gar nicht traurig darüber. Er war nicht wie Mebbekew — sein Leben hatte sich schon immer auf die Wüste konzentriert. Er war nur nach Basilika zurückgekehrt, um seine Waren zu verkaufen und sich eine Frau zu suchen, wenngleich er die Stadt natürlich immer genossen und sie auch für seine Heimat gehalten hatte. Aber der Begriff Heimat hatte ihm nie viel bedeutet — er kannte kein Heimweh, dachte nicht voller Sehnsucht oder unter Tränen daran. Nicht, bis Eiadh ihren Sohn geboren und er Proja in den Armen gehalten und den kräftigen, lauten Schrei des Jungen gehört und sein Lächeln gesehen hatte. Und von da an war sein Heim für ihn das Zelt gewesen, in dem Eiadh und Proja schliefen. Er brauchte Basilika nicht mehr. Er war in sich zu stark, um sich nach einer bestimmten Stadt zu sehnen, wie Meb es tat.

Doch wenn diese Karawane die nächsten Jahre über Elemaks Welt sein würde, mußte er seine Stellung in dieser kleinen Welt so dominant und wichtig wie möglich machen. In dem Tal, in dem Zdorabs Garten die Hälfte der Nahrung geliefert hatte und Nafai bei der Jagd genausogut wie Elemak selbst gewesen war, konnte Elemak seine Qualitäten nicht voll ausspielen, um seine Position als Anführer zu sichern. Doch nun, da sie wieder auf den Kamelrücken saßen, fragte sogar Vater ihn in vielen, vielen Punkten um Rat, und während die Überseele ihren ungefähren Weg bestimmte, legte Elemak den genauen Kurs fest. Er ließ den Blick über die Gruppe schweifen und sah, daß Eiadh ihn unablässig betrachtete, wenn sie nicht gerade das Baby fütterte. Die Reise hatte ihr in Erinnerung zurückgerufen, wie wichtig er für das Überleben der gesamten Gruppe war, und er erfreute sich an dem Stolz, den sie daraus zog.

Die Überseele hatte Vater folgendes mitgeteilt: Vorausgesetzt, sie fänden eine sichere Reiseroute und hätten ausreichend Vorräte, würden sie ihr Ziel in sechzig Tagen der gleichmäßigen Reise erreichen. Aber es kam natürlich nicht in Frage, sechzig Tage an einem Stück zu reisen. Die Babies würden die Hitze, Trockenheit und Unbeständigkeit nicht überstehen. Nein, sie mußten einen anderen sicheren Ort finden und erneut rasten. Und danach vielleicht eine weitere Pause einlegen. Und sie würden an jedem Ort wahrscheinlich so lange bleiben müssen, um eine Saat auslegen und abernten zu können, damit sie Nahrung für die nächste Etappe ihrer Reise hatten. Ein Jahr. Ein Jahr an jedem Ort, und vielleicht drei Jahre für eine Reise von sechzig Tagen. Und die ganze Zeit über würde in Wirklichkeit Elemak sie führen, und am Ende der Reise würden alle ihn als Anführer anerkennen, und Vater würde dann nicht mehr sein als das, was er eigentlich sein sollte — ein weiser alter Berater. Aber nicht der wahre Führer. Nicht mehr.

Der werde ich dann sein. Und wenn ich dann entscheide, daß ich die Gruppe zu dem Ort bringe, den die Überseele als Ziel genannt hat, werde ich sie dorthin führen, und sie werden diesen Ort sicher und rechtzeitig erreichen. Aber wenn ich dann eine andere Entscheidung treffe, kann die Überseele zur Hölle fahren.

Der Fluß Nividimu führte ganzjährig Wasser — er entsprang im zerklüfteten Ljudy-Gebirge, dessen Gipfel so hoch waren, daß sie im Winter von Schnee bedeckt wurden. Aber er führte nie viel Wasser, und dort, wo er steil ins Krutohn-Tal abfiel und auf die tiefe, heiße, trockene Wüste stieß, versickerte er im Sand und verschwand über viele Kilometer hinweg, bevor er schließlich das Reinigende Meer erreichte. Wegen des Nividimu führte der große nord-südliche Karawanenweg steil ins Ljudy-Gebirge hinauf und folgte dem Fluß dann wieder hinab, fast bis zu der Stelle, wo er verschwand. Der Nividimu war die sicherste Trinkwasserquelle zwischen Basilika im Norden und den Städten des Feuers im Süden. Vielleicht ein Dutzend Karawanen zogen pro Jahr am Ufer des Nividimu entlang, und so war fast damit zu rechnen gewesen, daß die Überseele sie anwies, eine Woche lang in den Ausläufern des Ljudy-Gebirges zu lagern, während eine nach Norden ziehende Karawane mit einer schweren Militäreskorte sich das Tal hinauf arbeitete und dann der gewundenen Straße aus dem Gebirge folgte.

Das Schlimmste an der Wartezeit war, daß sie keine Feuer machen durften. Die Militäreskorte, so erklärte der Index ihnen, hatte es geradezu darauf abgesehen, Feinde aufzuspüren. Sahen die Soldaten Rauch, würden sie augenblicklich vermuten, daß er von Banditen stammte, und keine Fragen stellen, um eventuell das Gegenteil herauszufinden, sondern sie alle sofort abschlachten. Also aßen sie ihren elenden Reiseproviant, saßen herum und wurden immer gereizter, während sie auf den Tag warteten, da Volemak ihnen die Entscheidung des Index mitteilte, die Reise nun fortsetzen zu können.

Als Elemak und Vas am zweiten Tag gemeinsam auf die Jagd gingen — denn Vas hatte ein gewisses Talent als Fährtenleser —, verloren sie den ersten Pulsator. Sie hätten Vas wohl keinen geben sollen, doch er hatte darum gebeten, und es wäre für ihn zu erniedrigend gewesen, hätten sie ihm die Waffe verweigert. Außerdem bestand immer die Möglichkeit, daß sie auf ein gefährliches Raubtier stießen, das sich die gleiche Beute ausgesucht hatte, und dann würde er den Pulsator zu seiner Verteidigung brauchen.

Vas war normalerweise nicht unbeholfen. Doch als er mit dem Rücken zur Wand über einen schmalen Felsvorsprung ging, stolperte er, und als er sich abfing, rutschte ihm der Pulsator aus der Hand. Er prallte auf einem Felsvorsprung ab, segelte dann in die Luft und fiel in eine Schlucht. Vas und Elemak hörten nicht einmal, wie er unten aufschlug. »Es hätte genausogut mich erwischen können«, sagte er immer wieder, als er die Geschichte an diesem Abend erzählte.

Elemak brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, daß es für alle besser gewesen wäre, wenn es ihn und nicht den Pulsator getroffen hätte. Sie hatten schließlich nur vier dieser Waffen und würden sich keine neuen besorgen können —

und irgendwann würden die Pulsatoren die Fähigkeit verlieren, sich im Sonnenlicht wieder aufzuladen, und deshalb hatte Elemak befohlen, zwei der Waffen stets an einem dunklen Ort aufzubewahren. Nachdem sie nun einen Pulsator verloren hatten, mußten sie eine der Ersatzwaffen für die Jagd benutzen.

»Warum seid ihr überhaupt auf die Jagd gegangen?« fragte Volemak, dem klar war, welche Bedeutung der Verlust des Pulsators für die Zukunft haben könnte. Er richtete die Frage an Elemak, weil der die Entscheidung getroffen hatte, an diesem Tag zwei Pulsatoren mit in die Wüste zu nehmen.

Elemak antwortete so kalt, daß man deutlich heraushörte, er sei der Ansicht, Volemak habe nicht das Recht, seine Entscheidung in Frage zu stellen. »Um Fleisch zu bekommen«, sagte er. »Die Frauen kommen nicht mit Zwieback und Trockenfleisch aus.«

»Aber wir hätten das Fleisch nicht braten können. Was hast du dir vorgestellt? Hätten sie es etwa roh essen sollen?« fragte Volemak.

»Ich wollte es mit dem Pulsator garen«, sagte Elemak. »Es wäre zwar nicht ganz durchgebraten gewesen, aber …«

»Es wäre auch eine Energieverschwendung gewesen, die wir uns kaum leisten können«, sagte Volemak.

»Wir brauchen das Fleisch«, sagte Elemak.

»Hätte ich dem Pulsator hinterherspringen sollen?« fragte Vas garstig.

»Das hat niemand verlangt«, sagte Elemak verächtlich. »Es geht doch gar nicht mehr um dich.«

Huschidh verfolgte das Gespräch schweigend, wie sie es eigentlich immer tat, wenn es einen Konflikt gab. Sie beobachtete, wie die Fäden, die die Menschen miteinander verbanden, sich zu verändern begannen. Sie wußte, daß es die Linien, die sie zwischen den Menschen sah, gar nicht gab, daß sie einfach eine visuelle Metapher waren, die ihr Verstand bildete — eine Art halluzinatorisches Diagramm. Aber die Auskünfte, die sie über Beziehungen und Treue und Haß und Liebe gaben, waren echt, so echt wie die Felsen und der Sand und die Büsche in ihrer Umgebung.

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