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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Der Ritter der Rose starrte zurück, ohne ihn zu sehen.

Huma hielt dem anderen eine Hand vors Gesicht. Er konnte den Atem des Mannes hören und fühlen, doch es war das Atmen von jemandem im Tiefschlaf. Huma wagte es, den Mann leicht auf die Wange zu klapsen. Der Ritter rührte sich nicht.

Huma kam ganz nah, um die offenen Augen zu untersuchen. Sie waren wie verschleiert. Er hatte schon früher einmal solche Männer gesehen, wenn sie aus dem einen oder anderen Grunde betäubt worden waren. Huma vermutete, daß der Ritter der Rose nichts von seiner Pflichtvergessenheit wissen würde. Er hatte auch den Verdacht, daß dem Rest der Tempelbewohner dasselbe geschehen war – einschließlich Rennard.

Mit einem Gebet zu Paladin zog Huma sein Schwert. Er folgte den dunklen Gängen, bis er zu dem Platz kam, wo Rennard gesessen hatte. Der hagere Ritter war verschwunden. Die Tür zu dem Raum, wo Fürst Oswal ruhte, stand ebenfalls einen Spalt offen, und Huma fand zwei weitere Posten in demselben betäubten Zustand vor.

Er befürchtete das Schlimmste. Rennard und Fürst Oswal waren bestimmt überwältigt worden, schloß er rasch.

Vorsichtig öffnete Huma die Tür zu Fürst Oswals Zimmer. Die Dunkelheit verwirrte ihn nur einen Moment lang, dann nahmen seine geschärften Sinne sogar den noch dunkleren Fleck wahr, wo Fürst Oswal neben der Pritsche stand.

Stand! Huma zwinkerte, damit sich seine Augen schneller an die Dunkelheit gewöhnten. Nein, das war nicht der Oberste Kommandant. Oswal lag noch immer auf dem Bett. Was dann? Ein Schatten?

Huma trat vor, und die Dunkelheit schien sich zu verlagern. Er zwinkerte wieder. Die Gestalt – oder was er dafür gehalten hatte – war nicht mehr da. Etwas zögernd ging Huma weiter, bis er neben dem stillen Körper von Fürst Oswal stand. Zu seiner Erleichterung hörte er die regelmäßigen Atemzüge des Obersten Kommandanten.

Humas Fuß stieß gegen etwas. Er sah nach unten und entdeckte den unbeweglichen Körper eines der Kleriker. Er schlief, wie die Wachen geschlafen hatten, mit offenen, aber glasigen Augen. Huma schüttelte ihn kräftig, um ihn zu wecken, doch der Mann rührte sich nicht einmal.

Er spürte mehr, als daß er es hörte, wie sich die Dunkelheit hinter ihm bewegte. Er zögerte, und dieses Zögern hatte ihn fast das Leben gekostet, denn etwas Metallenes traf seinen Brustharnisch und wäre tief in seine Gurgel gedrungen, wenn er nur ein wenig langsamer reagiert hätte.

Mit einem Fluch über sich selbst parierte Huma einen weiteren heimtückischen Stich von einer winzigen, gekrümmten Klinge. Er konnte einen ersten Blick auf seinen Angreifer werfen, eine von Dunkelheit umflutete Gestalt mit rotglühenden Augen. Die Gestalt warf die Klinge nach seinem Kopf. Während Huma noch die Waffe abwehrte, zog das Schattenwesen einen kleinen Beutel hervor und erhob ihn.

Der Ritter fuhr sofort zurück. Jetzt gab es keine Frage mehr, wem er gegenüber stand. Das Verhalten, die Erscheinung – er war überrascht, daß er den Eindringling nicht sofort entlarvt hatte. Es war einer der Anhänger Morgions, des Gottes von Krankheit und Verwesung. Einer von diesem Ungeziefer hatte sich in Burg Vingaard eingeschlichen – und es war ihm bereits gelungen, einen, vielleicht auch zwei der wichtigsten Vertreter der Ritterschaft umzubringen.

Die zerlumpte Figur zögerte, bevor sie den Inhalt des Beutels warf.

Huma sprang vor, wobei er sein erhobenes Breitschwert vor sich hielt. Mit der flachen Klinge traf er einen berstenden Beutel und schleuderte durch den Schwung einen Großteil seines Inhalts auf den vermummten Eindringling zurück. Huma taumelte zurück, um der tödlichen Dusche auszuweichen, die auf den anderen herunterregnete.

Der Mörder hustete stoßweise, als ihm der Staub ins Gesicht rieselte. Er stolperte rückwärts, doch Huma wagte es nicht, ihm zu folgen. Der Kultanhänger fiel auf eine Bank, wo er sich langsam wieder aufrappelte.

»Wenn du glaubst« – die rauhe, keuchende Stimme klang bekannt – »daß du mich mit meinen eigenen Waffen schlagen kannst, so wisse, daß Morgion die Seinen beschützt. Außerdem wollte ich dich bloß einschläfern. Jetzt läßt du mir keine Wahl.«

Huma konnte bloß noch sein Schwert umklammern, als die vermummte Gestalt sich den Staub aus der Kehle gehustet hatte und die Stimme zu erkennen war. Erschüttert trat Huma einen Schritt zurück, obwohl der Kultanhänger ein Breitschwert zog, das er in seiner Robe verborgen hatte.

»Die Messerspitze hätte dich nur geritzt, und du hättest auch wieder geschlafen. Aber ich fürchte, jetzt bleibt mir nur noch das.« Die Klinge zeigte mit der Spitze auf Humas Hals.

Huma konnte sich nicht zum Kämpfen durchringen. Das konnte nicht wahr sein. So durfte es nicht geschehen. Das war ein schrecklicher Alptraum, aus dem er gleich erwachen würde!

Der Mörder lachte leise. Sein Schwert senkte sich ein wenig. Das Lachen schien durch Humas Kopf zu hallen und alles zu verspotten, an das er je geglaubt hatte.

»Ich habe versucht, dich davor zu bewahren. Es tut mir wirklich leid, Huma.«

Und obwohl Huma die Worte zuerst nicht herausbrachte, erschallten sie in seinem Kopf, schrien in seinem Herzen:

Warum, Rennard!

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»Hast du nichts zu sagen?« fragte Rennard. »Wir haben Zeit. Hier schläft alles. Die Wände sind dick. Sie werden unsere Schwerter nicht hören. Ja. Ich denke, wir haben Zeit.«

»Im Namen Paladins, Rennard. Warum!« Huma konnte beinahe das Gesicht erkennen, trotz der Kapuze und der Dunkelheit. Er konnte die Bitterkeit fast fühlen, als Rennard begann.

»Als ich mit Pest im Sterben lag, flehte ich zu Paladin, zu Mishakal, zu allen Göttern des Hauses, mich zu erlösen. Sie taten nichts. Ich siechte dahin, war am Verwesen. Heute erschreckt mein Gesicht viele Leute; es hätte sie noch mehr entsetzt, wenn sie es damals gesehen hätten. Ich hatte mir nämlich die Rote Pest zugezogen.«

Die Rote Pest. Von allen Seuchen, die über die Jahre ausgebrochen waren, war die Rote Pest die schlimmste gewesen. Die Ritterschaft war gezwungen gewesen, ganze Dörfer niederzubrennen, weil nicht einmal die größten Heiler die Krankheit unter Kontrolle halten konnten. Die Opfer siechten dahin, doch jeder Tag war eine Qual, und viele brachten sich um, lange bevor die Krankheit das tat. Der Name stammte von der Röte der Haut, die entstand, wenn die Krankheit das Opfer von innen heraus verbrannte. Es war etwas Fürchterliches, von dem man nur im Flüsterton redete.

»Als ich dann sicher war, daß diese Qualen mich schließlich umbringen würden, bekam ich Besuch – nicht von den Göttern, zu denen ich gebetet hatte, sondern von dem einen Gott, der bereit war, mir den Schmerz zu nehmen – zu einem hohen Preis.« Die Spitze der Klinge hob sich wieder. »Morgion. Nur ihn kümmerten meine Gebete, obwohl ich ihn nie angefleht hatte. Er war bereit, meinen Schmerz zu stillen, mich zu heilen, wenn ich ihm folgen würde. Es war keine schwere Entscheidung, Huma. Ich habe sofort erleichtert eingeschlagen.«

Huma betete, daß etwas passieren würde – Fürst Oswal konnte sich regen, Ritter konnten kommen, um die Ursache der Dunkelheit zu erforschen, irgend etwas –, aber alles blieb ruhig. Wie lange hatte Rennard das geplant? Wie lange hatte er auf diesen Augenblick gewartet?

Huma hörte mehr, wie die Klinge kam, als daß er sie sah. Der andere Ritter bewegte sich wie geübt in der Finsternis. Doch Huma gelang es wieder und wieder, jeden Hieb abzuwehren, obwohl er wußte, daß Rennard im Zweikampf angeblich jedem überlegen war. Besonders wenn er einem Huma gegenüber stand, der auch noch mit sich selbst kämpfte.

Dann ließ Rennard ebenso plötzlich ab, wie er angegriffen hatte. Er lachte leise. »Sehr gut. Ganz der Vater.«

»Mein Vater?«

Sie hatten sich beim Kampf weiter von den Türen entfernt und standen jetzt da, wo die Kleriker bei ihren Zeremonien standen. Rennard zog die Kapuze zurück, und selbst in der Dunkelheit konnte Huma die blasse, zernarbte Haut sehen. »Vater. Oh, ja. Darum habe ich dich beschützt, weißt du. Das Zeichen von Morgion ist selbst auf einer arglosen Person ein Zeichen, daß demjenigen von keinem Diener Morgions ein Leid geschehen darf.«

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