Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma erinnerte sich an die Worte der Kultanhänger in den Ruinen. Sie hatten das Zeichen gesehen und darüber gestritten. Skularis hatte den Grund dafür nicht gewußt.
»Was bin ich doch für ein sentimentaler Trottel«, fuhr Rennard fort, »daß ich die Meinen bewahren wollte.«
Die Meinen? Entsetzt schüttelte Huma den Kopf.
»Du gleichst so sehr meinem Bruder, Huma. Durak hieß er, Durak, Fürst von Eldor, einem Land, das bald überrannt wurde, nachdem er und ich uns der Ritterschaft angeschlossen hatten. Außer ein paar armseligen Ruinen ist von Eldor heute nichts mehr übrig. Was soll’s. Im Gegensatz zu Baxtrey, wo Oswal und Trake gemeinsam herrschen, hätte ich nichts geerbt. Als ältester Sohn erbte dein Vater.«
»Hör auf!« Huma hieb gewaltsam auf den Mann ein, der alles verraten hatte, woran er glaubte. Ein Mann, der einst sein Freund gewesen war.
Rennard verteidigte sich mit Leichtigkeit. Nach einigen Minuten ließen sie wieder voneinander ab.
»Ich gehörte schon längst zu Morgion, als unser Vater uns als Knappen nach Burg Vingaard schickte. Von Anfang an habe ich versucht, Durak zu schützen. Er gehörte schließlich zur Familie. Die anderen Gefolgsleute Morgions hätten das vielleicht nicht verstanden, darum pflanzte ich ihm dasselbe unsichtbare Zeichen ein, das dich vor ihnen beschützt. Es sollte nutzlos bleiben. Dein Vater fiel in der Schlacht, als er ein Jahr Ritter war. Er blieb mit einer Handvoll Getreuer zurück, um einen Paß durch die Berge im Osten von Hylo zu halten, den einzigen Paß, durch den die Armeen der Königin von hinten angreifen konnten. Wir anderen ritten weiter, um die Hauptarmee zu warnen. Ich konnte nichts machen. Ironie des Schicksals, nicht wahr? In diesem letzten Moment wollte ich ihm die Wahrheit über mich sagen, aber das durfte ich natürlich nicht. Damals wußte ich nicht, daß er Frau und Sohn zurückließ.«
Huma bebte. Ein Teil von ihm wollte unbedingt die Geschichte hören; ein anderer Teil schrak davor zurück.
»Frag Fürst Oswal irgendwann mal nach Durak – wenn du ihn auf der anderen Seite triffst!« Rennard griff an und erwischte den gepeinigten Ritter in einem Moment der Unaufmerksamkeit. Sie rangen miteinander. Huma merkte, daß er in ein Gesicht starrte, das vom Wahnsinn verzerrt war. Verschwunden war die gefühllose Fassade, über die er sich immer gewundert hatte, hinter der Rennard seinen Verrat verborgen hatte. Es gelang Huma, den anderen Ritter wegzustoßen.
»Wie war noch ihr Name, Neffe? Karina? Ich habe sie nur einmal gesehen, Jahre später, als ich endlich das Dorf fand, das er vor seinem Tod immer aufgesucht hatte. Sie war eine schöne Frau – weizenblondes Haar, elfisches Gesicht, schlank –, eine Frau voller Leben. Ich wollte ihr den Hof machen, bis ich dich sah – ganz Durak, obwohl du noch ein Junge warst. Da wußte ich, daß sie mich durchschauen würde. Warum hatte ich Idiot an etwas anderes als an mein Versprechen gegenüber meinem wahren Herrn gedacht?« Rennards Schwert sauste durch die Luft auf Huma herab. Der junge Ritter rollte sich zur Seite und landete auf den Knien.
»Du hast sie umgebracht, nicht wahr?« Humas Stimme war kalt und tonlos, als er die Tage der tödlichen Krankheit seiner Mutter wieder vor sich sah, die scheinbar aus dem Nichts gekommen war.
»Du solltest mir dankbar sein. Ich dachte nur an dich. Ich wollte dich zu dem Ritter machen, der Durak gewesen war. Ich dachte, ich könnte dir die Wahrheit vorenthalten.«
»Der Traum. Ich hatte einen Traum über deinen verruchten Gott.«
»Ich dachte, ich könnte dich auf meine Seite ziehen, dich zu einem Kameraden machen und uns das hier ersparen.«
»Beim Platindrachen, was geht hier vor?«
Beide Gegner blieben wie angewurzelt stehen, als Licht in den Raum strömte. Bennett stand in der Tür, flankiert von zwei seiner Gefährten vom Orden des Schwertes. Ein rascher Blick zeigte, daß Rennard seinen Fehler erkannt hatte. Bennett mußte sich aus eigenem Antrieb hingelegt oder sich abgesondert haben, und Rennard war es nicht gelungen, ihn ebenso zu bezaubern wie all die arglosen anderen.
»Rennard? Huma?« Was für Fehler er auch haben mochte, der Sohn des alten Großmeisters war nicht schwer von Begriff. Er nahm die Szene wahr, erblickte den zerrissenen Kapuzenmantel über Rennards Rüstung und wußte, zu welcher Seite der Ritter gehörte.
Bennett zückte sein Schwert und richtete es auf den Verräter. »Er gehört mir!«
»Wie schnell doch das bißchen Würde den erbärmlichen Gefühlen weicht«, stellte Rennard trocken fest. Ohne ein weiteres Wort führte er einen wilden Hieb in Humas Richtung – der auswich – und sprang über die Tempelbänke.
»Er kann nirgends hin!« Bennetts Ähnlichkeit mit einem Raubvogel war jetzt noch deutlicher. Seine Augen waren weit aufgerissen und brannten schrecklich, doch sie nahmen jede Bewegung wahr, sahen jeden Winkel. Seine Bewegungen waren fließend und genau bemessen. Bennett war ein Habicht, der sich gleich auf seine Beute stürzen würde. Jetzt trieb er Rennard in die Enge.
Doch Rennard trat in die Schatten der Wand – und schlüpfte hindurch. Huma war vor den anderen an der Wand und betastete den Platz. Er glaubte nicht, daß Rennard durch Zauberei entkommen war wie einst Magus. Nein, da könnte – ja! Humas Finger fanden eine kleine Kerbe, und die Wand ging plötzlich auf, um ihn aufzunehmen. Hinter sich konnte er Bennett nach den anderen beiden rufen hören, dann schloß die Wand sich wieder. Huma hatte keine Zeit, auf sie zu warten.
Wo wollte Rennard hin?
Die schnellen Schritte des älteren Kriegers waren kaum noch zu hören. Sie führten nach oben. Was hoffte Rennard dort zu finden?
Es war keine alte Geheimtreppe, wie Huma zunächst gedacht hatte, denn auf seinem Weg zum nächsten Stock kam er an zwei Fenstern vorbei. Die Treppe endete an einer Falltür in der Decke. Vorsichtig griff er hoch und stieß sie auf. In der anderen Hand hielt er sein Schwert stoßbereit. Wind und Regen strömten ihm entgegen.
Der erwartete Angriff fand nicht statt.
Schritte hinter ihm erinnerten ihn an Bennett und seine zwei Gefährten. Huma wollte nicht, daß sie Rennard stellten. Das war seine Sache. Langsam kletterte Huma hinaus in den Regen.
Das Dach war leer. Es gab kein Versteck, nichts, wohin man fliehen konnte. Der Ritter ging zum nächsten Dachrand und sah hinunter. Unten begannen sich Ritter zu versammeln; Bennett hatte Alarm geschlagen.
Der erste von Bennetts Begleitern zog sich aufs Dach. »Wo ist er? Hast du ihn erwischt?«
Huma schüttelte den Kopf. Wo war Rennard? Die eben Angekommenen untersuchten gleichfalls das Dach, konnten jedoch keine Spur finden. Rennard war einfach verschwunden.
Bennett weigerte sich, das zu glauben. Die Ritter durchsuchten alle umstehenden Gebäude und, nachdem das nichts ergeben hatte, auch den Rest der Burg. Rennards Habseligkeiten wurden untersucht, doch sie gaben kaum Hinweise.
Die Kleriker waren zu Fürst Oswal geeilt, sobald sie von dem Anschlag erfahren hatten. Zu ihrem Erstaunen schien er auf dem Wege der Besserung zu sein. Wie einer der Kleriker Huma, Bennett und den anderen Anwesenden erklärte, wehrte sich Fürst Oswals Körper gegen die Wirkung der Dosis, die Rennard ihm zuvor verabreicht hatte – darum hatte der Mörder ihm eine weitere Dosis verpassen wollen, bevor sich der Oberste Kommandant erholte.
Als die Ritter ausschwärmten, einige, um weiter nach dem Verräter zu suchen, andere zu ihren jeweiligen Aufgaben, spürte Huma eine Hand auf seiner Schulter. Er zuckte zusammen, denn sein erster Gedanke war, daß Rennard gekommen war, um ihn endgültig zu erledigen. Die Gestalt hinter ihm sprach:
»Ich bin’s, Bennett.«
Huma drehte sich langsam um, und die beiden sahen sich an. Oswals Neffe schien eine Menge Gefühle gleichzeitig zu bekämpfen, denn auf seinem Gesicht zeichnete sich Scham, Zorn und Verwirrung ab. Schließlich streckte er die Hand aus.