Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Er hat uns alle verraten! Er hat den Alten niedergestreckt! Ergreift ihn!«
Hagere, zerlumpte Gestalten stürzten sich auf Huma. Er zog sein Schwert und bedrohte sie damit. Die Dörfler wichen zurück, waren jedoch nicht bereit aufzugeben. Schließlich befürchteten sie, daß die Ritter von Solamnia sie der Drachenkönigin überließen.
Diesmal konnte Huma den Aufrührer ausmachen, der etwas abseits stand und wie ein einfacher Bauer gekleidet war. Der Mann versuchte gar nicht erst, davonzurennen, als er bemerkte, daß er entdeckt war. Statt dessen zog er sein Breitschwert und enthüllte erneut das Gesicht des Bösen.
Huma lenkte sein Pferd durch die Menge, trieb die Menschen mit dem Schwert zurück und dankte Paladin, daß es noch niemand gewagt hatte zuzuschlagen. Weniger als sechs Fuß vor der Gestalt zügelte er sein Pferd.
»Bennett vermutet dich immer noch in der Burg.«
Rennard lächelte kurz. »Da war ich auch bis zur offiziellen Ernennung von Fürst Oswal. Dann kam ich her, um ihnen die Nachricht zu bringen.«
Huma sprang vom Pferd, ohne die Augen von seinem Onkel zu wenden oder sein Schwert zu ziehen. »Um Furcht in ihre Herzen zu säen, meinst du wohl. Um ihr Vertrauen zu brechen, damit wir uns selbst bekämpfen.«
»Das ist – meine Aufgabe. Aber nicht nur hier. In allen Dörfern dieser Gegend. Ich habe seit gestern nicht geruht.«
»Sie haben deine Geheimgänge doch noch gefunden.«
»Ich weiß. Ich habe die Karten absichtlich zurückgelassen. Ich brauchte sie nicht mehr.«
»Das ist Wahnsinn, Onkel.«
»Onkel. Ich dachte nie, daß du dieses Wort einmal aussprechen würdest. Ja, es ist Wahnsinn. Die ganze Welt ist wahnsinnig. Ich versuche, dagegen zu arbeiten.« Rennard zeigte auf die Dorfbewohner und redete so leise, daß sie ihn nicht verstehen konnten. »Die Angst wird sich ausbreiten. In ihrer Verzweiflung werden sie zur Burg marschieren, und die Ritterschaft wird gezwungen sein, sie davonzujagen, was zumindest ein paar Menschenleben kosten wird. Die großartigen Ritter von Solamnia werden sowohl traurige Berühmtheit erlangen, als auch einen schrecklichen Schlag gegen ihre Moral erleiden. Ich muß dir das nicht weiter ausmalen.«
»Du hast das alles geplant.«
»Natürlich. Ich hätte den gesamten Rat umbringen können, aber das hätte die Ritterschaft nur noch mehr zusammengeschweißt. Deshalb habe ich die umliegenden Gebiete bereist und in Verkleidung den Pöbel aufgehetzt.« Rennard richtete sich auf. »Meine letzte Pflicht bist du, Huma. Ich wußte, daß du diesen Weg wählen würdest. Ich kann dir nicht erlauben, in diese Höhle zurückzukehren. Vielleicht ist es Irrsinn deinerseits, aber das glaube ich nicht. Ich darf es nicht riskieren, einen Fehler zu machen.«
Mit einem Schwung hob er sein Schwert. Huma wehrte den Schlag ab. Die Dorfbewohner wichen zurück, als die beiden Ritter kämpften, doch die abscheulich erwartungsvollen Blicke der Menschen verrieten Huma, daß sie darauf warteten, einen der Ritter sterben zu sehen. So vollständig waren sie Rennards Geschöpfe geworden.
Der hagere Ritter holte aus und gab sich damit eine Blöße. Rennards rasche Reaktion ließ ihn einen Teil des Hiebes abfangen, aber dennoch traf ihn Humas Klinge und riß ein tiefes Loch in die Kleider des Verräters. Das Schwert prallte jedoch von einer festen Oberfläche unter Rennards Tunika ab. Über sein Gesicht huschte kurz ein wissendes Lächeln. Unter dem Rock trug er noch immer seine Rüstung.
Ihre Klingen trafen wieder und wieder aufeinander, während sie sich durch das regennasse Dorf kämpften. Die Menschenmauer um sie herum bog und drehte sich, doch sie gab keine Lücke frei. Huma fragte sich, was mit ihm geschehen würde, wenn er Rennard besiegte. Die Dörfler konnten durchaus über ihn herfallen.
»Sehr gut!« zischte Rennard. »Ich habe dich gut trainiert!«
»Gut genug.« Huma sagte nichts weiter. Er wußte, daß er jedes bißchen Kraft brauchte, weil Rennard seinen ganzen Wahnsinn auslebte und mit beängstigender Wildheit focht.
Als Rennards Schwert an Humas Hals vorbeifuhr, rutschte dieser im Matsch aus. Der Verräter stürzte ebenfalls, so daß Huma ihn am Bein erwischen konnte. Rennard schrie nicht auf, obwohl sein Bein fast augenblicklich blutüberströmt war. Er hinkte von Huma fort.
Wieder wandten sie sich einander zu. Huma war am Rande der Erschöpfung, während Rennard durch die schreckliche Wunde an seinem rechten Bein geschwächt wurde. Humas Klinge hatte knapp die Sehnen und Muskeln verpaßt, was Rennard sein Bein gekostet hätte.
»Gib auf, Rennard. Du bekommst einen fairen Prozeß, das schwöre ich.«
Der blasse Ritter wirkte mitgenommener als sonst. »Das glaube ich nicht. Ein Verräter wie ich, der einen Großmeister und fast noch den nächsten getötet hat, kann von der Ritterschaft kaum Gerechtigkeit erwarten.«
Huma wußte, daß seine Kraft zurückkommen würde, je länger sie redeten, während Rennard immer mehr Blut verlor. Schon jetzt fiel es ihm schwer, stehenzubleiben.
»Komm, Neffe. Laß es uns zu Ende bringen.« Mit erstaunlicher Energie griff Rennard Huma an und attackierte ihn immer wieder. Huma hielt stand und ging dann allmählich zum Gegenangriff über. Rennards Gesicht verschwamm, denn alles geschah fast automatisch, und die Lehrstunden – ironischerweise Rennards Stunden – ermöglichten es Huma, jeden einzelnen Hieb abzufangen.
Ein Ausfall durchbrach Rennards Verteidigung. Huma erwischte ihn am Schwertarm, so daß der Verräter fast seine Waffe fallen gelassen hätte, als der verletzte Arm einen Augenblick unkontrolliert zuckte. Er konnte sich nicht verteidigen, und Humas Klinge stand direkt vor seinem Gesicht.
Beide waren schlammverkrustet. Rennard hatte den Wahnsinn abgeschüttelt, der von ihm Besitz ergriffen hatte, und schien jetzt zu merken, daß er verloren hatte. Huma war besser als er; Rennards Augen verrieten diese Erkenntnis, obwohl sein Gesicht keine Regung verriet. Alles, was Rennard jetzt noch konnte, war, den tödlichen Schlag abzuwehren.
Wieder durchbrach Huma die Deckung seines Onkels, und plötzlich schwankte Rennard auf zwei stark blutenden Beinen.
Er sank auf die Knie.
Das löste den Bann. Huma sah auf Rennard hinunter, dessen Lebenssaft sich mit dem Dreck vermischte. Abscheu zeichnete sich auf Humas Gesicht ab.
»Es ist aus, Rennard. Ich werde dich nicht töten. Das würde dir nicht helfen.«
Rennard versuchte aufzustehen. Auf einem Knie wartete er, das Schwert auf Schulterhöhe verteidigungsbereit erhoben.
»Ich werde nicht zurückkehren, Huma. Ich werde nicht die Farce eines Prozesses über mich ergehen lassen.«
Huma senkte sein Schwert. »Laß mich dir helfen. Du warst schließlich ein guter Ritter. Einer der besten.«
Das Lachen, das Rennard zur Antwort gab, wurde zu einem würgenden Husten. Der Kultanhänger wäre um ein Haar vornüber gekippt. »Begreifst du es nicht? Ich bin nie ein Ritter gewesen! Seit jenem Tag liegt mein Leben in den Händen eines anderen Gottes, und selbst den habe ich enttäuscht. Schau mich an!« Rennard lächelte schwach, und Huma bemerkte zu seinem Entsetzen, daß die bleiche Haut seines einstigen Gefährten allmählich scharlachrot wurde. »Die Belohnung für mein Versagen. Ich bin nie wirklich geheilt worden. Ich habe nur immer für einen weiteren Tag gelebt.«
»Rennard. Es wird eine Patrouille vorbeikommen. Sie können einen Kleriker holen.«
»Kein Kleriker wird mich anrühren.«
Welchen Zauber oder Alptraum der ehemalige Ritter auch über den Ort gelegt hatte, jetzt war er verflogen, denn die Menschen kreischten und schrien bei diesem Anblick der schlimmsten Form der Pest. Innerhalb von Sekunden standen die beiden Ritter alleine da.
»Rennard – «
Dem anderen Ritter fiel mittlerweile sogar das Sprechen schwer. Die Pest fraß sich durch seinen Körper.
»Komm mir nicht zu nahe, Huma. Sie wird durch Berührung weitergegeben.« Rennard lächelte. »Wenn es zu Ende ist, wird nichts mehr übrig sein. Sie können von Glück sagen, wenn sie mehr als meine Hülle finden.«
Wo war eine Patrouille? Gequält suchte Huma den Horizont ab.