Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Er wußte, daß die Ritterschaft sich nicht um alles kümmern konnte, aber dennoch quälte ihn der Anblick. Huma betete um irgendein Fortbewegungsmittel, mit dem er zu dem Berg zurückkehren und – wenn möglich – die Prüfungen noch einmal angehen konnte. Er sorgte sich auch um seine beiden Kameraden. Suchten sie nach ihm?
Als er das verwüstete Land betrachtete, fand Huma, die Ritter hätten den Leuten helfen müssen, ihre Dörfer wiederaufzubauen, die Wälder zu sichern und Nahrung für sich zu sammeln oder anzubauen. Nichts dergleichen…
Huma blieb kurz stehen, weil er über diese regelrecht gotteslästerlichen Vorstellungen nachdachte. Was hätte Rennard dazu gesagt, wenn er sie gehört hätte? Huma lächelte schief. Wahrscheinlich sehr wenig, befand er.
Einige Dorfbewohner kamen heraus, um Huma mit gemischten Gefühlen anzustarren – Angst, Respekt, Zorn und Abscheu. Fünf Männer stellten sich ihm in den Weg. Huma sah sie an und wartete. Die fünf wichen nicht zur Seite.
Ihr Anführer war offenbar der große, breite Mann mit schmutzigem, schwarzem Bart, etwas zurückweichendem Haaransatz, einer schiefen Nase und über zweihundert Pfund Gewicht, die einst reine Muskeln gewesen waren. Er trug die üblichen, vor Dreck starrenden Hosen und die oftmals geflickte Tunika eines Bauern. Die Kleidung war bei dem rauhen Wetter nicht gerade angemessen. Die fleischige Hand des Mannes umklammerte einen Schmiedehammer.
»Wirf dein Schwert weg, Kleiner, dann tun wir dir nichts. Wir wollen deine Sachen, nicht dich.«
Ein dünner Kerl mit teigigem Gesicht kicherte nervös. Der Junge war fast kahl und wies alle Merkmale eines Überlebenden der Pest auf, einschließlich eines Anflugs von Wahnsinn. Die anderen drei waren ziemlich farblose Überbleibsel von Männern: Gesicht und Körper waren schon lange Zeit eingefallen. Keiner der fünf war ein richtiger Räuber. Heimlich betete Huma, daß er nicht gezwungen sein würde, seine Hand gegen sie zu erheben.
»Bist du taub?«
»Ich kann euch weder meine Wertsachen noch mein Essen abgeben, wenn es das ist, was ihr wollt. Ich habe selbst sehr wenig.«
»Du hast keine Wahl.« Der große Mann schwang versuchsweise mit großer Präzision seinen Hammer in Humas Richtung. »Ich denk’ mal, du hast da was übersehen. Wir nehmen uns, was es zu holen gibt.«
Der Hammer hob sich drohend. Humas Klinge war bereit, doch er wollte sie nur sehr ungern benutzen. Die Entscheidung wurde ihm jedoch abgenommen, denn der Hammer des Räuberhauptmanns zischte knapp an Humas Gesicht vorbei.
Fünf Gestalten stürzten sich auf den einzelnen Ritter – oder versuchten es. Plötzlich traf Humas rechter Fuß einen Angreifer in den Magen. Seine freie Hand schlug den kichernden Burschen zusammen, der sich mit einem rostigen, alten Kurzschwert an ihn heranzupirschen versuchte. Mit der Breitseite seines Schwerts schlug Huma den Jungen bewußtlos. Den alten Mann mit den wäßrigen Augen entwaffnete er ohne Schwierigkeiten. Der Waffenlose zog sich hastig vom Kampf zurück, so daß Huma sich in Ruhe um die beiden übrigen kümmern konnte, besonders um den Anführer.
Voller Trauer mußte Huma erkennen, daß diese beiden nicht aufgeben wollten. Der Mann mit Schwert kämpfte mit der Kraft der Verzweiflung, was seiner ansonsten unscheinbaren Gestalt eine gefährliche Stärke verlieh. Der Räuberhauptmann lächelte böse, als er wieder und wieder angriff.
Unglücklich traf Huma seine Wahl. Vor den entsetzten Augen der Dorfbewohner durchbrach der Ritter der Krone die Deckung des Schwertkämpfers und traf ihn tief in die Brust. Der Mann gurgelte etwas und brach zusammen. Noch während dieser eine Gegner fiel, trieb Huma den Anführer Hieb um Hieb zurück. Der stämmige Wegelagerer begann, wild auf den Ritter einzuschlagen, doch Huma wartete ab. Als er seine Deckung öffnete, wie es Huma erwartet hatte, setzte ein einziger Stoß auch dem Leben des letzten dieser Bande ein Ende.
Keuchend sah Huma sich zu den Zuschauern um. Sie zeigten keine Regung. Er konnte nicht abschätzen, ob sie erfreut oder wütend waren.
Er betrachtete die drei Überlebenden. Zwei waren bewußtlos, der dritte davongelaufen. Die würden keinen Ärger mehr machen.
Angewidert wischte Huma sein Schwert ab, steckte es weg und machte sich wieder auf den Weg nach Norden. Er hatte das Dorf noch nicht hinter sich gelassen, als schon Streit ausbrach, weil die menschlichen Aasgeier um die wenigen Habseligkeiten der toten Diebe rangen.
Als er zum ersten Mal vor Burg Vingaard gestanden hatte, wo die Ritterschaft ihren Sitz hatte, seit Vinas Solamnus vor so vielen Jahrhunderten ihren Bau befohlen hatte, war sich Huma vorgekommen wie ein Staubkorn vor dem Palast der Götter.
Das Gefühl ließ nur sehr langsam nach.
Burg Vingaards Mauern waren sehr hoch. Nur wenige Angreifer wagten es, solche Mauern zu erstürmen. Die Mauern umringten die Zitadelle und hatten Zinnen für die Bogenschützen. Die einzige Öffnung der Mauer war dort, wo die massiven Eisentore den Eingang hüteten. Sie waren so dick, wie Humas Arm lang war, und konnten der Wucht eines angreifenden Drachen trotzen. Jedes Tor war mit dem dreiteiligen Symbol der Ritterschaft verziert – dem majestätischen Eisvogel mit halb ausgebreiteten Flügeln, der in seinen scharfen Krallen ein Schwert hielt, auf dem in der Mitte eine Rose abgebildet war. Über seinem Kopf hing die Krone.
Nach langem Warten im Regen kam auf Humas heiseres Rufen hin ein Wachtposten. Er spähte auf die gebeutelte Gestalt in teils solamnischer, teils ergodianischer Rüstung hinunter und rief: »Wer da? Sag deinen Namen und dein Begehr!«
Huma nahm seinen Helm ab. »Ich bin Huma, Ritter vom Orden der Krone, zurückgekehrt aus fernen Ländern. Ich muß Fürst Oswal oder sogar den Großmeister selbst sprechen! Die Sache eilt!«
»Den Großmeister?« Huma konnte das Gesicht des Mannes nicht erkennen, aber die Überraschung in seiner Stimme war überdeutlich. »Warte!«
Huma wunderte sich über die sonderbare Reaktion.
Schließlich öffneten sich langsam die Torflügel.
Derselbe Posten, der ihn befragt hatte, stand am Tor. Auf sein Zeichen folgte Huma ihm in die Burg. Der Gesichtsausdruck der Ritter, die das Tor geöffnet hatten, war derselbe wie der von Humas Führer. Es wurde immer geheimnisvoller.
Der Posten – ein junger Ritter der Krone – zog Huma aus dem beginnenden Nieselregen in eine dunkle Ecke. »Ich weiß, wer du bist, weil Meister Rennard dich im Training lobend erwähnt, darum wollte ich dich rechtzeitig warnen, bevor du einen Fehler machst.«
»Mich warnen? Wovor?«
»Erst heute morgen – «, der andere Ritter sah sich um, »– ist der Großmeister, Fürst Trake, einer heimtückischen, auszehrenden Krankheit erlegen.«
Huma hätte beinahe ›Nein!‹ gerufen. Der Großmeister tot! Trake hatte sich nie um Huma gekümmert – wie sein Sohn Bennett hatte er ihn sogar verachtet –, doch Huma fühlte dennoch dieselbe Trauer wie alle seine Kameraden angesichts des Todes des Oberhaupts der Ritterschaft.
»Das wußte ich nicht. Die Leute im Dorf wirkten unglücklich, aber sie haben nichts – «
»Sie wissen nichts!« zischte der andere Ritter. »Fürst Oswal hat verfügt, daß kein Wort aus der Burg dringen soll, bis der neue Großmeister gewählt ist! Wenn die Nachricht umgeht, daß wir in solcher Bedrängnis sind, zerfallen unsere letzten Linien!«
Letzte Linien? »Erzähl mir – «
»Garvin.«
»Garvin, erzähl mir, was passiert ist, nachdem die Finsternis unsere Linien überwältigte. Wo stehen wir jetzt?« Huma umklammerte die Arme des anderen Ritters.
»Bist du da nicht vorbeigekommen?« Garvin sah Huma neugierig an. »Die Front ist nur noch zwei Tagesritte entfernt, im Osten wie im Westen. Die Schwarze Garde des Kriegsherrn reitet unbehindert durch den Süden. Die meisten unserer Außenposten sind abgeschnitten. Wir sind abgeschnitten.«
»Gibt es keine Hoffnung?«
Garvin reckte sich. »Wir sind Ritter von Solamnia, Huma.«
Huma nickte, weil er wußte, daß sie in jedem Fall bis zum Ende kämpfen würden. Seine Gedanken schweiften zu der Höhle, den Prüfungen und vor allem dem Schwert. Jetzt verlangte es ihn danach. In seiner Hand würde es die bösen Armeen der Königin durchbrechen. Solamnia würde siegen. Huma würde vielleicht sogar ein kleines Königreich für sich selbst –