Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Was es auch wert ist, Neffe«, stammelte die sterbende Gestalt, »ich hoffe, du findest, was du suchst. Vielleicht gibt es noch eine Chance.«
Da! Huma entdeckte Reiter in der Ferne. Sie waren jedoch zu langsam. Viel zu langsam.
»Huma…«
Der junge Ritter sah hinunter. Rennards Gesicht verzog sich „vor Schmerz. »Bete zu Paladin, Rennard! Es kommt eine Patrouille. Wenn ich ihnen erkläre – «
»Es gibt nichts zu erklären, außer daß sie meinen Körper an Ort und Stelle verbrennen müssen.« Rennard richtete sich auf und umklammerte mit beiden Händen das Heft seines Breitschwerts, um es besser halten zu können.
Mit einer Geschwindigkeit, die seinen Zustand Lügen strafte, zog sich Rennard die Klinge durch den Hals.
»Nein!« Nur das Bewußtsein, daß er sich mit der Pest anstecken würde, bewahrte Huma davor, der zerlumpten Gestalt das Schwert zu entreißen. Es war zu spät. Kein Kleriker konnte eine solche Wunde rechtzeitig verbinden.
Rennards schlaffe Hand ließ das Schwert fallen, das im Schlamm versank. Rennards lebloser Körper brach darüber zusammen. Huma ließ seine eigene Waffe fallen und sank auf die Knie.
»Nein.« Seine Stimme war nur mehr ein Flüstern. Huma legte sich die Hände vors Gesicht und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. In der Ferne hörte er das Getrappel vieler Pferde. Dann war alles still.
20
Stille.
Das Wichern der ankommenden Pferde; die Schreie der entsetzten Dorfbewohner, die glaubten, daß die Pest ausgebrochen war; der Tumult der Hufe – selbst der Wind: Alles verstummte plötzlich.
Die Stille wurde nur durch das ferne Hämmern von Metall auf Metall unterbrochen.
Langsam und ungläubig hob Huma den Kopf aus den Händen und sah sich mit großen Augen um. Die verwüsteten Felder um Burg Vingaard, die gesamte Umgebung war auf einmal verschwunden.
Was jetzt vor ihm stand, war der Spiegel – derselbe Spiegel, durch den er Tage zuvor gestürzt war. Alles, was er jetzt zeigte, war die Gestalt eines mitgenommenen Ritters.
Er war wieder in Wyrmvaters Höhle.
War es wirklich geschehen? Das erschien ihm zunächst unwahrscheinlich. Es war wohl eher eine Illusion gewesen. Aber Huma fühlte die Schmerzen, die er in diesem scheinbaren Traum erlitten hatte. Ein Alptraum also. Ein sehr lebensechter Alptraum. Denn Rennard war wirklich tot.
Huma lehnte sich zurück und streifte die Handschuhe ab. Während er sich die Augen rieb, starrte er den verfluchten Spiegel an. Er war gleichermaßen wütend wie erleichtert. Wütend, weil er sich wie eine willenlose Marionette vorkam; erleichtert, weil er nun seine Mission fortsetzen und sich vielleicht wieder mit Kaz und Magus treffen konnte.
Wo die wohl die ganze Zeit steckten?
Huma starrte weiter in den Spiegel. Der Schock über Rennards Verrat und Tod saß tief. Rennard war tot, und Huma würde für ihn beten, doch die Ritterschaft – nein, ganz Ansalon – hatte noch eine Chance, wenn das stimmte, was man Huma erzählte hatte: daß irgendwo in diesen Bergen der Schlüssel zum Sieg lag.
Sein Spiegelbild starrte ihn aus dem Spiegel an. Endlich wurde Huma bewußt, was er da sah.
Rasch stolperte er vorwärts. Einen Augenblick lang hatte Huma vergessen, was in der Schatzkammer vorgefallen und was ihm passiert war. So wenig es zu glauben war, er hatte Wyrmvater praktisch aus seinen Gedanken verdrängt.
Wenn hier genausoviel Zeit vergangen war wie in Burg Vingaard, dann hätte bei dem riesigen Körper bereits die Verwesung eingesetzt. Aasfresser aller Art wären aufgetaucht.
Der riesige Kopf und der Hals lagen immer noch genau da, wo sie hingefallen waren. So weit, so gut. Doch erstaunlicherweise hatte sich Wyrmvaters enormer Leib in Metall verwandelt, reinstes Metall, glänzender als Silber. Gleichzeitig ähnelte es jenem anderen Metall mehr als irgend etwas sonst. Er ließ seine Hände darüber gleiten, spürte die glatte Oberfläche und staunte über diese enorme Menge. Da ihm kein besserer Name einfiel, nannte er es Drachensilber.
Er stolperte ungeschickt um den Silberberg herum. Irgendwo in den massiven Kiefern verbarg der riesige Leichnam das Schwert, das zu Huma gesprochen hatte. Er war sich sicher, daß es ihn gerufen hatte, und er war sich ebenso sicher, daß er es haben mußte. Auch wenn Huma aus diesem Abenteuer keinen weiteren Gewinn ziehen konnte – dieses Schwert mußte er haben.
Der Kopf des toten Titanen lag verkehrt herum. Huma stellte fest, daß der Unterkiefer schwer auf dem Oberkiefer ruhte. Das bedeutete, daß das Schwert unter reinem Metall begraben und unmöglich zu bergen war. Wütend schlug Huma mit der Hand gegen die harte Drachenschnauze. Der Schmerz brachte ihn wieder zu Verstand, und er fragte sich, wieso ihn das alte Schwert so in Bann schlug. Am besten sollte er –
Sein Fuß stieß gegen etwas, und es schepperte. Huma sah nach unten und erblickte genau das, was er gesucht hatte. Mit einem überraschten Ausruf fiel er auf die Knie, um die Waffe regelrecht in die Arme zu schließen. Jetzt sollte sie ihm gehören. Wenn das kein Zeichen war!
In dem Moment, wo seine Hände es berührten, begann das Schwert wieder zu schimmern. Huma sonnte sich glücklich in seinem Glanz, der ihn die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage vergessen ließ. Vorsichtig steckte er das Schwert in die Scheide und kletterte auf das Ungeheuer. Wyrmvaters Hals erwies sich als ausgezeichnete Rampe, von der aus Huma in einen der oberen Tunnel klettern konnte. Dort konnte er endlich nach dem geheimnisvollen Schmied suchen. Der mußte nämlich sein eigentliches Ziel sein.
Jetzt, nachdem er das Schwert hatte, interessierten ihn weder die unzähligen Goldhaufen noch die glitzernden Edelsteine. Zwar faszinierte ihn auch der Spiegel, aber den konnte er unmöglich in der Höhle mit sich herumschleppen. Er tröstete sich mit dem Gedanken, daß er schließlich zurückkehren konnte, wenn er seine Aufgabe mit Erfolg gelöst hatte.
Mit dem anständigen Schwert in der Hand war Huma nun sehr viel zuversichtlicher, als er den erstaunlich langen Hals von Wyrmvater hinaufkletterte.
In den darüberliegenden Tunneln leuchtete der Fels, wenn auch nicht so stark wie in den tiefer gelegenen. Huma konnte keine weiteren Unterschiede zwischen diesen und den anderen Gängen feststellen. Überall gab es dunkle Stellen. Da er jetzt eine Waffe hatte, die seiner wert war, stieg Huma kühn vom Hals des versteinerten Lindwurms und betrat den nächstbesten Tunnel.
Die Zeit verrann, und da er nur immer von einem Gang in den folgenden lief, wurde er ungeduldig. Wo warteten die Prüfungen auf ihn? Wyrmvater war die erste gewesen, doch Huma wußte, daß noch zwei weitere kommen mußten. Im Vergleich zu der Begegnung mit dem entsetzlichen Untier konnten sie nur leichter sein. Vielleicht reichte es sogar als Prüfung aus, Wyrmvater gegenüber zu treten.
Seine Hand strich über den Griff des Schwertes. Vielleicht brauchte er aus diesem Berg gar nichts anderes mehr. Das Schwert allein war eine ganze Armee wert, und Huma beherrschte es.
Seine Ungeduld wuchs, als er weiterhin den scheinbar endlosen Gängen folgte. Huma wollte diesen Ort nur noch hinter sich lassen. Die Prüfungen waren ihm inzwischen egal. Er brauchte doch nur die Klinge. Was konnte die Höhle ihm bieten, das besser wäre als eine so mächtige, herrliche Waffe?
Plötzlich schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf: Nach allem, was Huma geleistet hatte, würde Fürst Oswal ihn sicherlich belohnen. Er hatte nicht nur eine sehr wertvolle Waffe geholt, sondern auch Rennard entlarvt und dem alten Ritter das Leben gerettet.
Ein großes Kommando war immer Humas Traum gewesen. Dann konnte es auch nicht mehr lange dauern, bis er eine ganze Armee befehligen würde.
Ein Lächeln breitete sich langsam über sein Gesicht aus.
»Keinen Schritt weiter.«
Huma hatte die Gestalt vor ihm überhaupt nicht bemerkt. In dem langen, fließenden, grauen Mantel verschmolz die Gestalt völlig mit ihrer Umgebung, besonders hier, wo es so viel Schatten gab. Gesicht, Zähne und Zunge der Gestalt waren grau. Die einzige, auffällige Veränderung seit seiner vorherigen Begegnung mit dem grauen Mann war, daß er diesmal nicht lächelte.