Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Er hörte Pferde vorbei traben. Selbst mitten in der Nacht war immer etwas los. Manche Männer schliefen, andere arbeiteten. Man würde Burg Vingaard nie unbewacht antreffen. Eine Patrouille kehrt zurück, befand er. Die Geräusche verklangen in Richtung der Stallungen. Huma überlegte, was für Neuigkeiten es geben mochte, wenn überhaupt. War die Front noch weiter zurückgewichen? Würden die Ritter sie bald von der Burg selbst sehen können? Wie lange konnte es noch dauern, bis sich die Zange endgültig um die Wiege der Ritterschaft schloß?
Huma stand langsam auf, um nicht die anderen zu stören, mit denen er das Gemeinschaftsquartier der Ritter der Krone teilte. Das Haus bestand im Grunde nur aus einem großen Raum, in dem sich flache, harte Betten und kleine Truhen für jeden Bewohner aneinander reihten. Da die Ritter in Schichten eingeteilt waren, war der Raum nie ganz voll. Viele waren auch aus dem einen oder anderen Grund nicht in der Burg. Nur die hochrangigsten Ritter hatten Privatquartiere.
Etwas frische Luft würde ihm guttun, beschloß Huma. Mit vorsichtigen Schritten tastete er sich zwischen seinen Kameraden durch.
Die Luft war kalt und der Wind etwas rauher, als er gedacht hatte. Voller Dankbarkeit für diesen Augenblick, wo er kurz von all den Sorgen und der Verwirrung ausruhen durfte, atmete er tief durch. Huma betete, daß morgen alles gut laufen würde.
Dann riß er die Augen auf. Sie fingen an, ihm Streiche zu spielen, denn er war sich einen Moment lang sicher gewesen, daß eine dunkle Gestalt sich zu Fürst Oswals Räumen, gleich hinter den beiden Wachen, geschlichen hatte. Er dachte daran, Alarm zu schlagen, doch keine der Wachen wirkte beunruhigt. Als er wieder hinsah, war von dem Eindringling nichts mehr zu sehen. Huma hatte keine Lust, sich lächerlich zu machen. Nicht jetzt. Er starrte in die Nacht hinaus und legte sich nach ein paar Minuten wieder hin. Diesmal kam der Schlaf rascher.
Der nächste Tag verstrich viel zu schnell. Huma hatte beabsichtigt, sich zumindest so lange von den anderen Rittern fernzuhalten, bis die Kommandofrage gelöst war. Zuviel hatte er erlebt, und er hielt sich in dieser Frage nicht mehr für neutral. Was er sagte, würde zweifellos auf Fürst Oswal abzielen, der immer zu ihm gehalten hatte. Sogar Rennard konnte beeinflußt werden.
Doch zwei Stunden vor dem Treffen des Ritterrats ließ Fürst Oswal Huma holen. Der Ritter der Rose, der die Nachricht brachte, betrachtete Huma mit großer Neugier, stellte jedoch aus Loyalität zum Obersten Kommandanten keine Fragen.
Auf dem Weg zu Fürst Oswals Räumen traf Huma genau den Menschen, den er hatte meiden wollen.
»Mir wurde berichtet, daß du noch lebst. Ich hatte jedoch meine Zweifel, bis ich dich eben sah.«
Bennett war standesgemäß gekleidet und trug einen purpurfarbenen Umhang, der die Abzeichen der Ritterschaft und der Güter seiner Familie zeigte. Quer über seinen Brustpanzer verlief eine schwarze Schmarre. Selbst jetzt, wo es immer noch nieselte und die Nacht kurz bevorstand, schien er zu strahlen. Trotz allem war Bennett der Sohn seines Vaters. Die habichtartigen Züge waren das getreue Abbild des älteren Ritters.
»Verzeiht mir, Fürst Bennett.« Die Besitztümer der Familie waren von Oswal und Trake zu gleichen Teilen verwaltet worden, bis der letztere zum Großmeister aufgestiegen war. Als Trakes Erbe stand dieser Titel jetzt Bennett zu. Da Oswal keine eigenen Nachkommen hatte, würden die Güter eines Tages nur noch einem Mann unterstehen. »Ich wollte Euch schon früher mein Beileid aussprechen – «
»Verkauf mich nicht für dumm, Ziegenhirte«, fiel ihm Bennett ins Wort. »Du hast mich gemieden, weil wir immer Feinde waren. Ich glaube immer noch nicht, daß du zu uns gehören solltest, aber mein eigenes, gutes Herz hat deinen Rausschmiß jetzt praktisch unmöglich gemacht. Wie konnte ich wissen, als ich dich pries – meiner Meinung nach im Gedenken –, daß du wiederkommen würdest?«
Humas gesamter Körper versteifte sich, doch er wollte sich auf keinen Fall von Bennett provozieren lassen. Er war fest davon überzeugt, daß viel von seinem Zorn dem plötzlichen Tod seines Vaters zuzuschreiben war.
»Ich bin nie Euer Feind gewesen, mein Fürst. Ich habe Euch vielmehr immer bewundert, obwohl Ihr gegen meine Aufnahme gesprochen habt.« Bennetts Gesicht verriet bei Humas Worten tatsächlich einige Überraschung. »Euer Verhalten, Eure Kampfkunst, Eure Fähigkeit, selbst unter widrigsten Umständen das Kommando zu führen – Ihr seid mein Vorbild, das ich vielleicht nie erreiche. Ich bitte nur darum, meine Pflicht tun zu dürfen.«
Bennetts Mund ging wieder zu. Er schaute Huma kurz an, um dann zu murmeln: »Vielleicht.«
»Vielleicht?« Huma zog eine Augenbraue hoch. »Was soll das heißen?«
Der junge Fürst von Baxtrey jedoch hatte sich bereits abgewendet. Huma konnte ihm nur hinterhersehen, wie er in der Burg verschwand.
Also setzte Huma seinen Weg zu Fürst Oswal fort.
Dort traf er auf Rennard. Huma unterbrach die beiden beim Kartenlesen. Fürst Oswal zeigte gerade auf einen Punkt im Norden. Als Huma eingelassen wurde, sahen sie auf, und der Oberste Kommandant lächelte kurz. Rennard nickte nur.
Fürst Oswal rollte die Karte zusammen. »Warst du nicht in den Quartieren der Krone?«
»Doch. Ich hatte unterwegs leider eine kleine Auseinandersetzung mit Eurem Neffen, mein Fürst.«
Der ältere Ritter schüttelte den Kopf. Er wirkte viel erschöpfter als letzte Nacht. »Ja, ja. Achte nicht auf ihn, Huma. Er ist durcheinander, weil du offenbar von den Toten zurückgekehrt bist.«
»Er haßt mich noch immer.«
»Dann ist er ein Narr«, warf Rennard unvermittelt ein. »Du hast bewiesen, daß du zehnmal mehr ein Ritter bist als er.«
»Vielen Dank, auch wenn ich das nicht finde.«
»Dann bist auch du ein Narr.«
Fürst Oswal mischte sich ein. »Das letzte, was wir brauchen, ist Zwietracht untereinander.« Der Oberste Kommandant legte die Hand an die Stirn, wobei er fast eine brennende Kerze umgestoßen hätte. Huma wollte ihn stützen, doch Oswal winkte ab. »Es geht mir gut. Hab’ wohl heute nacht nicht genug geschlafen. Genau die falsche Nacht für Schlaflosigkeit, möchte man meinen.«
»Werdet Ihr das Treffen des Rates durchstehen können?« fragte Rennard.
»Mir bleibt keine andere Wahl. Vielleicht ist das nur meine persönliche Meinung, aber wenn mein Neffe – der ohne Zweifel glaubt, daß er nur das Beste tut – irgendeinen Einfluß auf den nächsten Großmeister hat, werden wir in den Untergang rennen.«
Dieses deutliche Urteil des Obersten Kommandanten bezüglich seines Neffen überraschte Huma. Er hatte gewußt, daß die beiden sich nicht verstanden, aber das… »Warum?«
»Wie so viele von uns ist Bennett zu sehr den Legenden der Ritterschaft verhaftet. Er ist der Typ von Anführer, der jeden verfügbaren Ritter von Burg Vingaard in einem einzigen, heldenhaften Ausfall hinausschicken würde, bei dem alle umkommen würden.«
»Würde er das?« Huma zweifelte. Selbst angesichts der Finsternis war ihm Bennett berechnend und im Vollbesitz seiner Sinne erschienen.
»Er würde. Du hast Bennett noch nie in einem Kriegsrat erlebt; er ist für Blitzangriffe oder vernichtende Wellen, nie für solide, langfristige Strategien. Seit Trakes Tod ist er, glaube ich, mehr denn je dazu entschlossen, etwas Bedeutendes zu tun – um das Andenken seines Vaters zu ehren.«
»Huma wird das vielleicht kaum glauben können, aber ich kenne Bennett schon länger. Ich würde dem beipflichten«, ergänzte Rennard.
Fürst Oswal sah zu Huma hoch. »Noch etwas. Er würde dir nie deine Geschichte über Zauberschwerter, gefangene Drachen und göttliche Prüfungen abnehmen, die den Schlüssel zum Sieg halten. Ich schon. Nenn es Glauben an Paladin, aber ich tue es.«
Der alte Ritter beugte sich plötzlich vor und preßte eine Hand gegen seinen Kopf.
»Ruhe. Ich brauche etwas Ruhe«, stammelte Oswal.