Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Hilf mir, Huma.«
Gemeinsam geleiteten die beiden Ritter den Obersten Kommandanten zu seinem Bett. Während sie ihm halfen, sich hinzulegen, faßte Fürst Oswal nach Rennard. »Du bist dafür verantwortlich, daß ich rechtzeitig zur Ratssitzung wieder wach bin. Hast du verstanden?«
Das blasse Gesicht wendete sich Huma zu, dann wieder dem Obersten Kommandanten. Mit gewohnt ausdruckslosem Gesicht antwortete Rennard: »Natürlich. Das wißt Ihr doch.«
»Gut.« Fürst Oswal schlief fast augenblicklich ein. Die beiden Ritter gingen leise davon. Als sie mit dem Rücken zur Tür standen, wandte Rennard sich an Huma.
»Er will dich im Ritterrat dabei haben.«
»Was ist mit ihm?« Huma fürchtete um Oswals Wohlergehen.
»Er wird dort sein. Ich habe versprochen, mich um ihn zu kümmern.« Rennard lächelte sogar ein wenig. »Ich habe alles in der Hand. Du wirst schon sehen.«
Huma sorgte dafür, daß er als erster da war.
Nicht jede Sitzung des Ritterrats war öffentlich. Bei den meisten waren nur die regierenden Ritter und die Personen zugelassen, die etwas mit einzelnen Punkten der Tagesordnung zu tun hatten. Es gab auch einen vorgeschriebenen Ablauf, dessen Schritte unter normalen Bedingungen eingehalten wurden. Der Kommandostab fand jedoch, daß die Wahl eines neuen Großmeisters etwas war, das jeden anging, und obwohl nicht alle in den Saal paßten, würde die Ritterschaft als Ganzes gut vertreten sein.
Die Meister des Ordens der Krone und des Schwertes hatten bereits Platz genommen. Arak Falkenauge zupfte an seinem winzigen Ziegenbärtchen und starrte seinen Kollegen vom Schwert arrogant an. Den Mann neben Fürst Falkenauge kannte Huma nicht. Es war nicht derselbe Ritter, der den Orden des Schwertes in den letzten vier Jahren geführt hatte. Der letzte Befehlshaber war an der Ostfront gefallen, und sein Nachfolger war als Notbehelf auf dem Schlachtfeld gewählt worden. Das kantige Gesicht des Ritters erinnerte Huma mehr an eine Statue als an einen Menschen. Sein Bart war lang und gut gestutzt, die Augen unter den dicken, buschigen Brauen fast unsichtbar. Als Bennett eintrat, wurde klar, wer in Wirklichkeit die Macht im Orden des Schwertes innehatte, denn die anderen nahmen Haltung an.
Irgendwann war der Saal voll, und das Warten begann. Nur noch zwei maßgebliche Männer fehlten: Rennard und Fürst Oswal. Der Ritterrat wartete geduldig, während sich seine Mitglieder pausenlos untereinander berieten. Schließlich marschierte Bennett herrisch zu Fürst Falkenauge hinüber und redet mit ihm, nicht ohne eine gewisse Schärfe in der Stimme. Falkenauge antwortete im gleichen Tonfall, und der Streit ging minutenlang hin und her. Leider sprachen sie nicht laut, so daß Huma nur raten konnte, was zwischen ihnen vorgegangen war.
Da kam Rennard atemlos hereingerannt. Auf seinem Gesicht lag ein gehetzter Ausdruck. Daß der normalerweise gelassene Ritter so aufgewühlt erschien, war Anlaß genug für mehr als einen, in Erwartung schlechter Neuigkeiten aufzustehen.
Rennard flüsterte Fürst Falkenauge eilig etwas zu. Bennett und die anderen Ratsmitglieder hörten so gut wie möglich mit. Bennetts Gesicht wurde weiß, und er mußte sich an einem Stuhl festhalten. Arak Falkenauge erhob sich, um sich an die plötzlich besorgte Menge zu wenden.
»Unsere Versammlung wird bis auf weiteres vertagt. Ich bedaure, den Anwesenden mitteilen zu müssen, daß Fürst Oswal von Baxtrey, Oberster Kommandant und Meister des Ordens der Rose erkrankt ist – an derselben Krankheit, der der Großmeister erlegen ist.«
»Die Burg steht unter Quarantäne. Fürst Oswal wird die Nacht wahrscheinlich nicht überleben.«
Rennard bebte immer noch.
»Ich kam, um ihn zu wecken, wie er es gewünscht hatte, und fand ihn zitternd und bewußtlos im Bett vor, obwohl er unter zwei oder drei Decken lag. Ich habe ihn versorgt, so gut ich konnte, und dann einen Kleriker geholt.«
Huma hatte ihn noch nie im Zustand solcher Aufregung erlebt. Es war fast, als erlebte der blasse Ritter seine eigene Begegnung mit der Seuche noch einmal.
»Was hat der Kleriker gemacht?«
»Wenig. Die Krankheit hat ihn entsetzt. Wahrscheinlich ein weiteres Geschenk der Königin, verdammt soll sie sein.«
»Kann man denn überhaupt nichts tun?« Huma fühlte sich plötzlich schwach. Fürst Oswal war sein Lehrer, sein Freund, fast ein Vater für ihn. Er durfte nicht sterben!
»Wir können nur warten und beten.« Lag da ein Hauch von Spott in Rennards Stimme? Huma konnte es ihm kaum verübeln. Er fühlte sich selbst so ohnmächtig. Die Drachenkönigin, Crynus und der verräterische Zauberer Galan Drakos würden sich über ihr Los kaputtlachen, nahm er an.
»Huma.« Rennard legte ihm die Hand auf die Schulter. Sein blasses Gesicht wirkte noch immer erschöpft. Wieviel Rennard für Oswal empfunden hatte! »Leg dich eine Weile hin.«
Sie standen im Vorraum des Paladintempels der Burg, wohin man den Obersten Kommandanten in der Hoffnung getragen hatte, daß die Götter seine Genesung günstig beeinflussen würden. Im Moment waren die Kleriker, die den alten Ritter behandelten, ratlos. Manchmal dachten sie, sie hatten die Krankheit besiegt, doch im nächsten Moment kam sie stärker zurück als zuvor. Die Zeit wurde knapp. Fürst Oswals Körper konnte nicht mehr viele schwere Erschütterungen seiner Gesundheit aushalten.
Rennard lächelte dünn. »Ich verspreche dir, dich zu wecken, wenn es etwas Neues gibt.«
Trotz seiner guten Vorsätze wurde Huma auf einmal schläfrig, als hätte ihn die bloße Erwähnung von Schlaf müde gemacht. Er nickte Rennard zu und stand auf.
»Du weckst mich aber wirklich.«
»Das hatte ich Fürst Oswal auch versprochen«, erwiderte Rennard bitter.
Als Huma ging, konnte er immer noch Bennetts Stimme aus dem Nebenraum hören, wo die Kleriker sich berieten. Bennett schien sein Onkel fast ebenso wichtig zu sein wie sein Vater. Bei der Nachricht von der Erkrankung des Obersten Kommandanten war es Bennett gewesen, der eine Panik verhindert, die vorläufige Quarantäne angeordnet und die Verlegung des kranken Edelmanns in den Tempel veranlaßt hatte. Jetzt widmete er sich abwechselnd dem Gebet für seinen Onkel und dem Streit mit den Klerikern, die seiner Meinung nach zu langsam reagierten.
Und der Krieg? Es sah aus, als hätten die, die hinter den Mauern der Burg hockten, ihn völlig vergessen. Auf dem Weg zu seinem Bett nagte dieser Gedanke unablässig an Huma.
Er wachte auf. Sein Verstand war sofort hellwach. Fürst Oswal war sein erster Gedanke, und Huma rechnete sofort mit dem Schlimmsten. Die anderen schliefen weiter, weil sie den täglichen Verlust kostbarer Leben anscheinend mehr gewohnt waren.
Huma schlich sich in die Nacht hinaus und sah sich um. Im schwachen Fackelschein konnte er aufmerksame Posten auf den Mauern erkennen, während andere den Hof kontrollierten. Vor der Tür zum Quartier des Obersten Kommandanten standen noch Wachen. Das war ein gutes Zeichen.
Da er nicht weiter schlafen konnte, beschloß Huma, in den Tempel zurückzukehren. Es überraschte ihn nicht, daß Rennard nicht zu ihm gekommen war; der blasse Ritter wollte offenbar die ganz Zeit über wach bleiben, wenn das möglich war.
Der Regen hatte immer noch nicht nachgelassen, und der Hof hatte sich in eine einzige Schlammpfütze verwandelt.
Der Paladintempel wirkte düster, als er näher kam. Niemand stand Wache, was ihn nicht überraschte. Doch als er die Stufen hoch kam und an die Tempeltore klopfen wollte, bemerkte er, daß eine etwas offen stand. Nachdem er sie aufgedrückt hatte, stellte er fest, daß auch der Hauptgang dunkel war. Er wußte, daß das nicht so sein sollte. Hier hätte ein Posten oder zumindest ein Kleriker sein müssen.
Plötzlich stand Huma vor einem Ritter der Rose, der als Ehrengarde und Leibwache für den kranken Obersten Kommandanten eingeteilt war. Der Ritter stand mit strengem Blick an der Tür, so daß Huma fast salutiert hätte, ehe er merkte, daß der Mann nicht ohne einen guten Grund in der Dunkelheit stehen würde. Vorsichtig schlich sich Huma über den Marmorboden und blieb erst unmittelbar vor dem Wächter stehen.