Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Danke für alles, was du getan hast.«
Aus Unsicherheit, wie er reagieren sollte, nahm Huma einfach die Hand und drückte sie. »Es ist mir nicht gelungen, den Mörder deines Vaters zu erwischen.«
Bennett zwang sein Gesicht zu einer unbeweglichen Miene. Huma wußte, daß der andere Ritter sehr befangen war. »Du hast ihn entlarvt. Du hast meinen Onkel gerettet. Sogar – sogar den gemeinen Verräter aufgehalten, was ich nie geschafft hätte.«
Der Ritter mit dem Habichtgesicht salutierte rasch, um dann zu verschwinden. Huma sah ihm nach, und ein leises Lächeln spielte um seine Lippen, bevor auch er sich umdrehte und ging, um vielleicht eine Spur von Rennard zu entdecken.
Es überraschte niemanden, daß zwei Tage später Fürst Oswal der neue Großmeister wurde. Er hatte sich vor dieser Entscheidung isoliert und nur mit den Ratsmitgliedern gesprochen. Jede mögliche Gegnerschaft seitens Bennett war verschwunden; statt dessen ersuchte der Neffe des neuen Großmeisters darum, in den Orden der Rose aufsteigen zu dürfen. Mit aller Wahrscheinlichkeit würde er zugelassen werden. Es war auch wahrscheinlich, daß er schon bald selbst die Abzeichen des Obersten Kommandanten tragen würde.
Huma kämpfte die zwei Tage darum, vorgelassen zu werden. Als ihm schließlich eine Audienz mit Fürst Oswal gewährt wurde, zitterte Huma sichtlich. Für ihn war der Großmeister jemand, der fast so verehrungswürdig war wie Paladin, denn er war schließlich die lebende Verkörperung aller Bestrebungen des Triumvirats.
Als Huma demütig so da kniete, drang ein seltsames Geräusch in seine Ohren, und er wagte es aufzublicken. Flankiert von einer eindrucksvollen Ehrengarde aus Veteranen der drei Orden saß der Großmeister lachend auf seinem Thron.
»Steh auf, Huma. Du brauchst mir deine Aufwartung nicht zu machen. Nicht jetzt.«
Huma erhob sich und kam näher. »Großmeister – «
Ein Seufzer. »Wenn du schon förmlich sein mußt, dann sag Fürst Oswal. Ich bin nicht so eingebildet wie mein Bruder – noch nicht.«
»Fürst Oswal, bevor ich anfange, erzählt mir von Durak von Eldor.«
»Durak? Ich kannte zwei oder drei dieses Namens. Eldor… Ich weiß nicht – «
»Bitte. Ihr wißt, wen ich meine. Rennards Bruder. Mein – Vater.«
Der neue Großmeister starrte ihn mit offenem Mund an. »Vater? Durak? Dann ist Rennard – «
»Mein Onkel.« Huma zwang sich, das bittere Wort auszusprechen.
»Paladin!« Fürst Oswals Stimme war nur noch ein Flüsterton. »Huma, das tut mir wirklich leid.«
»Sir. Mein Vater?«
Der Großmeister wischte sich etwas aus dem Auge. »Es tut mir leid, Huma. Ich wünschte, ich könnte dir alles erzählen, aber ich kann mich nicht an viel erinnern. Durak war ein guter Ritter, wenn auch etwas übereifrig. Er kämpfte hervorragend, ein geborener Krieger, der neue Waffen so leicht erlernte, wie ich ein Messer nehme. Ich weiß noch, daß er viel Zeit im Westen verbrachte, aber mir war nie klar, daß er dort eine Familie hatte. Ich erinnere mich jedoch daran«, sagte Oswal, wobei er sich übers Kinn strich, »daß er uns etwas zurief, als wir ihn und die anderen am Paß zurückließen. Jetzt verstehe ich, was er meinte. Als er sagte ›Paß auf sie auf‹, dachte ich, er meinte die Männer. Wie dumm! Er meinte seine Familie, und nur Rennard wußte das.«
Der Großmeister wußte darüber hinaus wenig zu erzählen, was Huma enttäuschte, obwohl er es nicht zeigte. Es war Oswal, der die lastende Stille brach, indem er sagte: »Du hast meine Erlaubnis, nach Ergod zu deinen Bergen aufzubrechen. Wie viele Ritter sollen dich begleiten?«
»Keiner.«
»Keiner?« Der Großmeister lehnte sich nach vorn. »Wie du selbst erwähnt hast, geht es um eine Sache von äußerster Tragweite. Ich will, daß du erfolgreich bist. Paladin hat geruht, uns diese Chance zu geben, und ich werde dich keinen unnötigen Risiken aussetzen.«
»Was Paladin will, kann nur ich allein erfüllen«, entgegnete Huma. »Das weiß ich jetzt. Ich kann es nicht erklären. Ich fühle einfach, daß es so ist.«
Oswal lehnte sich seufzend zurück. »Du sprichst mit tiefer Überzeugung. Mein Kopf sagt, daß du einen Fehler machst, aber mein Herz hört dir zu. Ich glaube, ich werde in dieser Sache meinem Herzen folgen, denn dort beginnt der Glaube.«
»Danke, mein Fürst.«
Fürst Oswal stand auf. Huma folgte seinem Beispiel. Der Großmeister legte Huma die Hände auf die Schultern. »Ganz gleich, woher du stammst und wer deine Eltern waren: Ich werde dich immer als meinen Sohn ansehen.«
Sie umarmten einander kurz, bis Oswal losließ. »Geh. Raus, bevor ich noch sentimentaler werde, als ich schon bin.«
Es waren nur wenige Ritter im Hof, als Huma fortritt. So hatte er es sich gewünscht. Es würde die Abreise zumindest für ihn leichter machen. Ein Teil von ihm kam sich vor, als würde er davonlaufen. Er hätte in Burg Vingaard bleiben sollen, bis Rennard gefunden und bestraft war. Doch Huma wollte nicht mehr an der Hetzjagd nach dem flüchtigen Ritter teilhaben. Er hatte Rennard viel zu lange gekannt, um ihre Freundschaft einfach zu vergessen.
Eine Gestalt nahm er auf der Mauer wahr. Bennett stand hinter den Zinnen und ließ seinen Blick schweifen. Der Neffe des Großmeisters suchte immer noch nach dem Mörder seines Vaters. Die Durchsuchung von Rennards Sachen hatte alte Pläne der Burg zutage gefördert, die man längst verloren geglaubt hatte. Sie zeigten auch zwei Gänge im Tempel, von denen nicht einmal die Kleriker gewußt hatten.
Der strenge Bennett wendete seinen Blick von den Ländereien um Vingaard ab und entdeckte Huma. Er nickte langsam, dann drehte er sich wieder um. Das war alles.
Humas Weg führte ihn durch ein weiteres, halbverfallenes Dorf. Er war eine Stunde geritten. Zweimal hatte Huma Ritterpatrouillen getroffen und hatte beiden erzählt, daß in Burg Vingaard vergeblich nach dem verräterischen Rennard gesucht wurde.
Die Bewohner dieses speziellen Dorfes sahen den einsamen Ritter mit anderen Augen an als in den Dörfern davor. In jeder ihrer Bewegungen lag Spannung und große Angst, als ob sie erwarteten, daß die Drachenkönigin jeden Moment persönlich vom Himmel herabstürzen würde. Langsam begannen sie Huma und sein Pferd einzukreisen.
Das Streitroß verlangsamte nervös seinen Schritt und schnaubte, als es die möglichen Feinde anstarrte. Huma straffte die Zügel, um das Tier wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er wollte nicht das Blut unschuldiger Bauern an den Händen haben.
Bald konnte das Pferd nicht mehr weiter, so eng hatte die kleine Menge es umschlossen. Huma begann die ängstlich gestammelten Fragen zu verstehen, die sich um die Ereignisse in der Burg drehten.
Eine schmierige, knochige Hand berührte sein rechtes Bein. Eine belegte Stimme fragte: »Ist es wahr? Hat man den Großmeister umgebracht? Sind wir nicht mehr sicher?«
»Ich habe gehört, daß der Rat sich ergeben will!« rief eine Stimme, die der Ritter nicht zuordnen konnte.
Dieser Ausruf verstärkte die Besorgnis der Dorfbewohner. Sie drängten noch näher heran, ohne auf die Gefahr zu achten, die die Hufe des trainierten Streitrosses für sie darstellten. Huma versuchte, sie wegzuscheuchen.
»Beiseite! Laßt mich durch! Sonst wird das Pferd euch noch verletzen!«
»Er flieht!« keifte dieselbe Stimme. »Die Ritter sind verloren!«
»Wir sind alle verloren!« heulte eine alte Frau. Sie wurde ohnmächtig und verlor sich zwischen den drängenden Körpern.
»Ihr könnt uns nicht im Stich lassen!«
»Du versuchst, deine eigene Haut zu retten!«
»Zurück!« Zornige und verwirrte Gesichter zogen an Huma vorbei. Hände griffen nach ihm. Das Pferd keilte aus und bäumte sich auf. Diejenigen vor seinem Pferd kamen wieder zur Vernunft und wollten weglaufen. Doch die hinter ihnen drängten weiter vor.
Ein älterer Mann fiel hin. Es gelang dem Ritter, sein Pferd zu beruhigen. Dann versuchte er, sich einen Weg zu bahnen, damit er dem Alten helfen konnte.